M. Hampe: Zur postfaktizistischen Katerstimmung bei (den Gutmenschen) der KWL

Frog1(Michael Hampe, Katerstimmung bei den pubertären Theoretikern, Zeit, 15.12.2016, 48)

Michael Hampes These (zur Kritik der KWL) lautet:

„Seitdem die Rechte postfaktisch geworden ist, hat die kulturwissenschaftliche Linke [(KWL)] ein echtes Problem“. (Untertitel)

Den Grund hierfür sieht Hampe im Mangel an theoretischer Durchdringung der aus der Tradition der Vorgänger (Nietzsche, Heidegger, Foucault) unkritisch übernommenen Theoreme:

„Warum geht es der KWL schlecht? Das liegt nicht an der Ärmlichkeit und Widersprüchlichkeit ihrer theoretischen Praxis. Für die kann sie nichts. Denn die hat sie sich ja nicht selbst ausgedacht, sondern von Nietzsche, Heidegger, und Foucault geerbt, die sie nicht recht verdauen konnte, deren Theoreme sie jedoch bei sich geistig auf Dauer gestellt hatte.“

Der Mangel an sowohl Reflexionsbereitschaft als auch Reflexionsvermögen zeige sich insbesondere unter Bezug auf die eingeschränkte Gültigkeit des Faktischen: Könne doch das Faktische nur historisch: im historischen Kontext Gültigkeit beanspruchen:

„die KWL [hat sich] jahrelang nur selbst gefeiert, weil sie von Großonkel Nietzsche gelernt und richtig verstanden hat, dass es keine absolute Wahrheit und keine nicht in historischen Situationen beschriebenen Tatsachen gibt“.

Laut Heideggers Existenzialanalytik hat die Faktizität gar nur Entwurf-Charakter: Das Dasein west im (hermeneutisch ausgelegten) Zeitlichkeitskontext des (je-meinigen) Verstehens:

„Und nur weil das Sein des Da durch das Verstehen und dessen Entwurfcharakter seine Konstitution erhält, weil es ist, was es wird bzw. nicht wird, kann es verstehend ihm selbst sagen: »werde, was du bist!«.“ (SuZ, § 31, Abs. 9)

Insofern mutet es grotesk und absurd an, dass (ausgerechnet) die KWL ihren von ihr zu Populisten erklärten Widersachern vorwirft, (im Gegensatz zu ihren eigenen Positionen) a priori nur (zugleich) postfaktisches und amoralisches Geschwätz vorzutragen. Doch die Angegriffenen – welch Graus – reagieren nicht (länger) als in unredlichem Handeln Ertappte:

„Doch jetzt schert sich der Gegner nicht mehr um die Korrekturversuche, sondern sagt: »Wir lassen uns von euch kein schlechtes Gewissen mehr einreden, weil wir diese oder jene Wörter verwenden und damit angeblich Mikroaggressionen ausüben! Glaubt ihr, euer Versuch, uns zu sagen, wie wir zu sprechen haben, sei keine Aggression? Wer ist hier eigentlich der bully: wir mit unserer ungehobelten Rede oder ihr, die ihr uns als naive Rassisten entlarven und einsortieren wollt? Ihr habt doch bei eurem Hausheiligen Nietzsche ganz genau gelernt, wie Schwache die Starken unterdrücken: indem sie ihnen ein schlechtes Gewissen einreden! […]«“

Also sprach der Anti-KWLer:

„Nun, wenn [ohnehin] alles nur konstruiert ist, dann konstruiere ich mir jetzt eben mal“

meine Welt à la Pipi Langstrumpf: Wie sie mir gefällt…

Tja, ihr Gutmenschen, ihr blasierten Apologeten der Postfaktizität, damit habt ihr wohl nicht gerechnet…

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Zum Symmetrieprinzip (Todd)

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„Eines der wirksamsten Instrumente der wissenschaftlichen Forschung ist das Symmetrieprinzip. Stabile Systeme weisen fast immer Gleichgewichte auf, bei denen sich Kräfte und Formen gegenüberstehen, Elemente einer umfassenden Struktur, in der eine Abweichung in Richtung «A» unweigerlich in einer anderen, in Gegenrichtung «minus A» verlaufenden ihre symmetrische Entsprechung findet.“ (E. Todd, Wer ist Charlie?, 123)

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