U. Krüger: Mainstream-nivellierter Journalismus in Deutschland

Frog1(Uwe Krüger: Mainstream, Warum wir den Medien nicht mehr trauen, München, 2016)

(Jörg Baberowski, Der Untersteller, ZEIT, 9.4.2015)

(Martin Walser, Erfahrungen beim Verfassen einer Sonntagsrede, Frankfurt a.M., 11.10.1998)

Als Beginn, als „Katalysator“ der Vertrauenskrise der Deutschen in ihre Medien sieht Uwe Krüger die Berichterstattung über die Maidan-Bewegung in Kiew, die vom „November 2013 bis Februar 2014“dauerte (7) und bekanntlich zum Sturz „von Präsident Wiktor Janukowitsch“ führte. (7; im Original keine Hervorhebungen)

Krügers Vorwurf lautet: Die „deutschen Leitmedien“ hätten ein „Schwarz-Weiß-Bild“ gezeichnet, indem bestimmte, von Krüger (zum Teil detailliert) aufgezeigte

„Informationen [weit gehend ausgeblendet], deren Überbringer gern als «Putin-Versteher», wenn nicht gar «Verschwörungstheorieethiker» diffamiert wurden“. (13; im Original keine Hervorhebung)

Aus diesem (Ausgangs-)Fall formuliert Krüger seine These:

„das Wesen des Mainstreams in einer demokratischen Mediengesellschaft [scheint] zu sein: dass kritische Perspektiven und abweichende Meinungen durchaus einmal vorkommen [!!], aber keinen Einfluss auf die Folgeberichterstattung und die von Tag zu Tag fortgesetzte Erzählung der Geschehnisse in den Hauptnachrichtensendungen und großen Zeitungen haben.“ (14)

Nachfolgend versucht Krüger,

Gründe

für den Wandel des deutschen kritischen Journalismus zum Mainstream-Journalismus

aufzuzeigen.

1. Wertneutralität ist durch quantitativ unterschiedliche Nennung/Häufung außer Kraft gesetzt:

„«Medialer Mainstream» ist also zunächst einmal, ganz wertfrei, das Phänomen, dass zu einem Zeitpunkt die Mehrzahl der Leitmedien ein bestimmtes Thema behandelt oder eine bestimmte Meinung vertritt.“ (30)

2. Medienimmanenz/Selbstreferenz: Orientierung von Medien an andern Medien:

„Mainstream entsteht auch, wenn Medien sich an anderen Medien orientieren, an Nachrichtenagenturen wie der Deutschen Presseagentur (dpa), […] und Reuters, oder an den jeweils statushöheren Leitmedien.“ (41)

Grund der Aufgabe von Qualität: Mangelnde Zeit (Beschleunigung journalistischer Prozesse bei gleichzeitiger Ausdünnung von Redaktionen) und/oder mangelnde Bereitschaft/Anreize zu eigener Recherche:

„Eine Studie an der Universität Leipzig, in deren Rahmen 235 Journalisten bei der Arbeit beobachtet wurden, ergab, dass nur 11 Minuten am Tag für die Überprüfungsrecherchen, also für Quellenscheck und Faktenkontrolle, verwendet werden.“ (42; im Original keine Hervorhebungen)

Krüger nennt zudem eine Studie, der zufolge lediglich

2 Prozent der Texte […] vollkommen selbst recherchierte und angestoßene Initiativen fern der Termin-Berichterstattung“ waren. (51; im Original keine Hervorhebungen)

3. Abhängigkeit von Anzeigenkunden

Werbeeinnahmen im Printmedien-Bereich sind rückläufig.

„Redaktionen [nehmen daher] zunehmend Rücksicht auf Anzeigenkunden“. (54)

4. Die Konkurrenz der sozialen Medien

Den traditionellen Medien erwächst durch die sozialen Medien enorme Konkurrenz um die Aufmerksamkeit:

„Aufmerksamkeit verteilt sich neu, ist in soziale Netzwerke, Blogs, Wikis und Suchmaschinen abgewandert.“ (47)

5. Hinzu kommt eine „Art der Volkspädagogik“: (36) Dass sich Journalisten als Erzieher zum Guten verstehen:

Informationen sind Akte. Akte des International. Keine Information ist daher wertfrei:

„Die mediale Wirklichkeit ist kein simpler Spiegel der Welt, sondern eine Konstruktion.“ (37)

Diese Konstruktion erfolgt zum Teil zumindest auch aus erzieherisch-moralischen Intentionen.

Der „Pressekodex des Deutschen Presserates [mahnt z.B. …] eine verantwortungsvolle und diskriminierungsfreie Berichterstattung über Minderheiten“ an. (123; ; im Original keine Hervorhebungen)

Dem entsprechend sei

„in einer Verantwortungsverschwörung gemeinsam mit den politischen Spitzen des Landes [… Einvernehmen darüber erzielt worden,] über die Probleme des Flüchtlingsandrangs nicht offen zu debattieren.“ (124)

„die Journalisten betreiben womöglich verstärkt «Integration durch Konsens»“. (130)

Als Gewährsmann zitiert Krüger u.a. Jörg Baberowski:

„Nun haben die Untersteller die Ukraine für sich entdeckt. Ihre Welt ist eindeutig, sie kennen nur schwarz und weiß. In Kiew werden europäische Werte verteidigt, in Moskau werden sie mit Füßen getreten, in der Ukraine wird der Nationalstaat, in Russland das Imperium besungen. Für den Aufrichtigen kann es gar keinen Zweifel geben, dass Vorstellungen, die aus der Welt der Finsternis kommen, bekämpft werden müssen.“ (Baberowski, ZEIT)

Und:

„Verstehen heißt, den anderen beim Wort zu nehmen und zu versuchen, die Welt aus seiner Perspektive zu sehen. Daran aber findet der Untersteller keinen Gefallen. Für ihn gibt es nur eine Wahrheit, eine Vorstellung und eine Welt. Wer nicht so spricht wie er selbst, wird aus dem Diskussionsraum ausgeschlossen.“ (Baberowski, ZEIT)

Neu ist dieser Moralapostel-Habitus freilich nicht. Bereits Martin Walser rügte in seiner berühmt-berüchtigten Dankesrede „Erfahrungen beim Verfassen einer Sonntagsrede“ anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels am 11.10.1998:

die „Meinungssoldaten [… die] mit vorgehaltener Moralpistole, den Schriftsteller in den Meinungsdienst nötigen“. (13)

6. (Power) Indexing

Der Begriff Indexing stammt, so Krüger, von W. Lance Bennett.

„Die großen Medien, so besagt die These, tendieren dazu, die Spanne der Meinungen und Argumente in der offiziellen politischen Debatte, also in Parlament und Regierung anzuzeigen, zu «indexieren». […] Besteht aber über ein Thema Konsens, so die Annahme, unterstützen die Medien die Regierungslinie.“ (60)

Diese Restriktion der Berichterstattung führt auch dazu, dass

„die Komplexität der Aufgabe enorm reduziert“ wird. (61)

Aus Indexing wird

„«Power Indexing». Das heißt: Anstatt eines Indizierens aller Meinungen innerhalb von Exekutive und Legislative wird reine Regierungsberichterstattung betrieben. […] Der journalistische Hintergedanke ist offenbar, jenen Akteuren den meisten Platz einzuräumen, die den mutmaßlich größten Einfluss auf das künftige Geschehen haben – die anderen erscheinen den Berichterstattern ebenso wie den politischen Entscheidern offenbar irrelevant. Eine Regel, die freilich den ohnehin Mächtigen noch weiter in die Hände spielt und die Ohnmächtigen noch weiter marginalisiert – und die den Journalisten nebenbei gute Beziehungen zu den Entscheidern sichert.“ (61)

7. Selbstreferenz durch (Power) Indexing

„die großen Medien [klammern sich] oft an die Deutungsmuster, die politische (und andere) Eliten vorgeben.“ (65)

„Journalismus fällt auf diese Weise als Frühwarnsystem für Fehlentwicklungen regelmäßig aus – und nach dem bösen Erwachen gibt es dann stets ein bisschen Selbstkritik in Branchenmagazinen und auf Medientagungen.“ (66)

8. Personalauswahl: Homogenität der Redaktionsteams

„Da Journalisten in der redaktionellen Hierarchie […] per […] Berufung durch die Redaktionsleitung [aufsteigen], die wiederum von Verlagsentscheidern (die die Interessen der Eigentümer vertreten) oder Sendeanstaltsgremien (die de facto von Parteipolitikern dominiert werden) inthronisiert wird, sei die Zuspitzung erlaubt: Die Eliten suchen sich ihre Journalisten aus.“ (83f)

Auch für die Zusammensetzung von Redaktionsteams gilt zudem das

„«Homophilie»-Phänomen […]: Kontakt zwischen einander ähnlichen Personen kommt häufiger vor als zwischen einander unähnlichen.“ (101)

An den Journalismus-Schulen und in den Redaktionsteams dominieren „Mittelschicht-Kinder“. (82)

9. Tauschgeschäft: Information gegen Publizität

„Das Verhältnis zwischen Journalisten ihren Quellen ist eine Symbiose, bestimmt vom Tauschgeschäft Information gegen Publizität: Der Journalist bekommt Informationen und verschafft im Gegenzug seiner Quelle (oder deren Anliegen) Öffentlichkeit.“ (85)

„Wer Konsens herausfordert und anerkannte Glaubenssätze hinterfragt, der kann von informellen Informationsflüssen abgeschnitten werden, der ist politisch tot.“ (110)

Daher „dürfte [es] nicht selten vorkommen, dass Journalisten sich im Zuge ihrer beruflichen Sozialisation zunehmend selbst zensieren“. (111)

10. „Elitenhandeln“ (104) in Elitenimmanenz

Für „Elite-Journalisten“ (86) „des deutschen Prestige-Journalismus“ (92) — Chefredakteure, Zeitungsherausgeber… — gilt zudem: Sie sind parteiisch: Sie arbeiten als Lobbyisten – z.B.

„der Außenpolitik-Ressortleiter der FAZ, Klaus-Dieter Frankenberger (bis 2015) „als Beirat der Bundesakademie für Sicherheitspolitik“ – für die Regierung, „um das Meinungsklima in der Bevölkerung zu drehen.“(89; im Original keine Hervorhebungen)

Zudem sind Elite-Journalisten häufig in USA-freundlichen Organisationen tätig (gewesen) oder sind Ihnen positiv zugewandt. Z.B. engagierte sich

Stefan Kornelius, der das Ressort Außenpolitik bei der Süddeutschen Zeitung leitet […,] Im Präsidium der Deutschen Atlantischen Gesellschaft.“ (93)

Josef Joffe, Mitherausgeber der Zeit“ unterhält Beziehungen zu 19 Organisationen. „Darunter die Trilaterale Kommission, die Atlantik-Brücke, das American Institute for Contemporary German Studies, der American Council on Germany und die American Academy in Berlin.“ (95)

Als weiteren Elite-Journalisten nennt Krüger den Chef Korrespondenten der WELT, Michael Stürmer. Die vier Genannten (Frankenberger, Kornelius, Joffe und Stürmer) sind sich u.a. darin einig,

„dass Deutschland das Bündnis mit den USA pflegen muss, um den Bedrohungen angemessen begegnen zu können.“ (98)

„Das Bild, das die vier von Konflikten und Bedrohungen zeichneten, war ebenso eindimensional wie das in den amtlichen Dokumenten und Doktrinen: Der eigene Beitrag des Westens zu Krisen und Konflikten wurde nicht reflektiert“. (99)

Zudem organisieren Journalisten „26 verschiedene Kreise“ für und mit der Politik, z.B. Berliner Presseclub, Wohnzimmer-Kreis, (107) Weiß-blauer Stammtisch, Chefredakteursrunde bei der Kanzlerin: (108)

„«Die Zugehörigkeit zu einem Kreis funktioniert als Statussymbol. Hintergrundkreise haben auch den Zweck, für das Berliner Milieu sichtbare Hierarchien zu strukturieren. Welcher Journalist wie wichtig ist, erkennt man daran, in welchen Kreisen er ist und welchen Zugang zu Politikern der hat», sagt Kommunikationswissenschaftler Jochen Hoffmann“. (109; im Original keine Hervorhebungen)

Fazit:

Auch wenn keine Gleichschaltung von außen zu beobachten ist, Journalisten neigen zu Konformismus (aus o.g. Gründen). Zudem sind nicht alle Gruppen der Gesellschaft (überhaupt bzw. angemessen)repräsentiert. Die Orientierung erfolgt primär an der Elite und ihren Interessen. Daher gilt:

„Das Problem, dass die Nutzer mit ihren Journalisten haben, ist vor allem ein Repräsentationsproblem.“ (103)

Doch das ist problematisch. Denn:

„solange «Mainstream-Medien» die PR-Erzählungen der eigenen Regierung und ihrer Verbündeten medial verstärken, anstatt sie zu demaskieren und deren blinde Flecken auszuleuchten, solange werden die Zweifel an ihrer Objektivität nicht verschwinden.“ (141)

Im Gegenteil: Sie könnten noch zunehmen…

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Toleranz für Nikab??

Frog1(Lena Greiner, Was tun, wenn eine Schülerin Nikab trägt?, SPIEGEL online, 30.9.2016)

(Schülerin darf Niqab trotz Verbot tragen, ndr.de, 5.11.2016)

„Eine Schülerin kommt jahrelang vollverschleiert in den Unterricht. Nach drei Jahren – das [mittlerweile 16-jährige] Mädchen ist mittlerweile in der zehnten Klasse – schaltet die Schulleitung der Johannes-Vinke-Schule in Belm bei Osnabrück in diesem Spätsommer [2016] die Behörden ein.“ (Greiner; im Original kein Fettdruck)

Warum erst jetzt??

„Erst als sie [Ute Haehnel, die Schulleiterin der Oberschule in Belm] im August auf den Fall einer 18-jährigen Schülerin aus Osnabrück aufmerksam geworden war, die ebenfalls mit einem Niqab zur Schule kam, wendete sie sich an die Niedersächsische Schulbehörde. Im Fall der 18-Jährigen hatte das Osnabrücker Verwaltungsgericht eine Teilnahme am Unterricht mit Niqab untersagt.“ (ndr; im Original kein Fettdruck)

Doch wer will schon vor Gericht, noch dazu vor ein Gericht, das so böse urteilt: Vorurteile gegen den Nikab hegt, obwohl der doch halāl ist. Also: versuchte man/frau es zunächst mit drei Weisen:

„Das Kultusministerium, die Landesschulbehörde und der Verfassungsschutz sind nun mit dem Fall beschäftigt. Das Ziel: eine „Verhaltensänderung“ bei der schulpflichtigen Jugendlichen zu erwirken.“ (Greiner; im Original kein Fettdruck)

Welch‘ Ehre!! Gleich drei Spitzenbehörden des Staats wurden also (laut SPIEGEL) mit dem Fall befasst….

Doch, wie nicht anders zu erwarten, gab es auch reichlich Widerspruch durch die Toleranz-Apologeten:

„Ein Verbot der Vollverschleierung ist der vollkommen falsche Weg“, sagte GEW[Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft]-Vorstandsmitglied Ilka Hoffmann“. (zitiert nach Greiner; im Original kein Fettdruck)

Und was war denn nu‘ das Ende vom Lied?? –:

Parturient montes, nascetur ridiculus mus.

Es kreißten die Berge und gebaren: (nur) eine possierliche Maus ––, hieß es einst bei Horaz.

Doch jetzt, oh Wunder, nicht ‘ne Maus / vielmehr ein Freifahrtschein sprang raus. Trara!

„Nun hat der Kultusausschuss des Landtags sich eingeschaltet und entschieden: Die junge Frau darf ihren Niqab, der nur einen Schlitz für die Augen frei lässt, weiter tragen. Man wolle sie nicht dazu zwingen, den Schleier abzulegen, erklärte Staatssekretärin Erika Huxhold. Und das obwohl die Schülerin mit der Vollverschleierung gegen das niedersächsische Schulgesetz, die niedersächsische Verfassung und gegen das Grundgesetz verstoße.“ (ndr; im Original kein Fettdruck)

Das nennt man/frau – sofern denn „normal“-Deutsche betroffen wären – gemein hin Rechtsbeugung. Doch hier geht es ja um höhere Güter: Um Gottes-Gebote der Wahren Religion!! Klar, dass da, wenn zu befürchten ist, dass das Gericht nicht willig ist/sein könnte, der Gesetzgeber selbst gefordert ist nachzuhelfen. Alahu akbar!!

Welche ähnlichen Fälle gab es in der Vergangenheit?

Laut Schulbehörde gab es – inklusive des aktuellen Falls der Zehntklässlerin – in Niedersachsen bislang fünf Fälle, in denen Schülerinnen vollverschleiert zum Unterricht erschienen. Dreimal seien die Mädchen in Gesprächen davon überzeugt [!!] worden, die Vollverschleierung abzulegen.

In dem anderen Fall hat das Verwaltungsgericht Osnabrück kürzlich entschieden, dass ein Abendgymnasium eine Nikab-tragende Schülerin abweisen darf. Allerdings habe hier durchaus die Chance bestanden, dass das Gericht im Sinne der Schülerin entschieden hätte, hieß es hinterher. Die Schülerin war jedoch nicht vor Gericht erschienen – obwohl der Richter ihr persönliches Erscheinen angeordnet hatte, weil er mehr zu ihren religiösen Motiven erfahren wollte.

[: um ihr Recht geben zu können, darf vermutet werden. Denn wenn an deutschen Gerichten selbst Kinderehen geschlossen werden dürfen (siehe: Urteil des OLG Bamberg), warum dann nicht auch mit richterlichem Segen Vermummungskleider akzeptiert?? – Wie wir mittlerweile wissen, durfte ja auch Schatziputzi Amri mit Drogen dealen, mehrere Identitäten führen, unrechtmäßig Sozialhilfe abkassieren…]

Weitere prominente deutsche Fälle, in denen verschleierte Frauen für Kontroversen gesorgt hatten:

  • Im April 2014 versuchte eine muslimische Schülerin ebenfalls erfolglos, sich vor Gericht einen Platz an einer staatlichen Berufsoberschule in Bayern zu erstreiten. Die Schule hatte ihre Aufnahme widerrufen, weil die Schülerin im Nikab zum Unterricht hatte kommen wollen. Der Schleier verhindere jedoch eine offene Kommunikation, urteilte der Bayerische Verwaltungsgerichtshof in München.

 

  • Im Mai 2014 verbot die Universität Gießen einer Studentin, im Ganzkörperschleier Vorlesungen oder Seminare zu besuchen. Ein angemessener wissenschaftlicher und akademischer Diskurs sei durch ihre Verschleierung nicht möglich. Die Studentin stimmte zu, bei Uni-Veranstaltungen und Prüfungen keinen Nikab zu tragen.

 

  • Im Jahr 2006 hatte eine Bonner Gesamtschule zwei Elftklässlerinnen für zwei Wochen vom Unterricht ausgeschlossen, nachdem sie nach den Ferien plötzlich im Nikab zur Schule gekommen waren. Eine Schülerin verzichtete daraufhin wieder auf den Schleier, die andere meldete sich von der Schule ab.“ (Greiner; im Original kein Fettdruck)

Fazit:

O wie schön, dass es auch: sprich noch Richter in Deutschland gibt, die (bislang zumindest) nicht ins Lager der vor der Scharia Kapitulierten zählen…

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G. Kepel zum Ursprung des Begriffs „haram“

Frog1(Gilles Kepel u. Antoine Jardin, Der Terror in Frankreich. Der neue Dschihad in Europa, Aus dem Französischen von Werner Damson, München, 2016)

„Das Wort »Marrane« kommt aus dem spanischen marrano, was Schwein bedeutet, das wiederum aus dem arabischen Wort mahram stammt und laut Scharia haram, nicht erlaubt ist“. (267)

Frog4

 

G. Kepels Kritik an E. Todd

Frog1(Gilles Kepel u. Antoine Jardin, Der Terror in Frankreich. Der neue Dschihad in Europa, Aus dem Französischen von Werner Damson, München, 2016)

(Emmanuel Todd, Wer ist Charlie?, Die Anschläge von Paris und die Verlogenheit des Westens, Aus dem Französischen von Enrico Heinemann, München, 2016)

im dritten, letzten Teil seines Buchs Terror in Frankreich, der den Titel trägt

#CharlieCoulibaly“,

geht der derzeit wohl profilierteste Islamismus-Experte, Gilles Kepel, ausführlich auf Emmanuel Todds Wer ist Charlie? ein.

Kepel stimmt Todd lediglich darin zu, einen – wenn auch zu wenig fundierten – Debattenbeitrag geleistet zu haben:

„Emmanuel Todd wird seiner Rolle gerecht, wenn er den schwachen Konsens vom 11. Januar kritisch auseinandernimmt, und auch sein Beitrag zu der Debatte über die Bruchlinien in der französischen Gesellschaft ist durchaus zulässig als Analyse eines kritischen Intellektuellen.“ (268)

Kepels Kritik an Todds Buch ist dem entsprechend fundamental, vielschichtig und umfasst folgende Aspekte:

  • Todds Außerachtlassen der Terrorakte als Ursache der Großdemonstration Je suis Charlie vom 11.1.2015

Kepel kritisiert Todd dafür, in seine Gesellschaftsanalyse nur die Auswirkungen, nicht aber die Ursachen –: die Terrorakte der Islamisten – einbezogen zu haben:

„Problematisch aber war, dass die Grundlagen seiner [von Todds] Überlegungen völlig im Dunkeln blieben.“ (268)

 

„Der Autor [Todd] geriet auf Abwege, als er bei einer Thematik von solcher Tragweite die Ursache eines Ereignisses ausblendete und einzig und allein seine Auswirkungen untersuchte.“ (268)

Genauer:

„Todd blendet die Analyse der von den Brüdern Kouachi und von Amedy Coulibaly verübten Mordserie vollständig aus und ist in seinem Denken wie besessen von der Demonstration am Sonntag, dem 11. Januar“ 2015. (287f; im Original kein Fettdruck)

  • Todds Gesellschaftskritik des Bürgertums: Laizismus als kaschierte Islamophobie

Für Todd

„war der Impuls für die Demonstration vom 11. Januar das genaue Gegenteil einer großherzigen Neugründung der Republik aus einer kollektiven Auflehnung gegen den dschihadistischen Terrorismus […]. Für ihn kam darin ein aggressiver Laizismus zum Vorschein, der sich die »Islamophobie« auf die Fahnen geschrieben hatte. Die französischen Eliten hätten durch eine ideologische Beeinflussung die Mittelschicht manipuliert und sie überredet, auf die Straße zu gehen im Sinne einer Stigmatisierung der Muslime als Sündenbock. Diese seien nun nachdrücklich aufgefordert, ihren Propheten zu verfluchen und sich damit als echte Franzosen auszuweisen, ganz so wie in Zeiten der Inquisition, als nach der Reconquista zwangskonvertierte iberische Juden, die Marranen, gezwungen wurden, Schweinefleisch zu essen, um sicher zu gehen, dass sie dem Judentum abgeschworen hatten.“ (267; im Original kein Fettdruck)

  • Todds ressentiment-behaftete Fassung des Begriffs Zombie-Katholiken

Der Begriff

„»Zombie-Katholiken«, wie Todd die entchristlichten Menschen der Gegenwart nennt,“ (269; im Original kein Fettdruck)

  • Todds (empirisch unzureichend fundierte) Konstruktion des Zombie-Katholikentums

Die Großdemonstration vom 11.1.2015

„war in seinen [Todds] Augen eine Veranstaltung von »Zombie-Katholiken« der Mittelschicht zur Proklamation ihrer Islamphobie, die jetzt als Ideologieersatz für den angeblichen atavistischen Antisemitismus der französischen Eliten dient.“ (288)

 

„Erkundigungen, die zu Fuß im Nahen Osten, im Maghreb und in unseren Vorstädten durchgeführt werden, sind anstrengender als sozio-historische Gedankenspiele rein, die auf Landkarten französische Orte mit angeblichen »Zombie-Katholiken« verzeichnen, die den Islam ekelerregend fänden.“ (268f; im Original kein Fettdruck)

  • Todds dialektische Neuzuordnung, sprich kommunistische Uminterpretation des Islam

Todds antichristliches Ressentiment scheint politisch motiviert zu sein:

„Emmanuel Todd geht von seiner »jüdisch-bolschewistischen« Selbstdefinition aus“(287).

 

„Todd war in seiner Jugend kommunistischer Aktivist. Er wie auch ein Teil der französischen Linken und Linksextremisten standen dem Verschwinden des Kommunismus, des einstigen Geburtshelfers einer strahlenden Zukunft der Menschheit, ebenso fassungslos gegenüber wie der Hinwendung der Arbeiterschaft zum Front National. Sie es essentialisierten daher »die Muslime« und übertrugen Ihnen die Tugenden des »Proletariats« von früher, wobei Todd seine bolschewistische Vergangenheit zu Hilfe kam. Seine Bezeichnung des Islam als »Religion der Schwachen«, auf welche die Demonstranten vom 11. Januar die Pflicht zu spucken hätten, verweist darauf, dass das Moralisch-Religiöse weiterhin an der Stelle von Politik stand, wie es schon zu Beginn in Iranischen Revolution von 1978 bis 1979 der Fall gewesen war: Den Ausdruck »Schwache« […] benutzte […] der Ideologe Ali Shariati, um die marxistische Formulierung von den »Unterdrückten« in islamische Kategorien zu übersetzen.“ (270; im Original kein Fettdruck)

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Das Lob der Peitsche: Bei Anhängern Jesu‘ wie „Parteigängern Alis“

Frog1(Stephen Greenblatt, Die Wende. Wie die Renaissance begann, Aus dem Englischen von Klaus Binder, 72011, München)

Was Stephen Greenblatt über die Katholiken schreibt, gilt insbes auch für die Schiiten. Beider Helden starben als Märtyrer und wurden und werden als solche verehrt und immer wieder aufs Neue wiedererinnert: In der imitatio passionis:  

„Tausend Jahre hatte es gedauert, um den Kampf zu gewinnen und der Suche nach Schmerz und Unlust zum Sieg zu verhelfen. »Ist nicht unser Erlöser nach dem Bericht des Evangeliums selbst ausgepeitscht worden?« Diese Frage hielt [Petrus] Damiani seinen Kritikern entgegen, wenn diese das Lob der Peitsche in Frage stellten. Wurden nicht auch die Apostel, viele Märtyrer und Heilige gegeißelt? Gab es einen besseren Weg, ihren Fußspuren zu folgen, eine erfolgversprechendere Methode, Christus nachzufolgen, als die Schläge zu erdulden, die er erlitt? Natürlich waren es, das räumte auch Petrus Damiani ein, im Falle des glorreichen Vorgängers und auch der Märtyrer Dritte, die Peitsche oder Stock schwangen. Aber in einer Welt, in der das Christentum gesiegt hatte, müssten die Gläubigen das Peitschen selbst erledigen. Andernfalls nämlich bliebe nichts übrig von Traum und Lehre von der imitatio Christi“. (117f; im Original kein Fettdruck)

Katholiken und Schiiten eint (nicht nur) ihre Liebe zur Selbstgeißelung: statt Fremdgeißelung (z.B. durch Selbstmordattentate )…

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Göttliche Vorsehung: Nur Froschgesang

Frog1(Stephen Greenblatt, Die Wende. Wie die Renaissance begann, Aus dem Englischen von Klaus Binder, 72011, München)

„Wie konnte jemand, der auch nur über einen Funken Verstand verfügte, an die Idee der Vorsehung glauben, an diese kindische Vorstellung, die jeder vernünftigen Erfahrung und Beobachtung Erwachsener widersprach? Christen konnten nichts anderes sein als ein Rat von Fröschen, die in ihrem Teich hocken und mit allem, was ihre Lungen hergeben, quaken: »Für unser Heil wurde die Welt erschaffen.«“ (108; im Original keine Hervorhebung)

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Gründung Salonikis (ca. 310 v. Chr.)

Frog1(James Romm, Der Geist auf dem Thron. Der Tod Alexanders des Großen und der mörderische Kampf um sein Erbe, Aus dem Englischen von Karl Heinz Siber, München 2016)

Über die Gründung Salonikis schreibt James Romm (in seinem lesenswerten Buch über den Kampf um Alexanders Erbe):

„Unter den Überlebenden des Hungerinfernos von Pydna [316 v. Chr.] hatte Kassander eine Halbschwester Alexanders des Großen gefunden. Thessalonike, eine Tochter Philipps aus der Verbindung mit einer griechischen [!!] Frau namens Nikesipolis. In dem Gerangel um die Nachfolge Alexanders war Thessalonike bis dahin unsichtbar geblieben, obwohl sie ledig und noch im gebärfähigen Alter war. Kassander ergriff diese unverhoffte Chance und heiratete Thessalonike umgehend. […]

 

Kassander machte sich daran, Erben zu zeugen. Er war entschlossen, dass die Monarchie durch ihn weiterleben würde […]

 

Kassanders lange Erfolgssträhne hielt an: Thessalonike sollte ihm in den kommenden Jahren drei Söhne gebären, Knaben, die mindestens zu einem Teil noch Argeadenblut in den Adern hatten […]. Den Namen seiner Frau verwendete er zur Benennung einer von ihm gegründeten Stadt auf makedonischem Boden, als Zeichen der Dankbarkeit für Ihre Passivität [!!] und Fruchtbarkeit. Die Stadt lebt und gedeiht bis heute: Thessaloniki, im Norden Griechenlands.“ (300f; im Original keine Hervorhebungen durch Fettdruck)

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320 v. Christus: Die Juden werden Teil europäischer Geschichte

Frog1(James Romm, Der Geist auf dem Thron. Der Tod Alexanders des Großen und der mörderische Kampf um sein Erbe, Aus dem Englischen von Karl Heinz Siber, München 2016)

James Romm datiert den Einzug der Juden in die europäische Geschichte auf die Zeit der Eroberung Jerusalems durch Ptolemaios (320 v. Chr.). Ausdrücklich weist er dabei darauf hin, dass die Juden damals aufgrund des Sabbat-Gebots keinen Widerstand leisteten. Zudem betont er die Bedeutung jüdischen Einflusses auf die Entwicklung Alexandrias als (Kultur-)Hauptstadt Ägyptens unter Ptolemaios:

„Ptolemaios [wusste] eine Menge über die Juden, genug, um deren eigene religiöse Praktiken gegen sie zu verwenden. Er hatte erfahren, dass ihr Kalender in Wochen zu je sieben Tagen eingeteilt war und dass es in jeder Woche einen Sabbat gab, an dem jegliche Arbeit ruhte und auch das Tragen von Waffen untersagt war. Ptolemaios plante deshalb, seinen Einmarsch in Jerusalem auf einen Sabbat zu legen. Die Juden hielten sich an ihre alten Vorschriften und rührten keine Hand gegen ihn. Ptolemaios feierte einen unblutigen Sieg und erweiterte sein Herrschaftsgebiet um eine reiche neue Provinz. Alexandria, Ptolemaios‘ neue Hauptstadt, begann sich mit jüdischen Gefangenen und Migranten zu füllen und wurde bald das pulsierendste Zentrum jüdischen Lebens außerhalb Jerusalems.

 

So hielten die Juden Einzug auf der Bühne der europäischen Geschichte: als fromme Toren, die ein Feldherr Alexanders besiegte, weil sie nicht gegen die Gesetze von Moses verstoßen wollten.“ (208; im Original keine Hervorhebungen)

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Was bleibt von Merkel?

Frog1(Markus Horntrich, 2017 geht es um die Wurst, Der Aktionär, 6.-12.1.2017, 3)

(Bündnis 90 / Die Grünen, Flüchtlinge, 10.1.2017)

Merkels Regierungserfolg fällt derzeit traurig aus. Denn das Land ist gespalten:

Rein sachlich (und auch rechnerisch (siehe: Merkelnomics) richtig betrachtet, ist das Fazit nach 2 Legislaturperioden Merkel ernüchternd:

„Merkels Amtszeit wird in die Geschichte vor allem als unkoordiniertes Großexperiment in Migrationsangelegenheiten eingehen. Als Amtszeit, in der der Terror nach Deutschland kam, mit dem „wir nun leben müssen“.“

Doch während die einen lamentieren, freuen sich die andern (in ihren sozialen Netzwerken) über jeden (pseudo-)syrischen Flüchtling, dem es mit ihrer Hilfe gelang, (auf Staatskosten versteht sich) eine angemessen große, eigene Wohnung zu ergattern und (endlich nach reichlich Nachfassen bei den Behörden) mit seiner vielköpfigen Familie auf deutschem Boden (auf Staatskosten versteht sich) wiedervereint zu sein. Hurra!!

Merkel sei Dank: Endlich gibt es eine Klientel, um die sie sich all die Gutmenschen, die bislang ihre Talente nicht entfalten konnten, kümmern dürfen. Auf dass es so bleibe: O, ihr Flüchtlinge, ach kommet doch all !!!! — Das Gutmensch-Credo, z.B. der Grünen, lautet daher:

Das „Menschenrecht auf Schutz und Asyl [kennt] keine, wie auch immer gearteten Obergrenzen oder Maximalkapazitäten.“

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