Kurt Pelda über Islamistischen Terror

Cécile Schortmann, Islamistischer Terror – Gespräch mit Kurt Pelda, in „Kulturzeit“ vom 26.11.2020

Florian Flade und Volkmar Kabisch, Ein Netzwerk und eine neue Generation, tagesschau.de, 11.11.2020

Weltweites Entsetzen über Terrortat, tagesschau.de, 29.10.2020

Sabine Wachs, Paris erinnert an ermordeten Lehrer, tagesschau.de, 21.10.2020

Christof Haverkamp, So führte Karl der Große das Christentum ein, Osnabrücker Zeitung online, 29.01.2014

Immanuel Kant, Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? 1784

Auf die diversen islamistischen Anschläge in Frankreich und Österreich in jüngster Zeit hin bat die Kulturzeit Kurt Pelda zum Gespräch mit Moderatorin Cécile Schortmann. Peldas Antworten dürften Gutmenschin Schortmann entsetzt haben…

C. Sch. Welche Rolle sehen Sie für die Entwicklung des Islamismus in den Karikaturen von Charlie Hebdo?

Statt des von Schortmann erhofften Charlie Hebdo-Bashings verteidigt Pelda in seiner Antwort (s.u.) jedoch die Karikaturen – trotz der (zu erwartenden) Wirkungen von Seiten der darauf (wie erwartet) intolerant Reagierenden:

K. P. Naja, die Karikaturen beschäftigen uns schon seit Jahren. Sie wurden jetzt neu veröffentlicht, und das war natürlich so eine Art Katalysator. In früheren Jahren hätte man einfach in der muslimischen Welt demonstriert. Da wäre vielleicht das eine oder andere französische Konsulat angezündet worden. Und heute köpft man Menschen auf offener Straße in Europa. Also wir sehen hier, dass es eine gefährliche Tendenz ist, der wir Einhalt bieten müssen.

 

C. Sch. Einhalt bieten, wie?

 

K. P. Naja, wir lassen die Extremisten, das ist eine kleine Minderheit unter allen Muslimen, die hier in Europa leben, die kleine Minderheit lassen wir gewähren. Und wir geben ihnen sehr oft auch das Wort in Form von Islamverbänden, die sich zum Teil gemäßigt geben, in Wirklichkeit aber eigentlich dieselbe Ideologie verfolgen, vielleicht nicht zur Gewalt aufrufen, aber dieselbe Ideologie vertreten wie al-Kaida oder noch schlimmere Terrorgruppen.

Unsere naiv-dümmlichen Politiker freilich feiern sich immer noch für ihre, von ihnen ja initiierte Islam-Konferenz-Unterwürfigkeit, die nichts gebracht hat, als islamistischen Positionen ein Forum zu bieten und sie aufzuwerten…

C. Sch. Jetzt sagen Sie eine Minderheit, aber wir haben ja gerade gesehen, dass vielleicht auch andere Muslime, nicht nur Islamisten, inzwischen eine Art Kulturkampf beschwören.

Auch hier wieder der Versuch Schortmanns, einer Dhimmi, den Intoleranten nachzugeben, um jede Auseinandersetzung a priori zu vermeiden und die eigene Schwäche zu kaschieren und zu rechtfertigen.

Wenn man jetzt den französischen Staat anguckt, was für eine Möglichkeit hat er denn, die wieder von seinen Werten zu überzeugen und wieder zurückzuholen?

Gutmenschen wie Schortmann sind so in ihrem Gutmenschentum der Unterwürfigkeit unter das Diktat anderer gefangen, dass sie nicht begreifen (können) und (folglich) nie begreifen werden, dass Islamisten nie die Werte der Aufklärung akzeptieren werden.

Kant: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. […] Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“ (im Original kein Fettdruck)

Denn der Islam ist per se geistlos. — Kleine Jungs wetteifern schon mal, wer den Längsten hat. Der Koran feiert den Längsten als Ersten. Hurra! Er beginnt mit der längsten Sure und endet mit der kürzesten. Großartig genial, nicht wahr! — Doch, Hand aufs Herz, wer würde einen Roman (geschweige denn gar ein wissenschaftliches Werk) lesen, dessen Kapitel nicht nach logischer Stringenz, sondern nach Länge geordnet sind? — Aber das Heilige Buch darf das. Denn es darf (als solches) gar nie nicht kritisiert werden. So wie Mohammed, der Analphabet, Kinderficker und Massenmörder als (der) Prophet nicht kritisiert werden darf. — Freilich war auch das Christentum nicht zimperlich bei der Zwangsmissionierung per Köpfen der Renitenten, siehe Karl der Große der Sachsenschlächter. Doch der war der nur ein Mensch… —

Frage (an Gutmenschin Schortmann): Wie soll ein herrschaftsfreier Diskurs — von dem ja alle (Kulturzeit-)Linken träumen — (insbesondere) mit denen möglich sein, die die eigene Herrschaft absolut setzen? und nur Unterwerfung (anti-aufklärerisch „unter Leitung eines anderen“) kennen?

K. P. Naja, ich glaube die große Mehrheit der Muslime, das ist die schweigende Mehrheit der Moderaten. Und die Leute, die wir [im vorausgehenden Beitrag] gesehen haben, betend auf den Straßen von Paris, das waren Salafisten, das waren keine Moderaten. In der muslimischen Welt geht niemand auf der Straße am Freitag beten. Das passiert höchstens mal im Ramadan, wenn die Moscheen voll sind. Gebetet wird in der Moschee oder zuhause. Wer das hier in Europa auf der Straße oder auf öffentlichen Plätzen tut, er will eine Reaktion provozieren.

 

C. Sch. Ein Versuch ist es, das haben wir gerade gehört, und das ist nicht nur in Frankreich so, sondern auch in manchen anderen europäischen Ländern, zum Beispiel in Deutschland, dass man den Islamunterricht kontrolliert, ihn nicht mehr vom Ausland finanzieren und organisieren lässt. Kann dieser Plan gelingen, meinen Sie?

Kontrolle? — Schön wär ’s…:

K. P. Ich glaube, man sollte in diese Richtung gehen. Es sollte sicher mehr Kontrollen in den Moscheen und Koranschulen geben, aber letztlich kann der Staat so etwas gar nicht durchsetzen. Er muss dabei immer mit Moscheen, Moscheevereinen, Verbänden zusammenarbeiten, also er muss diese Verbände irgendwie auf einen Weg bringen, der für die Muslime gut ist und der auch für den Staat, die Demokratie und die Gesellschaft gut ist.

Das ist das Dilemma. So wenig wir die Kirche (von außen) kontrollieren konnten/können, so wenig auch die islamischen Einrichtungen.

C. Sch. Herr Pelda, Sie kennen sich gut aus in den islamistischen Netzwerken. Wie sehen sie denn genau aus? Wer steckt dahinter? Und wie organisieren sie sich europaweit?

 

K. P. Ursprünglich war natürlich al-Kaida und später der IS federführend in diesen Netzwerken. Seit dem Ende des Kalifats des IS haben sie sich zunehmend verselbstständigt. Also man hat diese Ideologie von al-Kaida, der Muslimbrüder, vom IS. Die ist mehr oder weniger identisch, und da gibt es dann Chat-Gruppen auf den verschiedensten Kanälen, telegram, you name it, und da radikalisieren sich junge Leute vor allem gegenseitig, manchmal auch unter Anleitung charismatischer Imame, da spielen YouTube-Videos und andere soziale Medien eine wichtige Rolle; aber sehr oft und das ist eben auch das Neue jetzt, in Wien wurde das klar, dass sich Jugendliche untereinander, junge Männer untereinander radikalisieren ganz ohne Zutun von Imamen. Und das passiert eigentlich alles über soziale Netzwerke im Internet und länderübergreifend, das geht über die Grenzen hinweg. […] Da gibt es auch zum Beispiel Verbindungen in den französischen Teil der Schweiz. Also die islamistischen Netzwerke sind über Landesgrenzen hinweg verknüpft.

 

C. Sch. Ja, der Wiener Attentäter hatte auch Bezug zu einer Moschee in der Schweiz. Aber gucken wir mal speziell in die Schweiz, über dieses Übergreifende hinaus. Wie ist diese islamistische Szene in der Schweiz einzuordnen?

 

K. P. Naja, wir haben natürlich sehr liberale Gesetze für alle Extremisten. Also auch die deutschen Neonazis kommen sehr gerne in die Schweiz, auch die deutschen Islamisten treffen sich gerne hier bei uns, weil man hier eigentlich fast alles darf, und wenn man doch mal bisschen Propaganda macht für den IS wie kürzlich ein Straftäter, ein IS-Sympathisant vor dem Bundesstrafgericht. Der wurde gerade mal mit einer Geldstrafe auf Bewährung verurteilt, also das gibt ‘s in Deutschland so gar nicht: Geldstrafe auf Bewährung. Wir haben eine sehr liberale Haltung. Natürlich zieht dies all diese Extremisten an. In der Regel machen sie keinen Terror hier, weil sie hier Geld sammeln, weil es ein Ruheraum ist, weil man sich hier Waffen besorgen kann. Und jetzt haben halt so Einzeltäter, sogenannte Einzeltäter auch zweimal in der Schweiz zugeschlagen.

[…]“

Und was lernen wir daraus? –:

Nur Dhimmis leben sicher. Also:

Lasst uns alle Dhimmis werden!!

Allāhu akbar!!

 

B. Sansal: Strategie des Europäischen Islamismus zu Vertiefung und Ausweitung

Frog1(Boualem Sansal, Allahs Narren. Wie der Islamismus die Welt erobert, Deutsch von Regina Keil-Sagawe, Gifkendorf, 72016)

In seinem als Essay bezeichneten schmalen Buch (inkl. Anhang 164 Seiten) intendiert der Algerier Boualem Sansal, „das Aufkommen [nahda] des Islamismus in der Arabischen Welt“ zu beschreiben. (9) Dabei geht er bereits zu Beginn auf die Bedeutung der Moscheen als Orte der Indoktrination (Vertiefung) und der territorialen Expansion (Erweiterung) des dar al-islam ein. (Das sei hier eigens betont, um all den noch nicht völlig vom Gutmenschen-Geschwätz Eingelullten klar zu machen, was Sache ist und derzeit auf dem Spiel steht.)

Moscheen als Orte der Indoktrination

Über die Islamisierung in Algerien schreibt Sansal:

„Einige Jahre später entdeckten wir unversehens, dass dieser Islamismus, der uns [Algeriern zunächst] so armselig und kläglich erschienen war, sich über das Netz der Märkte und Moscheen, von wo aus er seine Predigten und Lehrwerke unters Volk brachte, im ganzen Land ausgebreitet und die Herzen der Menschen erobert hatte. […] Nun bewunderten wir die Kraft, die im Blick dieser „Narren Allahs“ [les fous d’Allah (85)] lag und die imstande schien, Berge zu versetzen.“ (13; im Original kein Fettdruck)

Zwei Waffen seien es, die die Stärke des Islamismus heute ausmachen: „Predigt und Terror“. (14) — Eine der  historisch bedeutendsten Salafisten-Gruppen (die sich 1998 formierte) nannte sich Groupe Salafiste pour la Prédication et le Combat; aus ihr ging (in 2007) Al-qaïda au Maghreb islamique hervor. (20)

Moscheen als territorialer (geopolitischer) Anspruch

Moscheen sind aber nicht nur Orte der Indoktrination, sie markieren zu dem territoriale Ansprüche:

„Durch die Sakralisierung (etwa den Bau einer Moschee) erfolgt per se die Anbindung ans „Haus des Islam“ (dar al-islam), die Gesamtheit aller Gebiete unter islamischer Herrschaft“. (55; im Original kein Fettdruck)

Aus lokaler Perspektive ist die Moschee ein Machtzentrum, das [nicht nur] religiöse, [sondern auch] ökonomische, kulturelle und erzieherische Funktionen erfüllt [!!], sich als vermittelnde Instanz zu den staatlichen Behörden versteht [!!] und das Monopol in der Beschaffung von Geldern aus dem In- und Ausland für sich in Anspruch nimmt.“ (86; im Original kein Fettdruck)

Den Gegensatz hierzu bildet dar al-kufr, das Haus des Unglaubens:

„Hier die Welt des Islam, die es zu schützen, dort die Welt des Bösen, die es zu bekriegen gilt. [Dar al-kufr ist zugleich dar al-harb, das Haus des Kriegs.] Für den friedlichen, toleranten Muslim haben diese Begriffe [mehr oder weniger] symbolischen Charakter; man bekämpft das Böse, indem man es ablehnt. [!!] Für den radikalen Islamisten hingegen besteht das Ziel der Kriegsführung darin, den anderen, jenen, der gegen die Gesetze des Islam verstößt, zu töten.“ (56; im Original kein Fettdruck)

Terror als Wille zur Macht

„Die Aufgabe, Hüter des Islam zu sein, denen es zusteht, über Leben und Tod jedes anderen zu richten, übt eine morbide Faszination auf die radikalen Islamisten (Taliban, […], Boko Haram) aus. Sie gestattet ihnen, ihren niedersten Instinkten freien Lauf zu lassen und sich danach mit gutem Gewissen zur Ruhe zu betten. Sie plündern, verwüsten, vergewaltigen, verurteilen und töten mit stolzgeschwellter Brust im Namen Allahs.“ (124; im Original kein Fettdruck)

Die Legitimierung des Dschihad wird häufig auf Koran, Sure 9 (Die Reue), Vers 73 gestützt:

„O du Prophet! Kämpfe gegen die Ungläubigen und Scheinheiligen und verfahre mit ihnen hart. Die Hölle sei ihre Herberge, und schlimm ist die Fahrt (dorthin).“ (zitiert nach Sansal, 29)

Kampfplatz Europa

Sansal zeichnet dem entsprechend für Europa, das der Islam (u.a. per Islamismus) für sich erobern will, ein düsteres Zukunftsbild:

In Europa […] wird es immer wahrscheinlicher, dass es zu einem Bruch zwischen den Muslimen und den nationalen Mehrheitsgesellschaften, in denen sie leben, kommt„. (66; im Original kein Fettdruck)

An die Adresse der in ihre Multikulti-Traumwelt versponnen Gutmenschen schreibt Sansal:

der Trend zum „politisch Korrekten“ [„infolge von Einschüchterung oder Zensur, Selbstzensur oder allzu verbrämter Ausdrucksweise“ (80) …] ist das Ende einer jeden echten Debatte. […] In den Augen der Radikalen ist diese selbstauferlegte Zurückhaltung nurmehr der Beweis dafür, dass die Gesellschaft kapitulationsreif ist“!! (78f; im Original kein Fettdruck)

((Leider!! — Eine weitere Kommentierung erübrigt sich…

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G. Hekmatjar: Erst Freiheitskämpfer, dann Dschihadist und jetzt Friedensgarant

Frog1(Erich Follath, Dieser nette Herr führt eine Armee von 20 000 Terroristen, Zeit, 17.11.2016, 6f)

Schlagzeile der Tagessschau vom 4.2.2017:

„UN-Sicherheitsrat nimmt afghanischen Milizenchef Hekmatjar von Terrorliste“ (Tagesschau, 4.2.2017)

 

Erich Follath, der Gulbuddin Hekmatjar zwei Mal interviewte, zeigt in seinem Artikel zum

„Comeback eines Massenmörders“

eindrucksvoll das Scheitern des Westens in Afghanistan und zugleich die Verlogenheit und das Fehlen jeglicher politischer Weitsicht/Vernunft im seit bereits nunmehr eineinhalb Jahrzehnten !! (mit für die betroffenen Staaten katastrophalen Folgen) dauernden „Krieg gegen den Terror“.

Der Artikel beginnt mit den jüngsten, unglaublichen und völlig – zumindest für naiv-dümmliche Westler – unerwarteten innenpolitischen Entwicklungen in Afghanistan: Dem Schulterschluss von Aschraf Ghani mit Hekmatjar:

„Aschraf Ghani, der demokratisch gewählte Präsident in seinem Palast zu Kabul, und Gulbuddin Hekmatjar, der Terroristenführer [von geschätzt 20.000 Mann] in seinem vermutlich nahe der Grenze zu Pakistan befindlichen Geheimsversteck, unterzeichnen feierlich einen Friedensvertrag.“

Unglaublich und völlig unerwartet kam diese Nachricht, wenn überhaupt, weil Hekmatjar, der

„»Schlächter von Kabul« […] vermutlich mehr afghanische Menschenleben auf dem Gewissen hat als jeder andere. Aber noch erstaunlicher als diese Rehabilitierung war die Reaktion darauf. Nur Human Rights Watch protestierte gegen das Abkommen und bezeichnete es als eine »Verhöhnung der Opfer«; Politiker in Afghanistan beglückwünschen den Präsidenten, auch die Staatsführer in Paris, London und Berlin zollten Beifall.

[und buckeln damit vor einem der radikalsten und brutalsten Islamisten: Der IS wird bekämpft, doch Hekmatjar wird gepriesen. Schizophrenie pur!!]

Und selbst die Obama-Regierung nannte die Übereinkunft einen »Meilenstein«, obwohl die Hisb-i-Islami auch zahlreiche Amerikaner getötet hat.“

Einst, als die Sowjetunion Afghanistan zehn Jahre lang besetzt hielt (von 1979 bis 1989), war dem Westen – insbesondere den USA – jeder willkommen, der bereit war, gegen die Besatzer zu kämpfen:

„wer gegen Moskau kämpfte, musste in den Augen westlicher Politiker ein Held sein. Ihr Held. Bei einem Deutschland-Trip warb Hekmatjar für seine Sache, Spitzenpolitiker aller Parteien empfingen [und hofierten] ihn. In US-Kongress wurden er und seine Mitstreiter gar mit den amerikanischen Gründervätern gleichgesetzt.“

Doch Hekmatjar verfolgte seine eigenen Ziele, nicht die des (explizit und exklusiv anti-sowjetisch agierenden) Westens. Ggf. ist er sogar der erste (und zugleich noch lebende !! all) der nach ihm kommenden islamistischen (Terroristen-)Führer:

„Und immer häufiger kooperierte er jetzt auch mit einem Mann aus Saudi-Arabien, der ihm an Radikalität in nichts nachstand und der zu ihm als älteren Lehrmeister aufblickte. Mit Osama bin Laden.“

Hekmatjars radikal-islamistische Vorstellungen stießen in ihrer Umsetzung, nach dem Abzug der sowjetischen Streitkräfte (1989), jedoch selbst im Nachbarstaat Pakistan auf Ablehnung:

„Selbst die pakistanische Regierung, die Hekmatjar solange so bedingungslos unterstützt hatte, stieß sich zunehmend an seinem Extremismus.

In Islamabad begann man auf eine neue Kraft zu setzen: auf die in pakistanischen Medressen, islamischen Schulen, ausgebildeten »Koranschüler«, was übersetzt so viel heißt wie »Taliban«.“

Nachdem die Taliban die Macht in Afghanistan übernommen hatten, war daher kein Platz mehr für Hekmatjar:

Hekmatjar „hatte den Machtkampf verloren, er musste fliehen. Und fand Unterschlupf im Iran.“

Mit Osama bin Laden hingegen hatten die Taliban kein Problem. Er konnte von Afghanistan aus, von den Taliban unbehelligt, operieren. Er und Hekmatjar blieben gleichwohl in Verbindung: Auch in seiner Exilzeit bezeichnete Hekmatjar bin Laden, laut Follath, als „»aufrechten Kämpfer und guten Kumpel«.“

Die weltpolitische Lage und Hekmatjars Schicksal änderten sich fundamental erst wieder nach dem verheerenden Anschlag von 9/11:

„Kaum drei Monate nach dem 11. September waren die Taliban von der Macht [in Afghanistan] vertrieben, die USA hatten in Kabul die dem Westen wohl gesinnte Regierung um Präsident Hamid Karsai installiert. Der Iran, an dem Sturz der Islamisten und an guten Beziehungen mit den Nachbarn interessiert, wies Hekmatjar an, Teheran zu verlassen.

Die Amerikaner versuchten jetzt, ihn [Hekmatjar] mit allen Mitteln auszuschalten.“

Doch das misslang.

„Später brüstete er [Hekmatjar] sich in einem Video aus dem Untergrund damit, den [sic] [al-]Kaida-Chef in einer dramatischen Aktion zur Flucht aus den Berghöhlen von Tora Bora verholfen zu haben.“

Doch erneut unterlag der nach Afghanistan zurückgekehrte Hekmatjar den

„besser formierten Taliban [. Sie] wurden zur dominierenden Kraft im Untergrund; sie kündigten ihr Zweckbündnis mit Hekmatyar auf.

Hekmatjar entschloss sich [daher] zu einer neuen Doppelstrategie: Er spaltete seine Gottespartei, in einen militärischen und in einen politischen Flügel. Seit Beginn dieses Jahrzehnts [bereits] können Hisb-i-Islami-Mitglieder fürs Parlament kandidieren und auch Regierungsämter annehmen“.

Es bleibt abzuwarten, ob aus dem „Schlächter von Kabul [… nun tatsächlich der] Schlichter von Kabul“ wird…

(alle Zitate von S. 7; im Original keine Hervorhebungen)

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Verwicklung Erdogans in Giftgasangriffe in Syrien??

Frog1(Medien unterstützen einerseits Böhmermann, vertuschen andererseits Erdogans Giftgasanschläge in Syrien, 11.4.2016)

(Fabian Köhler, Wer steckt hinter dem syrischen Giftgas-Angriff?, TELEPOLIS online, 30.10.2015)

(Erdogan übernimmt kritische Zeitung und dreht die Berichterstattung, Deutsche WirtschaftsNachrichten online, 6.3.2016)

„Ein weiterer bizarrer Fakt in […] der allgemeinen Erdogan-Thematik ist – insbesondere wenn man den tollen “Investigativjournalismus” durch die SZ bei den Panama Papers mit einbezieht – dass teilweise die selben Medien, die jetzt Böhmermann (zu recht) in Schutz nehmen (und sich dabei unter dem Label “Pressefreiheit” selbst auf die Schulter klopfen), keinerlei Interesse zeigen, die Verwicklung Erdogans in die Giftgasangriffe in Syrien zu untersuchen.

[„Am 21. August 2013 geschah einer der schlimmsten dieser [Giftgas-]Angriffe – nicht nur in der Geschichte Syriens. 355 Tote zählten Ärzte ohne Grenzen an diesem Tag in der südwestlich von Damaskus gelegenen Region Ghouta. Die US-Regierung sprach von 1429, die oppositionelle Freie Syrische Armee sogar von 1729 Todesopfern.“ (Köhler; im Original nicht kursiv)]

Dabei hatte der laut Süddeutscher Zeitung (die mit den Panama Papers) beste Investigativjournalist der WeltSeymour Hersh – bereits vor über zwei Jahren in einem echtem Investivgativreport dargelegt, dass Erdogans türkischer Geheimdienst und von ihm unterstützte Islamisten in einer False-Flag-Aktion für die Giftgasmassaker in Syrien verantwortlich waren, die der syrischen Assad-Regierung untergeschoben wurden. Das Sarin-Giftgas wurde über die Türkei nach Syrien geschmuggelt. Dass Assad nicht für die Angriffe verantwortlich war, hatten zuvor bereits führende US-Wissenschaftler ermittelt, was jedoch von der US-Regierung unter Obama einfach ignoriert wurde und bis heute ignoriert wird. Der Grund für die Vertuschung – bis auf wenige kleine Notizen dazu vor zwei Jahren – durch die westliche Politik und die Medien ist klar: Propaganda. Was kümmert die Presse schon der wahre Grund für den Tod von 1000 Syrern, wenn man die Lüge für die eigene Kriegspropaganda nutzen kann? So nach dem Motto “Tot sind sie ja ohnehin …”.

Der mehrfach ausgezeichnete us-amerikanische Investigativjournalist Seymour M. Hersh – Gewinner des Pulitzer-Preises und fünffacher Gewinner des George Polk Award – hat in einem Anfang 2014 erschienen Artikel (“Whose sarin?“) sowie einem darauffolgenden Bericht (“The Red Line and the Rat Line. Seymour M. Hersh on Obama, Erdoğan and the Syrian rebels“) aufgezeigt, dass die syrische Regierung höchstwahrscheinlich nicht für den Giftgasanschlag im syrischen Ghouta bei Damaskus verantwortlich war, sondern Erdogans türkische Regierung und die radikal-islamistische Al-Nusra-Front, der syrische Arm der Al Kaida. Es handelt sich bei dieser Attacke um DEN Giftgasangriff in Syrien, von dem immer in den Medien die Rede ist und der dort immer der Assad-Regierung zugeschrieben wird. Der Artikel “Whose sarin?” ist unter dem Titel “Wessen Sarin?” auch in einer kompletten deutschen Übersetzung im Netz zu finden. Unter dem Titel “Rote Linie, Rattenlinie. Giftgas, Bürgerkrieg und Krieg – Obama, Erdoğan und Syriens Rebellen” gibt es im Internet circa ein Drittel des anderen genannten Artikels in einer auszugsweisen deutschen Übersetzung.“ (im Original kein Fettdruck)

Fabian Köhler:

„Mehr als zwei Jahre später sitzen am 21. Oktober 2015 zwei türkische Parlamentsabgeordnete an einem Tisch in Istanbul und erzählen ihre Version der Ereignisse. Eren Erdem und Ali Şeker heißen die beiden Co-Vorsitzenden der oppositionellen CHP-Fraktion im türkischen Parlament. Sie wollen neue Beweise vorlegen: Dafür, dass nicht die syrische Armee, sondern dschihadistische Milizen den Angriff ausgeführt haben. Und fafür, dass nicht Assad, sondern der türkische Geheimdienst hinter dem Angriff von Ghouta steckt.

Hintergrund der Pressekonferenz sind Ermittlungen eines Gerichts im südtürkischen Adana. Die Anklage warf dort 13 Türken vor, Giftgas von der Türkei nach Syrien geschmuggelt haben. Doch dem Gericht reichten die Indizien nicht für eine Verurteilung, es ließ die Männer nach drei Monaten wieder frei. Erdem und Şeker hatten nach eigener Aussage Einblick in die Gerichtsakten und kommen bei ihrer Pressekonferenz zu einer ganz anderen Bewertung als das Gericht.

Unter anderem Telefonmitschnitte würden zeigen, dass „einige Unternehmer in der Türkei eine wesentliche Rolle bei der Beschaffung des Saringases gespielt haben“, sagt Erdem später gegenüber der türkischen Zeitung Zaman.

Über türkische Mittelsmänner sei das Gas an „extremistische Gruppen in Syrien“ geliefert worden. Und mehr noch: Nicht nur türkische Privatpersonen seien in den Giftgasschmuggel involviert gewesen. Erdem und Şeker beschuldigen den türkischen Geheimdienst am Angriff vom 21. August 2013 beteiligt gewesen zu sein.“ (im Original kein Fettdruck)

Ob die Umgestaltung von Zaman auch damit zu tun hat??

„Der türkische Präsident Erdogan hat die Berichterstattung in der zwangsverstaatlichten Zeitung Zaman gedreht: Die bisher kritische Zeitung musste am Sonntag Artikel veröffentlichen, die Erdogan in einem guten Licht erscheinen lassen. […]

In der Türkei musste die [seit 4.3.2016] unter staatliche Aufsicht gestellte Zeitung Zaman einen radikalen Kurswechsel vollziehen. Das bisher als regierungskritisch eingestufte Blatt veröffentlichte am Sonntag [6.3.2016] eine Reihe von Beiträgen, in denen wohlwollend über Präsident Recep Tayyip Erdogan berichtet wurde. Über die Proteste gegen die Erstürmung der Redaktion am Wochenende gab es dagegen keine Artikel.“ (DWN)

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