Ermutigung zum Putsch – fiktional u. real

Frog1(Joakim Zander, Der Bruder, Aus dem Schwedischen von Ursel Allenstein u. Nina Hoyer, Reinbek, 2016)

(Markus Reinkowski, «Der gescheiterte Putsch ist ein grosses Geschenk für Erdogan», Interviewed von Lea Hartmann, BLICK online, 16.7.2016, aktual. 19.7.2016)

(Udo Steinbach, «Jedes Mittel ist ihm recht, um Macht zu erhalten», Interviewed von Anna Trechsel, NZZ am Sonntag online, 16.7.2016)

Dieser Thriller sei jedem empfohlen, der in die Psychologie der Geheimdienste, der Radikalisierung einzelner und der Unterwanderung von Individuen und Gruppen (man denke z.B. an den NSU…) ein klein wenig, fiktional eintauchen möchte…

Die entscheidenden Stellen finden sich (wie meist) zum Schluss:

„Wenn sie [Klara] in den Medien gelesen hätte, dass die Säpo zusammen mit dem amerikanischen Geheimdienst eine Dschihadisten-Gruppe infiltriert hatte und dadurch ein IS-Führer unschädlich gemacht worden war, wie hätte sie wohl darauf reagiert? Vielleicht hätte sie die Augenbrauen hochgezogen, es jedoch für eine gelungene geheimdienstliche Operation gehalten. Nun aber, nachdem Yasmine diese traurige Geschichte von ihrem kleinen Bruder und ihrer Kindheit berichtet hatte, konnte sie nur Abscheu für das Handeln der Säpo empfinden. Waren sie wirklich so rücksichtslos, [eigene] schwedische Staatsangehörige zu rekrutieren und für ihre eigenen Zwecke zu opfern?“ (399)

Ja, warum denn nicht?? Der gute Zweck heiligt doch jedes Mittel — besonders im Nachhinein, so die Tat erfolgreich war: Ein Geschenk Gottes gar. Zynismus pur.

Dass Erdoğan in das gestrige Nachtereignis selbst involviert war, ist unwahrscheinlich. Das hat er zudem auch gar nicht nötig. Das Geschäft, ein paar ohnehin gewaltverliebte, zum Widerstand entschlossene, aber ihren eigenen Ansprüchen nach (noch zu) machtlose Militär-„Machos“ aufzustacheln, ein entsprechendes Umfeld zu schaffen, damit die ein Pütschchen wagen, das erledig(t)en andere… Wozu sonst gibt es denn (Militär-)Geheimdienste??

Markus Reinkowski:

„Durchaus möglich ist hingegen, dass die Regierung schon ein oder zwei Tage im Voraus von den Plänen der Umstürzler wusste und den Putschversuch bewusst ins Leere laufen liess.“

Udo Steinbach erinnert (sich) an den ersten Militärputsch:

„Auch damals, 1960, war es nicht die Armeeführung, die sich erhob. Vielmehr ging der Aufstand von jungen Offizieren, niedrigeren Rängen aus.“

Doch trotz best practice Anschauungsunterrichts (an der Militärakademie) war den Nachfolgern kein Erfolg beschieden.

Ob die nach Griechenland geflüchteten 8 Putschdilettanten wohl plaudern werden?? Das wär‘ doch nett…

Frog4

 

 

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