Kulturbanause Trump

Trump droht Iran mit Angriffen auf 52 Ziele, SPIEGEL online, 5.1.2020

Dirk Hautkapp, Irak-Krise: Trump droht mit Angriff auf 52 ii8ranische Ziele, Berliner Morgenpost, 5.1.2020

Gut gelaunt beim Säbeltanz, Nordwest Zeitung, 22.5.2017

US-Militär tötet iranischen Topgeneral, SPIEGEL online, 3.1.2020

Dass Trump ein Primitivling sondergleichen ist, ist ja schon hinlänglich bekannt, doch jetzt zeigte er erstmals seine wahre Banausenfratze.

Nach der von Trump befohlenen, völkerrechtswidrigen Ermordung von u.a. Qasem Soleimani auf irakischem Staatsgebiet durch eine Drohne, und zwar ohne Rücksprache mit dem Irak, reichte er noch ein besonders perfides Zuckerl nach.

„targeted 52 Iranian sites (representing the 52 American hostages taken by Iran many years ago), some at a very high level & important to Iran & the Iranian culture, and those targets, and Iran itself, WILL BE HIT VERY FAST AND VERY HARD.“ (Tweet vom 4.1.2020 zitiert nach SPIEGEL)

PS: Dass Trump, der Held der Christenheit, mit seiner Hau-drauf-und-Schluss-Politik freilich nicht allein steht, machte das Pentagon wieder mal unmissverständlich klar:

„Die Vereinigten Staaten werden weiterhin alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um unser Volk und unsere Interessen überall auf der Welt zu schützen“.

Koste es, was es wolle. Aufs Völkerrecht geschissen.

Dirk Hautkapp hat daher völlig recht, Trump & Freunde in eine Reihe mit den islamistischen Primitivlingen zu stellen, die einst die Buddha-Statuen von Bamiyan zerstörten. — Auch wenn Trump bislang nur als Ankündiger auftrat..

Vergegenwärtigt man/frau sich zudem Trumps gut-gelauntes Säbeltänzchen vom Mai 2017 mit seinen saudischen Waffenbrüdern, Weltmeistern im Export ihres – laut Trump – besonders „friedvollen und tolerantem Islam“ (eindrücklich im Jemen zu beobachten), verwundert Trumps jüngstes Dreingabe-Gestichel freilich nicht.

Und was machen Mutti & Co.? — Sie schleimen um ihren Oberhäuptling Trumpi herum. — Me-too-Debatte einmal anders. — Keine und keiner in der EU-Führung, der dieses primitive etwas zu kritisieren wagt: weder hinsichtlich der Ermordung Soleimanis, noch seiner Kulturverachtung.

Und dann schwatzen diese EU-Pseudogrößen auch noch von Werten…

Willkommen zurück im Mittelalter

Bei den Saudis darf mal wieder geköpft werden – und die Süddeutsche schweigt

Steven Geyer, Wegen Fahrrad-Demo Saudis wollen 18-Jährigen nach fünf Jahren Haft köpfen, Berliner Zeitung ONLINE, 8.6.2019

Im Alter von 13 Jahren Verhafteter soll hingerichtet werden, FAZ ONLINE, 8.6.2019

Steven Geyer schreibt in der Berliner Zeitung:

„Als man ihn als Polit-Aktivisten verhaftet hat, war er gerade einmal 13 Jahre alt – Murtaja war der jüngste politische Häftling in Saudi Arabien, erklärten Menschenrechtler seinerzeit. Das saudische Regime warf ihm unter anderem vor, dass er im Alter von zehn Jahren an einer Fahrrad-Demonstration teilgenommen hat, mit der rund 30 halbwüchsige Jungs gegen die Herrscherfamilie in Riad protestierten.

Nach fünf Jahren im Gefängnis, davon mehr als ein Jahr in Isolationshaft, ist der Angeklagte nun volljährig – und soll hingerichtet werden: Im Prozess wurde Murtaja Qureiris gerade Mitgliedschaft in einer Terror-Gruppe und „Aufwiegelung zum Aufruhr“ vorgeworfen. Der Staatsanwalt fordert die dafür vorgesehene besonders harte Bestrafung: Hinrichtung, danach die Zurschaustellung des verstümmelten Körpers. Dem 18-Jährigen soll demnach mit einem Schwert der Kopf abgeschlagen werden, danach sein Leichnam gekreuzigt werden.

 

Geständnis unter Folter

Wie der US-Sender CNN berichtet, basiert die Anklage gegen Qureiris auf seinem Geständnis, er habe unter anderem zugegeben, bei Protesten auf Sicherheitsbeamte geschossen und seinem Bruder beim Bau eines Molotowcocktails geholfen zu haben. Allerdings sei ihm das Geständnis unter Folter abgepresst worden.

Es ist das übliche Vorgehen des saudischen Regimes von Scheich Mohammed Bin Salman (33) – Menschenrechtler berichten immer wieder von Geständnissen unter Folter, auf die Hinrichtungen folgen. Erst im Mai hatte das Kinderhilfswerk Unicef berichtet, dass in Saudi-Arabien wieder drei Minderjährige hingerichtet worden seien. Das Urteil sei am 23. April vollstreckt worden. „Das ist ein klarer Verstoß gegen Kinderrechte“, erklärte Unicef. Weitere Einzelheiten nannte die Organisation zu den drei Fällen nicht.

 

Video zeigen: Demos waren friedlich

Mit Qureiras Fall befasste sich 2016 eine UN-Arbeitsgruppe, wenn auch ohne konkrete Namensnennung. Die Arbeitsgruppe kam CNN zufolge zu dem Ergebnis, dass das Kind festgenommen und gefoltert wurde – obwohl die Demonstrationen, an dem er teilgenommen habe, friedlich gewesen seien. Das zeigten Videoaufnahmen. Qureiris saß lediglich auf seinem Rad und stand später neben seinem Vater, der eine Rede hielt. Auch dieser sitze wie ein Bruder Murtajas in Haft.

Insgesamt ist eine Liberalisierung der saudischen Herrschaft nicht in Sicht. Allein in diesem Jahr wurden bereits Dutzende Menschen geköpft, 37 an nur einem Tag im April. Auch unter ihnen waren viele, die vorher laut Menschenrechtsorganisationen gefoltert wurden.

 

CDU/CSU wollen Exportstopp aufweichen

Herrscher Bin Salman erfreut sich dennoch bester Wirtschaftsbeziehungen in die westliche Welt. Erst im vorigen Jahr hatte US-Präsident Donald Trump bei einem Treffen mit dem Scheich stolz erklärt, wie viele Waffen amerikanischer Produktion die Saudis aus den USA einkaufen. Auch Frankreich und Großbritannien drängen Deutschland darauf, seine Einschränkungen von gemeinsamen europäischen Rüstungsprodukten wieder aufzuheben.

Die Bundesregierung hatte wegen des Jemen-Krieges und nach dem Mord am saudischen Regierungskritiker Jamal Khashoggi einen befristeten Rüstungsexportstopp verhängt. Auch CDU und CSU wollen ihn aber wieder aufheben. Im März wurde er in abgeschwächter Form und mit Hintertüren verlängert, Ende September läuft er aus.“ (im Original nur Zwischenüberschriften in fett)

In der FAZ heißt es strikt auf den EINZEL-Fall bezogen:

„Als Murtaja Qureiris im September 2014 mit seinen Eltern nach Bahrein reisen wollte, nahmen ihn saudische Polizisten an der Grenze fest. Er war damals 13 Jahre alt und der jüngste bekannte politische Gefangene in Saudi-Arabien. Das sagen jedenfalls Rechtsanwälte und Aktivisten. Jetzt ist Murtaja Qureiris volljährig, und die Staatsanwaltschaft fordert für ihn die Todesstrafe.

„Das Volk verlangt Menschenrechte“

Der amerikanische Sender CNN berichtete jüngst über den Fall und zeigte ein Video aus dem Jahr 2011, in dem der damals zehn Jahre alte Junge an einer Fahrraddemonstration von Kindern teilgenommen hatte. „Das Volk verlangt Menschenrechte“, soll er in ein Megafon gerufen haben. Gegen die Regierung zu demonstrieren, ist in Saudi-Arabien verboten.

Wie die Organisation Amnesty International bestätigte, wurde Murtaja Qureiris nach seiner Verhaftung einen Monat lang in Isolationshaft genommen. In den Verhandlungen soll er geschlagen und eingeschüchtert worden sein. Die Vorwürfe gegen ihn beinhalten die Teilnahme an regierungskritischen Demonstrationen und die Mitgliedschaft in einer „terroristischen Organisation“. Er soll Brandbomben auf ein Polizeigebäude geworfen und auf Polizisten geschossen haben.

Amnesty protestierte gegen die geforderte Hinrichtung. „Es gibt keinen Zweifel, dass Saudi-Arabien bereit ist, alles zu unternehmen, um Widerspruch niederzuschlagen“, sagt die Nahost-Forschungsdirektorin der Organisation, Lynn Maalouf. „Es ist frappierend, dass Murtaja Qureiris hingerichtet werden soll für Taten, die eine Teilnahme an Demonstrationen beinhalten, als er gerade zehn Jahre alt war.“

Und im dhimmi-Organ Süddeutsche Zeitung: (bei Abfassen dieses Berichts) KEIN WORT.

Unterwerft euch, ihr scheiß kuffār. Wie die Gutmenschen der Süddeutschen. Sonst: Rübe ab.

Allāhu akbar!

Mord im Auftrag der Göttin Athene – Thea Dorns Krimi „Die Hirnkönigin“


Göttin Athene im Roman Hirnkönigin

Die Anrufung der Göttin Ἀθηνᾶ erfolgt erst spät im Text (auf S. 53). Zuvor hat (u.a.) die Frau des ersten Opfers das Wort. Ihr werden Zitate aus Hugo von Hofmannsthals Elektra (Kap. 2 u. 3) zugestellt. –Warum nicht einer der altgriechischen Dramatiker (im Original) zitiert wird, bleibt offen. — Zwei Mal spricht Elektra (danach auch noch Klytämnestra). (S. 24f) Doch die Elektra-(Klytämnestra-)Spur endet (spätestens) mit dem Selbstmord der Nicht-Mörderin.

Ab da an (spätestens) hat die Mordende, die Hirnkönigin Nike Schröder, das Sagen. Sie ist kein sich am Ehemann rächendes Weib. O nein: Sie ruft Athene an und mordet ihr zu Gefallen, zum Sieg über die Männer, Opferlämmer, die sie sich zur Beute nimmt.

Einschub: Die Hirnkönigin als Weiterentwicklung (der Heldin) des Romans Berliner Aufklärung

Athene kommt schon in Dorns erstem Roman, Berliner Aufklärung, vor:

„Der silberne Brieföffner, der am Griff in ein Relief der Göttin Athene auslief“, (S. 63)

wird zum Mordinstrument.

Über die später hiermit Ermordete, Rebecca, heißt es:

„Als Kind hatte sie [Rebecca] oft neben dem Schreibtisch ihres Vaters gestanden, wenn er mit diesem schweren Briefmesser die Seiten alter Folianten aufgeschnitten hatte. Sie war immer stolz gewesen, wenn er sie dann »meine kleine Athena« genannt hatte. Mit sieben konnte sie große Teile der Ilias und Odyssee auswendig, war mit den griechischen Göttern vertraut wie andere Kinder mit Rotkäppchen und den sieben Geißlein. Es hatte für sie unverrückbar festgestanden: Sie wollte Athene sein, die mutterlose Göttin des Krieges und der Weisheit.“ (S. 63)

Doch sie versagte: nahm ihre Opferrolle ergeben (passiv) an, statt (aktiv) zu morden:

„Ein ruhiger Tod. Ein stiller Tod. Sie hat sich nicht gewehrt. Alles blieb still.“,

sprach der (schwule) Mörder, der den Selbstmord seines (schwulen) Freundes rächte. (S. 193) Dem wurde Aphoristiker Nietzsche zum Verhängnis.

„WICHTIG NEHMEN ALLE DAS STERBEN, ABER NOCH IST DER TOD KEIN FEST. NOCH ERLERNTEN DIE MENSCHEN NICHT, WIE MAN DIE SCHÖNSTEN FESTE WEIHT.“ (Also sprach Zarathustra I, Krit. Studienausg., Bd. 4, S. 93, Z. 10-12; bei Dorn in Großbuchstaben mit geänderter Interpunktion)

Nicht eingearbeitet wird von Dorn das Motto Vom freien Tode, dem das Zitat entnommen ist:

„Stirb zur rechten Zeit: also lehrt es Zarathustra.“ (eb., Z. 4)

Auch die Enttarnung des Philosophieprofessorengequakes im Institutssumpf (einer Uni) als eitles Kokettieren kakophonen Froschgesangs: von jedem gegen jede(n), Position A gegen Position B, Mann gegen Mann, Frau gegen Mann, Homo gegen Homo, Lesbe gegen Schwulen, etc. – in der Hinsicht sind sie alle gleich: jede(r) dem/der andern ein Wolf (Plautus, Hobbes): Jede(r) der 54 Institutler bekam folglich einen Teil des ersten Opfers des Übermenschen säuberlich in sein/ihr Postfach gelegt – bleibt im (Hals-)Ansatz stecken. Von wegen: herrschaftsfreier Diskurs. Wie wär’s mit einem Preis für Habermas für konsequentestes Realitätsentfremdungsgeblödel. Schade, dass Sie nicht tiefer bohr(t)en, Frau Dorn…

Die persona Hirnkönigin

In der Hirnkönigin ist es dann soweit. Nike mordet im Auftrag der Kopfgeborenen.

(Im Roman Berliner Aufklärung hingegen bestraft die (lesbische) Heldin, Anja, (den schwulen „Übermenschen“ mit seinen „stahlblauen Augen“ (S. 186)) lediglich — in persona eines sadistisch Pseudo-Schwulen).

In der Hirnkönigin wird die (nun pur verkopfte, pur asexuelle) Heldin von Anfang an als Beutemacherin vorgestellt. (Ihr Lieblingsopfer sind intelligente, aber irrational Handelnde, sie als Frau begehrende Männer.)

Nach einem kurzen Verweis auf die Anfangszeile der Oyssee (Ἄνδρα μοι ἔννεπε, Μοῦσα, πολύτροπον, ὂς μάλα πολλὰ), um den Bildungs-/Rechtfertigungskontext Nikes anzureißen, werden von Nike die Eingangszeilen des xxvii. Homerischen Hymnus ΕΙΣ ΑΘΗΝΑΝ. zitiert (Z.1-6):

Παλλάδ᾽ ᾿Αθηναίην, κυδρὴν θεόν, ἄρχομ᾿ ἀείδειν,

γλαυκῶπιν, πολύμητιν, ἀμείλιχον ἦτορ ἔχουσαν,

παρθένον αἰδοίην, ἐρυσίπτολιν, ἀλκήεσσαν,

Τριτογενῆ, τὴν αὐτὸς ἐγείνατο μητίετα Ζεὺς

σεμνῆς ἐκ κεφαλῆς, πολεμήϊα τεύχε᾽ ἔχουσαν,

χρύσεα παμφανόωντα·

Nike (Nίκη) sieht sich und handelt als einer Siegesgöttin gleich. Sie versucht dem von ihrem (als Ζεύς-gleich) verehrten Vater, einem erblindeten, auf einen Rollstuhl angewiesenen, pensionierten Latein- und Griechisch-Lehrer, in sie eingepflanzten Ideal purer Geistigkeit zum Sieg zu verhelfen. Sie erlebt sich als Produkt seiner Erziehung, als (dessen) Kopfgeburt (ἐκ κεφαλῆς, wie es im Hymnus heißt).

„Und Nike Schröder ging hinab und trennte das greise Haupt ihres Vaters vom Rumpf und öffnete den Schädel und weinte, als sie die Höhle wiedersah, der sie vor neunzehn Jahren entsprungen war.“ (297)

Das von der körperlichen Hülle, res extensa, befreite Hirn, das sie all ihren Opfern entnimmt und in Einweggläsern konserviert, verkörpert für sie das Eigentliche des Menschen, bloßes res cogitans. (Bei Descartes reduziert auf die Amygdala.) Durch den Mord des (Begehrens des) Körpers ist das Geistige/der Geist zu befreien. Um an die Hirne heranzukommen, mordet sie. Die Körper macht sie sich zur Beute. Sie ist die Wiedergeburt der (Athene) Ageleie (ἀγελείη):

„»Ageleie ist kein Blumenname, du Dummkopf«, sagte sie leise [zu einem frisch Ermordeten]. »Ageleie heißt Beutemacherin.« (121)

Nike versteht sich demnach (auch) als μαῖα. (Ein Bezug zu Sokrates‘ Mäeutik, μαιευτική.) Sie will, dass die Hirne der von ihr Auserwählten zu sich selbst kommen, dass sie frei werden mögen, auf dass sie an und für sich selbst seien. (Phänomenologie des Geistes. Hegel pur). So wie auch für sie selbst gilt:

Sie war Hirn. Reines Hirn. Von Kopf bis Fuß.“ (63)

Unter Verweis auf Trump

I have a gut, and my gut tells me more sometimes than anybody else’s brain can ever tell me.” (Trump zitiert nach Dana Milbank, Washington Post online, 28.11.2018)

ist diese Position durchaus vernünftig

Gemordet wird von ihr (ab dann vornehmlich) während des Rezitierens einschlägiger Ilias-Stellen – auf Griechisch, φυσικά!, wenn auch ohne Verwendung griechischer Schriftzeichen (z.B. 4, 134ff) und Stellenangaben. Schade…

Doch das hat(te) auch sein Gutes. Um alle Stellen zu entdecken, las ich nun erstmals sowohl die Odyssee als auch die Ilias komplett und beschäftigte mich zudem auch noch mit den Hymnen und den Fragmenten der epischen Poesie.

(Spaß machte es auch, all die Stellen aus Goethe, Benn, Trakl,…, aufzusuchen und -zufinden.)

Hierfür besten Dank, Frau Dorn!

Ohne Sie wüsste ich gar nicht, dass die Ilias nur die Zeit zwischen dem Rückzug Achills vom Kampf und der Bestattung (des von ihm getöteten) Hektors umfasst. Wir lasen ja seinerzeit im Gymnasium nur die ersten paar Seiten… –– Mit Schaudern denk ich noch heute an die Stunden bei Oma St. und Onkel F. Die verdarben mir jegliches altphilologisches Lüstlein. Wie gut, dass es seinerzeit auch Pu gab!! Danke, mein Lehrer!!… (Nikes Vater scheint wie Pu fähig gewesen zu sein, Begeisterung entfachen zu können.) –– Interessant fand ich auch, dass die Odyssee bis auf den Kampf Odysseus‘ gegen die Freier (und die Zeit danach) – im Gegensatz zur Ilias – recht unblutig bleibt.

Was ich zudem nicht (mehr) erinnerte, ist, dass es (erst) Vergil war, der den Gründungsmythos Roms (mit) kreierte: der in der Aeneis den Untergang Troias schildert und den Flüchtling („profugus“, 2) Aeneas und die Seinen („nos Troia antiqua“, 375) zur Gründung Roms bestimmt(e). Sehr schön ist (dabei) Vergils Verbeugung vor dem Dichter der Odyssee – die Homer wohl zu Unrecht zugeschrieben wurde/ist –: Musa, mihi causas memora quo numine laeso (8) … Alles verweist auf alles…

Der Epilog des Krimis, der auf dem Flug von Frankfurt nach Athen spielt, schließt:

„»Haben Sie Verwandte in Athen?« [fragte der Sitznachbar.]

Sie legte den Kopf schief. »Gewissermaßen«, sagte sie. Und lächelte.“ (299)

Das Gefühl kenn‘ ich…

„Πού `ναι τα χρόνια ωραία χρόνια
που `χες λουλούδια μες στην καρδιά
πού `ναι η αγάπη γλυκιά μου αγάπη
να μας ζεστάνει στην παγωνιά“

(Άκος Δασκαλόπουλος, Πού `ναι τα χρόνια) gesungen u.a. von Γιώργος Νταλάρας

Nach Griechenland zu fahren ist für mich stets (auch) eine Reise in das Abkünftige Europas. Der Beginn von allem. ωραία χρόνια – wie in Erinnerung an eine einst Geliebte.

Dafür danke ich Frau Dorn besonders: Daran zu erinnern, von wo her Europa kommt. Und das heißt auch, sich/uns klar zu machen, welche Traumata, welche Kriege und Schlachten und Gesänge wir mit uns tragen. Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten.

Latein und Griechisch aus der Schule zu verbannen, ist ein Verbrechen. Den Haupteingang der Uni Freiburg flankieren (noch immer) die Herren Aristoteles und Homer. Doch bald wird es keine Jugendlichen mehr geben, die deren Schriften im Original lesen können. Und nachdem das erreicht ist, wollen unsere Bildungsgestalter wohl zudem erreichen, dass die beiden keinem mehr etwas sagen. Auf dass die künftigen Studierenden achtlos vorbeigehen mögen.

Der Dummen und nicht ganz-Dummen Wunsch ist es, dass auch alle andern möglichst dumm sein mögen, damit ihre Dummheit nicht länger als Mangel erscheine, keinem mehr unangenehm auffallen möge. Da kommt die Einflutung islamistisch-sozialisierter Flüchtlinge, die die Welt in Rechtgläubige (sie selbst) und kuffār (die sie aufnehmenden Willkommenskultur-ler) teilen, nach Europa gerade recht…

„Wehe! Es kommt die Zeit, wo der Mensch keinen Stern mehr gebären wird. Wehe! Es kommt die Zeit des verächtlichsten Menschen, der sich selber nicht mehr verachten kann.

Seht! Ich zeige euch   d e n   l e t z t e n   M e n s c h e n.

„Was ist Liebe? Was ist Schöpfung? Was ist Sehnsucht? Was ist Stern“ – so fragt der letzte Mensch und blinzelt.

Die Erde ist dann klein geworden, und auf ihr hüpft der letzte Mensch, der Alles klein macht.“

(Nietzsche, Also sprach Zarathustra, Zarathustra‘s Vorrede (Kap. 5), Bd. 4, S. 19, Z. 21-28)

Liegt die Wahrheit im Fragment, Frau Dorn?

 

Asylant ermordet Opa. Natürlich NUR ein bedauerlicher Einzelfall


Grausame Tat – Rentner wird vermutlich im Schlaf die Kehle durchgeschnitten, Kölner Stadt-Anzeiger ONLINE, 18.11.2018

Entwicklung der Einwohnerzahl in Mecklenburg-Vorpommern von 1961 bis 2017, statista, 2018

Wolfgang Ambros, Zwickts mi Songtext

Mehr Gewaltkriminalität durch mehr Zuwanderer, SZ ONLINE, 2.1.2018

Stiftung erinnert an ermordete Studentin Maria, Die Stiftung ONLINE, 23.3.2018


Berichterstattungen über von den ach so süßen Flüchtlingen begangene Verbrechen folgen in der Gutmensch-dominierten Verblödungspresse stets demselben Muster. Nur der Einstieg ist unterschiedlich. Meist ist Ausgangspunkt ein singuläres (möglichst bluttriefendes) Ereignis (Paradigma A); weit seltener ist es das Gegenteil dazu: ein genereller, möglichst böser Verdacht (Paradigma B). Doch beide Wege haben dasselbe Ziel: Bestätigung des a limine zugrunde gelegten Gutmensch-Vorurteils.

Paradigma für Muster A) – pseudo-induktiv

Erster Schritt: Schilderung des (singulären) Einzelfalls:

„Ein 85 Jahre alter Mann ist in seinem Einfamilienhaus in Wittenburg (Mecklenburg-Vorpommern) – vermutlich im Schlaf – getötet worden. Ihm wurde, nach bisherigen Erkenntnissen mit einem Messer, die Kehle durchgeschnitten, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Sonntag mitteilten. Dringend tatverdächtig ist ein 20-Jähriger, der noch am Samstag festgenommen wurde.
Der Mann war mit dem Opfer persönlich bekannt und im August 2018 für eine Woche mit der Pflege des Rentners betraut. Derzeit sollte er Hilfsarbeiten am Haus des Opfers ausführen. Gegen ihn wurde Haftbefehl wegen heimtückischen Mordes erlassen. Nach der Tat, die sich den Angaben zufolge am frühen Samstagmorgen gegen 2.00 Uhr ereignete, war der Verdächtige zunächst geflohen.
Bei dem Tatverdächtigen handelt es sich laut Staatsanwaltschaft um einen abgelehnten Asylbewerber aus Afghanistan, der noch bis Ende Januar 2019 über einen Duldungsstatus einer sächsischen Behörde verfügt. Er lebte in einer Flüchtlingsunterkunft im Raum Zwickau, sagte Lange. Im Raum Zwickau sei die Tochter des Opfers in der Flüchtlingshilfe aktiv. Sie habe dem jungen Mann den Job bei ihrem Vater vermittelt.“

Wie schön, dass es – den veröffentlichten Fällen in der Presse zufolge zumindest – zumeist die naiv-dümmlichen Gutmenschen trifft, die vergewaltigt und/oder umgebracht werden. Selbst schuld.

Zweiter Schritt: ein bisschen ausgewählte Statistik:

„Nach Angaben des Schweriner Innenministeriums ereigneten sich im vergangenen Jahr in Mecklenburg-Vorpommern 56 versuchte oder vollendete Tötungsdelikte. [Dies entspricht einer Quote von 0,0034 %.] Von den Tatverdächtigen seien 8 nichtdeutscher Herkunft gewesen, sagte ein Sprecher.“

Dies bedeutet eine Quote von knapp 14,3 %. Dieser Prozentsatz klingt absolut niedrig, ist aber in Relation extrem hoch! Dies wird deutlich, wenn man/frau den Anteil der ausländischen Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung Mecklenburg-Vorpommerns (von 1,611 Mio Einwohnern) betrachtet. Dieser Anteil betrug in 2017 laut Statista 4,2 % (bzw. 67.662 Einwohner).

Unter Nicht-Ausländern betrug die Quote der versuchten und vollzogenen Tötungsdelikte damit 0,003 %, unter Ausländern aber 0,011 %: Sie war unter den süßen, ach so friedvollen Ausländern also 3,6 mal !! so hoch wie unter den scheiß amoralisch-ungläubigen, provinziellen Einheimischen.

Dritter/letzter Schritt: die Relativierung:

„Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) reagierte erschüttert auf die Tat von Wittenburg. Er warnte davor, die Tat für politische Zwecke zu instrumentalisieren und sie dafür zu missbrauchen, zu Hass und Gewalt aufzurufen.“


Paradigma für Muster B) – pseudo-deduktiv

Erster Schritt: Schilderung des (generellen) Befunds, besser Verdachts:

„Seit 2015 werden bei tätlichen Auseinandersetzungen immer häufiger Messer benutzt. [Falls die AfD darauf hinweist, ist das natürlich böse Propaganda.] Die Täter sind meist junge Männer, mancherorts sind Ausländer bzw. Flüchtlinge klar überrepräsentiert.“

Zweiter Schritt: ein bisschen ausgewählte Statistik:

Prof. Dirk Baier, Gewaltforscher, Institut für Delinquenz und Gewaltprävention, Zürich
„Wir können einen zehnprozentigen Anstieg der Gewaltkriminalität feststellen, wir können auch feststellen, dass das zum Großteil mit dem Flüchtlingszuzug zusammenhängt. Das heißt, da hat Flüchtlingszuzug zu mehr Gewaltkriminalität geführt, das ist Fakt.

[Und sofort danach Schritt drei: die Relativierung:]

Der zweite Fakt ist aber auch, dass wir das gut erklären können, woran das liegt. Es sind sehr viele junge Männer nach Deutschland gekommen, junge Männer sind gewalttätiger als andere Bevölkerungsgruppen.“

Soll heißen: Selbst schuld, wenn man/frau so süße jugendliche Nichtsnutze zu sich nach Hause einlädt.


Die Verlogenheit der Gutmensch-Argumentation

Gemäß des Credos Glaube nur der Statistik, die du selbst gefälscht hast, werden Fakten entweder

a) geleugnet oder b) völlig entwertet oder c) – falls b) nicht möglich – relativiert.

Wie Republikaner Trump erschaffen auch die Gutmensch-Demokraten ihre eigenen fake news bzw. alternativen Fakten. (Letzterer Begriff wurde von Kellyanne Conway benutzt, um die offensichtlich geäußerte Unwahrheit Trumps über die Zahl derer, die seiner Inauguration beiwohnten, zu relativieren.)

Beispiel Fall A)

Was der Fall A beschreibende Flüchtlings-/Pro-Asyl-Lobbyist freilich verschweigt, ist, dass nicht nur Ausländer insgesamt, sondern auch, insbesondere ausländische Jugendliche weit häufiger – etwa doppelt so oft! – gewalttätiger werden als deutsche.

Doch selbst wenn dies, dass ausländische Jugendliche weit häufiger gewalttätiger werden als deutsche, von Gutmensch-Schreiberlingen eingeräumt wird, wird dafür sofort eine wahrlich einfache Erklärung dem Auditorium nachgereicht:

„Flüchtlinge [werden] schneller einer Gewalttat verdächtigt, weil sie häufiger angezeigt werden.

[Belege? Statt eindeutig benannt, nur umwölkt, verschleiert…]

Dies lässt sich jedenfalls aus früheren Untersuchungen der Studienautoren folgern.“ (SZ)

Merkwürdig nur: In 2011 hieß es noch:

„Vergleicht man ausländische und deutsche Jugendliche aus vergleichbaren Verhältnissen, gibt es in Bezug auf Gewaltkriminalität „keine Unterschiede“. [!!] Das ist das Fazit des Kriminologen Christian Pfeiffer.“ (MIGAZIN)

Man/frau MUSS eben bedenken: Seit der Flüchtlingsflutung 2015 sind die Verhältnisse schlichtweg nicht mehr vergleichbar. Alles völlig anders, völlig neu. Alternative Faktenwelt eben:

Carsten Stahl, Anti-Gewalt-Trainer
„Wir müssen […] bedenken, was diese Menschen [gemeint sind die ach so süßen Flüchtlinge/Asylsuchenden/Migranten] erlebt haben. Die haben es ganz anders gelernt mit Gewalt umzugehen und dazu zustehen und auch vielleicht mit Waffen umzugehen“.

Sprich: Es ist doch ganz NORMAL für die ach so süßen (jugendlichen) Flüchtlinge, andere abzustechen. Akzeptiert das gefälligst, ihr scheiß ANORMALEN Ausländerfeinde. Schaut auf die Gutmensch-Familie Ladenburger, die aus Dank für ihre von einem afghanischen Asylbewerber ermordeten Tochter sogar eine Stiftung gründete. Hans-Jochen Schiewer, Rektor der Universität Freiburg, äußerte zu diesem noblen Schritt:

„Diese großherzige Stiftung der Familie berührt uns alle sehr.“

Wer weiß, vielleicht sieht ja die Familie aus Fall A) den Mord an Opa auch als großherzige Tat, der weitere folgen sollten…??


Gutmensch-Traum? oder Schlechtmensch-Wahrheit? Wohin tendiert die Welt? ̶ ̶

Wolfgang Ambros sieht das Erwachen so:

„Zwickt’s mi, I man I tram!
Des derf net wohr sein, wo samma daham?
Zwickt’s mi, ganz wurscht wohin!
I kann’s net glaub’n, ob I ang’soff’n bin?
Ober I glaub, da hülft ka Zwicken
Könnt‘ ma net vielleicht irgendwer ane pick’n?
Danke, jetzt is‘ ma klor, es ist wohr, es ist wohr“

Fragt sich nur, was.

Das Vorurteil der Gutmenschen und die Realität: zwei Welten

Klaus Püschel, „Wir liegen zu 95 Prozent richtig“, im Gespräch mit Alexander Tieg, ZEIT, 4.1.2018, 12

Jochen Bittner, Zweifelhafte Selbstauskunft, ZEIT, 4.1.2018, 12

Rudi Wais, 80 Prozent der Flüchtlinge kommen ohne Pass nach Deutschland, Augsburger Allgemeine online, 8.6.2016

Elisabeth Raether, Sie ist so frei, ZEIT, 4.1.2018, 6f

Souad Mekhennet, Nur wenn du allein kommst. Eine Reporterin hinter den Fronten des Dschihad, Aus dem Englischen von Sky Nonhoff, München, 32017

Die folgende Passage aus dem Gespräch zwischen Alexander Tieg (ZEIT) und Klaus Püschel (Rechtsmediziner) ist symptomatisch für das die Realität ausblendende Selbstverständnis der Gutmenschen:

ZEIT: Der Staat ist in der Pflicht, Personendaten zu ermitteln. Dass mehr als die Hälfte [der ‚jungen Flüchtlinge‘] keinen Pass vorlegen kann, macht es schwerer. Aber nur ein Bruchteil der Menschen kommt, um zu betrügen.

Püschel: Wir erleben nicht wenige Fälle von Einbrüchen und Diebstählen, zum Teil auch Körperverletzungen und sexuelle Übergriffe, bei denen angeblich »Kinder« verantwortlich sind. Sie entgegen der Untersuchungshaft, weil sie behaupten, jünger als 14 Jahre alt zu sein. Je nachdem, wo wir hinschauen, gibt es also viel mehr Fälle als man glaubt.“

Allein die Behauptung, dass die Mehrheit der (jungen) Flüchtlinge keinen Pass vorlegen könne, ist realitätverzerrend: Der Wahrheit näher stünde vielmehr die – ebenfalls – Unterstellung, dass sie ihren Pass gar nicht erst vorlegen wollen:

„80 Prozent der Flüchtlinge, die ihre Beamten [die Beamten der Bundespolizei] in den ersten vier Monaten dieses Jahres kontrolliert haben, konnten sich nicht ausweisen oder versuchten mit gefälschten Dokumenten ihre Identität zu verschleiern.“ (Rudi Wais)

 

Merkels naiv-dümmliche Worte des Willkommens wurden, so die Journalistin Souad Mekhennet, „von vielen schlicht als Einladung betrachtet […]. Menschen aus ganz Nordafrika, dem Nahen Osten, selbst Südasien flogen in die Türkei, vernichteten [!!] ihre Pässe und schlossen sich dem Flüchtlingsstrom an“. (327)

Auf den Euphemismus des sich schöngeredeten Passverschwundenseins folgt dann das Vorurteil: „nur ein Bruchteil der Menschen kommt, um zu betrügen.“ Die Fakten jedoch sprechen eine klar andere Sprache. Auf derselben Seite, auf der das Gespräch mit Püschel abgedruckt ist, heißt es im Artikel von Jochen Bittner, den Tieg kennen dürfte:

„in Niedersachsen wurden letztlich von knapp 5000 jugendlichen Antragstellern bloß 157 ärztlich untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass 90 der 157 nicht minderjährig, also älter, waren.“

Das heißt: Die Mehrheit, weit mehr als 50 Prozent der untersuchten Personen logen vorsätzlich. Für Gutmenschen freilich zählen solche Fakten nicht. Nicht nur der von ihnen verachtete Primitivling Trump, auch sie haben ihre eigenen, alternativen Fakten.

Noch schlimmer wird es, wenn Leute wie Gutfrau Elisabeth Raether uns dann auch noch ihre Pseudodialektik von political correctness zur ethischen Leitkultur schlechthin überstülpen wollen:

Ein „Kopftuchstreit, ein Mädchen, das in der Schule nicht schwimmen will, ein Verkäufer, der im Supermarkt keinen Alkohol ins Regal räumen will“, etc. sollten gefälligst nicht als sich bewußt isolierend, sondern vielmehr als ermutigendes „Zeichen fürs Dazugehören“ (6) gelesen und akzeptiert werden. – Warum Raether in ihrer Aufzählung wohl Kinderehe, Scharia-Polizei, das Schlagen von Ehefrauen durch ihre Ehemänner nicht nennt, obwohl ja selbst dies Verhalten schon von deutschen Gerichten für tolerabel befunden wurde?? – So weit scheint sie denn in ihrem Toleranzcredo doch nicht gehen zu wollen…

Fazit:

Solange die Erzählung in Leitmedien und Leitpolitik so flüchtlingsverklärend ist, wie sie ist und die Gutmenschen, die meinen, den Diskurs zu beherrschen – ach, die tumb Armen! –, nicht wahrhaben wollen, was die Mehrheit der Deutschen längst begriffen hat: dass die Mehrheit der ach so süßen Flüchtlinge nur nach Deutschland einwandern, um sich von den kuffār durchfüttern zu lassen, wird das passieren, was sie, die Gutmenschen, so gar nicht gut finden: Der Zulauf zu AfD wird wachsen und wachsen…

Schulz, der machtgeile Träumer: Vom Hinterzimmer-Klüngler zum Kanzlerkandidat der SPD

Frog1(Kolja Rudzio, Der Schulz-Test, ZEIT, 23.2.2017, 19)

(Matthias Geis, Neu gemischt, ZEIT, 2.3.2017, 1)

(Gabriel verzichtet für Schulz – „Er hat bessere Chancen“, Berliner Morgenpost online, 24.1.2017)

(Martin Schulz, „Arbeit in Deutschland“, SPD, 20.2.2017)

(Martin Schulz, „Wenn wir das schaffen, wird Europa eine Weltmacht“, Im Interview mit Matthias Krupa und Bernd Ulrich, ZEIT online, 2.4.2015)

(Ulrich Ladurner, Abgedreht, ZEIT, 2.3.2017, 7)

Nach der Selbstentmannung Gabriels (der ja ach so großmütig auf die Kanzlerkandidatur verzichtete, um dem, der „die besseren Chancen“ habe, eine Chance zu geben), soll ’s der Schulz jetzt richten: Schulz,

der Mann des DEUTSCHEN Volks,

der, nachdem er den Parlamentarier-Sandkasten des EU-Volks nun nicht mehr rocken darf, neuerdings – ganz Populist – immer mal wieder, gern und reichlich damit kokettiert,

  • nicht Abitur gemacht zu haben,
  • faul, also nicht fleißig gewesen zu sein,

wie die Mehrheit eben, inszeniert sich neuerdings zudem gern als

  • antielitär: vulgo volksnah, populistisch, äh, basisdemokratisch.

Er, der sich vormals als Sultan des EU-Parlaments gerierte, der damals gar von der EU als neuer Weltmacht träumte mit ihm als Führer, klaro)…:

Dieser Heuchler will nun Kanzler werden.

Sein Lieblingswort: „gemeinsam“ (was die heute SHOW vom 3.3.2017 genüsslich persiflierte).

Und das Volk, das sich um ihn „gemeinsam“ sammelt, applaudiert Martin, dem Messias (auch das in der heute SHOW köstlichst persifliert) und tritt in Massen, so wird uns Wahlvolk aus den Medien allseits suggeriert/kolportiert, in den Club der Gerechten ein. Tut es ihm gleich, ihr Lemminge!

Was zählt da schon, dass Schulz mit Unwahrheiten, sprich postfaktischem Geschwätz, das man SPD-Gutbürger/frau SPD-Gutbürgerin freilich nur Trump und Konsorten zutraut, auf Stimmenfang geht:

Schulz: Habt Angst, ihr Bürger! Der Abstieg droht! Zitat:

„ein hoher Berufsabschluss und eine gezielte Berufswahl bringen heute nicht mehr automatisch Sicherheit“ (Rede vom 20.2.2017; zitiert von Rudzio).

Und das, obwohl doch nur 1) die andern Angst schürten, er, Schulz, aber Rufer zum Mut sei:

„Mut und Zuversicht. Genau das ist es, was rechte Demagogen und Populisten unterdrücken wie nichts anderes. Sie wollen nicht die Zukunft gewinnen, keinen Fortschritt, kein besseres Morgen. Ihre Währung heißt Angst. Und ihre Waffe ist der Hass.“ (Rede vom 20.2.2017)

Und das, obwohl doch gerade 2) die andern die Gemeinschaftstümler seien:

„Aber viele sehnen sich in diesen Zeiten […] nach Gemeinschaft, Schutz, Geborgenheit. Diese Sehnsucht bedient [Schulz, äh] Wilders auf seine schrille, radikale Weise.“ (Ladurner; im Original keinn Fettdruck)

Doch zurück zu den Fakten. Die antworten Schulz, dem Angstschürer:

„Die Arbeitslosenquote unter Menschen mit abgeschlossener Lehre betrug zuletzt 4,6 Prozent, und ist damit so niedrig wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Die Arbeitslosenquote von Hochschulabsolventen lag noch tiefer, bei 2,4 Prozent. […] Wenn Bildung also jemals Sicherheit bot, dann heute.“ (Rudzio)

Fazit: Martin, der Messias ist in Wahrheit: „Martin, der Schummler“ (Seehofer, Aschermittwoch-Rede).

Doch Hauptsache: Der „Schulz-Hype“ (Geis) geht weiter. Folgt ihm nur, ihr Lemminge!…

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T. Sarrazin: Zu den ökonomischen Gründen von D. Trumps Triumph über H. Clinton


Frog1(Tilo Sarrazin, Lernt von Donald Trump!, FAS, 20.11.2016, 26)

(Dietrich Creutzburg, Mehr Geld für Soziales und Flüchtlinge, aber die schwarze Null steht, FAZ.net, 1.7.2016)

(Hans-Werner Sinn, Der schwarze Juni. Brexit, Flüchtlingswelle, Euro-Desaster — Wie die Neugründung Europas gelingt, Freiburg u.a., 2016)

Tilo Sarrazin sieht – wie kaum anders zu erwarten – in Trumps Erfolg einen Gegentrend zur Gutmenschenpolitik auch der deutschen Regierung:

„Trumps […] Wahlkampf [kreiste] im Wesentlichen um negative Folgen von Einwanderung und Globalisierung. Damit gewann er so viel Akzeptanz, dass ihm die Wähler auch manche Entgleisung verziehen.“ (Sarrazin)

Denn: Gewinner der „Wanderungsbewegungen aus den armen in die reichen Länder“ sind nicht zuletzt die Einwanderer:

„in den Sozialstaaten der westlichen Welt ziehen die Einwanderer selbst dann das große Los, wenn sie keine Arbeit finden, weil schon die Sozialtransfers einen im Vergleich zu ihren Heimatländern märchenhaften Lebensstandard gewähren“. (Sarrazin)

Den Umschlag des Willkommens in Ablehnung sieht Sarrazin in Umverteilung und Aufstockung der Sozialausgaben:

„Verständlicherweise fragen sich immer mehr Menschen, aus welchem Grund und mit welcher Berechtigung der Staat die Bewohner der ganzen Welt mit den eigenen Bürgern gleichstellt, sobald sie die deutsche Grenze überschritten haben.“ (Sarrazin)

In der Tat steigen die Sozialausgaben kräftig an:

der Etat von Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) erhöht sich dem Entwurf zufolge im Vergleich zu 2016 um fast 9 Milliarden Euro oder 6,7 Prozent auf 138,6 Milliarden Euro. Das entspricht dem Rahmen, den die Regierung schon im März mit den Eckwerten für den Haushalt 2017 festgelegt hatte.

Ein Großteil des Anstiegs geht auf Mehrausgaben im Hartz-IV-System und die dort angesiedelten Leistungen zur Integration von Flüchtlingen zurück. Insgesamt beziffert die Regierung die Ausgaben zur Bewältigung der Zuwanderung und zur Bekämpfung von Fluchtursachen über alle betroffenen Ressorts hinweg mit knapp 19 Milliarden Euro im Jahr 2017 und mit insgesamt gut 77 Milliarden Euro bis 2020.“ (Creutzburg; im Original keine Hervorhebungen)
Auch statistisch lässt sich belegen, dass
die „Migranten […] den Sozialstaat gemessen an ihrer Bevölkerungsgröße stark überdurchschnittlich“ „belasten“. (Sinn)
Laut Bundesagentur für Arbeit
„wurden im Jahr 2014 ein Viertel (25,2 %) aller Sozialhilfeleistungen im Sinne der Hilfe zum Lebensunterhalt für nicht arbeitende Personen an Ausländer gezahlt, die selbst nach Deutschland eingewandert und nicht etwa hier geboren waren, obwohl der Anteil dieser Personengruppe an der Gesamtbevölkerung nur bei 7,3 % lag. Die relative Bezugshäufigkeit der Sozialhilfe war also unter diesen Ausländern dreieinhalb mal so groß wie in der Gesamtbevölkerung.“ (Sinn, 116; im Original keine Hervorhebungen)
Angesichts dieser Investitionssummen und der bisherigen statistischen Erkenntnisse darf aus rein ökonomischer Sicht also stark bezweifelt werden, dass die Willkommenskultur lohnt. — Von all den andern Negativ-Effekten mal ganz abgesehen…
Frog4

von Kittlitz‘ Selbstkritik am Über-Ich: dem Gutmensch-Diktat

Frog1Alard von Kittlitz, „Es heißt, Trump die xenophob – aber wenn ein arabisch aussehender Mann mit Rucksack in die Bahn steigt, haben wir alle Angst. Wir sind nicht ehrlich mit uns“, Zeit, 24.11.2016, 80)

Gutmensch Alard von Kittlitz gibt zu, dass der Flüchtlingsdiskurs weitgehend gleichgeschaltet geführt wird, die Gutmensch-Erzählung von der Herrenklasse der öffentlichen Meinung dem Volk als alternativlos hingestellt wird. Doch er erkennt auch, dass sich Widerstand gegen die politische Korrektheit regt und die bösen Opponenten dabei sind, die Gutmensch-Diktatur zu unterlaufen. Ohnmächtig konstatiert er:

„Wir verlieren, obwohl wir schon lange kultureller Hegemon sind. Obwohl sich also alle, die wir persönlich kennen, fast alle Politiker, die wir als halbwegs normal bezeichnen, fast alle Stars auf unserer Seite befinden. Fast alle Fernsehsender und fast alle Zeitungen. Wir sind das Establishment, und wir haben verloren.“

Gut so, ihr Arroganzlinge!

Als Medizin gegen die eigene Überheblichkeit empfiehlt von Kittlitz die Rückbesinnung auf das jemeinige Säuglingsalter: Die Überwindung der antagonistischen Weltperspektive durch die Anerkennung von Ambivalenzen:

„Die Mutter gibt ihm [dem Säugling] die Brust: Sie ist gut. Die Mutter entzieht sich ihm: Sie ist böse. Die Mutter ist also gut und böse. Er selbst, lernt der Säugling, ist es also vielleicht auch. Er ist nicht rein. Das ist ein sehr großer Gedanke.“

Wir gratulieren zu dieser großartigen Erkenntnis!! (Schon mal was u.a. von Dialektik gehört??)

Von Kittlitz empfiehlt seinen Gutmenschfreunden daher, ihre arrogante Haltung, ihre Rechthaberei und ihren moralischen Überlegenheitsanspruch zu überdenken:

„Wir haben ein Riesenproblem: Wir sind nicht ehrlich mit uns. Wir sind nicht mehr aufgeklärt. [Hört, hört!!] Wir kennen uns selbst nicht mehr. Wir haben, würde der Analytiker sagen, ein zu dominantes Über-Ich.“ (im Original keine Hervorhebungen)

Dieses Über-Ich manifestierte sich in „Tabus und Denkverboten“. Je stärker diese zementiert würden, desto deutlicher und d.h. scharfkantiger akzentuiere sich die Opposition (als Gegenkraft):

„Es ist einfach, zu begreifen, was mit einer Gesellschaft geschieht, die das Scheitern am eigenen Über-Ich als Katastrophe erlebt: Sie beginnt sich zu spalten. Deshalb gibt es nun jene, die anfangen, das Über-Ich abzulehnen, und es ist kein Wunder, dass sie sich zuerst unter dem Banner des Hasses auf die Political Correctness zusammengefunden haben.“

Nur wenn es gelinge, Ambivalenzen zu tolerieren, anzuerkennen und die eigenen Überzeugungen aus der Perspektive anderer (Grund-)Positionen ehrlich zu hinterfragen, könne die (immer weiter zunehmende) Spaltung der Gesellschaft überwunden werden:

„Wenn uns [Gutmenschen] das Aussprechen [„unser[es] Scheitern[s]“ am eigenen Über-Ich] nicht gelingt, produzieren wir das, was uns so ängstigt: eine Gesellschaft, durch die ein immer tieferer Graben verläuft. Eine Gesellschaft, in der wir, die wir an die Werte der Aufklärung glauben [gemeint ist Kant…], immer weiter an Land verlieren. Eine Gesellschaft, in der zunehmend Gewalt droht.“

Klingt zunächst gut und vernünftig. Doch ob dem Geheuchel wohl auch Taten folgen??

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Bodo Kirchhoffs Novelle „Widerfahrnis“ in Nachfolge Albert Camus‘

Frog1(Bodo Kirchhoff, Widerfahrnis, Frankfurt war. M., 2016)

(Edmund Husserl, Philosophie als strenge Wissenschaft, Frankfurt war. M., Nachdruck der Logos-Ausgabe, 1965)

(Albert Camus, Der Fremde, In neuer Übersetzung von Uli Aumüller, Berlin, 2011)

Am 17. Oktober 2016 erhielt Bodo Kirchhoff den Deutschen Buchpreis für sein – von ihm als Novelle bezeichnetes – Werk Widerfahrnis.

Das Buch ist routiniert und gekonnt geschrieben, wie von Kirchhoff nicht anders zu erwarten. Doch es bietet – anders als Nominierung, Auszeichnung und auch Gattungsbezeichnung vermuten lassen – literarisch kaum Außergewöhnliches. Erzählt wird alltägliche Widerfahrnis: (Vor allem) das Kennenlernen, die spontan beschlossene, nur wenige Tage dauernde gemeinsame Italienreise (zu Frühlingsbeginn, „Ende April“ (6)) und die Trennung von zwei älteren Menschen: Einer Dame (Leonie Palm), die früher einen Hutladen und eines Herrn (Reither), der vormals einen Verlag besaß (den er im Herbst zuvor „liquidiert“ hatte). (6) Kurz gefasst: Erzählt wird von zweien „die Pleite gemacht haben“, (59) die (zumindest) mit ihrem Erwerbsleben abgeschlossen haben.

Der Begriff Widerfahrnis selbst wird von Kirchhoff (erst nach der Hälfte des Buchs) wie folgt erläutert/eingeführt:

„und fast wäre seine Hand in ihr Haar gegangen, nach all der Umarmung im Bett eigentlich legitim, eine Morgenzärtlichkeit. Stattdessen bat er sie, die Augen zu schließen und nicht nachzudenken, nur zu sagen, was ihr durch den Kopf geht. Und sie schloss die Augen, zwei gereizte Fältchen dazwischen. Was mir durch den Kopf geht – Widerfahrnis.

Und warum gerade das?

Muss ich das wissen? Sie griff sich die Tasche und lief damit Richtung Bad; Reither zog sich an. Im Grunde hatte er es geahnt, das Überrollende in dem Buch, schon als er von seiner zu ihrer Wohnung hinter ihr her gegangen war, über einen neuen Umschlag nachdachte. Aber Widerfahrnis, das war mehr als die vergessene Heimsuchung – da muss man nur hinhören, nur hinsehen, dann ist es die Faust, die einen unvorbereitet trifft, mitten ins Herz, aber auch die Hand, die einen einfach an die Hand nimmt – ein Titel, den er wohl hätte gelten lassen.“ (159)

Als Nebendarsteller fungieren (nebst zwei „Empfangsfeen“ (39) mit Migrationshintergrund, die das eingeschneite Auto anschieben und damit die Reise überhaupt erst in Fahrt bringen), lediglich zwei Fremde: Flüchtlinge: Ein Mädchen und ein (vormals) Fischer (Taylor) aus Lagos (sowie dessen nicht näher charakterisierte Kleinfamilie).

Die Ausgangskonstellation ist insofern ähnlich der in Albert CamusDer Fremde. Ebenso wie der Fremde in Camus‘ Werk nicht näher charakterisiert wird und der Protagonist, der ihn erschießt, angeklagt und zum Tode verurteilt wird, sich den Ereignissen gegenüber relativ unbeteiligt, emotionslos verhält, lassen sich auch die beiden Hauptprotagonisten in Kirchhoffs Novelle treiben. Die Ereignisse widerfahren ihnen. Sie widerstehen nicht; sie revoltieren nicht. Sie sind Getriebene; sie lassen sich vom Strom der Ereignisse treiben, fort und fort treiben.

Im Fall der Protagonistin wird dieses Verhalten immerhin im Nachhinein (auf der letzten Seite) durch den Vorlauf in deren Krebstod erklärt:

„Bliebe jetzt nur noch zu klären, womit die Geschichte, die ihm [Reither] noch immer das Herz zerreißt, enden sollte“. Nämlich: „als der Erzähler ein Paket aus Triest erhielt, Absender die Adresse einer Pension, und in dem Paket die Strohmelone [die sie während der Reise trug] und eine Karte, auf der stand, dass ein Hut als Bedeckung für den rasierten Kopf ein zu billiger Trick sei“… (224)

In dieser Hinsicht ist Kirchhoffs Widerfahrnis ebenso wie Camus‘ Der Fremde ein Vorlaufen in den Tod (Heidegger). Die Protagonisten agieren weit gehend reaktiv. Sie sind den Ereignissen verfallen:

„Aber wenn nichts Unerwartetes mehr auf uns zukommt, dann sind wir tot.“ (22)

Und der Erzähler beobachtet ganz im Stil eines Phänomenologen, wie Husserl einst forderte und praktizierte:

„im immanenten Schauen dem Fluß der Phänomene nachschauend“… (Philosophie als strenge Wiss., Abschn. 51, S. 37)

Widerfahrnis entwirft damit in und mit der Erzählung eine extrem fatalistische Botschaft.

Dass der in dieser Novelle zugrunde gelegte, unerhörte Entwurf von Dasein zudem sogar mit einem Literaturpreis ausgezeichnet/gepriesen wird, kann/könnte als Symptom/Ausdruck der Ohnmacht gesehen werden, die Europa derzeit erfasst. (Z.B. Hans-Werner Sinn verortet den Krisenkomplex Europa gar als ein Widerfahrnis-Bündel, dem er den Titel Der schwarze Juni gibt.) Keine schöne Vision… (Erst recht nicht seit Trumps Triumph…)

Frog4