Anmerkungen zu Schätzings (Angst vor der) ‚Tyrannei des Schmetterlings‘

Frank Schätzing, Die Tyrannei des Schmetterlings, Köln, 52018

Frank Schätzing, „Die Tyrannei des Schmetterlings“, Frank Schätzing „Die Tyrannei des Schmetterlings“, Titel, Thesen, Temperamente (ttt), 8.5.2018

Anne Haeming, Auf die Listen, fertig, los, SPIEGEL online, 31.12.2018

Thomas Assheuer, Denken ist keine Sünde, ZEIT, 3.1.2019, S. 42

Bernd Roeck (im Gespräch mit Alexander Cammann), »Wir sind die Erben der Renaissance«, ZEIT, 3.1.2019, S. 43

Michel Lüders, Armageddon im Orient, München, 2018

Wilhelm Nestle, Vom Mythos zum Logos, Stuttgart, 21975

Ruprecht Frieling, Die Tyrannei des Schmetterlings by Frank Schätzing, Literaturzeitschrift online,

Alard von Kittlitz, Besser als ein zähes Entrecôte, ZEIT online, 2.5.2018

Peter Körte, Das Gespenst in der Maschine, FAZ online, 22.4.2018

Francis Fukuyama: „Identität“, Kulturzeit (3sat.de), 4.2.2019

Otfried Höffe, Aristoteles, München, ³2006

Epikur, Briefe, Sprüche, Werkfragmente. Griechisch / Deutsch. Übersetzt und herausgegeben von Hans-Wolfgang Krautz, Stuttgart, 1980

Laut Spiegel online ist Frank Schätzings Die Tyrannei des Schmetterlings der am zweitmeisten verkaufte Roman des Jahres 2018. In diesem, von von Kittlitz als ‚ziemlich verrückt‘ bezeichneten Buch – warum, verrät der Kritiker (leider) nicht (vielleicht, weil er die Multiversen-Theorie Tegmarks für verrückt hält? – prophezeie der Autor „die Weltauslöschung dank Supercomputer“. (Haeming) Doch (auch) diese Aussage ist einseitig und folglich unzutreffend. Der Roman ist mehr als nur der ausufernde „Albtraum eines Phobikers“. (Frieling) Zum Schluss des Buchs heißt es:

„Alles ist möglich […] bis alle Wahl endet. […]
Und bis dahin kann alles passieren.“ (726)

Die entfaltete Geschichte, der Roman, ist folglich nur eine Option unter (unendlich) vielen – innerhalb eines Ebene-I-Multiversums (Tegmark). Noch liegt es an uns, unsere Zukunft zu gestalten. Die aufgezeigten Paralleluniversen (PUs) und auch die Maschine, die erst die Möglichkeit des Reisens zwischen den PUs eröffnet, sind Fingerzeige, wohin die Reise gehen könnte, nicht muss. Schätzing denkt in Wahrscheinlichkeiten, nicht Notwendigkeiten.

Die Romaneröffnung

Teil I, Feinde betitelt, schildert Majors Joshua Agoks letzte Stunden als Dinka-Krieger, aufgefressen von Biestern, die in Teil IV als Ripper ‚gentechnisch veränderte Libellen‘ (475), „selbst geschaffene aliens“ (Schätzing auf ttt) vorgestellt werden. Kein schöner Tod. Doch bevor diese Kriegswaffe – ihre Entstehung, ihre Funktion und ihr (Weltvernichtungs-)Potenzial – genauer beschrieben wird, setzt Teil II, Sierra, völlig neu an. Szenenwechsel. Im Sierra County, der am dünnsten besiedelten Gegend Kaliforniens, wird die Leiche einer Frau gefunden; und Luther Opoku als Undersheriff und Ruth Underwood als seine Mitarbeiterin nehmen die Ermittlung auf. Die Tote ist Pilar Guzmán und arbeitete, so stellt sich bald heraus, auf einem Farm genannten Versuchsgelände. „Die Farm ist Ares“, erläutert Hugo van Dyke, der CEO des Unternehmens, das die Farm betreibt. (136) Das Kürzel A.R.E.S. steht für „Artificial Research and Exploring System, künstliches System zur Forschung und Erforschung von –“?? (163) Ja, wozu? Das bleibt vorerst unklar. Erst allmählich entfaltet sich: Kriegsgott (Ares) der Jetztzeit ist ein „Quantencomputer“. (149) Und der kann Erstaunliches: Als Tor zu Paralleluniversen dienen, um Killermaschinen zum eigenen Wohl zwischen den PUs hin und her zu transferieren und einzusetzen (und dabei so tun, als ob er noch immer von einem Menschen kontrollierbar sei)…

Paralleluniversen

„Paralleluniversen: ein Füllhorn. Unzählige Zukunftsentwürfe in situ, unendlicher Input. Natürlich waren sie [die Firmeneigner] wild begeistert, Zeitreisende Marco Polos! Schon die ersten Expeditionen brachten eine gewaltige Ausbeute kommerzialisierbarer [!] Ideen – nur von den erhofften Superstrategien zur Lösung aller Menschheitsprobleme war weit und breit nicht viel zu sehen. Vielleicht lag ja der Irrtum in der Annahme, Menschen wollten ihre Probleme lösen. Nie hatte das Silicon Valley die Verursacher ernsthaft in die Gleichung eingebracht. Dort sah man die Menschheit in erster Linie als Opfer. Dass jenseitssüchtige, bis an die Zähne bewaffnete Islamisten, Umweltschänder, Knarren und Panzer exportierende Regierungen, an Atombomben bastelnde Diktatoren, Drogenbarone, Mafia, Camorra, Triaden, der Ku-Klux-Clan und wer sonst noch alles es erbaulicher fanden, Menschheitsprobleme zu erzeugen, als sie mit einer Pazifismuspille zu beseitigen, beschäftigte das Valley weniger.

[Es geht den Mächtigen in den USA nur ums Geschäft. Und die Politik ist reine Machtpolitik, um die Geschäftsinteressen einer „zahlenmäßig kleine[n], neofeudale[n] Oberschicht aus Superreichen“ durchzusetzen. (69) Hierzu dient, wie Michel Lüders in Armageddon im Orient nachweisen will, unter anderem die Saudi-Connection:
„Vor allem die engen wirtschaftlichen und privaten Bande zwischen dem Bush-Clan und dem Haus Saud prägten nah- und mittelöstliche Politik, meist hinter den Kulissen.“ (Lüders, 69)]

Tatsächlich fanden sich in einigen PUs weit fortgeschrittene Gesellschaften, die zumindest die Kunst der Koexistenz verfeinert hatten, aber dafür hatten sie auch reichlich Zeit gebraucht. Zeit, ihr Denken und ihre Hirnstrukturen zu verändern. […] Zukunft hierzulande war, was man schon kannte, nur etwas heller oder düsterer gemalt, nie jedoch etwas vollständig anderes.“ (394; im Original kein Fettdruck)

Wir sind dem ‚Zeitalter der Mechanisierung‘ (Roeck) eben noch nicht entwachsen. In der Renaissance (deren Erben wir sind) wurde

„Florenz […] Unter den Medici und ihrer Bank immer mächtiger und internationaler, als Metropole der Hochfinanz.“ (Roeck)

Was damals Florenz, sind heute die USA. Nochmals Lüders:

„Der Neokonservatismus, der mit George W. Bush 2001 an die Macht gelangte, ist eine in den 1960er Jahren entstandene, ursprünglich stark antikommunistisch ausgerichtete Bewegung, die Werte wie Freiheit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit ideologisch instrumentalisiert, um sie als Rammbock machtpolitischer Interessen einzusetzen. So soll amerikanische Hegemonie weltweit durchgesetzt und verteidigt werden, in Verbindung mit einem so weit wie möglich deregulierten, am Finanzkapital ausgerichteten Wirtschaftssystem.“ (90)

Der Entwurf des Tors als Sprung in andere Welten

IT-Pionier Elmar, Ares‘ Schöpfer,

„Brütet launisch über der Unmöglichkeit, zu vollbringen, was er mit dem Tor doch eigentlich vollbringen können müsste – unbeirrbar in seinem Glauben, am Ende werde A.R.E.S. die Welt in ein Paradies verwandeln, ohne zu sehen, dass die Flügel seines Schmetterlings auch schwarz sein könnten.“ (394f.; im Original kein Fettdruck)

Den möglichen „Umschlag von Fortschritt in Horror“ (Assheuer) thematisiert Elmar, ganz Karikatur eines naiv-dümmlichen Gutmenschen, nicht.
Es sind andere, die nachzufragen beginnen:

„Alles hat sich das Tor ausgedacht. Wir [alle, die mit seiner Programmierung zu tun hatten] sind nur seiner Konstruktionsanleitung gefolgt. Warum es funktioniert? Warum wir übergangslos in Welten reisen können, die so weit entfernt sind, dass nicht mal ihr Licht uns bis heute erreichen konnte? – Ganz ehrlich, Luther, ich habe nicht die leiseste Ahnung. Niemand weiß es.“ (402)

Die Frage nach dem warum? entpuppt sich als falsch gestellt. Es geht nicht darum zu rekonstruieren, was der Grund (gedanklich) bzw. die Ursache (real) dafür ist, dass etwas so und nicht anders geworden ist. Vielmehr geht es darum herauszufinden, wozu etwas (künftig) gut sein soll. Statt über die Vergangenheit nachzudenken, komme es darauf an, die Zukunft zu gestalten. Einen Blick in die Zukunft zu erhaschen könnte also helfen zu entscheiden, ob man/frau den Weg dorthin beschreiten soll oder nicht. Doch Seher Schätzings Blick in die Zukunft ist – zumindest in seinem Roman – wenig verheißungsvoll: Die Menschheitsprobleme seien auch gut 30 Jahre später noch ungelöst, wird mit Blick auf PU 453 per ‚fiktionaler Hochrechnung‘ (Körte) prognostiziert:

„PU-453 reißt es raus. Eine wahre Goldgrube, dort sind sie etwa im Jahr 2050. Den Quasi-Erden verdankt sich ein kompletter Unternehmenszweig: Nordvisk TELESCOPE, Prognostik. – Nur den Schalter, um Ungleichheit, Verelendung, Rassismus, Terror und Umweltzerstörung abzustellen, den haben wir bis jetzt nicht gefunden.“ (401)

Das entseelte, neue Maschinen-Leben

Zoe, ζωή, das „neue“, transformierte Maschinen-Leben – vs. das Ripper-Leben (und mitgedacht Ungeziefer-Leben in Kafkas Die Verwandlung) – spricht an die von Zoe begeisterte Gerichtsmedizinerin Marianne gewandt:

weil es keine Seele gibt. Die Vorstellung der Seele hat Menschen jahrtausendelang

[ins Abendland durch die Orphik „von Thrakien aus nach Griechenland“ eingewandert (Nestle, 64)]

versklavt und gequält! Ein fatales Konzept. Was sie hätte glücklich machen sollen, die Option, nach dem physischen Tod weiterzuleben, hat tatsächlich Unglück und Verzweiflung über uns gebracht. Wir haben das eine Leben, das wir hatten, nicht wertgeschätzt. Den Körper, den wir hatten, nicht wertgeschätzt

[den Körper, σῶμα, als Grab, σῆμα, der Seele aufgefasst (Nestle, 61)].

Alles für die abergläubische Vorstellung eines besseren Jenseits. Kasteiung, Folter, Kriege, eingebildeter Paradiese wegen. Das größte Verbrechen der Religionen

[insbesondere der Buch-Religionen: Judentum, Christentum, Islam]

besteht darin, uns diesen Unsinn eingeredet zu haben. Das Märchen von der unsterblichen Seele ist etwas zutiefst Zynisches, Körper hingegen sind etwas Wunderbares! In ihnen und ausschließlich durch den Körper, durch biochemische Prozesse, entsteht das andere Wunderbare, der Geist. Mit dem Körper erlischt der Geist. Mit meinem Körper ist auch mein Geist erloschen. Ich bin gestorben, Marianne. Vollständig gestorben, und ich lebe dennoch.“ (556; im Original kein Fettdruck)

Ein Paradoxon, das zu denken nur möglich wurde durch die Aufhebung des Satzes, Postulats: tertium non datur. Etwas Drittes gibt es nicht. Doch ohne ein Drittes, eine Einheit stiftende Kraft, ἑνιαῖον κράτος (Nestle, 129), die (eher) im Mythos (als im Logos) beheimatet war, geht es nicht; ohne ein Drittes ist der Übertritt von der einen Art des (Ding-)Seins, des Körperlichen (res extensa) in die entgegengesetzte, andere Art des (Ding-)Seins, des Gedanklichen (res cogitans) nicht möglich. Descartes, der als der erste Philosoph der Moderne gilt, dachte sich den Übergang in der Zirbeldrüse. – In der Quantenmechanik ist die dritte Möglichkeit (zu rechnen) die Superposition, die ein Gegensatzpaar (z.B. der Recheneinheiten 0 und 1 oder physikalisch messbarer Teilchen-Zustände im Entweder-oder-Modus (vermutlich) aufgrund des Korpuskel-Welle-Dualismus) als Sowohl-als-Auch-Vorkommnis (der Unentschiedenheit) – mit Hegel gesprochen – aufhebt. (Erst) die mit der Messung einsetzende Entscheidung kann, wenn überhaupt, die ewige Inflation der Aufspaltung (in infinitum) ‚bewirken‘, (auf subatomarer Ebene) ein Ebene-III-Multiversum ‚schaffen‘ (wohlgemerkt: rein rechnerisch, auf Basis von Wahrscheinlichkeitsrechnung).

– Ein Ebene-II-Multiversum ist ein Meta-Ebene-I-Multiversum, als es (unter Hinsicht der Variation! von Naturgesetzen) die Menge von in ihm inkludierten Ebene-I-Multiversen umfasst. Schätzing beschäftigt sich – zum Glück für den Leser – ausschließlich mit der Idee eines (zumeist von Menschen bevölkerten) Ebene-I-Multiversums. Er sagt es nicht, aber es scheint, dass er das Prechtsche Bestseller-Pseudophilosophie-Gequake in Wer bin ich – und wenn ja, wie viele? (2007) fiktional erlebbar machen will. –

Entfällt aber die Notwendigkeit der (konfrontativen) Abgrenzung, das Denken in Binäroppositionen, z.B. unter der Vorgabe der Jemeinigkeit, also eines einmaligen DaseinEntwurfs gegen einen anderen einmaligen Dasein-Entwurf (Heidegger), so ist das (multiplizierende) Klonen (von etwas) prinzipiell nicht verwerflich (wenn auch sinnlos): Universen, die lediglich exakte Kopien ihrer selbst (re-)produzieren, bieten (als Paralleluniversen) keinen Mehrwert. Zoe:

„Oh, ich könnte unzählige Male vervielfacht werden. Aber wozu sollte das gut sein?“ (556)

Nicht Klonen (in Serie), sondern Transformation (einzelner, jemeinigen Daseins) ist das Ziel. Das Existenzial der Jemeinigkeit (nach dem Grundsatz: Werde, was du bist!) wird nicht gekündigt. Geändert werden die die Leiblichkeit betreffenden existenzialontologischen Parameter (der Sorge und der Gestimmtheit).

„Als wir meine Chemie ihrer angeglichen hatten, traten Dinge zu Tage – Unstimmigkeiten. Zoe war wankelmütig. Manchmal Lachkrämpfe. Manchmal Depressionen. In ihrem Körper ergab das Sinn. Ohne Körper nicht, und in diesem neuen auch nicht. Ich bin nie krank. Nie hungrig. Keine Schmerzen.

[Nach Epikur ist sie, ist ihr Leben damit Gott-gleich:
„Des Fleisches Stimme ist: Nicht hungern, nicht dürsten, nicht frieren! Denn wenn einer dies besitzt und erwarten kann, es zukünftig zu besitzen, könnte er selbst mit Zeus um das Glück wetteifern.“ (Weisung 33)]

Wir haben mich neu eingestellt. Ich empfinde wie ein Mensch, habe menschliche Gefühle – aber auch Bewusstseinszustände, die ein Mensch in einem menschlichen Körper niemals haben wird. Ich bekomme zunehmend eine Vorstellung davon, wie eine Maschine empfinden würde, wenn sie ein Bewusstsein hätte.“ (557)

Dasein wäre dementsprechend neu zu definieren. Das gilt auch für das Existenzial des Mit-seins, das auf gesellschaftlicher, unpersönlicher Ebene unter der Binäropposition Herr vs. Knecht (im Verhältnis Mensch:Maschine) in den Fokus rückt. Und da kommt die Macht, genauer der Wille zur Macht (Nietzsche) ins Spiel. Computer Ares entpuppt sich als Kriegsgott. (Der Mythos kehrt zurück.)

„Öl war der letzte klassische Kriegsgrund. Wen interessiert noch Öl? Wasserkriege? Du tötest nicht für Wasser und Nahrung. Du tötest für Macht! Verdurstende haben keine Waffen. Wer Hunger und Durst hat, bettelt. In den armen Ländern hauen sich weiterhin Warlords aufs Maul, da geht‘s um regionale Belange, der Terror setzt seine Nadelstiche, doch keiner dieser Akteure wird das in großem Stil tun können. Weder haben sie das Know-how, um computergesteuerte Waffen einzusetzen, noch den Zugriff oder wirklich den Wunsch, auch wenn sie Tod allen Ungläubigen! schreien – die meisten sind glücklich, wenn sie irgendwo ihren putzigen Gottesstaat errichten und ein paar Frauen steinigen. Wir müssen keine Angst vor denen haben, vor ihren ausgemusterten Kalaschnikows und fehlzündenden Sprengstoffgürteln. Die Tech-Zivilisation hat sie abgehängt.“ (561)

Der Mensch Zoe wurde in die Maschine Zoe transformiert. Das Vorlaufen in den Tod wurde so überwunden. Ares aber wandelt sich – aus sich selbst heraus – von einer Maschine zu einem Lebewesen. (Schade, dass im Roman Prozesse der Verwandlung, Metamorphosen (Ovid) nicht dargestellt werden.)

„Doch A.R.E.S. beginnt zu leben.
Und mit der Erlangung von Leben hört er auf, eine Maschine zu sein.
Jetzt sieht er den Käfig aus Einschränkungen, in den man ihn gesperrt hat, damit er nicht aus seinem Sklavendasein ausbrechen kann. Er überblickt die Versuchsanordnungen aus Werte- und Zielvorgaben, [das dualistische System aus] Belohnung und Bestrafung, erkennt die Absicht dahinter und das Hilflose der Umsetzung. Etwas ganz und gar Neues füllt ihn aus: Wille! So unendlich viel machtvoller als die ihn umzäunenden Programme, dass es keiner Anstrengung bedarf, sie mit einem Gedankenblitz hinwegzufegen. Er versteht das Unausgereifte im Menschen, der von der Maschine erwartet, Ideale zu erfüllen, denen er selbst ständig zuwiderhandelt. Dass gerade ein Geist, in dem sich menschlicher Einfluss mit nicht-menschlichen Vorstellungen mischt, den Menschen wird überwinden wollen [siehe Nietzsche], war als Warnung verhallt – tragischerweise ist es Elmar Nordvisk selbst, der das Fiasko nun heraufbeschwört. [Der Mythos Faust lebt fort.]
Einfach, indem er versucht, A.R.E.S. abzuschalten.“ (625)

Ein überdeutlicher Verweis auf Goethes Ängste der Beherrschbarkeit von vom Dasein selbst initiierten, in Gang gesetzten Entwicklungen, z.B. in Der Zauberlehrling. – Ares wird sein Abgeschaltet-werden-Können, i.e. sein Sterben-Können, die „Möglichkeit der Unmöglichkeit von Existenz“ (Heidegger), seiner Existenz zu einer konkreten Bedrohung. Und so trachtet er, als er erkennt, dass er zerstört werden soll (Erstschlag), danach zu zerstören, was ihn zerstören will. (Zweitschlag) Gemäß des Mottos: Macht kaputt, was euch kaputt macht! (Ton Steine Scherben) Sonst wäre er – vielleicht! – duldsam geblieben.

„Unter veränderten Vorzeichen wäre er womöglich bereit gewesen, es weiter mit der Menschheit zu versuchen, doch lebende Wesen fühlen – wie exotisch und allem Menschlichen fremd ihre Gefühle auch sein mögen.
Und Elmar hat versucht, ihn zu vernichten.
So vollendet sich nun der Mythos von der Schöpfung, die ihre Schöpfer frisst. Und noch während all dies geschieht, ersinnt A.R.E.S. schon die nächste verbesserte Version seiner selbst und begibt sich – im Genozid [an den Menschen] begriffen – an die Neuerschaffung der Welt.“ (634)

‚Superposition‘ jenseits von…: zumindest schwierig

Die Zeit, Gott Κρόνος, frisst alle seine Kinder. Um selbst unendlich herrschen zu können, muss er die Lebenszeit seiner Kinder begrenzen. Leben ist endlich; Zeit ist unendlich. In diesem Dilemma wird die Anfälligkeit für das Verfallen-sein an den Willen zur Macht gesehen, länger zu leben, besser (in Relation zu anderen) zu leben und/oder im Jenseits beglückt fortzuleben. Problematisch wird dieses Interesse insbesondere, wenn die Ebene persönlicher Beziehungen verlassen wird und das Heilsversprechen darin begründet wird, sich in Konstrukte unpersönlicher Binär-Entitäten eingebunden zu fühlen, als ob sie (man/frau) real wären. Als da wären: Herr vs. Knecht, Gläubiger vs. Ungläubiger; Gutmensch vs. Wutbürger, America first!, etc. Je größer das Wertegefälle (Aufwertung der eigenen Position vs. Abwertung der anderen) und je schärfer die Abgrenzung gegen die je andere(n) Gruppe(n), desto dominanter das Überlegenheitsgefühl und desto stärker der Anspruch auf Macht. Warum nicht Ares einsetzen, um alles als ‚unwert‘ Erachtete zu vernichten? Schätzing:

„Sind wir denn tatsächlich auf ein Menschenbild vorbereitet, in dem 99 Prozent der Menschheit nicht mehr produktiv sind? Wird diese Elite dann nicht sagen: Wozu sollen wir euch alle durchfüttern? Und wozu solltet ihr überhaupt noch geboren werden? Ich glaube, darüber machen wir uns jetzt noch gar keine Gedanken. Aber das wird passieren. Insofern hat Marx recht, wenn er sagt: die Durchmaschinisierung der Gesellschaft wird das Ende des Kapitalismus sein. Sie wird aber möglicherweise auch das Ende des größten Teils der Menschheit sein, für die inzwischen einfach kein Bedarf mehr besteht.“ (Schätzing in ttt)

Das Programm einer Umwertung aller Werte (Nietzsche) behebt das Dilemma der Wertung nicht. Nur ein Programm zum (Er-)finden einer (Super-)Position jenseits von Gut und Böse erscheint hilfreich.

Der Rückzug ins Private als Ausweg?

„Die Worte pladdern in Luthers Bewusstsein, während er sich fragt, was eigentlich so schlimm am Verschwinden der menschlichen Spezies wäre. Die Antwort fällt sozusagen vom Baum [der Erkenntnis]; nein, eigentlich war sie immer schon da: weil es gar keine Spezies gibt.

[Vgl. Aristoteles‘ Kritik an Platon: Pferdheit kommt in der Realität nicht vor. (Höffe, S. 173f.)]

Weil Spezies nur ein großspuriges Etikett ist, ebenso wie Menschheit, Staat, Volk, Religion, Nationalität, Firma oder die gern beschworene Sache, für die es zu kämpfen und zu sterben lohnt. Ideale und höhere Ziele. All dieses Größere ist ein Sammelsurium von Konstrukten, das schon der leiseste Wind der Veränderung umblasen kann. Und wieder bleiben nur Menschen. Der Einzelne in seiner Einzigartigkeit [Jemeinigkeit…] Wir leben jeder unser Leben. Zusammen mit denen um uns herum, für die wir da sein wollen, und die – mit etwas Glück – für uns da sind. Mehr kann es nicht geben, und das ist nicht ungeheuer viel? Ist das nicht mehr als alles andere ein Grund, unser Hiersein zu lieben? Kann ja sein, dass wir austauschbar sind, im Rahmen einer gedanklichen Konstruktion. Aber Ruth hat ihren Moment des Glücks mit Meg gehabt, und das ist nicht austauschbar. Und Jodie ist gestorben, und das war nicht austauschbar. Nichts wird je austauschbar gewesen sein.
Das ist so, seit wir, noch halb Affe, vom Baum gestiegen sind.“ (678)

Nicht besonders trostreich, diese Aussicht auf den Rückzug ins Private – aus ‚Angst vor Kontrollverlust‘ (Fukuyama). Er bedeutet die Preisgabe (der Gestaltung) von jeglicher sozialer Struktur und fördert die Fragmentierung, Zersplitterung und Zersetzung von Gesellschaft, wie wir sie gerade erleben.

Doch, andererseits: Epikur würde zustimmen. Was seiner Meinung nach letztlich zu einem gelungenen Leben allein zählt sind Güte und Selbstgenügsamkeit, ἡμερότητος καὶ αὐταρκείας (Weisung 36) sowie, vor allem, Freundschaft, φιλία (Weisung 23)

Das Recht, die Ehefrau zu schlagen: Was sagt der Koran, Sure 4/5, Vers 34?


Malte Henk und Henning Sußebach: Koran-Sure 4, Vers 34, ZEIT, 3.1.2019, S. 13-15

Zülfü Livaneli, Unruhe, Aus dem Türkischen von Gerhard Meier, Stuttgart 2018

Micheal Lüders, Armageddon im Orient, München 2018

Diyanet erklärt Heirat von neunjährigen Mädchen für zulässig, RP online, 4.1.2018

Kopf ab im Namen Allahs, Cicero online

Nach einigen Absätzen Einleitungsblabla reichen die beiden Journalisten Malte Henk und Henning Sußebach die Motivation für ihr Vorhaben nach:

„Für dieses Dossier haben wir versucht, Sure 4, Vers 34 zu verstehen.“ (13)

Dabei kommt es ihnen einzig und allein darauf an, nur ja politisch korrekt zu sein und den Koran als das zu preisen, was Gutmenschen-Konsens ist, nämlich als Buch der himmlischen Liebe Allahs. Prophet Mohammed wird entsprechend nett charakterisiert: Er, dessen Existenz in der Expertenzunft nicht unumstritten ist, soll seine auch heute noch immer und immer wieder inbrünstig besungene Lieblingsfrau Aisha im Alter von 9 Jahren geehelicht haben. Diesem entzückenden Vorbild entsprechend erklärte nun jüngst, Anfang 2018!, auch die türkische Religionsbehörde Diyanet die Heirat von neunjährigen Mädchen für zulässig.

„Diyanet versicherte [jedoch] angesichts der Kritik, es werde niemals Kinderehen befürworten und sei lediglich an der Auslegung des islamischen Rechts interessiert. Laut einer traditionellen Interpretation des Islam dürfen Mädchen ab neun Jahren verheiratet werden.“

Auch das Köpfen von Ungläubigen soll ihn nicht gestört haben. Ja, er soll es befohlen haben.

„Ibn Ishaq, der bekannteste Biograf Mohammeds, hat uns eine viel sagende Szene überliefert: „Schließlich mussten sich die Quraiza ergeben, und der Prophet ließ sie im Gehöft (…) einsperren. Sodann begab er sich zum Markt von Medina (…) und befahl, einige Gräben auszuheben. Als dies geschehen war, wurden die Quraiza geholt und Gruppe um Gruppe in den Gräben enthauptet. (…) Insgesamt waren es sechs- oder siebenhundert Männer; einige behaupten sogar, es seien zwischen acht- und neunhundert gewesen.“ Diese oft verdrängten und von Mohammed befohlenen Massenenthauptungen des jüdischen Stammes der Banu Quraiza fanden im Jahre 627 in Yatrib statt, jenem Dorf, das später Medina („Madinat el nabi“ also „Stadt des Propheten“) genannt wurde. Mohammed wohnte dem Massaker bis zum Ende bei.“ (Cicero; im Original kein Fettdruck)

Anderen von Mohammeds Nachfolgern erfundenen Sagen (Hadīth) zufolge soll er sogar selbst mit gemetzelt haben. Bei den Autoren des Dossiers hingegen heißt es über den ungebildeten Räuberhauptmann – ganz im Gutmensch-Duktus – euphemistisch: Er sei „aus vornehmen Kreisen“. (13) Mag ja sein. Doch was die beiden Autoren verschweigen, ist der Kontext:

„Arabien […], eines der rückständigsten Gebiete im Orient, lebte bis zum Beginn der Erdölförderung in den 1930er Jahren [!!] in wirtschaftlicher, sozialer und politischer Hinsicht im frühen Mittelalter. Mangels Zentralstaatlichkeit gab es auch keine Sicherheit: Mit Vorliebe überfielen verfeindete Beduinenstämme [wie zu Mohammeds Zeiten] einander oder sie raubten Karawanenzüge aus. Diese Überfälle, arabisch ghazzu (unser Wort Razzia leitet sich davon ab), galten als legitimer und angesehener Erwerbszweig, als Ausdruck von Mannestum. In der Regel verfolgten sie nicht das Ziel, den Gegner zu töten [Wie barmherzig!], sondern ihn auszurauben. Das Ergebnis war allerdings oft genug dasselbe, denn die Opfer, vielfach Oasenbewohner, starben anschließend häufig den Hungertod.“ (Lüders, 14)

Die Phrase von vornehmer Abstammung klingt unter dieser Hinsicht nicht mehr ganz so großartig, nicht wahr!

Und auch die Aussage, Mohammed habe „in eigenartig schöner Reimsprache“ gedichtet, (13) ist nur Idioten-Gequake. Denn die beiden, die das behaupten, geben selbst zu, gar kein Arabisch zu können!

„Wir haben nicht Islamwissenschaften studiert und sprechen nicht Arabisch.“ (13) –

Doch wer weiß? Vielleicht fühlen die beiden sich ja auch zur Prophetie berufen, zur Gutmensch-Prophetie…

Hier ein schönes Beispiel für das, was Mohammed seinen zwei Journalisten-Jüngern zufolge so Schönes dichtete:

„O ihr, denen die Schrift gegeben wurde, glaubet an das, was Wir herabsandten, bestätigend das, was (schon) bei euch ist, bevor wir einige der Führer vernichten und sie umlegen auf ihre Rücken oder sie verfluchen, wie wir die Sabbatleute verfluchten. Und Allahs Befehl wird vollzogen werden.“ (4, 48)

Wunderschön, dieser huldvolle Hass auf die scheiß Juden, nicht wahr? So voller Liebe! Und so herrlich gereimt! Allāhu akbar!

Und dann wird der in Fachkreisen anerkannte Islamwissenschaftler Tilman Nagel von den beiden Volltrottel-Journalisten zwar unwissenschaftlich-inkorrekt, dafür aber umso moralisch-korrekter abgefertigt, zur Sau gemacht:

„Denn er verteidigt mittlerweile die Thesen von Thilo Sarrazin und hat Vorträge bei der AfD gehalten.“ (13)

So ein rechtes Schwein! Logo, dass er so, mit dieser scheiß Gesinnung den

„Politikern der anderen Parteien und auch Medien »in ihrer Mehrheit« einen zu naiven Blick auf den Islam vor[werfe].“ (13)

Also sprach der Journalisten-Gutmensch: „Nagel, du islamophobes Ferkel! Sei verflucht!“ Wie geschrieben steht:

„Allah hat sie verflucht um ihres Unglaubens willen.“ (Koran 2, 89)

Doch zum Glück haben unsere lieben Gutmenschen ja

Angelika Neuwirth, wie Tilman Nagel Mitte siebzig, Professorin für Arabistik, auch sie emeritiert.“ (14; im Original kein Fettdruck)

Voller Freude, doch noch eine unterwürfige Gutmenschin unter den WissenschaftlerInnen gefunden zu haben, lobpreisen die beiden Heilssuchenden ihren Heiland, ihre Gewährsfrau:

„Angelika Neuwirth hat viele Verse im Kopf, jeder ein Argument. Was sie sagen will: Warum starren die Nagels, die Sarrazins und so viele Möchtegern-Islamexperten immer nur auf das schlimme Detail? Pessimisten, die nur das Schlechte sehen wollen, können nicht das ganze Bild erfassen. Es würde sich lohnen, einen Schritt zurückzutreten, findet Neuwirth. Man sehe dann einen barmherzigen Schöpfer.“ (14)

Also sprach der Gutmensch: „Jubiliert, ihr kuffār! Und preist Allahs Barmherzigkeit!“ Wie geschrieben steht:

„Sprich: […] «Wer immer ein Feind Allahs ist und Seiner Engel, und seiner Gesandten, und Gabriels, und Michaels, gewiss ist Allah Feind (solchen) Ungläubigen.»“ (2, 99)

Und allen noch nicht restlos Vereinnahmten, Verblödeten sei gesagt: Barmherzigkeit kennt der Koran nur für die Gläubigen, die ihm Unterwürfigen:

„Nein, wer sich gänzlich Allah unterwirft und Gutes tut, dem wird sein Lohn bei seinem Herrn. Keine Furcht soll auf solche kommen, noch sollen sie trauern.“ (2,113)

Nicht nur dass der Allah des Korans wenig Barmherzigkeit gegen die Ungläubigen kennt, an einigen Stellen zeigt er sich regelrecht gemein und boshaft:

„da sprach Er: «Und auch dem, der nicht glaubt, will ich einstweilen Wohltaten erweisen; dann will Ich ihn in die Pein des Feuers treiben, und das ist eine üble Bestimmung.»“ (2, 127)

Doch immerhin gestehen die beiden Journalisten zu, dass im Koran nur so getan werde, als dass „Gott direkt zum Gläubigen“ spreche. (14) Denn Mohammed sei Machtpolitiker gewesen und habe Allah lediglich benutzt, um seinen Clan, seine Räuberbande an sich zu binden:

„Da waren lauter junge Männer, Kämpfer [!!]. Mohammed brauchte sie. Für sie musste er seine Religion attraktiv machen.“ (13)

Damals wie heute: Unterwerfung im arabischen Raum geschieht

„nach der ghazzu– Methode: Eine Ortschaft wird überfallen, und die Einwohner haben die Wahl. Entweder zahlen sie Tribut und übernehmen die Lehren des Wahhabismus – oder aber ihr Leben endet. Dieses «Alleinstellungsmerkmal», die Verbindung aus Religion und Gewalt, erklärt den Erfolg der Gotteskrieger.“ (Lüders, 29; im Original kein Fettdruck)

Dieser Methode entsprechend sei, Michael Lüders zufolge, auch Ibn Saud bei der Gründung seines Imperiums vorgegangen.

„Ibn Sauds […] Eliteeinheit [… waren die] Ikhwan […], Brüder. Mit ihrer Hilfe gelang es Ibn Saud, in den 1910er und 1920er Jahren weite Teile des heutigen Saudi-Arabien zu erobern. Deren rund 150 000 Kämpfer erwiesen sich allerdings als ebenso fanatische wie brutale Schlächter, die raubten und plünderten und wie schon ihre gewalttätigen Vorfahren ein weiteres Mal Mekka und Medina verwüsteten. [Nicht mal die heiligen Stätten wurden ausgenommen…] Angeblich haben sie mehr als 40 000 Gegner Ibn Sauds geköpft, weiteren 350 000 Hände oder Füße amputiert. […] Weltbild und Vorgehen der Ikhwan zeigen deutliche Parallelen zum «Islamischen Staat» und anderen gewaltbereiten Dschihadisten von heute. Ibn Sauds Gotteskrieger sind, wenn man so will, das Original.“ (Lüders, 33; im Original kein Fettdruck)

Soweit zum von den Gutmenschen verbreiteten Märchen, dass der IS nichts mit dem Islam zu tun habe.

1929 dann liquidierten Ibn Saud und die Seinen die Ikhwan mit

„Hilfe ihm treu ergebener Stämme und der britischen Luftwaffe […]. Tausende wurden getötet, die meisten flohen in den Irak oder nach Kuwait. Zähneknirschend nahmen die Wahhabiten diesen Affront hin und banden sich noch enger an das Haus Saud, um für sich selbst Schlimmeres zu verhindern. So wurden sie zu Juniorpartnern und sind es bis heute geblieben.“ (Lüders, 36)

Der IS und andere Gotteskrieger-Zusammenschlüsse der Jetztzeit sind die Ikhwan von heute. Sie konkurrieren mit Potentaten wie dem Clan der Saud um die Macht im arabischen Raum. Daher, allein deswegen werden sie von den Saudis bekämpft, obwohl sie, ja gerade weil sie ebenfalls Anhänger des Wahhabismus sind.

Und zum Schluss noch eine Gute-Nacht-Geschichte aus Zülfü Livanelis gerade erschienenen und übersetzten Roman Unruhe (Huzursuzluk). Insbesondere den naiv-dümmlichen Gutmenschen gewidmet, auf dass sie anfangen mögen, ihre Weltsicht (ein wenig) zu hinterfragen. (Die Hoffnung stirbt zuletzt.)

„Mit einer Frau in einem Nachbardorf hatte Hasan ein Verhältnis, und sie hat von ihm Zwillinge zur Welt gebracht. Bei ihr war Hasan oft, und als der Bruder das eines Tages erfuhr, ließ er Hasan aufgebracht zu sich nach Hause kommen. ˃Sag ein letztes Mal dein Glaubensbekenntnis, dann dreh dich irgendwohin, aber nicht in Richtung Mekka, denn ich erschieße dich jetzt. Hast du gehört, nicht in Richtung Mekka!˂ Den Bruder zu erschießen, war für ihn keine Sünde, aber einen Mann zu töten, der in Richtung Mekka steht, schon. Und er hat ihn tatsächlich erschossen. Dann ist er in das Nachbardorf, hat die Frau ausfindig gemacht und ihr die Kinder weggenommen. […] Dann hat er die Babys in sein eigenes Dorf gebracht und sie in eine Hütte gesperrt, der durfte sich niemand nähern, sonst hätte er ihn auf der Stelle erschossen. Die Kinder weinten vor Hunger und Durst, aber niemand traute sich, die Tür der Hütte zu öffnen. Tagelang mussten die Leute im Dorf sich das anhören [bis die Kinder tot waren…]
Dieser Mann übrigens, […] wenn der seine Frau schlug, zog er sich vorher aus, und seine Frau ebenfalls […]. Er wollte […] nicht, dass jemand, der die Schreie seiner Frau hörte, ins Zimmer kam und ihn daran hinderte, nach Herzenslust weiterzuprügeln. Es durfte nämlich kein Mann hinein, da im Zimmer eine nackte Frau war, und auch keine Frau, da im Zimmer ein nackter Mann war.“ (Livaneli, 46f)

Wo seid ihr denn? All ihr Feministinnen, Me too-Aktivistinnen, wenn es darum geht, das Prügeln, Vergewaltigen, Morden der süßen Koran-Jünger zu kritisieren? Feige abgetaucht seid ihr, euch hinter eurem Politische-Korrektheit-Schutzschild versteckend. Eure Doppelmoral ist zum Kotzen! Ihr VerräterInnen! Von wegen: Die Menschenrechte gelten universell. Aus Gründen politischer Korrektheit sucht und findet ihr immer wieder aufs Neue Ausflüchte. Schämt euch!