Sokrates ein Spieler? Dominik Erhards abstruses Philosophiegeplapper

„Ich will doch nur spielen…“, aspekte, 23.10.2020

Christian Wulff findet seinen Satz zum Islam „notwendiger denn je“, Welt online, 18.9.2020

Julien Dupuy (Regie), Stephen King – das notwendige Böse, Arte, 2020

In die Aspekte-Sondersendung „Ich will doch nur spielen…“ vom 23.10.2020 wurde ein Beitrag von Gerald Giesecke integriert, in dem u.a. Dominik Erhard zu Wort kam. Seine Antworten auf die beiden nachfolgend genannten (selbst-gestellten?) Fragen sind ungekürzt widergegeben:

Ist spielen sogar göttlich?

Man kann, wenn man sich fragt, welche Rolle die Religion eingenommen hat in Bezug auf das Spiel, sehr klar sagen, dass Länder oder Gesellschaften, die christlich geprägt waren durch einen strafenden Gott, der sagt, entweder du tust, was ich sage, was ich meine, oder ich entziehe dir praktisch meinen Zuspruch, dass man in solchen Gesellschaften weniger Spiel hat, wie zum Beispiel logischerweise auch in unserer Gesellschaft, wo man sagt, man muss eine gewisse Sache tun, um jemandem zu gefallen. Man hat sehr wenig Möglichkeiten, um dem Zufall eine Tür zu öffnen und sehr wenig Möglichkeiten, um zu scheitern. Im antiken Griechenland zum Beispiel war das komplett anders. Da waren die Götter anders aufgestellt. Da war die ganze Religion eine andere, weil der ganze Olymp bevölkert war von Göttern, die auch scheitern, die auch fremdgehen, es sich mit ihren Lieben verscherzen. Und da konnte man auch in der Gesellschaft sagen, wir spielen, weil die Götter sind wie wir.

Und was sagen große Denker?

Wenn man sich die Frage stellt, wie im antiken Griechenland das Verhältnis von Freiheit und Spiel war, glaube ich, ist es wichtig, auf Sokrates zu sprechen zu kommen. Der hat gesagt: wir Menschen sind immer Spielende, weil wir eigentlich Bürger zweier Welten sind. Auf der einen Seite sind wir Bürger dieser Welt. Wir haben Körper. Wir haben Bedürfnisse, müssen essen, müssen schlafen, das heißt hier können wir nicht so richtig spielen, weil die Vorgaben relativ klare sind. Wir sind aber auch Bürger einer anderen Welt, nämlich einer göttlichen Welt, einer Welt der Ideen. Und im Spielen verbinden sich diese beiden Ebenen, weil wir im Spielen praktisch die Ewigkeit sehen und aber trotzdem in einer physischen, sehr handfesten Welt sind, das heißt im Spielen kommt zusammen, wo Platon sagen würde, da sind wir wirklich Mensch. Das Spielen an sich zu verlernen würde, glaube ich, auch bedeuten zu verlernen, dass man ein Mensch ist.

Die hier gemachten Aussagen sind recht befremdlich. Vier Entgegnungen hierzu:

1

Interessant ist zunächst Erhards Behauptung, dass das gegenwärtige Deutschland nicht mehr christlich geprägt ist – zumindest insofern, als die Vorstellung eines strafenden Gottes obsolet sei. Dass wir tatsächlich einen Abnabelungsprozess von der Kirche – ob auch vom Christentum, ist eine andere Frage – durchlaufen, zeigen die zahlreichen und seit Jahren anhaltenden Kirchenaustritte.

Erhard sagt aber nichts darüber, wer die entstandene und sich stetig vergrößernde Leerstelle füllt. Hier ist anzumerken, dass selbst CDU-Politiker, die das Christliche ja im Namen ihrer Partei führen, ihre christliche Prägung und ihre überkommene Position preisgeben.

„Zehn Jahre nach der heftigen Diskussion über seinen Satz „Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland“ hält Altbundespräsident Christian Wulff weiter an der Aussage fest. „Ich halte den Satz für notwendiger denn je“, sagte Wulff dem Evangelischen Pressedienst.“

Verräterisch in Wulffs Aussage ist das Wort „auch“. Denn durch die Einfügung dieses Worts wird indiziert, dass der Islam nun (neben anderen Ländern) auch in Deutschland heimisch ist. Herzlichen Dank auch! Statt des strafenden Gotts des Alten Testaments haben wir es nun mit dem des Koran zu tun. Und der fordert bekanntlich die bedingungslose Unterwerfung der Gläubigen und kennt für die Ungläubigen nur einen Ort: die Hölle.

„Und sie haben Allah Nebengötter gleichgestellt, um (die Menschen) von Seinem Wege abirren zu machen. Sprich: «Vergnügt euch eine Weile, dann aber geht eure Reise zum Feuer.» (Sure 14, Vers 31)

Dass die Ausbildung einer Dhimmi-Kultur in Deutschland geradezu erwünscht ist, ist aus dem nächsten Zitat Wulffs zu entnehmen:

„Da ist es doch unbestreitbar, dass Moscheen inzwischen zu unserem Alltagsbild gehören und Rücksicht auf religiöse Belange von Muslimen genommen werden sollte.“

(i) Erst wird — u.a. mit der „Refugees welcome“-Politik — der Zuzug von Muslimen forciert, (ii) dann wird den Zugezogenen gestattet, Moscheen zu bauen, d.h. ihren Glauben im Staat sichtbar zu machen und (iii) dann wird zu guter Letzt gefordert, sich ihrer Praxis anzupassen. Integration heißt für Wulff nicht, dass sich die Zugezogenen anzupassen haben, sondern die, die sie aufnehmen! Die Verknechtung unter das Diktat des Islam scheint Staatsdoktrin. Herzlichen Dank auch!

2

Die Aussage, dass im gegenwärtigen Deutschland Scheitern als Versagen gilt, mag zutreffen. Die Behauptung aber, dass im alten Griechenland Scheitern eher akzeptiert wurde, widerspricht der Auffassung (fast) aller namhaften Experten: Μέτρον ἄριστον. Das Maß (ist das) Beste. Das war einer der Leitsprüche der Griechen.

Für Platon geht es selbst im Spiel darum, der Beste zu sein; und das gelinge nur, wenn man/frau sich ernsthaft „von Kindheit an damit beschäftigt“. (Politeia, 374c)

Die Kultur der alten Griechen war auf Wettkampf fokussiert. Die Städte führten gegeneinander Krieg. Der Krieg war (meist) bedingt durch den Kampf um die knappen Ressourcen, insbesondere an Lebensmitteln. Friedenszeiten waren die Ausnahme.

Heraklit erklärte daher den Krieg zum „Vater von allem“: Πόλεμος πάντων μὲν πατήρ ἐστί (Fragment 53)

Im Sport-Wettkampf ging es darum, die Überlegenheit eines „Kriegers“ der eigenen Stadt über den einer anderen Stadt zu demonstrieren. Als Wettkämpfer nicht anzutreten war daher ehrenvoller als zu verlieren. Denn nur die Sieger wurden als Helden gefeiert. Für den Zweiten in einem Wettkampf, den Unterlegenen, gab es keine Ehrung, sondern nur Schmach und Verachtung! Hat er doch das Prestige der Stadt, für die er antrat, nicht gemehrt, sondern gemindert. — Im Krieg unterlegen zu sein, bedeutete gar Tod oder Versklavung. —

Dass die Griechen ihren Göttern freizügiges (Sex-)Leben zugestanden, war Ausdruck der Sehnsucht der Griechen nach unbeschwertem Leben, was Sterblichen bekanntlich eben nicht vergönnt ist.

3

Die Behauptung, dass Sokrates gesagt habe, dass wir Menschen immer Spielende seien, wird nicht belegt und ist höchst unwahrscheinlich, da Sokrates seine Pflichten als Bürger extrem ernst nahm und – soweit uns überliefert ist! – sein Handeln stets danach ausrichtete, den eigenen hohen ethischen Ansprüchen zu genügen. Dies schloss ein, die gegen ihn verhängte Todesstrafe zu akzeptieren und selbst zu vollstrecken, indem er das ihm gereichte Gift trank, und nicht, was wohl möglich gewesen wäre, aus der Todeszelle zu fliehen. Er war nur insofern ein Spieler, als er für seine Ironie bekannt war. Selbst die gegen ihn vor Gericht erhobenen Vorwürfe kommentierte er ironisch. Er konnte sich dies Vergnügen leisten, da er den Tod nicht fürchtete. Aus seiner Gelassenheit dem Tod gegenüber resultierte seine Freiheit, nach dem Wahren, Guten und Schönen zu streben ohne auf die Meinungen anderer Rücksicht zu nehmen und Kompromisse einzugehen. Er agierte nicht spielerisch, sondern in allem, was er tat, extrem fokussiert, überlegt und entschlossen. (Zumindest ist dies das Bild, das uns Platon und Xenophon überlieferten.)

4

Wir kennen Platon fast nur aus seinen Schriften und dem, was er uns in diesen mitteilt. Dementsprechend sah er sich als Bürger Athens. Sein Ziel war es, den Stadtstaat Athen so auszugestalten, dass er auf lange Sicht Erfolg haben kann/wird. Insbesondere aus dem Dialog Politeia geht klar hervor, dass er das Spielen nur tolerierte, wenn es dem übergeordneten Ziel, das Wohl der Stadt zu mehren, diente. Alles Handeln habe sich dem Ziel unterzuordnen: „was der Stadt das zuträglichste ist.“ (412e) Zu behaupten, dass er gesagt habe, nur im Spielen seien wir wahrhaft Mensch, ist völlig abstrus.

Vermutlich bezieht sich Erhard auf Friedrich Schiller. Von ihm stammt die Aussage:

„der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ (Über die ästhetische Erziehung…, 15. Brief)

Denn das Wahre, Gute und Schöne liegt für Platon allein darin, dem Wohl der Gemeinschaft dienstbar zu sein. Aus diesem Grund forderte er, dass selbst über die Götter nur „so geredet und gedichtet werden [darf], daß Gott nicht an allem Ursache ist, sondern nur an dem Guten.“ (380c)

Aus dieser Primatsetzung des Gemeinwohls vor dem Eigeninteresse resultiert, dass Aristoteles den Menschen zunächst als Gemeinschaft bildendes Tier definierte und erst im Anschluss daran als ein Tier, das Vernunft besitzt. (Politikon, 1253a) Vernunft ist dem Gemeinwohl nachrangig.

Wenn Heraklit sich in den Tempel der Göttin Artemis außerhalb der Stadt zurückzog, um mit den Kindern zu spielen, so deshalb, um den Bürgern seiner Stadt Ephesos seine Verachtung zu zeigen: „Schaut, das Spiel mit Kindern ist mir wichtiger als die politischen Geschäfte mit euch Männern.“ Dieses elitäre Bewusstsein ist auch Platon eigen.

Spiele spielen Kinder, nicht Erwachsene. Erwachsene, die noch spielen, sind verächtlich. Denn sie sind in ihrer Entwicklung stehen geblieben.

Stephen King drückte diesen Bezug in einer Vorlesung über seinen Roman Es so aus:

It has a coherent thematic corn: You cannot be adult in this or any society until you finished with your childhood.”)

Fazit

Fake News sind kein Alleinstellungsmerkmal Trumps. Auch im vermeintlich seriösen Fernsehen ist pseudointellektuelles Gequake durchaus nicht die Ausnahme…

(Anmerkung: Platon-Zitate sind in der Übersetzung Friedrich Schleiermachers widergegeben)

Macrons verzweifelter Appell an die Einheit der Franzosen

Kulturzeit vom 19.10.2020

NACH MESSER-MORD IN DRESDNER ALTSTADT: VERDÄCHTIGER ALS ISLAMISTISCHER GEFÄHRDER BEKANNT, tag24.de, 21.10.2020

Friedrich Merz, Warum ist dieser islamistische #Syrer…, 21.10.2020

Friedrich W. J. Schelling, Von der Weltseele, Sämtliche Werke, Bd. 2, Stuttgart u. Augsburg, 1857

In Simon Brolls Beitrag für die Kulturzeit vom 19.10.2020 ist folgender Auszug aus Emmanuel Macrons Ansprache anlässlich der Ermordung von Samuel Paty eingearbeitet (und – von wem?– so übersetzt):

„(1) Sie werden uns nicht spalten. (2) Das versuchen sie. (3) Und wir müssen gerade deshalb zusammenhalten. (4) Ich rufe die Gesamtheit aller Mitbürger auf, gemeinsam zu stehen, vereint zu sein ohne Unterscheidungen, die uns trennen könnten. (5) Denn wir sind vor allem Bürger, die vereint sind durch die gleichen Werte, eine Geschichte und ein Schicksal.“

Macrons Appell läuft ins Leere: muss ins Leere laufen.

Schon eine knappe Satz-für-Satz-Analyse des von Broll zitierten Rede-Auszugs zeigt dies auf.

(1) Behauptung (objektiv): dass sie uns nicht spalten werden, wobei beide Gruppen (sie und wir) nicht benannt/identifiziert werden.

(2) Unterstellung (subjektiv): dass sie uns spalten wollen. Die Absicht des Spaltens setzt bereits (vermeintlich oder tatsächlich) bestehende Divergenz voraus. Sie, die anderen, und wir, die einen, werden als antagonistische Gruppen vorgestellt.

(3) Appell: zunächst an die mit wir angesprochene Gruppe zum Zusammenhalt in der eigenen Gruppe. Im zugrunde gelegten Vorkommnis manifestiert in den zu Protest und Trauer versammelnden zehntausenden Demonstranten.

(4) Appell: an die Gesamtheit/Totalität aller, i.e. unter Einschluss derer, die zuvor mit sie (als die vom wir Ausgeschlossenen) bezeichnet wurden, eine Einheit zu bilden ohne auf Divergenzen zu achten.

(5) Begründung (eingeleitet durch denn) mittels der Aussage: wir, und zwar jetzt alle Bürger, sind eins in Werten, Geschichte und Schicksal.

Verzweifelt ist Macrons Appell, weil er unrealistisch ist. Denn er unterstellt als Tatsache, dass sich alle Bürger (bereits) als Einheit begreifen (5), was jedoch gerade nicht der Fall ist, wie just die Ermordung Patys (wieder mal) zeigte. (siehe auch Frankreich trauert um von Flüchtling enthaupteten Lehrer)

Bereits das Denken der alten Griechen kreiste um den Zusammenhang von Einem und Allem (ἓν καὶ πᾶν): die Alleinheit. (Vgl. die Redensart: Du bist mein Ein und Alles.)

Von Friedrich W. J. Schelling wird der Zusammenhang von Gesamtheit, Einheit und Vielheit — doch anders als bei Macron — unter Bezug auf das Universum so thematisiert:

„wirkliche Ganzheit (totalitas) [bestehe…] durch die Einheit in der Vielheit. Die Ganzheit fordert daher die Einheit (identitas), und kann ohne diese auf keine Weise gedacht werden.“  (Schelling, 362)

(Wobei für den Gläubigen Schelling Universum die Menschenwelt nicht ausschließt, sondern mit einschließt.)

Macron differenziert ebenfalls zwischen Gesamtheit (4) und Einheit (4), (5). (Auf Vielheit hingegen bezieht er sich in den oben zitierten Sätzen nur indirekt.) Gesamtheit ist für ihn die Menge aller Bürger. Identität aber ist nichts Gegebenes, sondern Aufgegebenes, durch Vereinigung erst zu Bildendes.

Wie soll Identität jedoch gelingen, wenn sie nicht wollen und wir (nämlich die Franzosen, zu denen sich Macron zählt) auf die Einhaltung unserer Werte bestehen? Durch Umerziehung à la China? (siehe Chinas Griff nach Europa – laut „Kronzeugin“ Sayragul Sauytbay)

Oder sollen wir – anderes Extrem – eingeschüchtert das Handtuch werfen und allesamt zu Dhimmis mutieren à la Deutschland? Haben wir uns denn vom Christentum selbst-aufklärend emanzipiert, um uns jetzt erst recht fremd-knechten zu lassen? Wie masochistisch veranlagt sind wir denn?

Reicht es denn nicht, dass wir in Vielheit, sprich Multikulti-Beliebigkeit zerfaseln? in der jede Gruppe und jedermann/frau vermeint, ein Recht darauf zu haben, seine/ihre Privat-Identität nach eigenem Gusto auszuleben und mancher meint, seine einzig wahren Eliten-Werte mit Gewalt durchsetzen zu dürfen? (siehe Frankreich trauert um von Flüchtling enthaupteten Lehrer) —

Anlässlich des jüngsten Beispiels aus Deutschland: NACH MESSER-MORD IN DRESDNER ALTSTADT: VERDÄCHTIGER ALS ISLAMISTISCHER GEFÄHRDER BEKANNT  stellt Friedrich Merz auf Twitter die vorgeblich naiv-dümmliche Frage:

Warum ist dieser islamistische #Syrer nach Verbüßung seiner Haftstrafe nicht in Sicherungsverwahrung genommen oder abgeschoben worden? (FM) #Dresden @derspiegel

Weiß Kanzleranwärter Merz denn nicht, dass syrische Flüchtlinge, die uns 2015 heimsuchten, insbesondere die Polizei bekannten Jungspunde unter ihnen mit Duldungsstatus, unter dem Schutz von Mutti persönlich stehen und eine Bereicherung für Deutschland sind?? — Der muss noch viel lernen, der Grünschnabel, will er Muttis Nachfolger werden…

Frankreich trauert um von Flüchtling enthaupteten Lehrer

Sabine Wachs,  „Der Lehrer wurde enthauptet“, tagesschau.de, 17.10.2020

Sabine Wachs,  Macron spricht von islamistischem Terrorakt, tagesschau.de, 17.10.2020

L’assassinat de Samuel Paty confirme „le très haut niveau de la menace terroriste islamiste“, France 24 online, 17.10.2020

Nicolas Camus, Attentat à Conflans : Ce que l’on sait de l’enquête sur la décapitation du professeur d’histoire-géographie,  20minutes.fr, 18.10.2020

Mehr Polizei, mehr Überwachung, bessere Bildung, tagesschau.de, 19.10.2020

Andreas Schmid,  Terror in Paris: Lehrer auf offener Straße enthauptet – Erschreckende Details über mutmaßlichen Täter veröffentlicht, Merkur.de, 18.10.2020

Erhan Tekten und Uğur Can, Katillere gıyabi cenaze namazı, Hürriyet online, 17.1.2015

Kouachi kardeşler için İstanbul’da cenaze namazı, youtube, 16.1.2015

Seda Türkoğlu, Dünya vatandaşlarından liderlere: “Siz Charlie değilsiniz”, Sözcü online, 28.5.2016

Detlef Pollack, Olaf Müller, Gergely Rosta und Anna Dieler, Integration und Religion aus der Sicht von Türkeistämmigen in Deutschland. Repräsentative Erhebung von TNS Emnid im Auftrag des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ der Universität Münster, Münster, 2016

Der 47-jährige Samuel Paty, Geschichtslehrer an einer Mittelschule in Conflans-Sainte-Honorine, nahe Paris, musste sterben, weil er — wie Anti-Terror-Staatsanwalt Jean-François Ricard es ausdrückte — gewagt hatte

„im Rahmen eines Kurses in Gesellschaftskunde in der achten Klasse das Thema Meinungsfreiheit [durchzunehmen…], das im nationalen Bildungsplan vorgesehen ist. [!!] In diesem Kurs gab es eine Diskussion über die Mohammed-Karikaturen von ‚Charlie Hebdo‚.“ (Übersetzung Wachs; im Original kein Fettdruck)

„Daraufhin hatte der Vater einer [13jährigen] Schülerin massiv im Netz gegen ihn mobilisiert und auch Daten wie die Adresse der Schule veröffentlicht.

Laut Innenminister [GéraldDarmanin habe der Vater zudem eine sogenannte Fatwa gegen den Lehrer erlassen.“ (Mehr Polizei…; im Original kein Fettdruck)

Und so kam es, wie es kommen musste. Ein ach so süßer 18-jähriger Flüchtling tschetschenischer Herkunft (namens Abdoullakh Abouyezidvitch), dem erst Anfang März 2020 eine 10-jährige Aufenthaltserlaubnis (!) ausgestellt worden war, fühlte sich von seinem Gastland beleidigt und aufgerufen zur Blutrache. Also zückte er ein Messer, stach den scheiß Ungläubigen ab und köpfte ihn. Allāhu akbar!

Reaktion von deutscher Seite: (Immerhin) Außenminister Heiko Maas kondolierte rasch und artig auf Twitter:

„Ich verurteile den abscheulichen Anschlag in #ConflansSainteHonorine. Wir stehen fest an der Seite unserer französischen Freundinnen und Freunde. Von Terror, Extremismus und Gewalt dürfen wir uns nie einschüchtern lassen.“

Wie verlogen!

In vorauseilendem Dhimmi-Gehorsam wird in Deutschland an staatlichen Einrichtungen, z.B. Schulen, anders als in Frankreich alles unterlassen, was auch nur ansatzweise auf Moslems irgendwie befremdlich-verletzlich wirken könnte. Dank politischer Korrektheit, der zufolge Minderheiten (hier Muslime) als Zuckerpüppchen unter den Schutz der Gutmenschendiktatur gestellt werden, wird zensiert, verschwiegen, verschleiert, beschönigt, unter den Teppich gekehrt…

Ein Lehrer, der bei uns gleichwohl wagen sollte, DEN Propheten: Mohammed den Friedliebenden, der das massenhafte Köpfen von Ungläubigen in Gang setzte, zu kritisieren, müsste mit einem Disziplinarverfahren durch seine Vorgesetzten rechnen – wegen Verleumdung, Volksverhetzung, Rassismus, Rechtsextremismus, etc. — Jesus hingegen, is‘ ja nicht DER Prophet, darf folglich ruhig als Witzfigur herhalten: Hier ist Blasphemie erlaubt. (Trotz heftig-hitziger Kritik aus der Bevölkerung wollte niemand seinerzeit Herbert Achternbusch wegen seines Films Das Gespenst ans Schlawittel…)

Das ist der Unterschied zu Frankreich! Unsere Nachbaren duckmäusern nicht; sie pochen auf die Akzeptanz ihrer Werte: von jedermann und jederfrau, die sich in Frankreich aufhalten. Der Präsident der Nationalversammlung, Richard Ferrand, twitterte daher:

„Die Ermordung eines Geschichtslehrers ist ein Angriff auf die Meinungsfreiheit und die Werte der Republik. Einen Lehrer anzugreifen bedeutet, alle französischen Bürger und die Freiheit anzugreifen.“ (Macron spricht…)

Und was machen die ach so friedfertigen Moslems in Frankreich? — Pro oder contra Paty? Abouyezidvitch? Republik? — Abgesehen von den Lippenbekenntnissen einiger Oberen aus der Verbandsschleimerzunft beglückwünschten sie den Attentäter zu seiner vorbildlichen Heldentat! Allāhu akbar!

Als seinerzeit, am 7. Januar 2015 Islamisten die Redaktion von Charlie Hebdo überfielen und 12 Menschen erschossen, kam es in Istanbul nicht nur zu Jubelfeiern, sondern auch — im Gegenzug zum Trauermarsch in Paris für die Ermordeten unter Beteiligung von 40 Staatslenker(inne)n — zu einer Trauer-Kundgebung PRO Anschlag, die von der Polizei mit Freuden eskortiert wurde und auf der die Demonstranten die beiden Attentäter (u.a. Said Kouachi) bejubelten und sich mit ihnen solidarisierten. —

„Wir sind Charlie“ skandierten die Trauernden in Paris. — „Wir sind Said Kouachi“ skandierten die Trauernden in Istanbul…

Nun frag ich euch, ihr Gutmenschen: wem gehört die Sympathie all der uns zu Hunderttausenden bereichernden Zuwanderer islami(sti)scher Vorprägung? Allah oder euerm Multikulti-Schleimscheißer-Dhimmi-Staat?

Zur Antwort:

der wissenschaftliche Befund einer Forschungsgruppe der Universität Münster aufgrund von 1.201 „Interviews [unter „türkeistämmige[n] Personen ab 16 Jahren“, die „deutschlandweit“…] zwischen November 2015 und Februar 2016“ durchgeführt wurden:

Der Anteil derjenigen, die Haltungen bekunden, die schwerlich als kompatibel mit den Grundprinzipien moderner „westlicher“ Gesellschaften wie der deutschen bezeichnet werden können, ist unter den Türkeistämmigen teilweise beträchtlich […]

    • Der Aussage „Die Befolgung der Gebote meiner Religion ist für mich wichtiger als die Gesetze des Staates, in dem ich lebe“ stimmen 47 % der Befragten zu.
    • Dass Muslime die Rückkehr zu einer Gesellschaftsordnung wie zu Zeiten Mohammeds anstreben sollten, meinen 32 % der Befragten.
    • 50 % der Türkeistämmigen stimmen der Aussage „Es gibt nur eine wahre Religion“ stark bzw. eher zu, und
    • 36 % sind davon überzeugt, dass nur der Islam in der Lage ist, die Probleme unserer Zeit zu lösen.
    • Der Anteil derjenigen mit einem umfassenden und verfestigten islamisch-fundamentalistischen Weltbild (Zustimmung zu allen vier Aussagen) liegt bei 13 % der Befragten.“ (Studie, S. 13; im Original kein Fettdruck, nur Fließtext)

Wenn der Befund unter (legal) zugewanderten Türken schon so vernichtend ausfällt, wie dann erst unter moslemischen Kriegsflüchtlingen aus Syrien, Afghanistan, Irak, etc., die im Hass auf (uns) Ungläubige sozialisiert wurden/werden…

 

 

 

Refugees welcome? – Im alten Griechenland mitnichten!

Da unsere Politiker uns, den von ihnen ach so fürsorglich Regierten, ja immer mal wieder und stets aufs Neue — in Wiederkehr des ewig Gleichen — einreden wollen, dass ihre Politik eine echt europäische sei, die auf dem zu bewahrenden einzigen und wahren griechisch-jüdischen Erbe fuße, ist es leider nötig, die Machenschaften dieser Herren und Damen an Ungebildetheit bzw. bewusster Irreführung und Desinformation immer mal wieder clare et distincte zu benennen.

Dies betrifft u.a. die Migrationspolitik. So wird behauptet, Flüchtlinge nicht-europäischen Ursprungs aufzunehmen sei ein Gebot europäischer Humanität und zudem für Europa von Vorteil: Flüchtlinge seien eine Bereicherung.

Betrachtet man/frau jedoch die Migration im alten Griechenland rein faktisch, so fällt auf:

  1. Migration ist expansionspolitisch motiviert und veranlasst. Migration fand statt, wenn ein Stadtstaat es nicht mehr vermochte, die in ihm Lebenden ausreichend mit Nahrungsmitteln zu versorgen. In diesem Fall wurde ein Expeditionsteam mit dem Auftrag zusammengestellt, eine neue Stadt zu gründen, durch sie die Erstbesiedlung sicherzustellen und nachhaltig über Generationen zu verankern. So kam es dazu, dass überall um das Mittelmeer und das Schwarze Meer herum griechische Siedlungen/Stadtstaaten entstanden als Ausgründungen ihrer jeweiligen Mutterstadt.
  2. In Stadtstaaten lebten kaum Barbaren. — Als Barbar wurde bezeichnet, wer nicht Griechisch sprach. — Selbst Sklaven waren in der Regel keine Barbaren. Die griechischen Stadtstaaten führten (sehr) häufig Krieg gegeneinander, aber selten gegen nicht-griechische Mächte wie z.B. die Perser. Dementsprechend gab es keine Gefangene/Sklaven, die Barbaren waren.
  3. Griechen aus anderen Stadtstaaten wurden als Fremde bezeichnet. Fremden wurde Aufenthalt nur gewährt, wenn sie für die aufnehmende Stadt eine nachgefragte Leistung erbrachten, z.B. als Händler oder Gesandte. Ein Bleiberecht über längere Zeit (meist befristet auf wenige Jahre) erhielten sie nur, wenn sie einer Arbeit nachgingen und Aufenthaltssteuer zahlten.
  4. Wurde Tempel-Asyl, von wem auch immer, in Anspruch genommen, so bedeutete dies, sofern der Tempel/heilige Bezirk nicht (widerrechtlich) gestürmt wurde, für den Asylanten den Hungertod…

Zusammengefasst:

Migration bedeutete im alten Griechenland STETS Auswanderung, NIE Einwanderung!

In den griechischen Stadtstaaten lebten (fast) keine Barbaren. Auch Fremde wurden nur geduldet, wenn sie eine für die Stadt wichtige (zusätzliche) Leistung erbrachten. Weder Barbaren noch Fremde wurden in eine Stadtgemeinschaft aufgenommen. Die eingesessenen Städter wollten unter sich sein. Die Stadtverfassung legte restriktiv fest, wer sich zu den Städtern rechnen durfte; nur als Einheimische anerkannte erwachsene Männer hatten politische Rechte. Eine Integration von Barbaren und Fremden war nicht erwünscht, fand daher nicht statt und war auch nicht nötig. Eine Einwanderung IN bestehende Stadtstaaten aus humanitären Gründen war nicht vorgesehen.

Beispiele für Ein-Fremder-sein:

  • Im Gegensatz zu Platon war Aristoteles kein Athener. Er war als Fremder in Athen nur geduldet. Wenn es daher in Athen zu politischen Krisen kam, verließ er die Stadt und kehrte erst zurück, nachdem sich die Lage beruhigt hatte und ihm als Nicht-Athener keine Gefahr mehr drohte.
  • In seinen Dialogen spricht Platon Nicht-Athener, die sich in Athen aufhalten, als Fremde bzw. im Dialog Die Gesetze, der auf Kreta spielt, den Gesprächspartner aus dem fernen Athen als „Fremden aus Athen“ an.

Nachwirkung:

Nach der Gründung der Republik Türkei kamen Griechenland und die Türkei überein, die in Griechenland lebenden Türken (mit Ausnahme Thrakien) in die Türkei und vice versa die in der Türkei lebenden Griechen (mit Ausnahme Konstantinopel/Istanbul) nach Griechenland auszusiedeln. Die Griechen mussten so ihre einstigen (noch verbliebenen) Kolonien/Stadtstaat-Ausgründungen aufgeben.

Im Gegensatz zu den in die Türkei umgesiedelten Türken (als Individuen) gründeten die Griechen ihre in der Türkei aufgegebenen Städte und Dörfer in Griechenland neu. Beispiel: Die Stadt Νέα Πέραμος, Neu-Peramos, wurde 1922 von Flüchtlingen aus (Alt-)Peramos von der Südküste des Marmarameers auf griechischem Staatsgebiet, in der Nähe von Kavala, gegründet. Hieraus ist zu ersehen, dass/wie die einstigen (alt-)griechischen Kolonien über Jahrhunderte hinweg ihr Zusammengehörigkeitsgefühl/Unter-sich-sein bewahrten. (Andere Griechen sind für sie Fremde; Nicht-Griechen Barbaren.)

Das heißt nicht, dass die aus der Türkei nach Griechenland zurückgesiedelten Griechen Revanchisten sind. Im Gegenteil: Sie fühlen sich in der Regel ihrer türkischen Heimat nach wie vor verbunden. So freuen sich die, die noch (halbwegs) Türkisch können über türkische Besucher, um mit ihnen Türkisch zu sprechen und zu singen…

Ein ξένος, Fremder zu sein schließt nicht a priori aus, als φίλος, (Gast-)Freund angesehen zu werden/ein (Gast-)Freund zu sein…

Was heißt radikal? – unter Beug auf Heidegger…

Martin Heidegger, Nietzsche, Erster Band, Klett-Cotta-Ausgabe, Stuttgart, 82020 (zitiert als I)

Martin Heidegger, Beiträge zur Philosophie (Vom Ereignis), Klostermann-Gesamtausgabe Bd. 65, Frankfurt a. M. 42014 (zitiert nach Abschn.)

Laura Beck, Change the World – Junge Weltretter, ttt, 4.10.2020

I

Das Wort radikal ist griechisch-römischen Ursprungs. Es geht zurück auf das griechische Wort ῥάδιξ, das im Lateinischen radix heißt – wobei im Schriftbild lediglich die griechischen durch lateinische Buchstaben ersetzt wurden. Im Deutschen sagen wir Rettich für eine Pflanze, die nur ein (einziges) Radix, eine Wurzelknolle, ist. Im Englischen heißt Rettich radish; im Französischen radis. In solch Sprachverwandtschaft kann man/frau unschwer unsere gemeinsame europäische Kultur des Pflanzens als in griechisch-römischem Erb-Boden gedeihend erkennen.

Auf Neugriechisch heißt radikal übrigens ριζικό, in lateinischen Buchstaben geschrieben Risiko (mit Betonung auf o) – ein Wort, das ebenfalls auf Altgriechisch ῥάδιξ zurückgeht. Alles Radikale wäre demnach Risiko behaftet. Und weiter: der Risikogesellschaft (Ulrich Beck), in der wir leben (weil wir uns nicht nur natürlichen, sondern auch selbst-geschaffenen Risiken aussetzen), wäre ein Bezug zur Radikalität immanent. Eine noch nicht gestellte Frage…

II

in seinem zweiten Hauptwerk „Beiträge zur Philosophie (vom Ereignis)“ zeigt Heidegger, warum Philosophie einen neuen, völlig anderen Anfang braucht. Aus seiner radikal neuen Perspektive, dass die abendländische Philosophie in die Seinsverlassenheit (die „der Grund der Seinsvergessenheit“ ist) geführt habe, (Abschn. 55, S. 114) plädiert er für einen Neuanfang, wobei dieser Neuanfang radikal anders sein müsse (um eine neue Geschichte, anders als die bisherige, begründen zu können). Die von der Metaphysik geprägte Philosophie von den Vorsokratikern bis heute sei zu verlassen. 2.500 Jahre abendländische Geistesgeschichte seien in der Philosophie Nietzsches, im Nihilismus, zu ihrem Ende gekommen,

„einzig durch Nietzsche [sei…] das Ende der abendländischen Metaphysik“ vollzogen worden. (Abschn. 85, S. 174) Es gelte „Nietzsche als das Ende der abendländischen Metaphysik [zu] begreifen“ (Abschn. 89, S. 176)

und zwar als Nihilismus:

„Nihilismus heißt: Die obersten Werte entwerten sich.“ (I, S. 23) – Für Heidegger ist der Nihilismus Nietzsches Resultat dessen, „was Nietzsche selbst früh als seine Aufgabe erkannte: der Umkehrung des Platonismus.“ (Abschn. 90, S. 182) –

Und da keine „geschichtliche Bewegung […] aus der Geschichte herausspringen und schlechthin von vorne anfangen“ kann, (eb.) braucht es „die neuen Philosophen“, die „nach Nietzsche [als] Versuchende“, nicht als (All-)Wissende!, „die obersten Werte setzen“. (I, S. 23)

In den 30er Jahren, in den Jahren des wachsenden, immer mächtiger werdenden und sich durchsetzenden Hitlerregimes erkannte/sagte er ex post, dass sein Werk „Sein und Zeit“ (veröffentlicht 1927) noch auf der Grundlage und im Fahrwasser der (alten) Philosophietradition geschrieben wurde und daher zwar radikal, aber nicht radikal genug für die anstehende/ausstehende, komplett neue Blickbahn gewesen sei. –

Übrigens kritisiert er in seinen „“Beiträgen“, seinem zweiten Hauptwerk, u.a. die nationalsozialistische Ideologie hinsichtlich der ihr zentralen Aspekte des Völkischen und des RiesenhaftTotalen pointiert scharf.

„der eigentliche Nihilismus ist: man will sich die Ziel-losigkeit nicht eingestehen. Und deshalb »hat« man plötzlich wieder »Ziele« und sei es nur, daß, was allenfalls ein Mittel für die Zielaufrichtung und Verfolgung sein kann, selbst zum Ziel hinaufgesteigert wird: das Volk z.B. Und deshalb ist eben da, wo man wieder Ziele zu haben glaubt, wo man wieder »glücklich« ist, wo man dazu übergeht, die bisher den »Meisten« verschlossenen »Kulturgüter« (Sinus und Seebadereisen) allem »Volke« gleichmäßig zugänglich zu machen, eben da, in dieser lärmenden »Erlebnis«-Trunkenboldigkeit, ist der größte Nihilismus“. (Abschn. 72, S. 139)

Das Hitlertum sieht er als Teil eines überkommenen-altmodischen, nicht zukunftsorientierten Denkens. Heideggers (freilich nur in der Abgeschiedenheit seiner Berghütte, etc. vorgetragener) „Punk“ basiert auf Nietzsches Nihilismus. Selbst der Nihilismus unserer Punk-Generationen (ab Mitte der siebziger Jahre) ist nur eine Nachwirkung der von Heidegger konstatierten Machenschaften in unseren Gesellschaften.

III

Als die Perser 480 v. Chr. Athen eroberten, verbrannten sie die Akropolis. Doch schon einige Tage später begann der dort mitverbrannte Olivenbaum – den dem Mythos zufolge die Göttin Athene den Athenern als Geschenk vermacht hatte – neue Blätter zu treiben. Das heißt: (Selbst verbrannte) Pflanzen können sich regenerieren. Will man/frau eine Pflanze radikal zerstören, so muss man/frau sie vollständig ausgraben und vor allem ihre Wurzeln (lat. radices) zerstören. Denn Pflanzen beginnen zu leben, indem sie Wurzeln bilden (lat. radices agere). Solange die Wurzeln einer Pflanze leben, lebt sie weiter. Sogar Zähne leben so lange, wie ihre Wurzeln da sind. –

Hierzu zwei Aspekte aus Heideggers Philosophie nach Sein und Zeit:

      • Zum einen: die Wurzelmetaphorik im Streit Erde vs. Welt unter Bezug auf das Verstehen:

Das „Verstehen [ist] als Entwurf ein geworfener […] gewurzelt in der Erde, aufragend in eine Welt.“ (Abschn. 138, S. 259)

Begriffe, die nicht entsprechend gegründet werden, nennt Heidegger folglich ‚entwurzelte Begriffe‘. So sind für ihn

„Erörterungen über essentia und existentia […] ein leeres Geschiebe entwurzelter Begriffe.“ (Abschn. 150, S. 272)

      • Zum andern: Heidegger betrachtet Zeit als etwas, das im Zeit-Raum stattfindet. Doch im Gegensatz zu Einstein verbleibt für ihn das Gefüge von Raum und Zeit unter dem Primat der Zeit; er verräumlicht die Zeit, aber er verzeitigt nicht (bzw. nur andeutungsweise) den Raum:

Das „Durchdenken der Zeit bringt sie in der Bezogenheit auf das Da des Da-seins mit der Räumlichkeit des Da-seins und somit mit dem Raum in wesentlichen Bezug […] Aber Zeit und Raum sind hier, an der gewöhnlichen Vorstellung von ihnen gemessen, ursprünglicher und vollends der Zeit-Raum, der keine Verkoppelung, sondern das ursprünglichere ihrer Zusammengehörigkeit.“ (Abschn. 95, S. 189)

und

„Die Zeit als entrückende-eröffnende ist in sich […] zugleich einräumend, sie schafft »Raum«. Dieser ist nicht gleichen Wesens mit ihr, aber ihr zugehörig, wie sie ihm.

Raum muss aber auch hier ursprünglich als Räumung begriffen sein (wie sich diese in der Räumlichkeit des Da-seins anzeigen, aber nicht voll ursprünglich begreifen läßt).“ (Abschn. 98, S. 192)

IV

in der aktuellen Politik sieht man/frau einen derart radikalen Ansatz in der Bewegung „Fridays for Future“. Es begann unspektakulär mit Protesten eines einzelnen kleinen, unscheinbaren, schüchternen Schulmädchens namens Greta Thunberg irgendwo in Europa. In wenigen Wochen erwuchs daraus eine weltweite Bewegung. Und noch immer eint all die Protestierenden einzig die ursprünglich nur von einer Einzelnen vorgetragene Forderung nach einem radikalen Wechsel der Klimapolitik. Sie alle haben ein gemeinsames Ziel. Doch wie es erreicht werden könnte, wissen sie nicht. Die Umsetzung ihrer Forderung in Politik sehen sie nicht als ihre Aufgabe an. Wohl aber das Engagement in konkretem Handeln wie z.B. Müllbeseitigung, und Entwicklung technischer Lösungen (siehe ttt-Beitrag von Laura Beck). –

Auch Heidegger stellt eine radikale Forderung. Er sieht es als nötig an, dass die Philosophie neu anfange. Der wesentliche Grund hierfür sei die „Seinsverlassenheit, näher gebracht durch eine Besinnung auf die Weltverdüsterung und Erdzerstörung“. (Abschn. 56, S. 119) Er skizziert diesen anderen Anfang (u.a. in den Beiträgen) vor, aber er formuliert die entsprechende Philosophie nicht aus. Er sagt, dass dies die Aufgabe für die Zukünftigen sei. (siehe insbes. Abschn. 45, S. 96ff.) –

Im Gegensatz zu den bereits politisch etablierten „Grünen“ sind die „Fridays for Future“-Aktivisten (noch) keine Politiker/-innen. Doch vergessen wir nicht: auch die Grünen waren in ihren Anfängen – lange vor der Wiedervereinigung – eine radikale Bewegung: für Frieden, gegen Atomkraft, usw. Doch jetzt agieren sie als Partei – ähnlich wie andere Parteien. (Derzeit rangieren sie in Umfragen sogar als zweitstärkste Kraft nach der CDU/CSU.) –

Doch vergessen wir nicht, dass das Vergleichen, so Heidegger, bereits der erste Schritt sei, um das Verglichene anzugleichen, ja identisch zu machen:

„Alles Vergleichen ist aber im Wesen ein Gleichmachen, die Rückbeziehung auf ein Gleiches, das als solches gar nicht ins Wissen kommt, sondern jenes Selbstverständliche ausmacht, aus dem alles Erklären und Beziehen seine Klarheit nimmt.“ (Abschn. 76, S. 151) –

Siehe auch die Ansätze der Gleichschaltung, der totalen Konformität, etc. die das Hitler-Regime radikal umsetzte und dessen Machenschaften Heidegger als Zeitzeuge beobachtete und (zumindest) öffentlich nicht kritisierte (anfangs sogar als Neuanfang begrüßte):

„Die totale Weltanschauung muß sich der Eröffnung ihres Grundes und der Ergründung ihres Reiches ihres »Schaffens« verschließen; d. h. ihr Schaffen kann nie ins Wesen kommen und zum Über-sich-hinaus-schaffen werden, weil die totale Weltanschauung damit sich selbst infrage stellen müßte. Die Folge ist die: das Schaffen wird im vorhinein ersetzt durch den Betrieb. Die Wege und Wagnisse einstmaligen Schaffens werden in das Riesenhafte der Machenschaft eingerichtet, und dieses Machenschaftliche ist der Anschein der Lebendigkeit des Schöpferischen.“ (Abschn. 14, S. 40f.)

V

Eine andere Spielart von Radikalität besteht darin, zu den Wurzeln historisch/geschichtlich zurückzugehen/zurückzukehren und das Leben von neuem zu beginnen. Auslöser für diese Rückbewegung ist ebenfalls die Kritik an den bestehenden Verhältnissen. Doch im Unterschied zu der vorab genannten Spielart geht es hier nicht darum, die (bisherige) Tradition zu verlassen, sondern sie zu desavouieren. –

Heidegger betont ausdrücklich, dass die neue Blickbahn (des anderen Anfangs) die bisherige (des ersten Anfangs) nicht abwehrte (sondern grundlege):

„die Ab-setzung des anderen Anfangs gegen den ersten [ist…] niemals »Verneinung« im gewöhnlichen Sinne der Abweisung und gar Herabsetzung.“ (Absch. 90, S. 178)

„Die Rede vom Ende der Metaphysik darf nicht zur Meinung verleiten, die Philosophie sei mit der »Metaphysik« fertig, im Gegenfall: diese muß ihr jetzt erst in ihrer Wesensunmöglichkeit zugespielt und die Philosophie selbst so in ihren anderen Anfang hinübergespielt werden.“ (Abschn. 85, S. 173) –

Ein Beispiel hierfür ist der Islamische Staat (IS). Seiner Ideologie zufolge entspreche der zur Zeit gelebte Islam nirgendwo der vom Propheten Mohammed geforderten Praxis. Die Geschichte des Islam sei eine Geschichte des Ab-/Verfalls. Es sei geboten, die islamische Bewegung neu zu beginnen. Vorbild für den Neuanfang ist das Leben, wie es Mohammed und sein Gefolge (einst) führten.

Doch die Rückkehr zu den Anfängen muss nicht Jahrhunderte an Geschichte voraussetzen. Die diversen Neonazi-Bewegungen sehen sich als Nachfolger des Hitler-Regimes, das 1945, vor weniger als einem Jahrhundert, unterging. –

Heidegger zufolge gründen alle radikalen Bewegungen im (von Nietzsche prophetisch angekündigten und vorformulierten) Nihilismus. Machtgeile Führer wie Trump, Putin, Erdoğan, Lukaschenko usw. sind nur möglich als Emporkömmlinge, Helden aus nihilistischem Umfeld. Sie sind Gefangene ihrer eigenen Machenschaften. Sie bedürfen ihrer Unterstützer, die sie möglichst zahlreich um sich scharen, um sich und ihnen die Macht und damit die Machenschaften als Erwerbsgrundlage (noch) möglichst lange zu erhalten. Ein Pakt auf Gegenseitigkeit…

Th. Hitzlsperger erhält Bundesverdienstkreuz für Schwulsein-Bekenntnis

Der Bundespräsident, Ordensverleihung „Vereint und füreinander da“, 1.10.2020

Clemens Zerling, Vom phallischen Hermes zum weisen Hermes Trismégistos, Basel u.a., 2019

Martin Heidegger, Beiträge zur Philosophie (Vom Ereignis), Frankfurt a. M., 42014 

I

Der Bundespräsident verlieh am 1. Oktober 2020 das Verdienstkreuz am Bande u.a. an Thomas Hitzlsperger mit folgender Begründung:

„Der ehemalige Profifußballer und Nationalspieler Thomas Hitzlsperger hat sich bereits während seiner aktiven Laufbahn für Toleranz sowie für soziale und bildungspolitische Projekte engagiert. Durch sein öffentliches Coming-out 2014 als erster ehemaliger Fußballnationalspieler in Deutschland hat er das Thema Homosexualität im Fußball und Sport enttabuisiert und zu einer breiten und sachlichen Debatte über Diskriminierung im Sport beigetragen. Thomas Hitzlsperger ist seit 2017 Botschafter für Vielfalt beim DFB. Außerdem zeichnet er sich durch großes ehrenamtliches Engagement aus – für den Verein „Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland“, das Projekt „Fußball für Vielfalt – Fußball gegen Homophobie und Sexismus“ sowie für Township-Kinder in Südafrika. Sein Engagement zeigt, wie wichtig der Abbau von Vorurteilen für ein gelingendes Zusammenleben in einer offenen Gesellschaft ist.“ (im Original kein Fettdruck)

Hitzlsperger erhält den Preis also nicht für seine sportlichen Erfolge, sondern lediglich dafür schwul zu sein und dies öffentlich zu verlautbaren: Schaut her, was für ein toller Hecht ich bin! Ich bin anders als ihr. Ich bin schwul, SCHWUL! Und darauf bin ich stolz! Das macht mich euch überlegen, ihr ach so gewöhnlichen Heteros. Ich bin was Besonderes, Einzigartiges. Küsst mir gefälligst den Arsch, ihr gemeines Pack.

Und Dödel Steinmeier? — Er fühlte sich bemüßigt, der Einladung voll Freude nachzukommen…

II

Da unsere Politiker ja so gern vom griechisch-jüdischen Erbe Europas schwadronieren – freilich ohne allzu viel Ahnung davon -, sei mal in Kürze an die Gepflogenheiten der alten Griechen erinnert. Die griechischen Stadtstaaten waren Männergesellschaften. Männer dominierten das öffentliche Leben. Bis auf wenige Ausnahmen waren Frauen, Kinder und Sklaven unterprivilegiert. Sex war allgegenwärtig. Zum Beispiel: Vor den Häusern standen Hermen: dreieckig oder rechteckig geformte Hölzer oder zugehauene Steine mit erigiertem Penis im Zentrum zur Gefahrenabwehr…

Zwar war Schwul-sein widernatürlich, da dieser Sex nicht der Reproduktion dienlich war. Doch Schwul-sein kam durchaus vor. Und da alles, was vorkommt, als göttlich angesehen wurde, musste die Banalität schwuler Liebe zu Schönem, Gutem und Wahrem erhöht werden, um es allgemein ethisch akzeptabel zu machen. So erfand Mann die Knabenliebe…

Doch keiner der alten Griechen wäre wohl je auf die absolut abartige Idee verfallen, jemanden für sein Schwul-sein zu ehren. Pindar schrieb Lieder auf Wettkampfsieger. Ob schwul oder nicht: interessierte nicht! Weder den Sänger, noch den Geehrten, noch des Sängers und Geehrten‘ Publikum!! — Schwulitäten waren höchstens geeignet zum Possenreißen in der attischen Komödie…

Als Gott Hermes – die Hermen sollen des Gottes Anwesenheit evozieren und „erzählen von frivolem Tabubruch und von unbedenklichem Überschreiten jeglicher Grenzen“ (Zerling, S. 18) – den olympischen Göttern seinen Sohn vorstellte, lachten sie alle, die anwesenden Götter, weil einerseits er so lächerlich war, aber anderseits sein Papa so stolz. Und weil alle lachten, erhielt er den Namen Pan (hier im Sinne von alle). Und so wie unter den Göttern Vielfalt herrscht, so auch in der Natur… (siehe u.a. Zerling, S. 19)

III

Wie armselig sind wir Heutigen hingegen, dass wir jemanden für seine confessiones schwul zu sein lobpreisen und – damit verbunden – schwul zu sein zu einem schützenswerten Gut erklären: weil wir quantifizierend alles, was einen Minderheitsstatus reklamiert oder auch nur reklamieren könnte, per se für etwas qualitativ Besonderes, Hochwertiges rechnen.

Heidegger: Das „Viele als Seiendstes [kann] nur sein in der Weise des κοινόν, d. h. in der κοινωνία unter sich.“ (Abschn. 110, Nr. 4, S. 209) Also: Gemeinschaft ist per se vielfältig; op Kölsch gesaht: Jede Jeck is anders. Das nennt man/frau schlichtweg Normalität, Herr Steinmeier!

Unser Teil-Ganzes-Gefüge (ἓν ϰαὶ πᾶν) ist aus den Fugen geraten. Kann fernöstlich-japanisches Kintsugi helfen (wie die DZ Bank mit ihrer Reklame erhofft)??

Niklas Maaks Kritik an „Technophoria“

Andreas Krieger, Künstliches Meer in der Sahara und vollvernetzte Städte, ttt, 19.7.2020

Laut Andreas Krieger „erzählt“ Niklas Maaks Roman

„Technophoria“ […] vom ewigen, sinnlosen Traum der Herrscher, die Erde nach ihrem Wunsch zu formen und die Schwachen zu unterwerfen. Die Herrscher: sind vielleicht bald die Maschinen. Die Diener: wären dann wir.“

Leider ist der Roman – als Roman! – konzeptionell wenig überzeugend. Das Pro und Contra der Technik-Phorie und ihrer machenschaftlichen Umsetzung wird nicht in eine stringente Handlung überführt. Zudem sind die Roman-Charaktere wenig detailliert und nicht authentisch ausgestaltet.

Das ist schade: Denn Maak zählt zu denen, die über KI – insbesondere in ihrer smarten Spielart – nicht nur schwafeln, sondern intensiv nachdenken.

In Kriegers Beitrag (für ttt) sind folgende 5 höchst bedenkenswerte Zitatblöcke Maaks eingewebt:

I – Ziel smarter Technologie, allgemein

„Das Ziel der ganzen smarten Technologien ist das, dass man dem Menschen, wenn man es freundlich macht, seine Wünsche von den Augen abliest oder aus den Gedanken abliest. Unfreundlicher oder realistischer müsste man sagen, das Ziel ist, ihn komplett vorausberechenbar zu machen. Die Internetkonzerne wollen schon wissen, was wir übermorgen wollen, ja, und erzählen uns dann auch, was wir wollen. Das heißt: der Preis dieser ganzen Komfort- und Sicherheitstechnologien ist, dass wir in unseren freien Entscheidungen immer mehr geändert werden.“

II – Umbau der Städte zu smart cities

„Der Umbau all unserer Städte in smart cities ist eigentlich das größte ökonomische Programm seit Erfindung des Kapitalismus. Man kann sagen: am Ende als dessen, was sozusagen der Kapitalismus, wie wir ihn kennen, Industriekapitalismus ökologisch angerichtet hat, kommt jetzt der ökologische Umbau der Städte, wo alles rausgerissen wird aus den Städten, was da verbaut wurde, von Fassaden, Dämmungen, Straßen, Autos: Alles was in den letzten hundert bis zweihundert Jahren darein gesteckt wurde, muss raus und wird ersetzt durch eine Palette von neuen Produkten. Das ist natürlich ein absurd großer Markt.“

III – Überlegungen zur Flutung der Kattarasenke

Krieger: „Achtzig Kilometer von der Mittelmeerküste liegt in der Sahara die Kattarasenke mit dem tiefsten Punkt Afrikas von minus hunderteinunddreißig Meter.“

Maak: „Und die Idee war immer, dass man diesen kleinen, gar nicht großen Weg überbrücken kann. Dann fließt aus dem Mittelmeer das Meer in die Kattarasenke rein. Kattara ist sicherlich eins der großen Weltumbauprojekte gewesen [!] mit enormem Potenzial. Wenn man sich vorstellt, wenn es klappt, [!] hat man da ein Meer, an dem Städte gebaut werden können, Handel getrieben werden kann, eine ökologische Industrie entstehen kann, weil man mit Wasserenergie diese Industrien speisen kann. Das ist ein enormes Potenzial. Wenn es schief geht – es gibt auch Skeptiker, die sagen, dann gerät das gesamte meteorologische Gleichgewicht auseinander; und diese Wolken ziehen vielleicht gar nicht über die Sahara, wo sie segensreiche Wirkung entfalten könnten, sondern sie ziehen nach Europa. Dann haben wir in Europa für die nächsten sechshundert Jahre eine Dauerregenzeit.“

IV – Begegnung mit dem Gorilla: eine Intervention

„Der Mensch geht in den Dschungel und trifft den Gorilla und ist ganz gerührt, weil er glaubt, er hat die ganze Welt zum Guten repariert, ja, und plötzlich sieht er aber, das ist gar kein archaisches Paradies. Der Gorilla ist nicht mehr das unberührte Tier, von dem er geträumt hat. Der Gorilla ist selber jetzt neugierig und verändert sich auf eine Weise, die der Mensch nicht kontrollieren kann. Also schon wieder läuft er in dem Moment, wo er glaubt, jetzt haben wir ‘s geschafft, in eine Situation rein, wo alles sich radikal verändert, und er kann ‘s nicht mehr kontrollieren.“

V – Inkorporation in smarte Welt(en)

„Ja, man kann sagen, dass uns die Roboter und die Computer immer nähergekommen sind, dass wir erst den Computer als ein Gegenüber wahrgenommen haben. Dann war plötzlich an unserer Hand in Form eines Mobiltelefons, einer smart watch. Dann wurde es schon Teil des Körpers und fraß Teile des Körpers an. Und plötzlich müssen wir feststellen: wir sitzen im Roboter. Wir sind vom Roboter aufgefressen worden. Wir sitzen in Häusern, die Roboter sind. Wir sitzen in Autos, die uns in all unserem Handeln überwachen. Das heißt: wir sind in der unangenehmen und unkomfortablen Situation, dass die sogenannten smart homes, smart cities, die uns ja dienen sollen und unser Leben einfacher und bequemer und sicherer machen sollen eigentlich Geräte sind, ja, dramatisch könnte man sagen: Monster, die uns verschluckt haben. Wir sitzen drin, und jetzt wird‘s schwierig, einen Ausgang zu finden.“

Maaks Befund ist konsequent dystopisch, aber so: dass er auch Gedanken-Spielräume für die Entwicklung von Gegenszenarien zulässt und einfordert. Denn noch sind die Prozesse nicht unumkehrbar und die Freiheit unseres Willens ist noch nicht perdu…

Doch wie gesagt: In seinem Roman gelingt es Maak leider nicht, sein Vorhaben clare et distincte auszuführen. Schade!!

— Selbst, wenn wir wollten, wir können uns der Sorge gar nicht entziehen. Nutzen wir dies, unser (existenzialontologisches) eigenstes Potenzial!!

Elie Rosen widersetzt sich Gutmensch-Propaganda

Martin Hoferick, Antisemitismus in Österreich, Kulturzeit (3sat), 25.8.2020

Peter Schneeberger im Gespräch mit E. Rosen, Elie Rosen über Formen des Antisemitismus, Kulturzeit (3sat), 25.8.2020

Ingrid Kornberger, Synagogen-Angriff: Verdächtiger ist 31-jähriger Syrer, Die Presse online, 24.8.2020

Vorspiel

Kaum hat ein ach so süßer Flüchtling einen antisemitischen Anschlag verübt (in Graz am 22.8.2020), wird von der Gutmenschfraktion der Vorfall entsprechend verharmlost. So äußert denn Martin Hoferick in seinem Kulturzeit-Beitrag Antisemitismus in Österreich (drei Tage später) die Befürchtung:

„Der Festgenommene, ein Geflüchteter aus Syrien [„der seit sechs Jahren in Österreich leben soll“ (Kornberger)] wird als Anhänger eines islamischen Antisemitismus stilisiert. So wird der Vorfall von Rechten instrumentalisiert.“

Der Anschlag selbst wird gar nicht erst thematisiert, ist also nicht berichtenswert und folglich gar nicht (so) schlimm. — Anders wär’s natürlich, wenn ein ach so un-süßer, ach so böser Neonazi der Täter wäre. — Schlimm ist für Gutmensch Hoferick nur, dass die anderen, i.e. die bösen Rechten, sprich die Nicht-Gutmenschen dies Stück für ihre, i.e. moralisch verwerflichen Zwecke propagandistisch nutzen könnten.

Hauptstück

Und dann tritt auf: Gutmensch Peter Schneeberger.

Im Gespräch mit Elie Rosen, auf den der ach so süße Flüchtling einen Anschlag plante, versucht Schneeberger Rosen dazu hinzuleiten, den Antisemitismus zu einem Neonazi-Problem zu erklären. Doch Rosen widersetzt sich. So ein Schelm…

Hier die ungekürzte Textpassage:

Schneeberger frägt – Hofericks Befürchtung wiederholend und damit dem Zuschauer einbläuend: „Eine Studie hat ergeben, dass mehr als die Hälfte der antisemitischen Übergriffe in Österreich einen rechtsextremistischen Hintergrund hat. Steht es zu befürchten, dass die Angriffe in Graz politisch instrumentalisiert werden?

 

Doch Rosen antwortet wider Erwarten: „Wir führen, das heißt über die Israelitische Kultusgemeinde in Wien ein Monitoring durch von antisemitischen Vorfällen in Österreich. Ich gebe aber zu bedenken, dass dieses Monitoring ein Monitoring ist, das sich stützt auf gemeldete Vorfälle. Die Erfahrung zeigt, dass eine Vielzahl von, unter Anführungszeichen, kleinen Vorfällen, das heißt insbesondere Vorfällen, wo es nicht zu physischen Übergriffen kommt, erst gar nicht gemeldet. Die Dunkelziffer ist also sehr groß. Ich für meinen Bereich in Graz kann unterstreichen, dass wir es hier mit einem primär linksorientierten und das heißt primär Israel orientierten beziehungsweise muslimischen Antisemitismus zu tun haben. Letztendlich ist es aber auch egal, woher der Antisemitismus rührt, ob rechts-links, oben-unten, muslimisch oder Israel orientiert. Es ist inakzeptabel. Wofür diese Differenzierung allenfalls von Interesse ist, ist wie man die einzelnen Formen bekämpfen kann, weil hier wird man wohl auch differenziert vorgehen müssen.“

Nachspiel

Dass Rosen Schneebergers Vorurteil nicht bestätigte, sondern sogar die Linken (!!!) als Erst-Haupttätergruppe (!!!) und Muslime als Zweit-Haupptätergruppe (!!!) ausmachte, dürfte die ganze Kulturzeit-Redaktion schockiert haben. Schlecht geplant und noch schlechter gelaufen…

Daher: kaum zu fassen, dass das Interview trotzdem auf Kulturzeit ausgestrahlt wurde. –: Eine Autorität an Integrität wie Rosen anzugreifen, ist eben nicht opportun: Selbst wenn sie sich anders äußert als gewünscht/erwartet, empfiehlt es sich nicht, sie gegen sich aufzubringen.

Eben schlecht geplant und noch schlechter gelaufen…

Menschenrechtler El Mourabit verurteilt rassistische deutsche Polizei

Blaise Francis El Mourabit über Polizeigewalt, Kulturzeit, 18.8.2020

Er machte „Jagd auf Motorradfahrer“, tagesschau.de, 19.8.2020

Am Tag des jüngsten „mutmaßlichen islamistischen Anschlag[s] in Berlin“ am 18. August 2020 (tagesschau) veröffentlichte 3sat ein

„Kulturzeit-Gespräch mit Menschenrechtsanwalt Blaise Francis El Mourabit über Handy-Videos von Polizeigewalt in den sozialen Medien.“ (Untertitel des Kulturzeit-Beitrags; im Original kein Fettdruck)

Wie könnte wohl El Mourabits Verteidigungsrede des vermeintlichen Attentäters wohl aussehen?

I

Zunächst zur Faktenlage:

a) Stellungnahmen:

1. Martin Steltner, Sprecher der Staatsanwaltschaft Berlin warf dem Beschuldigten vor: „Jagd gemacht zu haben auf Motorradfahrer“.

2. „Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) zeigte sich bestürzt über den Anschlag. Unbeteiligte seien „aus dem Nichts heraus Opfer einer Straftat geworden“.“ (Tagesschau; im Original kein Fettdruck)

b) Tagesschau-Bericht:

Der Mann war der Polizei wegen mehrerer Straftaten bekannt – darunter Körperverletzungsdelikte. So auch vor zwei Jahren in seiner Unterkunft. In Ermittlerkreisen heißt es, er habe damals ebenfalls „Allah ist groß“ gerufen und gedroht, er werde viele Menschen umbringen. In diesem Zusammenhang war er offenbar auch in psychiatrischer Behandlung.

[Also: ein eigentlich ganz Lieber,— nur leider durch – wohl – deutsche Verhältnisse schrecklich traumatisierter, süßer Migrant.]

Personen, die psychisch auffällig sind, sich nicht in einem islamistischen Umfeld bewegen

[obwohl er bei „der Polizei […] als Kontaktperson eines islamistischen Gefährders geführt“! wird. Doch das zählt nicht: Denn die zwei haben wohl – ich schwöre – nur Karten gespielt, Tee getrunken und bißchen Haschpfeifchen geraucht.]

und selbst radikalisieren, seien für die Sicherheitsbehörden in ihrer Gefährlichkeit besonders schwer einzuschätzen, erklärt [der zum] ARD-Terrorismusexperte[n hoch gepuschte] Michael Götschenberg. Grundsätzlich, so heißt es in Sicherheitskreisen, habe sich die Bedrohungslage mit Blick auf den islamistischen Terrorismus in den vergangenen Monaten spürbar beruhigt.

[Wider besseres Wissen. Der jetzige Anschlag widerspreche der Gutmensch-Propaganda selbstredend nicht!!]

Der 30-jährige Iraker war 2016 nach Deutschland eingereist. Sein Asylantrag war abgelehnt worden, zuletzt lebte er [der Polizei bekannte Schläger!] mit Duldung in einer Berliner Wohnung zur Untermiete.

[Sprich auf Kosten des Steuerzahlers. Ist er doch eine — im Gutmensch-Jargon gesprochen — „Bereicherung“ für Deutschland.]

Bei der Durchsuchung seiner Wohnung wurden nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios keine Waffen gefunden. Die beschlagnahmten Datenträger werden zurzeit noch ausgewertet.

[Zum Pamphlete-Schreiben scheint er wohl nicht zu geistig krank zu sein…]

Offensichtliche Hinweise auf Verbindungen zu islamistischen Kreisen fanden die Ermittler in der Wohnung nicht.“ (im Original kein Fettdruck)

Wie auch? Hat er doch mit seinem islamistischen Freund in selbst auferlegtem Schweigen wohl nur Karten gespielt…

II

Mögliche Verteidigungsstrategie

Ein Menschenrechts-Gutmensch-Aktivist wie El Mourabit — der als Migrant mit deutschen Steuergeldern finanziert andere Migranten in ihrem Recht auf Einbürgerung und lebenslange Alimentierung durch die Steuerzahler vertreten darf — hat obigen Aussagen gemäß leichtes Spiel:

1. Der Polizeisprecher machte sich der Vorverurteilung schuldig: Einem ach so süßen Migranten „Jagd auf Motorradfahrer“, ggf. gar Bio-Deutsche (!) vorzuwerfen, zeigt wieder mal (siehe Kulturzeit-Beitrag) das social profiling der durch und durch scheiß rassistischen deutschen Polizei: Nicht der ach so süße, so gute, weil Deutschland bereichernde Migrant, sondern die scheiß böse, faschistische deutsche Polizei gehört eingeknastet!!

2. Eigentlich hat der sogenannte „Anschlag“ ja ohnehin gar nie nicht stattgefunden. Alles nur ein tragisches Missverständnis. Die Lenkung hat wohl versagt…

3. Außerdem sei der Täter ja nachweislich ohnehin nur ein — wie hinreichend bekannt — psychisch Kranker, sprich durch deutsche Behörden-Willkür!! schrecklichst Traumatisierter!! Wie kann man/frau einem ach so süßen Migranten auch sein Asylgesuch ablehnen. Klar, dass der traumatisiert ist und ausflippt. Sollte man/frau Verständnis für haben!!

Fazit: Alles nur eine Frage der Definition und des Vorurteils.

 

Femizide in der Türkei: unter der AKP auf Rekordhoch

Anne Brühl, Angst vor dem Mann, Auslandsjournal (ZDF), 6.8.2020

Milena Hassenkamp, Die Türkei ringt mit den Frauenrechten, Spiegel online, 8.8.2020

Jürgen Gottschlich, Geschlagen, gewürgt, verbrannt, taz online, 22.7.2020

Konvention des Europarates zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt, Deutsches Institut für Menschenrechte

Femizid: Es sind keine Einzelfälle, mdr online, 10.6.2020

Patricia Hecht, Besser tot als frei, taz online, 7.2.2020

Clemens Zerling, Vom phallischen Hermes zum weisen Trismégistos. Ein Offenbarungsprinzip und seine bunte Ausdrucksfülle, Basel u.a., 2019

Anton Weiher (Hrsg.), Homerische Hymnen, griechisch und deutsch, [Nachdruck der Ausgabe von 1951] München, 1970

Angesichts des jüngsten Vorhabens des Sultans (siehe Rückeroberung der Hagia Sophia zur Moschee) und seiner „Regierungspartei [AKP…], ein internationales Abkommen zu Frauenrechten zu kündigen“, weist Anne Brühl in ihrem Beitrag darauf hin, dass der bei uns zumeist unter dem Schlagwort „Ehrenmord“ diskutierte Themenkomplex in der Türkei unter Erdoğan massiv zunahm: Im Schnitt stirbt in der Türkei jeden Tag mehr als eine Frau durch häusliche Gewalt.

„Für 2019 hat die Plattform „Wir stoppen die Frauenmorde“ (Kadın Cinayetlerini Durduracağız) 474 derartige Delikte gezählt. Bis auf drei Fälle wurden alle Morde von Ehemännern, Ex-Ehemännern, Lebensgefährten oder anderen Männern aus dem unmittelbaren familiären Umfeld verübt.“ (Gottschlich; im Original kein Fettdruck)

Zum Vergleich:

Jeden dritten Tag wird in Deutschland eine Frau durch ihren Partner oder Ex-Partner getötet.“ (mdr; im Original kein Fettdruck)

In 2019 registrierte das Bundeskriminalamt in Deutschland insgesamt 111 Femizide. (mdr)

Einst gerierte sich die AKP-Türkei gar als Vorreiter:

„Die Türkei hatte das Abkommen des Europarats [„Konvention zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt“] als erstes Land überhaupt ratifiziert – 2012.“ (Brühl; im Original kein Fettdruck)

Zum Vergleich:

„Deutschland [hingegen] hat[te erst] am 12. Oktober 2017 die Beitrittsurkunde zum „Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt“ beim Generalsekretär des Europarats hinterlegt.“ (Dt. Institut…; im Original kein Fettdruck)

Heute will sich der Sultan von seinem einstigen Pseudo-Frauen-Kuschelkurs verabschieden. Er passt nicht (mehr) zur Sultan-Maske.

Auffällig nur, dass unsere Menschenrechtsfreunde (insbesondere die der taz) zwar Gewalt gegen Frauen anderswo, hier: der Türkei, lautstark und vehement verurteilen, sich aber kaum echauffieren, wenn bei uns einer der ach so süßen Flüchtlinge/Migranten auffällig wird. Dann greift sofort die allem übergeordnete Maxime der politischen Korrektheit, sprich Maulkorb, und – wenn nicht zu verleugnen – die Einzelfall-Doktrin plus sofortiger/gleichzeitiger Relativierung. So leitete Patricia Hecht ihren Artikel zum Jahrestag der Ermordung Hatun Sürücüs mit dem Satz ein:

„Die meisten Frauen werden hierzulande von Deutschen ohne Migrationshintergrund umgebracht. Die Öffentlichkeit verdrängt diese Tatsache gern.“ (im Original kein Fettdruck)

Ohnehin verbiete sich social profiling: eine Differenzierung nach Nationalität, Religion und allen sonstigen Kategorien, die „Minderheiten“ als besonders gewaltbereit diskriminieren könnten. –: Sind doch alle* ach so süß, die ach so süßen Migranten (extrem) islamistischer Vorprägung aus Syrien, Afghanistan, Irak, etc. und partiell extremistischer Vorprägung wie z.B. der Nordost-Türkei…

In dem Moment, in dem Migranten die Grenze ihres Heimatlandes überschreiten, gilt ihre islamistische Sozialisation als vergeben und vergessen und sie werden zu ach so süßen Flüchtlingen glorifiziert. Helleluja!

Ist doch der Islam, wenn er denn zu uns kommt, eine – wie es im Gutmensch-Sprech heißt – „Bereicherung“: per se. Lehrt der Koran uns amoralischem, ungläubigem, unaufgeklärtem Kapitalistenpack doch unseren selbstverschuldeten Untergang:

„Jedem Volk ist eine Frist gesetzt; und wenn ihre Stunde gekommen ist, dann können sie (sie) auch nicht um einen Augenblick hinausschieben […]

Die aber, die Unsere Zeichen verwerfen und sich mit Verachtung von ihnen abwenden, die sollen die Bewohner des Feuers sein; darin müßen sie bleiben.“ (Sure 7, Verse 35 u. 37)

Wie lange es wohl noch dauern wird, bis unter den Gutmensch-Dhimmis die Forderung laut wird nach Umkehr des Integrationsgebots: —

Sprich Integration von uns kuffār und kāfirūn unter die Herrschaft des Islam

der — inshallah — zahlreichst uns zuströmenden Besser-Mensch-Importe?

—–

* Alle ist u.a. eine Zuschreibung von allen an eine/n: Gott Pan (zu deutsch „all“) erhielt seinen Namen, weil alle der um Zeus versammelten Olympier „von Herzen […] froh und vergnügt wurden“, als Gott Hermes ihnen seinen wider ihr Schönheitsideal gestalteten, sprich doppelt gehörnten, Ziegenbock-bebarteten und -füßigen Sohn voller Stolz präsentierte:

„Pan aber nannten sie ihn, weil er [sie] alle vergnügte.“ (19. Hymne, An Pan, Vers 45ff, hier 47; siehe auch Zerling, 19f.)