Macrons verzweifelter Appell an die Einheit der Franzosen

Kulturzeit vom 19.10.2020

NACH MESSER-MORD IN DRESDNER ALTSTADT: VERDÄCHTIGER ALS ISLAMISTISCHER GEFÄHRDER BEKANNT, tag24.de, 21.10.2020

Friedrich Merz, Warum ist dieser islamistische #Syrer…, 21.10.2020

Friedrich W. J. Schelling, Von der Weltseele, Sämtliche Werke, Bd. 2, Stuttgart u. Augsburg, 1857

In Simon Brolls Beitrag für die Kulturzeit vom 19.10.2020 ist folgender Auszug aus Emmanuel Macrons Ansprache anlässlich der Ermordung von Samuel Paty eingearbeitet (und – von wem?– so übersetzt):

„(1) Sie werden uns nicht spalten. (2) Das versuchen sie. (3) Und wir müssen gerade deshalb zusammenhalten. (4) Ich rufe die Gesamtheit aller Mitbürger auf, gemeinsam zu stehen, vereint zu sein ohne Unterscheidungen, die uns trennen könnten. (5) Denn wir sind vor allem Bürger, die vereint sind durch die gleichen Werte, eine Geschichte und ein Schicksal.“

Macrons Appell läuft ins Leere: muss ins Leere laufen.

Schon eine knappe Satz-für-Satz-Analyse des von Broll zitierten Rede-Auszugs zeigt dies auf.

(1) Behauptung (objektiv): dass sie uns nicht spalten werden, wobei beide Gruppen (sie und wir) nicht benannt/identifiziert werden.

(2) Unterstellung (subjektiv): dass sie uns spalten wollen. Die Absicht des Spaltens setzt bereits (vermeintlich oder tatsächlich) bestehende Divergenz voraus. Sie, die anderen, und wir, die einen, werden als antagonistische Gruppen vorgestellt.

(3) Appell: zunächst an die mit wir angesprochene Gruppe zum Zusammenhalt in der eigenen Gruppe. Im zugrunde gelegten Vorkommnis manifestiert in den zu Protest und Trauer versammelnden zehntausenden Demonstranten.

(4) Appell: an die Gesamtheit/Totalität aller, i.e. unter Einschluss derer, die zuvor mit sie (als die vom wir Ausgeschlossenen) bezeichnet wurden, eine Einheit zu bilden ohne auf Divergenzen zu achten.

(5) Begründung (eingeleitet durch denn) mittels der Aussage: wir, und zwar jetzt alle Bürger, sind eins in Werten, Geschichte und Schicksal.

Verzweifelt ist Macrons Appell, weil er unrealistisch ist. Denn er unterstellt als Tatsache, dass sich alle Bürger (bereits) als Einheit begreifen (5), was jedoch gerade nicht der Fall ist, wie just die Ermordung Patys (wieder mal) zeigte. (siehe auch Frankreich trauert um von Flüchtling enthaupteten Lehrer)

Bereits das Denken der alten Griechen kreiste um den Zusammenhang von Einem und Allem (ἓν καὶ πᾶν): die Alleinheit. (Vgl. die Redensart: Du bist mein Ein und Alles.)

Von Friedrich W. J. Schelling wird der Zusammenhang von Gesamtheit, Einheit und Vielheit — doch anders als bei Macron — unter Bezug auf das Universum so thematisiert:

„wirkliche Ganzheit (totalitas) [bestehe…] durch die Einheit in der Vielheit. Die Ganzheit fordert daher die Einheit (identitas), und kann ohne diese auf keine Weise gedacht werden.“  (Schelling, 362)

(Wobei für den Gläubigen Schelling Universum die Menschenwelt nicht ausschließt, sondern mit einschließt.)

Macron differenziert ebenfalls zwischen Gesamtheit (4) und Einheit (4), (5). (Auf Vielheit hingegen bezieht er sich in den oben zitierten Sätzen nur indirekt.) Gesamtheit ist für ihn die Menge aller Bürger. Identität aber ist nichts Gegebenes, sondern Aufgegebenes, durch Vereinigung erst zu Bildendes.

Wie soll Identität jedoch gelingen, wenn sie nicht wollen und wir (nämlich die Franzosen, zu denen sich Macron zählt) auf die Einhaltung unserer Werte bestehen? Durch Umerziehung à la China? (siehe Chinas Griff nach Europa – laut „Kronzeugin“ Sayragul Sauytbay)

Oder sollen wir – anderes Extrem – eingeschüchtert das Handtuch werfen und allesamt zu Dhimmis mutieren à la Deutschland? Haben wir uns denn vom Christentum selbst-aufklärend emanzipiert, um uns jetzt erst recht fremd-knechten zu lassen? Wie masochistisch veranlagt sind wir denn?

Reicht es denn nicht, dass wir in Vielheit, sprich Multikulti-Beliebigkeit zerfaseln? in der jede Gruppe und jedermann/frau vermeint, ein Recht darauf zu haben, seine/ihre Privat-Identität nach eigenem Gusto auszuleben und mancher meint, seine einzig wahren Eliten-Werte mit Gewalt durchsetzen zu dürfen? (siehe Frankreich trauert um von Flüchtling enthaupteten Lehrer) —

Anlässlich des jüngsten Beispiels aus Deutschland: NACH MESSER-MORD IN DRESDNER ALTSTADT: VERDÄCHTIGER ALS ISLAMISTISCHER GEFÄHRDER BEKANNT  stellt Friedrich Merz auf Twitter die vorgeblich naiv-dümmliche Frage:

Warum ist dieser islamistische #Syrer nach Verbüßung seiner Haftstrafe nicht in Sicherungsverwahrung genommen oder abgeschoben worden? (FM) #Dresden @derspiegel

Weiß Kanzleranwärter Merz denn nicht, dass syrische Flüchtlinge, die uns 2015 heimsuchten, insbesondere die Polizei bekannten Jungspunde unter ihnen mit Duldungsstatus, unter dem Schutz von Mutti persönlich stehen und eine Bereicherung für Deutschland sind?? — Der muss noch viel lernen, der Grünschnabel, will er Muttis Nachfolger werden…

Chinas Griff nach Europa – laut „Kronzeugin“ Sayragul Sauytbay

Sayragul Sauytbay und Alexandra Cavelius: Die Kronzeugin. Eine Staatsbeamtin über ihre Flucht aus der Hölle der Lager und Chinas Griff nach der Weltherrschaft. Zürich, 2020

Laut Sayragul Sauytbay, der als Kasachin selbst betroffenen, inhaftierten, gefolterten und geflohenen Kronzeugin über die Vorgänge der von China euphemistisch Berufsbildungszentren genannten Lager zur  Umerziehung der muslimischen Bevölkerung in Turkestan, gebe es einen „Drei-Stufen-Plan der Regierung Chinas“ (im Original kein Fettdruck) mit folgender beunruhigender Strategie:

Erste Stufe, 2014 bis 2025: in Xinjiang die Assimilation derer vornehmen, die dazu bereit sind, und die Eliminierung derer, die nicht dazu bereit sind. […]

Zweite Stufe: 2025 bis 2035: nach der Assimilierung in China folgt die Besetzung der Nachbarländer.

Langsame Einnahme, zum Beispiel von Kirgistan, Kasachstan oder Usbekistan, unter anderem durch die »Belt and Road Initiative« («Neue Seidenstraße«) und großzügige Kreditvergaben. Die wirtschaftlich gebeutelten Länder sollen sich Peking gegenüber hoch verschulden. Immer mehr Chinesen würden sich dort ansiedeln und einbürgern, Fabriken aufbauen, aber auch in Medienhäuser, Verlage und TV-Stationen investieren, um auf diese Weise der chinesischen Politik einen Weg in diese Länder zu ebnen. Weiterhin würde Peking Informanten und Spione in die Fremde schicken, um Regierungsgeheimnisse zu sammeln.

Dritte Stufe: 2035 bis 2055: Nach der Verwirklichung des chinesischen Traums folgt die Besetzung Europas.“ (240f; im Original kein Fettdruck)

Zudem soll es

„eine Liste mit 26 Staaten [… geben], sortiert nach den größten Feinden der Volksrepublik China.

Platz 1: USA. Platz: 2: Japan. Platz 3 oder 4: Deutschland oder Kasachstan. Wer von beiden vorne oder hinten lag, weiß ich nicht mehr genau.“ (248)

Wenn wir, sprich unsere politischen und wirtschaftlichen Eliten, eine (weitere) Intensivierung unserer politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu China intendieren, gar fordern, sollten wir NIE vergessen, dass China ein extrem repressives Gesellschaftssystem lebt und zu expandieren FORCIERT – siehe Tiananmen-Massaker vor 31 Jahren (4. Juni 1989), gerade erst begonnene Hongkong-Assimilation (per „Sicherheitsgesetz“), fortbestehende Drohung zur Rückintegration Taiwans, etc… Vorsicht vor diesem Partner tut Not!