Vanessa Springora enttart Gabriel Matzneff als pädophil

Vanessa Springora, Die Einwilligung. Aus dem Französischen übersetzt von Anna van Laak. München, 2020

Michel Houellebecq, Unterwerfung. Aus dem Französischen von Norma Cassau und Bernd Wilczek. Köln, 32015

Prophet Mohammed darf laut EGMR nicht pädophil genannt werden, Der Standard online, 25.10.2018

In Die Einwilligung berichtet Vanessa Springora über ihr Liebesverhältnis zu dem in Frankreich gefeierten Schriftsteller Gabriel Matzneff. 1986 lernte sie ihn kennen. (132)

„Ich war dreizehn, als ich G. begegnet bin. Ich war vierzehn, als wir ein Verhältnis begannen“. (106)

Matzneff ist mehr als 30 Jahre älter als Springora.

„Ich bin vor Kurzem vierzehn geworden. Er wird bald fünfzig. Na und?“ (39)

Im Nachhinein sieht sie folgende Bedingungen ihrer Biografie dafür an, zu Matzneffs Beute geworden zu sein.

„Ein abwesender, unerreichbarer [die Mutter prügelnder] Vater, [von dem sich Mutter schließlich trennte,] der eine unergründliche Leere in meinem Leben hinterlassen hat. Ein ausgeprägter Hang zum Lesen. Eine gewisse sexuelle Frühreife. Und vor allem ein ungeheures Bedürfnis, gesehen zu werden.

Alle Bedingungen sind nun erfüllt.“ (31)

Detailliert beschreibt Springora sodann, wie zielstrebig und hartnäckig sich Matzneff abmühte, sie zu (einer) seiner zahlreichen Geliebten zu machen, wie geschmeichelt sie sich fühlte und wie willig sie auf seine Avancen einging.

„Sobald ich angebissen habe, verliert G. keine Minute mehr. Er lauert mir auf der Straße auf, überwacht mein Viertel und versucht, eine zufällige Begegnung herbeizuführen, die nicht lange auf sich warten lässt. Wir tauschen ein paar Worte aus, und danach bin ich total verknallt.“ (39)

Wider die herrschende Meinung der Normalos und das französische Strafgesetz plädierten viele Linke in Frankreich in den siebziger Jahren für die Legalisierung von Sex mit Minderjährigen. Auch Springoras Mutter akzeptierte letztlich das Sex-Verhältnis ihrer minderjährigen Tochter.

„Tatsächlich verteidigte eine große Zahl von linken Journalisten und Intellektuellen zehn Jahre vor meiner Begegnung mit G., gegen Ende der Siebzigerjahre, öffentlich Erwachsene, die wegen »verbotener« Beziehungen zu Minderjährigen angeklagt wurden. 1977 publizierte Le Monde einen offenen Brief, der sich für die Legalisierung von sexuellen Beziehungen zwischen Minderjährigen und Erwachsenen aussprach. Er trug den Titel »Aus Anlass eines Prozesses…« und wurde von prominenten und renommierten Intellektuellen, Psychoanalytikern und Philosophen, von Schriftstellern auf der Höhe ihres Ruhmes, überwiegend Linken, unterschrieben. Man findet darunter unter anderem die Namen Roland Barthes, Gilles Deleuze, Simone de Beauvoir, Jean-Paul Sartre, André Glucksmann, Louis Aragon … In diesem Schreiben protestierten sie gegen die Inhaftierung von drei Männern, gegen die ein Prozess eröffnet werden sollte, weil sie sich an Minderjährigen im Alter von dreizehn bzw. vierzehn Jahren vergangen und diese dabei noch fotografiert hatten. […] Auch G. M. hat diese Petition unterzeichnet. Erst im Jahr 2013 enthüllt er, dass er der Initiator war (er war sogar der Verfasser) und dass er damals auf der Suche nach Unterzeichnern nur sehr wenige Absagen bekam […]

Ebenfalls 1977 veröffentlichte Le Monde eine weitere Petition unter der Überschrift »Appell für eine Überarbeitung des Strafrechts in Hinblick auf die Beziehungen zwischen Minderjährigen und Erwachsenen«, die noch mehr Zustimmung fand […]

Zwei Jahre später erschien eine weitere Petition, diesmal in Libération, zur Unterstützung eines gewissen Gérard R., der beschuldigt wurde, mit mehreren Mädchen zwischen sechs und zwölf Jahren zusammenzuleben; auch sie wurde von bedeutenden Persönlichkeiten der literarischen Welt unterzeichnet.“ (52 ff; im Original kein Fettdruck)

Was diese amourösen Abenteuer für die betroffenen Minderjährigen, die Opfer, bedeute(t)en, wurde ausgeblendet. Die Opfersicht interessierte nicht. Dies zu ändern, war/ist das Anliegen zur Abfassung von Springoras Buch. Durch seine Veröffentlichung erhofft(e) sie sich, dass ihr Fall neu bewertet wird. Detailliert führt sie daher aus, welche Mühen es sie kostete, sich aus ihrer Abhängigkeit zu Matzneff zu befreien und auf wie wenig Verständnis sie dabei stieß. Sowohl ihre Mutter als auch Matzneffs Freunde nahmen einseitig Partei für ihn und gegen sie.

„Als ich meiner Mutter verkündete, dass ich G. verlassen habe, ist sie zuerst sprachlos, dann ruft sie aus: »Der Arme, bist du dir sicher? Er vergöttert dich!«“ (126)

Ausführlich geht Springora auf ein Gespräch mit Emil Cioran ein, das sie mit ihm führte, kurz nachdem sie Matzneff verlassen hatte. Bei ihrem spontanen Besuch bei den Ciorans ergab sich folgender Dialog:

„»Emil, ich kann nicht mehr«, stoße ich schließlich zwischen zwei Schluchzern hervor. »Er sagt, ich sei verrückt, und das werde ich auch bestimmt noch, wenn er so weitermacht. Seine Lügen, seine Abwesenheit, diese Mädchen, die pausenlos an seine Tür klopfen und sogar vor dem Hotelzimmer lauern, in dem ich mich wie eine Gefangene fühle. Ich habe niemanden mehr, mit dem ich reden kann. Er hat mich meinen Freunden und meiner Familie entfremdet …«

»V.«, unterbricht er mich in ernstem Tonfall, »G. ist ein Künstler, ein sehr großer Schriftsteller, eines Tages wird die Welt das erkennen. Oder auch nicht, wer weiß? Sie lieben ihn, dann müssen sie seine Persönlichkeit akzeptieren. G. wird sich niemals ändern. Er hat Ihnen eine ungeheure Ehre erwiesen, indem er sie auserwählt hat. Ihre Aufgabe ist es, ihn auf seinem schöpferischen Weg zu begleiten, und auch, sich seinen Launen zu beugen. Ich weiß, dass er sie vergöttert. Aber die Frauen verstehen oft nicht, was ein Künstler braucht. […]«

»Aber, Emil, er belügt mich permanent.«

»Die Lüge ist Literatur, liebe Freundin! Wussten Sie das nicht?« (118)

Das ist es also, was sich aufgeklärte, linke männliche Intellektuelle von ihren Frauen erwarten und was diese bereit sind, ihnen zu geben: Unterwerfung und Selbstaufopferung.

Diese Art Weltanschauung kennen wir auch aus Deutschland. Zur Zeit ihrer Gründung als Partei gab es auch bei den Grünen eine Sammlung Pädophiler und Pädophilenversteher, die vehement dafür warben, Sex mit Minderjährigen zu legalisieren.

Während es Springora in Frankreich schaffte, Matzneff als Kinderficker zu enttarnen, bleiben die literarischen Ergüsse des Super-Intellektuellen Cohn-Bendit weiterhin un-hinterfragt und ggf. ungesühnt. Er wird nach wie vor von anderen Linken als politisch Weiser vergöttert.

Auffällig ist zudem, wie vehement sich Linke für die Aufnahme von Flüchtlingen einsetzen. Ob das vielleicht damit zu tun hat, dass die ach so süßen Flüchtlinge fast ausnahmslos (radikal) islamistisch sozialisiert wurden/sind und Kinderficken toll finden? Schließlich hatte ja schon Mohammed höchstes Vergnügen an seiner minderjährigen Aisha. Sagen darf man das freilich nicht. Denn Kinderficker Mohamed ist ein Prophet, und als solcher steht er selbstredend über dem europäischen Recht. So entschied denn der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) noch in 2018, dass die Verurteilung einer Frau vor dem Wiener Landgericht, „die dem islamischen Propheten Mohammed pädophile Neigungen vorwarf“, zu Recht erfolgte. Übrigens: Aisha soll Mohammed vergöttert haben, so berichten jedenfalls die alten Säcke, die sich nach Mohammeds Tod als dessen Biografen versuchten.

Sind nun erst mal möglichst viele ach so süße rechtgläubige Flüchtlinge bei uns, wird Kinderficken wieder opportun. Darauf hoffen wohl die Pädophilen(versteher) unter den Linken. Literarisch schönen Anschauungsunterricht bietet Michel Houellebecq in seinem Roman Unterwerfung. Der sexsüchtige Protagonist des Romans erhält eine Einladung zum neuen Präsidenten der Sorbonne, die zwischenzeitlich – nach Bildung einer Regierung der nationalen Einheit – von den Saudis finanziert wird. Im Haus des Präsidenten lernt er dessen „neue Ehefrau“ kennen, die – welch Zufall – Aisha heißt und „gerade fünfzehn geworden“ ist. (217)

Welch paradiesische Aussicht. Allahu akbar!

Nachtrag: Erst am 3. Juli berichtete Kulturzeit und ließ dabei die Autorin zu Wort kommen – freilich ohne Rekurs auf deutsche Verhältnisse…

Kulturzeit feiert Christian Martys Lobpreisung der Idiotie

Cécile Schortmann im Gespräch mit Christian Marty über Narren in der Gegenwart, Kulturzeit, 5.6.2020

Hans Blumenberg, Das Lachen der Thrakerin. Eine Urgeschichte der Theorie, Frankfurt am Main 1987

Platon, Θεαίτητος

I

Die Verkündung:

„Kulturzeit-Gespräch mit Ideenhistoriker Christian Marty über die Rolle des Idioten und seine Übertragbarkeit und Bedeutung in der heutige Zeit.“

Wir gratulieren zu dem herrlichen Deutsch in obigem Satz.

II

Zur Begründung:

Auf die Frage: „Was macht für dich Kulturzeit aus“ antwortet Moderatorin Cécile Schortmann:

„… dass sie immer wieder Anspruch zeigt, dass sie Ansporn ist, die Auseinandersetzung geradezu fordert, dabei aber überhaupt nicht trocken ist, sondern immer wieder Lust macht auf Kultur und ihre verschiedenen Bereiche.“

Mittelmaß feiert Mittelmaß.

Das macht Lust! Also feiert die Kulturzeit denn (auch) Christian Marty, hurrah!, den frisch gekürten Hohepriester der Idiotie. Gilt es doch, nachdem die alten Götter mit Hölderlin pünktlich zu dessen 250. Geburtstag wieder mal (wie bereits in Denis Scheck empfiehlt: „Hölderlins Geister“ berichtet) ins Grab gefegt wurden, neue Götter zu etablieren. So also nun die Idiotie, der freilich – wie all den durch die Kultur-Bespaßungsindustrie hochgekochten: ach so super-modernen, ach so super-aktuellen Göttern und Göttinnen – nur höchst beschränkte Aufmerksamkeits-Zeit (sprich nach Maß(-einheit) einer einzigen Sendung) immanent ist. Mit Heidegger zu sprechen: Der Verfallenheit an das Man eignet das Besorgte in Abhängigkeit vom (vom Dasein aus gesehen) je-meinigen Neuigkeitsgrad: Das je Besorgte begegnet in der Alltäglichkeit im Modus der Verfallenheit. (Siehe Sein und Zeit, § 27) — Ein Zeitlichkeitsaspekt, der bei Heidegger gleichwohl zu wenig thematisiert wurde…

III

Das Gespräch:

Nachfolgend sei der Beginn des Interviews mit Marty wortgetreu widergegeben.

C. Sch.: „Sie sehen darin [im Idiotsein] eine aktuell notwendige Qualität. Wieso?“

Ch. M.: „Nun, wenn der Idiot derjenige ist, der nicht mitläuft, dann finde ich das natürlich eine super Sache. Ich finde schon, es ist eine sehr auszeichnende Sache, eine herausragende Qualität, wenn man nicht mitläuft, nicht mitmacht, auch die Fähigkeit besitzt, mal irgendwo quer zu stehen.“

Toll nicht? Dieses quasi-göttliche Reflexionsniveau!!

C. Sch.: „Wo besteht denn ihrer Meinung nach zu viel Mitläufertum?, zu viel Konformismus?“

Ch. M.: „Gut, ich meine, das ist eine sehr große Frage, nicht. Da kann man über viele Kontexte reden, zum Beispiel über politische Kontexte, ökonomische Kontexte, auch über kulturelle, akademische, wenn man so will, intellektuelle Kontexte. Ich denke, es gibt immer wieder Situationen, wo jemand zum Beispiel im politischen Umfeld nicht der Parteilinie treu ist; und dann heißt es dann gleich: o. k., also, das ist daneben, man soll nicht durchgehen lassen. Oder dann im ökonomischen Umfeld, wo jemand nicht mitmacht bei der Unternehmenslinie und zum Beispiel sich einer Effizienzmaxime nicht unterwerfen will. Also im akademischen, intellektuellen Milieu ist es meines Erachtens oftmals so, dass man eine bestimmte Linie verfolgen muss und wenn man das nicht tut, so kann man das zwar tun, doch ist es dann oft mit negativen Konsequenzen verbunden.“

IV

Die vermeintliche Erkenntnis:

Marty definiert den Idioten also als Nicht-Mitläufer.

Abgesehen davon, dass diese Definition mit dem aus der politischen Philosophie der Griechen stammenden Begriff nichts, aber auch gar nichts zu tun hat (siehe als einen Beleg das nachfolgende Blumenberg-Zitat), liefert der intellektuelle Milchbubi Marty nur Phrasengedresche. Mit Platon gesprochen:

„καὶ ταῦτα πάντ‘ οὐδ‘ ὅτι οὐκ οἶδεν, οἶδεν“ — Und [doch] weiß er nicht mal, dass er nicht weiß, über all das, worüber [er quakt]. (Theaitetos, 173e)

V

Zur Grundlegung der Theorie:

Konfrontieren wir nun Martys Gequake mit Blumenberg.

In Das Lachen der Thrakerin verfolgt er die Anekdote des in den Brunnen gefallen Proto-Philosophen Thales durch die Geschichte der abendländischen Kultur. Er beginnt mit Platon, da dieser uns die Anekdote (gem. Quellenlage) zum ersten Mal berichtet: Thales soll

„als er um die Sterne zu beschauen, den Blick nach oben gerichtet in den Brunnen fiel, eine artige und witzige thrakische Magd [eher: Sklavin…] verspottet haben“… (Theaitet, 174a; in der Übersetzung von Schleiermacher)

Dabei kommt er u. a. auf die Figur des Idioten/der Idiotin zu sprechen

„Plato liebte die Figur [der Thrakerin], die erst durch Tertullian als die des Idiota typisiert und durch Nikolaus von Cues zum Funktionär der docta ignorantia gemacht werden wird; der Sklavenknabe im »Menon« belegt es, die Figur des Pamphyliers im Schlussmythos der »Politeia« ein anderes Mal. Bei der Thrakerin geht es nicht nur um eine Art verständiger Unverständlichkeit.

Platonisch-sokratische Ironie pur!

Aus Thrakien kamen zwei benannte Figuren der hellenischen Welt: der Gott Dionysos mit dem Beinamen Chthonius, der Unterirdische, und der Sklave Äsop, der die Fabel mitbrachte, nach anderen ein Phryger.“ (Blumenberg, S. 34; im Original kein Fettdruck)

Aus dieser kurzen Passage erhellt zureichend die Differenz zwischen einem vom Kulturzeit-Mittelmaß zum Gott hochstilisierten Quacksalber und einem belesenen, sorgfältig und anspielungsreich argumentierenden Philosophie-Professor. Blumenberg zu lesen ist ein immerwährendes intellektuell-amüsantes Vergnügen. Marty zu hören ist Zeitverschwendung.

VI

Zur Schlichtheit der Seele:

Später, im Kapitel Umbesetzungen, geht Blumenberg ausführlicher auf Tertullian ein. Hier heißt es über die thrakische Magd:

„Sie nimmt etwas vorweg, was bei Tertullian an die Stelle der griechischen Autorität [der Philosophen] tritt: die ›schlichte Seele‹, seine anima idiotica„. (eb., 45)

Schlichte Seelen erkennen schlichte Seelen als ihresgleichen,

preisen sich in gegenseitiger Hochschätzung und

versichern sich denn gemeinsam ihres Götzen: Idiotie.

Hoch lebe das Kulturzeit-Team!

 

 

 

 

Politikhöriger Journalismus

Senja Post, Interview geführt von Vivian Perkovic, Kulturzeit, 18.5.2020

„Die Kommunikationswissenschaftlerin Senja Post hat in einer repräsentativen Umfrage unter Journalisten um Ostern herum herausgefunden“ …

Senja Post:

„Also wichtig erscheint mir, dass viele Befragte die politische Kommunikation durchaus kritisch gesehen haben. Es gab viele, die allgemein zufrieden waren mit der politischen Kommunikation. Aber wenn man mal ins Detail gefragt hat, dann gab es relative Mehrheiten von ca. 45 Prozent, die zum Beispiel gesagt haben, sie hatten manchmal den Eindruck, dass kritische Fragen abgewürgt werden. Oder sie haben den Eindruck, dass Politiker bestimmte Pläne der Öffentlichkeit vorenthalten haben. Und das sind natürlich sehr brisante Punkte, muss man sagen. Wir haben auch nach der Wahrnehmung von Journalisten gefragt. Und hier fand ich interessant, dass eine relative Mehrheit der Journalisten, das waren auch ca. 45 Prozent, die meinten, die Aufgabe von Journalisten in der Krise sei es, die Menschen hinter die Politiker zu bringen.

Sehr aufschlussreich!!

Und da wundert ihr euch, ihr politisch korrektes Gutmenschenpack, dass Journalisten vom unverblödeten Bürger nicht (mehr) als kritisch und unabhängig, sondern als Erfüllungsgehilfen der Macht gesehen werden: Geben sie doch selbst zu, es zu sein.

Kulturzeit-Philosoph und Obereinluller Nida-Rümelin wird’s freuen. Siehe Nida-Rümelin fordert stoizistisches Dulden

Nida-Rümelin fordert stoizistisches Dulden

Julian Nida-Rümelin, Das Virus und die Stoa, Kulturzeit, Corona-Tagebuch mit Julian Nida-Rümelin, 30.4.2020

„Wir schaffen das“ war eigentlich Gabriels Idee, WELT online, 1.9.2016

        Also sprach der vom Staat für das Lesen und Schreiben von philosophischem Klimbim reichlich alimentierte und sich folglich — in Gegensatz zu manch anderem Bürger — weder um seine derzeitigen noch künftigen Einkünfte auch nur die geringsten Sorgen machen müssende Philosophie-Professor aus München frohgemut, beflissen-lächelnd in die Kamera:

Möchte mich der Frage stellen, ob die antike, genauer gesagt die hellenistische Philosophie und Lebenspraxis der Stoa, des Stoizismus eine Hilfe sein kann in dieser Krise.

Bravo! Darauf haben wir gewartet!

Denn in der Tat: wir sprechen ja von stoischer Ruhe, stoischem Gleichmut. Aequam memento in rebus arduis servare mentem, ist ein schöner lateinischer Spruch, der da lautet: Man bewahre Gelassenheit in schwierigen Situationen.

Bravo! Darauf haben wir gewartet!!

Und in der Tat, es gibt so eine Art neo-stoizistische Tendenz, schon seit vielen Jahren, das mag mit der Unübersichtlichkeit zusammenhängen, mit der Globalisierung, mit dem Gefühl des Kontrollverlustes.

Doch: sorget euch nicht!

Und manche Menschen reagieren darauf, indem sie umso mehr darauf achten, dass sie Selbstkontrolle über ihr Leben, über ihre Gefühle, über ihre Praxis bewahren und sich einfügen in eine größere Ordnung, in einen strukturellen Zusammenhang, den sie selbst befürworten können.

Kommet heim, ihr Wähler, ihr Sünder, ihr Untertanen… in den Schoß der Partei, von Mutter Kirche, des Staates…!!

Also ich denke, der Kern der Stoa ist genau dieses: Kontrolle zu behalten über das, was mein eigenes Leben prägt oder genauer, das, was ich beeinflussen kann; und gegenüber all den Dingen, die ich nicht beeinflussen kann, eine Haltung des Gleichmuts einzunehmen.

Die Stoa hat als eine zentrale Orientierung die ἀπάθεια [apátheia]. Das ist aber nicht apathisch, sondern das ist eher die Fähigkeit, sich von eigenen Leidenschaften und vom eigenen Leiden so weit distanzieren zu können, dass man dann nicht Gefangener, nicht Getriebener, nicht Abhängiger wird dieser Gefühlsregungen, dieser Impulse, dieser Emotionalisierung usw.

Also: duldet! und unterwerft euch! Die erste Bürgerpflicht ist Ruhe!!

Was wir gegenwärtig als Begleitphänomen der Corona-Krise erleben, ist ja auch eine große Verunsicherung: Verunsicherung der Menschen, die bei allem Vertrauen in die Regierungen

Vertrauet!

und in die Institutionen

Vertrauet!!

und in die Wissenschaft

Vertrauet!!!

doch letztlich nicht wissen, wie es weitergeht, die sich Sorgen machen um ihre wirtschaftliche Existenz.

Doch: sorget euch nicht! Duldet! und unterwerft euch!!

Die Stoa empfiehlt nicht, all dies nicht ernst zu nehmen. Ernst-nehmen ja, aber kritisch und vernünftig die verschiedenen Optionen zu prüfen und sich nicht von Augenblicks-Impulsen allzu sehr beeinflussen zu lassen.

Unterwerft euch! Die erste Bürgerpflicht ist Ruhe!!

Das ist die stoizistische Geisteshaltung. Sie hat sich in den Wirren des späten römischen Imperiums sehr bewährt und sie könnte sich in der Corona-Krise wieder bewähren.

        Duldet! und unterwerft euch!! Die erste Bürgerpflicht ist Ruhe!!!

        Auf dass all ihr verzagten Bürger, die ihr — im Gegensatz zur Beamtenschaft und Politikerzunft — nicht wisst, wie ihr die nächsten Monate überstehen sollt, nicht aufmüpfig werdet!, nicht aufbegehrt!!

Der eigens für euch von der Kulturzeit angeheuerte Staatsphilosoph verordnet euch wahrhaft belebende Medizin: Seid frohgemut, trotz Untergang! Hosianna! Und wenn das nicht hilft: Vertraut auf SPD und Mutti! Die GroKo wird ‘s schon richten. Erinnert euch an 2015: „Wir schaffen das!“ war das Credo: zuerst von Sigmar Gabriel, dann auch von Mutti, Pastorentochter der Nation.

        Und dann: werden Kohls „blühende Landschaften“ endlich überall in Deutschland sprießen. — Und wenn doch nicht hier, dann doch jenseits: im Paradies.

Also: duldet und hoffet, ihr Einfältigen! Denn nur euer ist das Himmelreich!

Zum Begriff ‚Geister‘ bei Hölderlin – Kritik von Otts „Hölderlins Geister“

Karl-Heinz Ott, Hölderlins Geister, München 2019

Michael Köhlmeier, Das große Sagenbuch des klassischen Altertums, München, 202019

I

Karl-Heinz Otts Buch, eine der Neuerscheinungen zu Hölderlins 250. Geburtstag, setzt sich zum Ziel, Hölderlins Geister zu benennen und wohl auch zu deuten. Einige Seiten vor dem Schluss seines Buchs schreibt Ott:

„Ums Deuten kommt man nicht herum, es geschieht von allein. Jedes Lesen setzt Assoziationen frei; wir haben sie nicht im Griff, sie schweifen in tausenderlei Richtungen.“ (230)

Diesem Konzeptionsprinzip des Aus- und Abschweifens entsprechend ist Otts Buch aufgebaut. Er kommt vom Hölzchen aufs Stöckchen, aufs Blättchen… Alles in steter Bewegung, ohne Halt, zerschwafelt und zerfaselt; und am Ende bleibt dem Leser nur ein Chaosbrei aus Zitaten, von Rück-, Vor- und Querverweisen, Anspielungen und Deutungsanrissen. Ein Gewoge, hin und her, ohne erkennbaren Faden.

II

Der Titel „Hölderlins Geister“ bereits ist schlecht gewählt. Denn er erinnert fatal an Goethes Gedicht „Zauberlehrling“, in dem es heißt:

„Die ich rief, die Geister,

Werd‘ ich nun nicht los.“

Geht es Ott doch nicht um das Anrufen von Geistern zu einem bestimmten Zauberzweck. Die Auseinandersetzung mit den Geistern erfolgt unter anderen, gleichwohl vagen, in der Schwebe gehalten Rücksichten.

III

Hier (einige) Geister-Stellen aus Otts Buch (ohne Gewähr auf Vollständigkeit) – zunächst geordnet nach dem Fortlauf des Buchs:

  • „die große Gleichheit der Geister […] in Freiheit. Monotheismus und Polytheismus sollen sich nicht nur vertragen, sie sollen eins sein.“ (18)
  • In Hölderlins „vereinigungsseligen Kosmos […] beflügelt sein Weingott die Geister, doch stets mit heiligem Ernst. Von Delirien keine Spur, von Barbarei schon zweimal nicht.“ (37)
  • Wieland stellt fest, dass die Einbildungskräfte sprießen wie selten zuvor, aller Aufklärung zum Trotz. Man sehnt sich nach Geistern und nach Phänomenen, die alle Vernunft übersteigen.“ (51)
  • „Liberale Geister kennen keine männliche Standhaftigkeit, sie schwanken und wanken. Baeumler verabscheut den Liberalismus als weibische Kultur.“ (76)
  • „Von nichts ist bei Hölderlin mehr die Rede als von der Einigkeit und Gleichheit der Geister, nach nichts sehnt er sich mehr.“ (162)
  • Hölderlin im Hyperion: „Von Kinderharmonie sind einst die Völker ausgegangen, die Harmonie der Geister wird der Anfang einer neuen Weltgeschichte sein.“ (179)
  • Hölderlin im Gedicht Hymne an die Jugend: „In der Jugend Strahlen sonnen / Ewig alle Geister sich.“ (223)
  • Der letzte Absatz des Buchs lautet: „Ein bisschen steht um die alte Burse herum noch immer die Zeit still, nicht nur bei Nacht. Hört man Schritte hallen durch die Stille, hört man auch noch anderes. […] Es sind Geister, die nichts von Geistern an sich haben. Gespenster ohne Gespenstisches. Anwesenheit könnte man dazu sagen. Anwesenheit aus naher Ferne, von was auch immer.“ (236)

IV

Diese acht Aussagen ließen sich ex post wie folgt ordnen:

In der Auseinandersetzung mit und gegen Kant entstehe, so Ott, ein neues Bedürfnis nach Metaphysik, nach dem, was die Vernunft übersteigt. (3) Diesem Zeitgeist entsprechend habe Hölderlin seine Einbildungskräfte darauf konzentriert, einen jenseitigen Kosmos der Geister zu entwerfen. Dieser neu, besser: erneut zu schaffende Kosmos der Geister sei bei Hölderlin, so Ott, durch Anwendung der Gestaltungsprinzipien von Einigkeit und Gleichheit zu erreichen. (5) Dies setze – wider das Christentum – die Einheit von Monotheismus und Polytheismus voraus. (1) Diese Einheit wiederum könne aber nur durch den Weingott, sprich Dionysos, gestiftet werden. (2) Sobald durch ihn die Einheit verwirklicht worden sei, wäre die Harmonie der Geister geschaffen, die den Anfang einer neuen Weltgeschichte einleitete. (6) Doch nur jugendliche Dichter vermöchten es, einen solchen Kosmos der Geister zu entwerfen. (7) — Doch was die Geister letztlich sind, bleibt bei Ott offen, (8) außer dass sie – politisch vereinnahmt – (nicht bräunlich, sondern) liberal seien (4):

„Die späten Hymnen […, so Ott] weisen tatsächlich ins Offene“ (227)

So endet das Buch, wie es begann: in geisterhaftem Spuk. Erkenntnisgewinn? Fehlanzeige; auch nach 236 Seiten ermüdendem Lesen nicht auszumachen.

V

Dabei gäbe es durchaus Ansatzpunkte der Bestimmung des Begriffs Geister, auf die Ott jedoch mit keinem Wort näher eingeht:

  • Die Vereinnahmung von Christus als letzten der griechischen Götter bei Hölderlin: Dazu gibt es reichlich Literatur. Insbesondere die Parallelen zwischen Christus und Dionysos sind reichlich diskutiert. Doch von Ott kein Wort dazu.
  • Der Große Pan ist tot“, heißt es (auch) bei Ott. (18) Stimmt. Gott Pan war der erste der griechischen Götter, die starben. (Er stank so sehr nach Ziege, dass die anderen Götter sich weigerten, ihn mitzunehmen, wenn sie auszogen, um von den Kräutern zu essen, die unsterblich machen. Und da er kein Unsterblichkeit erhaltendes Kraut mehr bekam: Pech gehabt.) Der letzte war Dionysos: „die Erlöserfigur in der griechischen Mythologie“. (Köhlmeier, 601)
  • Doch Dionysos wurde, laut Hölderlin, wiedergeboren in Christus, wie auch Ott behauptet. (164) Doch inwiefern? Auch dazu findet sich bei Ott kein Wörtchen. Kein Wörtchen zu den Evangelisten und dem Nachhall der altgriechischen Tradition in ihren Schriften… Kein Wort zum Bezug von Mythos und Logos.
  • Kein Hinweis auf das Zitat, mit dem Hegel seine Phänomenologie des Geistes schließt: „aus dem Kelche dieses Geisterreiches / schäumt ihm [dem absoluten Geist] seine Unendlichkeit“. Hegel zitiert hier die Schlusszeilen eines Gedichts (ohne Titel) aus Schillers Philosophischen Briefen, das im Abschnitt Gott steht, mit dem die Briefe schließen:

„Freundlos war der große Weltenmeister,

fühlte Mangel, darum schuf er Geister,

sel’ge Spiegel seiner Seligkeit.

Fand das höchste Wesen schon kein Gleiches,

aus dem Kelch des ganzen Wesenreiches

schäumt ihm die Unendlichkeit.“

  • Auch in den Räubern finden sich mehrere Stellen, die auf Hölderlin (vor)verweisen, z.B. der Ausdruck Harmonie der Geister. (Erster Akt, erste Szene) Doch Ott geht auf Ähnlichkeiten und Differenzen der Begriffswelt / Metaphorologie (Blumenberg) zwischen Hölderlin und seinen Jugendfreunden Hegel und Schelling ebenso wenig ein wie auf die zwischen Hölderlin und Schiller (von dem Hölderlin sich Unterstützung für das Publizieren seiner eigenen Gedichte erhoffte und dessen Werke er daher sehr genau studiert haben dürfte).
  • Besonders disqualifizierend ist folgende Aussage: „Im Übrigen wissen die Griechen noch nicht, dass es sich bei Dionysos und Apoll um ein klassisches Gegensatzpaar handelt. Das ist Nietzsches Erfindung.“ (36) Welch Blödsinn! Es war Gottvater Zeus selbst, der seine beiden Söhne, Dionysos und Apoll, zu den Herren über Delphi bestimmte. (Von Frühling bis Herbst herrschte Apoll und im Winter Dionysos.) Apoll war es, der sich im und über das Orakel offenbarte. Dionysos offenbarte nicht; er wirkte im Verborgenen, im Dunkeln. Nietzsches Erfindung bestand einzig darin, die beiden Wirkmächte des Verbergens und Entbergens der Natur und ihrer Geschöpfe auf die Welt der Kunst zu übertragen. Noch einmal Köhlmeier:

„Apoll und Dionysos verstanden sich wider Erwarten sehr gut. Warum? Weil sie sich ergänzten zu einem. Und das war die allergrößte Gefahr, die dem Zeus drohte, das hat er wohl nicht vorausgesehen. Nämlich zusammen – Apoll und Dionysos, dass Apollinische und das Dionysische –, zusammen waren sie unschlagbar.

Gemeinsam drängten sie den ganzen großen Götterhimmel schließlich zurück. Und in ihrer Verschmelzung gaben sie einer neuen, einer ungeheuer mächtigen Gottgestalt Charakter – nämlich Jesus Christus.“ (614f.)

VI

Wie heißt es bei Hölderlins Odendichter-Vorbild Pindar über die verschwatzten Gelehrten, über die sich sowohl vorher als auch danach Meister der Sprache (sehr hübsch die Xenien von Goethe und Schiller) ebenfalls köstlichst zu amüsieren wussten, so schön:

             μαθόντες δὲ λάβροι

παγγλωσσίᾳ κόρακες ὢς ἄκραντα γαρυέτων

Διὸς πρὸς ὄρνιχα θεῖον·

ihr Allwissen sei nur Krähengekrächze angesichts des göttlichen Vogels des Zeus. (2. Olymp. Ode, Vers 87ff.)

Denis Scheck empfiehlt: „Hölderlins Geister“

Karl-Heinz Ott: Hölderlins Geister, München 2019

Denis Scheck, Denis Scheck empfiehlt: „Hölderlins Geister“, Video, in Druckfrisch (ARD), 26.1.2020

Rüdiger Safranski, Schiller oder Die Erfindung des Deutschen Idealismus. Biographie, München u. Wien, 2004

Martin Heidegger, „Andenken“, in Ders., Erläuterungen zu Hölderlins Dichtung, Frankfurt a. M., 72012, S. 79-151

Also spricht Denis Scheck:

„Friedrich Hölderlin ist Deutschlands größter Dichter.

Wirklich?

Was ihn dazu macht, das untersucht Karl-Heinz Ott

der große Forscher, der Hölderlin-Kenner, der neue Literaturpapst gar? — Hurrah! Jubelt, ihr Dumpfbacken. Ein neuer Reich-Ranicki ist uns geboren! Erleuchte uns, oh du göttlicher Ott!

in seinem brillanten

Frohlocket, ihr geistig Armen, denn euer ist das Himmelreich

Essayband „Hölderlins Geister“. Friedrich Hölderlins Programm: nichts weniger als die antiken Götter zurück auf eine verwaiste Erde zu singen, die das Christentum in ein Jammertal verwandelt hat.

Altbekannt

Hölderlins Überzeugung: „Die Poesie… wird am Ende wieder, was sie am Anfang war – Lehrerin der Menschheit; denn es gibt keine Philosophie, keine Geschichte mehr, die Dichtkunst allein wird alle übrigen Wissenschaften und Künste überleben.“

Altbekannt

Hölderlin führt den Fachidioten und den Mensch zusammen

Hölderlin will in seiner Dichtung die verloren gegangene Einheit wiederherstellen, das Band zwischen Menschen und Göttern neu knüpfen.

Altbekannt

Hölderlins Klage in seinem einzigen Roman „Hyperion“ über die Arbeitsteilung und das Fachidiotentum in den Köpfen ist die Klage aller Jungen bis heute: „Handwerker siehst du, aber keine Menschen. Denker, aber keine Menschen, Priester, aber keine Menschen, Herrn und Knechte, Jungen und gesetzte Leute, aber keine Menschen – ist das nicht wie ein Schlachtfeld, wo Hände und Arme und alle Glieder zerstückelt umeinander liegen, indessen das vergoßne Lebensblut im Sande zerrinnt?“

Altbekannt; alles, alles altbekannt.

Übrigens: Wie so vieles ist auch Hölderlins Kritik am Fachidiotentum von Schiller beeinflusst, worauf Rüdiger Safranski, anschließend obige Hölderlin-Passage zitierend, in seiner meisterhaft geschriebenen Schiller-Biographie hinweist:

„Den Antagonismus der Kräfte bezeichnet Schiller als das große Instrument der Kultur, im gesellschaftlichen Ganzen den Reichtum der menschlichen Wesenskräfte zu verwirklichen und ihn in der großen Masse der einzelnen zu verfehlen. In dieser Analyse wird Hölderlin den Schlüssel zum Verständnis seines Leidens an der Gegenwart finden.“ (Safranski, 412)

Wo aber ist das Neue, noch nicht Entdeckte?

Hölderlin musste für vieles herhalten

Mit großem Einsichtsreichtum,

haha: lediglich Zitat an Zitat reihend – ohne jeglichen Quellenverweis, das hat Gott Ott nicht nötig – doch dafür mit eigenem Zwischengequak

wortgewaltig

soll heißen: Phrasen dreschend

und mit schlagendem Witz

der nur wohlwollendsten Lesern erscheint

wandelt Karl-Heinz Ott auf Hölderlins Spuren

im Niemandsland

Ott interessiert sich in „Hölderlins Geister“

ausschließlich

für das Nachleben Hölderlins seit seiner Wiederentdeckung Anfang des 20. Jahrhunderts. Man hat aus Friedrich Hölderlin so ziemlich alles gemacht, was man mit einem Dichter machen kann. Die Nazis haben ihn als Barden des Tods fürs Vaterland instrumentalisiert. Die 68er feierten den Revolutionär Friedrich Hölderlin. Die DDR reklamierte den Systemumstürzler für sich, die Dissidenten den unangepaßten Freigeist, der sich allen Zwängen entzog.

Stimmt: All das spricht Ott in einem wirren Zitatenbrei an.

Was dabei völlig außen vor bleibt: Was versteht Hölderlin unter „Geistern“? Was seine Zeitgenossen: Schiller? Goethe? Inwiefern unterscheidet sich sein Ansatz von deren Auffassungen? Welche Bedeutung hat das Wort Geister in der Metaphorologie Hölderlins? Wie ist es eingewebt in sein Denken und Dichten?

So lange all das nicht geklärt ist, ist Otts Geschwafel sinnlos, bodenlos.

Ott hält Hölderlin lebendig

Ott hält Hölderlin lebendig,

Danke, aber dazu brauchen wir Otts pseudo-intellektuelles Gequake nicht.

in dem er zum Beispiel über den Gebrauch des Wortes „aber“ in Hölderlins Dichtung nachdenkt. „Immer wieder das Wörtchen Aber. Jedes Mal horcht man auf, wie Kinder. Jedes Aber lässt an die Bibel denken …“, so Ott.

Ganz große Leistung: abgekupfert von Heidegger – und was darüber hinaus geht: nur blaba.

Sicher gilt aber mit Friedrich Hölderlin bis heute: „Was bleibet aber,

auch bei diesem „aber“ gilt laut Ott und Scheck: ausschließlich an die Bibel denken!

stiften die Dichter.“

Inwiefern?

— Ganz anders die Interpretation Heideggers des Gedichts Andenken, dem obige 2 Zeilen entnommen sind:

Was bleibet aber

stiften die Dichter.

„>Andenken< ist eine einzige in sich gefügte Fuge des aber, die das Wort des Rätsels nennt, als welches das Reinentsprungene im Ursprung bleibt. Dichten ist Andenken. Andenken ist Stiftung. Das stiftende Wohnen des Dichters weist und weiht dem dichterischen Wohnen der Erdensöhne den Grund.“ (Heidegger, 151) —

Also vertrauen Sie mir, ich weiß, was ich tue,

wirklich?

und

kaufen, äh

lesen Sie Karl-Heinz Otts „Hölderlins Geister“, erschienen im Hanser Verlag.“

Herzlichen Glückwunsch, liebe Zu-Ende-gelesen-Habende: Nun sind Sie fast genauso schlau oder blöd als vorher. Sie glauben es nicht? Machen wir den Test: Was von all dem Gequake Otts haben Sie denn behalten?

Und sofern Sie vor dem Lesen über ein wenig Vorbildung verfügt haben sollten: Was haben Sie denn Neues gelernt?

Nichts?

Freuen Sie sich: dann sind wir schon zu zweit…

Türkei will Schulen in Deutschland gründen

Hannes und Paul Munzinger, Türkei will Schulen in Deutschland gründen, SZ online, 10.1.2020

Türkei will offenbar Schulen in Deutschland gründen, WELT online, 10.1.2020

Diyanet’ten çocuklara: Ne güzel şehit olmak, DEMOKRAThaber, 28.3.2016

Dhimmis aufgepasst!

Das Auswärtige Amt informierte kürzlich die Gutmenschen der SZ — wie die WELT berichtet: Gründung von Schulen in Deutschland sei der Türkei gestattet. Doch:

„Die Türkei darf laut „SZ“ allerdings ebenso wie andere Staaten nicht selbst als Schulträger in Deutschland auftreten. Diese Rolle müssten private Vereine übernehmen.“

Ein Problem ist das freilich nicht. Denn der Verein zur entsprechenden Bildung steht doch schon bereit: DITIB e.V., altbekannt und altbewährt – auf türkisch Diyanet İşleri Türk İslam Birliği.

Und wie verkündete deren übergeordnete Behörde, das türkische Religionsministerium – auf türkisch Diyanet İşleri Başkanlığı – so schön kindgerecht in Comics-Spechblasen aus lachenden Gesichtern?? — was es unter türkischem Islam versteht:

Papa: „Wie schön, Märtyrer zu werden!“

Sohn: „Märtyrer werden, will das denn keiner, Papa?“

Papa: „Jeder will, natürlich, mein Sohn. Wer will denn nicht das Paradies gewinnen!“

„Allah hat von den Gläubigen ihr Leben und ihr Gut für den Garten erkauft: sie kämpfen für Allahs Sache, sie töten und fallen – eine Verheißung, bindend für Ihn“ (Koran 9,111)

Unterstützt die Neugründungen! Auf dass, auf Geheiß des Sultans, die Zahl islamistisch-türkischen Gevolks auch auf deutschem Boden gesteigert werde!

Allāhu akbar!

Kulturbanause Trump

Trump droht Iran mit Angriffen auf 52 Ziele, SPIEGEL online, 5.1.2020

Dirk Hautkapp, Irak-Krise: Trump droht mit Angriff auf 52 ii8ranische Ziele, Berliner Morgenpost, 5.1.2020

Gut gelaunt beim Säbeltanz, Nordwest Zeitung, 22.5.2017

US-Militär tötet iranischen Topgeneral, SPIEGEL online, 3.1.2020

Dass Trump ein Primitivling sondergleichen ist, ist ja schon hinlänglich bekannt, doch jetzt zeigte er erstmals seine wahre Banausenfratze.

Nach der von Trump befohlenen, völkerrechtswidrigen Ermordung von u.a. Qasem Soleimani auf irakischem Staatsgebiet durch eine Drohne, und zwar ohne Rücksprache mit dem Irak, reichte er noch ein besonders perfides Zuckerl nach.

„targeted 52 Iranian sites (representing the 52 American hostages taken by Iran many years ago), some at a very high level & important to Iran & the Iranian culture, and those targets, and Iran itself, WILL BE HIT VERY FAST AND VERY HARD.“ (Tweet vom 4.1.2020 zitiert nach SPIEGEL)

PS: Dass Trump, der Held der Christenheit, mit seiner Hau-drauf-und-Schluss-Politik freilich nicht allein steht, machte das Pentagon wieder mal unmissverständlich klar:

„Die Vereinigten Staaten werden weiterhin alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um unser Volk und unsere Interessen überall auf der Welt zu schützen“.

Koste es, was es wolle. Aufs Völkerrecht geschissen.

Dirk Hautkapp hat daher völlig recht, Trump & Freunde in eine Reihe mit den islamistischen Primitivlingen zu stellen, die einst die Buddha-Statuen von Bamiyan zerstörten. — Auch wenn Trump bislang nur als Ankündiger auftrat..

Vergegenwärtigt man/frau sich zudem Trumps gut-gelauntes Säbeltänzchen vom Mai 2017 mit seinen saudischen Waffenbrüdern, Weltmeistern im Export ihres – laut Trump – besonders „friedvollen und tolerantem Islam“ (eindrücklich im Jemen zu beobachten), verwundert Trumps jüngstes Dreingabe-Gestichel freilich nicht.

Und was machen Mutti & Co.? — Sie schleimen um ihren Oberhäuptling Trumpi herum. — Me-too-Debatte einmal anders. — Keine und keiner in der EU-Führung, der dieses primitive etwas zu kritisieren wagt: weder hinsichtlich der Ermordung Soleimanis, noch seiner Kulturverachtung.

Und dann schwatzen diese EU-Pseudogrößen auch noch von Werten…

Willkommen zurück im Mittelalter

Zum Niedergang der SPD: Kein Mitleid mit diesem machtgeilen Opportunistenverein!

Wero Lisakowski, Männerphantasien, Kulturzeit, 19.11.2019 (ab min. 5,47)

Bruno Thoß, Freikorps, Historisches Lexikon Bayerns, 10.09.2012

Mark Jones, Am Anfang war Gewalt, Die deutsche Revolution 1918/19 und der Beginn der Weimarer Republik, Aus dem Englischen von Karl Heinz Siber, Berlin 2017

Herbert Kapfer, 1919 Fiktion, München 2019

I

In seinem Artikel Freikorps schreibt Bruno Thoß:

„Da es dem Rat der Volksbeauftragten auch im Reich nicht gelang, mit zuverlässigen republikanischen Kräften ein Weitertreiben der Revolution [von 1918] zu unterbinden, entschloss sich sein Vorsitzender Friedrich Ebert (SPD, 1871-1925) nach dem Auseinanderbrechen der Revolutionsregierung im Dezember 1918 zum generellen Aufruf für eine „Armee aus Freiwilligen“.“ (im Original kein Fettdruck)

Das zeigt wunderbar, welch Geistes Kind Genosse Ebert und Konsorten waren: Um ihrer Partei SPD die Macht zu sichern, etablierten und ermächtigten sie Freikorps, Jagd auf alles zu machen, was linker als die SPD war: mit allen Mitteln. Und sie waren extrem erfolgreich. Siehe

George Grosz‚ Karikatur: Prost Noske! das Proletariat ist entwaffnet!

II

In seinem Kulturzeit-Beitrag zum Buch Männerfantasien von Klaus Theweleit zeigt Wero Lisakowski nun klar auf, welch Korpsgeist in den Freikorps herrschte: Sie waren faschistoid durchseucht:

Attentäter

– genannt werden

„der Attentäter von Halle, der Attentäter von Christchurch, das Attentat von Utøya“ und „auf der anderen Seite [!!] islamistische Terroristen“

(Linker Terror: Fehlanzeige:

Gemäß der antagonistischen Doktrin: Wenn Rechts böse ist, muss Links – zwangsläufig – gut sein. Links: das sind die per se Guten, die Gut-Menschen) –

seien:

„Männlich, hasserfüllt und gewaltbereit. Warum? Was treibt sie um? Sind sie Opfer von Ideologien? Das Bedürfnis nach Gewalt komme nicht von außen, sondern aus dem Inneren, sagt der Kulturtheoretiker und Schriftsteller Klaus Theweleit. In seinem Buch Männerphantasien, das 1977 erschienen ist und jetzt neu aufgelegt wurde, liefert er den Begriff Fragmentkörper. Damit meint er Menschen, denen es nicht gelungen ist aufgrund verschiedener Erfahrungen, sei es durch Gewalt in der Kindheit, auf dem Weg zum Erwachsenwerden ein Gefühl von Körperganzheit auszubilden. Für sie bedeute Gewalt, sich selbst heil zu machen – durch Gewalt gegen andere. Ausgangspunkt von Theweleits Untersuchung sind die soldatischen Männer der 1920er Jahre, die sogenannten Freikorps, die sich in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg formiert hatten, um die sozialistischen Revolutionskräfte mit Gewalt niederzuschlagen. Jene Art männlicher Gewalt, so Theweleit, sei schließlich im Naziterror des Dritten Reiches aufgegangen. Sein Buch Männerphantasien ist eine Analyse des Faschismus, eine Analyse, die sich auf die Körperstrukturen der handelnden Männer bezieht. Der Faschist in uns ist damals viel diskutiert worden und erscheint heute aktueller denn je. Die neue Rechte im Land: ein Beleg seiner These.“

III

Vertieft man/frau sich eingehender in die Zeitzeugenberichte (2 Bücher sind im Vorspann genannt) wird klar, die Freikorps waren ein wilder Haufen vom Krieg Brutalisierter, geeint durch ihren Hass auf die Verräter des Reichs (Dolchstoß-Legende) und die Juden (Finanzkapitalverschwörung).

Der SPD freilich war’s seinerzeit egal.

Ja, sie befeuerten die Legendenbildung sogar. Am 10.12.1918

„verkündete Friedrich Ebert den [von der Front zurückgekehrten] Soldaten: »Kein Feind hat euch überwunden« und half dadurch mit, die Vorstellung in den Köpfen zu verankern, die Revolution sei dem deutschen Heer in den Rücken gefallen“. (Jones, 112)

Sie wollten nur die Macht, ihre Macht. Ließen sich aber feiern: als Kämpfer und Wahrer der Demokratie. Dieses verlogene Pack! — Genutzt hat’s ihnen freilich letztlich nichts. Das von der SPD (mit) inthronisierte und hochgepäppelte Freikorps-Gezücht übernahm nach wenigen Jahren – Weimarer Zwischenspiel – die Macht. Die Rattenfänger von rechts erwiesen sich als stärker massen-anschluss-tauglich als die sich selbst diskreditierten Demokraten-Spieler auf Staatstheaterposten.

Anmerkung: Bestes Beispiel aus der jüngeren SPD-Parteigeschichte: Gerhard Schröder: Der Kanzler der Bosse! Nicht der Arbeiter. Die waren und sind der SPD letztlich scheißegal. (Siehe: GroKo-Eiertänze)

Fazit

Obwohl Gutmensch Lisakowski dies gewiss nicht aussagen wollte, so zeigt gerade sein Beitrag völlig klar: Die SPD paktierte mit faschistoiden Kräften! Dass sie später unter den Nazis zu leiden hatte, ist da nur recht und billig! Selbst schuld!

Und nun endlich

hat das Wahlvolk mehrheitlich erkannt und entschieden: Es ist Zeit für diesen machtgeilen — Opposition ist Mist. (Franz Müntefering) –, „pseudo-sozialen Mutti-im-Amt-Erhaltungs-Verein abzutreten!

Verpiss dich, SPD!

Imam Husamuddin Meyer quakt auf Kulturzeit

Kulturzeit, 13.11.2019, ab min. 10,13

Imam Husamuddin Meyer mit weißem Turban auf rotem Grund, mit extrem langem weißen Bart nach Fundi-Art drapiert, einem kaftanmäßigen Kittel über dem Hemd und einem Holzspazierstock mit gerundetem Griff in der Linken sieht aus wie einem Karnevalskostümverleih — spezialisiert auf Mittelalter-Orient — entsprungen.

Einiges seines Lieblingsblabla aus dem nachfolgend vollständig widergegebenen Dialog mit Kulturzeit-Moderatorin Cécile Schortmann zu dem ängstlich aus der Türkei zurück-erwarteten IS-Gevolk in Fettdruck.

CM: Live bei mir im Studio ist jetzt der Imam Husamuddin Meyer. Er ist spezialisiert auf die Deradikalisierung von Islamisten, arbeitet als Seelsorger in der JVA in Wiesbaden und ist dort auch für junge IS-Anhänger zuständig. Herzlich willkommen, Herr Meyer.
HM: Dankeschön.

CS: Die Nervosität, die Aufregung in Deutschland ist g‘rade groß wegen dieser IS-Anhänger, die hier zurückerwartet werden.

[Abgeschoben von Muttis Liebling Erdoğan, mit dem sie seinerzeit einen großartigen Deal aushandelte…]

Sie haben Erfahrung mit solchen Radikalisierten. Wie mit ihnen umgehen? Und wie viel Gefahr geht von ihnen aus?
HM: Ja, zunächst muss ich da ein bisschen was korrigieren, weil meine Aufgabe ist eigentlich die Seelsorge

[so wie unser Oberpfaffe Gauck und Pfaffentöchterlein Mutti. Och, da wird einer/einem ja richtig warm um‘s Herz]

und die religiöse Betreuung

[Wie die wohl aussieht? Beispiel gefällig?

„Und die Ungläubigen – zur Hölle sollen sie versammelt werden“ (8,37)]

im Gefängnis, nicht die Radikalisierung. Aber ich mach diese Arbeit seit elf Jahren und hab schon von Anfang an festgestellt, dass dieses Thema immer wieder aufkommt, dass immer wieder Fragen dazu gestellt werden: Ist Terrorismus im Islam erlaubt? Und natürlich, als dann diese Hochphase kam, wo ganz viele Leute sich angezogen gefühlt haben und von dem sogenannten Islamischen Staat, ich sag lieber Satanischer Staat,

[vgl. Satanische Verse…]

weil mir das gar nicht gefällt, dass das in diesem Zusammenhang so genannt wird; und dann sind natürlich auch schon die ersten zurückgekommen. Man muss sagen, die meisten, mit denen ich im Gefängnis arbeite, sind normale Kriminelle; aber es sind viele, es sind, sagen wir mal, 10-15 Prozent der Leute, sind anfällig für Radikalisierung, wenn einer mal kommt, der ideologisiert ist. Und deswegen ist dieses für mich natürlich immer, birgt immer eine Gefahr in sich. Wenn jemand kommt, der ideologisiert ist und der dann auf Leute trifft, die Wut in sich haben [sogenannte Wutbürger] und diese Wut gerne kanalisieren würden; und ihre kriminellen Handlungen, die sie vorher schon

CS: Was machen Sie dann in diesem Moment, wenn Sie das merken?
HM: Also, wichtig ist erst mal, dass man die große Mehrheit schützt, indem man immer predigt, in den Freitagspredigten, die wir auch anbieten im Gefängnis, dass man schon mal eine Grundimmunisierung versucht zu erzeugen bei den Leuten, die dafür anfällig sein könnten. Dann ist natürlich, das seelsorgerische Angebot ist freiwillig. Das heißt nur diejenigen kommen in den Genuss, die selber dies wünschen. Und häufig ist es dann so, dass die Ideologisierten erst mal nicht mit einem Imam sprechen wollen, der nicht ihrer Meinung ist, der einer anderen Richtung, sozusagen, folgt. Und da braucht man erst mal viel Geduld. Aber meine Erfahrung ist, dass die Leute doch, wenn sie eine Weile da sind, dann eben das Angebot in Anspruch nehmen und auch gerne mal mit jemandem sprechen, der Muslim ist und der auch theologische Kenntnisse hat und wo man dann auch theologische Gespräche führen kann.

[ER aber „stärkte euch durch seine Hilfe und versorgte euch mit guten Dingen, auf daß ihr dankbar sein möchtet.“ (8,27)

Und so offenbarte ER den Engeln:

„Ich bin mit euch; so festiget denn die Gläubigen. In die Herzen der Ungläubigen werde ich Schrecken werfen. Treffet (sie) oberhalb des Nackens und schlagt ihnen die Fingerspitzen ab!“ (8,13)

Ach, wie friedfertig ist doch Allah. Gepriesen sei seine Barmherzigkeit! Und die seiner Vollstrecker, seiner Henker. Wie im Himmel so auf Erden!]

CS: Aber jetzt noch mal zurückzukommen auf die Leute, die jetzt hier erwartet werden. Die werden nicht alle ins Gefängnis kommen. Denn sie sind ja nicht nur, weil sie eine gewisse Ideologie verfolgen, gleich für den Knast, sozusagen, bestimmt. Da gibt‘s ja gar keinen Grund. Wie geht man mit diesen Menschen um? Wie kann man sie integrieren wieder in diese Gesellschaft?
HM: Ja, natürlich wird versucht, jetzt, bei denen eine Straftat nachzuweisen. Und ich kann jetzt nur von meiner Arbeit im Gefängnis sprechen. Wichtig ist vor allem, dass man, also, meine Aufgabe sehe ich darin, dass ich mich um die Seele kümmere der Menschen, dass ich auch schaue, was ist der Hintergrund. Warum sind die Leute überhaupt so geworden und wie sieht ihr innerer Zustand jetzt aus? Weil häufig ist ‘ natürlich schon so, und wir wissen alle nicht, wie die letzten, die jetzt zurückkommen aus Syrien, wie die drauf sind. Die ersten, die zurückgekommen sind, mit denen ich bis jetzt gearbeitet habe, sind fast durch die Bank desillusioniert gewesen. Die haben festgestellt, es war alles ganz anders dort unten als sie dachten. Und da war‘s natürlich nicht schwer. Da muss man natürlich dann schauen, inwieweit sind sie traumatisiert. Hab‘n sie Dinge erlebt oder eventuell sogar selber gemacht, die großen Schaden angerichtet haben an ihrer eigenen Seele auch. Oder, wie das jetzt bei den neuen ist, die jetzt kommen und länger geblieben sind. Ob die stärker ideologisiert sind, das wird sich dann zeigen nachher.

CS: Aber dennoch, Sie sind ja der Überzeugung, dass wir das schaffen.

[Wie einst Hilfspfäffin Mutti vorgab.]

Sie gucken da positiv in die Zukunft und sagen, Sie gehen von ungefähr 80 Männern aus, oder auch Familien, die hier hin kommen. Und Sie meinen, wir werden das im Griff haben?
HM: Also, von diesen 80 sind wahrscheinlich nur wenige Männer, die meisten sind Frauen und Kinder. Da ist es noch mal anders. Und das ist natürlich wichtig, dass mit denen, es gibt auch extra Deradikalisierungsprogramme, die dann gezielt mit diesen Leuten arbeiten. Meine Aufgabe ist die Seelsorge. Ich kümmere mich um den Menschen. Ich schau den Menschen erst mal ganz normal an und versuche festzustellen, ist denn das Herz getötet worden, sozusagen, durch den Aufenthalt dort unten. Weil durch diese Gehirnwäsche, die dort stattfindet, versucht man ja das Herz zu töten auf eine Art. Sonst ist man nicht in der Lage, diese Gewaltverbrechen dort durchzuführen. Und meine Aufgabe ist dann erst mal, das Herz wieder zu wecken und zu versuchen, dann da ein Gefühl, eine Barmherzigkeit wieder ‚vorzulocken und eventuell zu schauen, wie man die Wunden heilen kann, die da entstanden sind durch den Aufenthalt [: dort unten].

CS: Wir sehen das bei sehr brutal kämpfenden Menschen des IS. Was machen Sie für Erfahrungen? Was sind da, was stecken da, wenn Sie sagen: wir gucken da auf die Seele, für Menschen dahinter?
HM: Ja, bis jetzt, diejenigen, mit denen ich gearbeitet habe, die sind dahin gegangen aus verschiedenen Gründen, aus Abenteuerlust, weil die sind oft sehr jung gewesen, das waren oft 15-16-Jährige, die da verführt worden sind dahin zu gehen, weil sie was erleben wollten, weil sie vielleicht auch gedacht haben, dort wird man nicht diskriminiert, dort geht man in den Islamischen Staat. Das war eher ein genialer Werbetrick, dass sie das so genannt haben. Und dann sind sie dort angekommen und haben festgestellt, da kann man sehr schnell umkommen. Man kann sehr schnell geköpft werden von den eigenen Leuten.

[Köpfen: das darf man eben nur den andern antun, den kuffār. Die haben’s verdient! Ist’s doch SEIN Auftrag! (siehe 8,13)]

Die haben mir berichtet von dem Nachbarn, der grade mit ihnen gegessen hat, dessen Kopf dann nachher in der Mitte des Raums lag. Das sind natürlich schon Sachen, die man sich gar nicht vorstellen kann hier; und wo man schauen muss, wie kann man so was verarbeiten.

CS: Sie sagen, im Gefängnis sorgen Sie möglichst dafür, dass halt diese wirklich ideologisch Radikalisierten gar nicht mit denen zusammenkommen, die vielleicht eine Wut in sich tragen und anfällig dafür sind. Wie kann man denn generell, wenn wir in die Zukunft blicken, Radikalisierung vermeiden? In diese Richtung Islamismus?
HM: Ja, da gibt‘s, ja da müssen natürlich auch die Moschee‘, die Imame müssen da stärker zur Brust genommen werden, das heißt die müssen sich stärker mit dem Thema beschäftigen, dass da auch in den Moscheen; das ist jetzt nicht so, dass da, die Moscheen Brutstätten sind. Das nicht, aber die Imame sprechen nicht über das Thema immer. Und dann gibt‘s oftmals so kleine Gruppen, die dann sich bilden und die dann über solche Themen vielleicht nachdenken, weil die Themen nicht bearbeitet werden. Es gibt keinen Schulunterricht, wo über Islam gesprochen wird.

[Ach ja?]

Ich meine, im Gefängnis stellt man fest, die Leute interessieren sich alle für Islam. Die halten sich alle für Muslime selbst, haben aber überhaupt keine Ahnung von Islam. Die wissen gar nicht, was Islam ist, das heißt weil eben in den letzten 20 Jahren gar kein Unterricht stattgefunden hat. Die ganze junge Generation ist völlig ungebildet, und die hören dann nur diese Sachen, wenn dann jemand kommt, der denen beibringt, das ist der Islam. Und wenn sie dann noch die nötigen Voraussetzungen dafür haben, sie werden diskriminiert, sie haben Wut in sich, sie haben vielleicht schwierige familiäre Situationen, dann sind sie dafür möglicherweise anfällig.

CS: Herr Meyer, ich danke Ihnen sehr, dass sie hier waren. Und weiterhin viel Erfolg.

Oh, welch Freude, solch von der Mehrheit, den scheiß kuffār, gedemütigte, diskriminierte, klammheimliche Wutbürger-Experten um uns zu haben.

„Wußten sie denn nicht, daß Allah ihre Geheimnisse kennt und ihre vertraulichen Beratungen und daß Allah der beste Kenner des Verborgenen ist?“ (9,78)

Frohlocket, ihr Bürger.

Frohlocket, ihr einfältiges Dhimmigezücht.