Anmerkungen zum Buch „Unberechenbar“

Harald Lesch und Thomas Schwartz und unter Mitarbeit von Simon Biallowons, Unberechenbar. Das Leben ist mehr als eine Gleichung, Freiburg im Br., 2020

Ob Mutti dieses Machwerk in Auftrag gegeben hat? Diesen Aufruf zur grenzenlosen Verdummung? Zwei Stellen mögen genügen, um die (versteckte) Intention der Autoren Harald Lesch, Thomas Schwartz (und Simon Biallowons als Mitarbeiter) vorzuführen:

1 „Vorab: Sollte im Folgenden der Eindruck entstehen, wir wären Dorfromantiker, dann ist das nicht etwa irreführend, im Gegenteil, wir sind tatsächlich Dorfromantiker. Aber keine naiven.“ (127)

2 „Gesellschaftsspiele haben in der Corona-Krise geboomt. Klar, man war auf die kleinen Beziehungsräume von Familie oder WG zurückgeworfen und hatte jede Menge Spielzeit. Es war ein zeitlicher Freiraum entstanden, der gefüllt werden musste und bei dem das Gesellschaftsspiel, egal ob Skat, Trivial Pursuit oder Siedler von Catan, wieder oder sogar neu entdeckt wurde.“ (149f.)

Die nachfolgend geschilderte Episode aus dem Leben des Vorsokratikers Heraklit möge dazu dienen, Pseudoweisheit vs. Weisheit klar zu kontrastieren. Von Heraklit ist uns – nebst etlichen Fragmenten – überliefert, dass er, einer von denen, die in seiner Stadt Ephesos das Sagen hatten, einst floh, um im außerhalb der Stadt gelegenen Artemis-Tempel Asyl zu suchen. Dort saß er dann und spielte (Würfel) mit den Kindern.

Dazu 2 Kurzkommentare:

1

Vorsokratische und sokratische Philosophie entwickelten sich in den Metropolen ihrer Zeit und nicht in den Dörfern. In denen lebten nur einfältige Bauern; einfältig: weil sie ihre Zeit zum Überleben und zur Reproduktion nutzen mussten und nur dazu nutzen konnten. Grundvoraussetzung für das Denken ist Muße, σχολή (Phaidros 228a.) — Im Neugriechischen bedeutet σχολή Schule. — Muße entsteht nur aufgrund der Entlastung vom Alltag. — In der Schule sollen die Kinder vom Alltag entlastet lernen. — Dies war in den arbeitsteiligen und mit Sklaven reichlich bestückten Städten weit eher gegeben als in (abgelegenen) Dörfern. Denker – damals wie heute – sind zudem auf den Umgang mit anderen Denkern angewiesen. Insbesondere aus den Dialogen Platons mit diversen Gesprächspartnern unterschiedlichster Couleur wird dies überdeutlich.

Sokrates bezeichnet sich als φιλομαθής, als Lernfreund und führt mit der ihm typischen unterschwelligen Ironie näher aus, von wem er sich denn Belehrung erhofft:

τὰ μὲν οὖν χωρία καὶ τὰ δένδρα οὐδέν μ᾽ ἐθέλει διδάσκειν, οἱ δ᾽ ἐν τῷ ἄστει ἄνθρωποι.

weder Felder noch Bäume wollen mich lehren, aber die Menschen in der Stadt. (Phaidros 230d)

2

Spiele spielen ist etwas für Kinder. Sie dien(t)en zur Charakterdiagnostik und -bildung, zur Erziehung und Vorbereitung auf das Erwachsenenleben als Mann im bzw. für den Staat. (Auch dies ist bei Platon, u.a. in Politeia, detailliert nachzulesen.) Es kam darauf an, im politischen Leben der Stadt zu bestehen. Dazu musste man sowohl körperlich als auch geistig fit sein. Körperlich, weil kriegerische Auseinandersetzungen die Regel und nicht die Ausnahme waren; geistig, weil man die politischen Spiele der Stadt durchschauen musste, um sie zu beherrschen (und nicht von ihnen beherrscht zu werden). — Wurde man z.B. angeklagt, so musste man sich selbst verteidigen. (Schulungen hierzu offerierten die Sophisten…)

Auch wenn wir Heutige uns (eher) nicht politisch engagieren (müssen), so gilt auch für uns: uns aus unserer selbstverschuldeten Unmündigkeit zu befreien (Kant). Depperlspiele spielen hilft da nicht weiter, sondern nur (Selbst-)Bildung.

Was die drei Pseudoweisen verschweigen

Analog zur Pädagogik, Kinderführung/-leitung, entwickelt und formuliert Platon Grundsätze der ψυχ-αγωγία, der Führung/Leitung der Psyche, für Erwachsene. (Phaidros, 271c) Doch solch ein Plädoyer für Bildung fehlt in der Schrift der drei Pseudoweisen aus Deutschland. Und das ist auffällig. Denn Lesch und Schwartz sind Professoren. (Was der dritte, Simon Biallowons, macht, wird uns nicht verraten.) Sie leben (recht einträglich) davon, den (wissenschaftlichen) Nachwuchs zu belehren. Wenn Sie also das Thema Bildung geflissentlich übergehen, so muss das einen Grund haben.

Und so unterstellen wir: Sie wollen einlullen.

Ihre eigentliche Rede — Schwartz ist Theologe — lautet:

Das Leben ist nicht berechenbar, ihr Bürger*innen. Krisen wie die jetzige sind Teil des Lebens. Da müssen wir durch. Fürchtet euch nicht! Und so werdet ihr der Verzweiflung resilient widerstehen! Wir schaffen das! Wir haben so vieles geschafft. Wir schaffen das! Auch Corona schaffen wir! Vertraut auf eure Führer, ihr Bürger*innen. Euer aller Mutti wird‘s schon richten. Sie entlastet euch vom Denken. Seid dankbar, ihr Dörfler, und amüsiert euch frohgemut in der Zwischenzeit, bis es wieder aufwärts geht, mit Gesellschaftsspielen.

Pfarrerstochter Mutti und Pfarrer Schwartz wissen:

Selig die Armen im Geist, denn ihr ist das Reich der Himmel (Matthäus, 5:3)

schon auf Erden,

hurra!!

TV-Guru Leschs Pseudoweisheiten

Unberechenbar – Harald Lesch über das Leben, ttt, 29.11.2020

ttt-Moderator Max Moor stellt Harald Lesch wie folgt vor:

„Gelernter Physiker, leidenschaftlicher Philosoph und passionierter Welterklärer, Sie kennen ihn, meine Damen und Herren. Harald Lesch hat ein Buch geschrieben zusammen mit dem Theologen Thomas Schwartz. Thema: Nichts weniger als das Leben. Ein wunderbares Aha-Erlebnis für alle Nicht-Perfekten, also für alle. Darin steht: ohne Fehler und Mängel, ohne all die Dinge, die anders laufen als gedacht, gäbe es nicht nur uns nicht, sondern überhaupt kein Leben. Das ganze Universum wäre nie entstanden, und so gesehen ist unser Streben nach Perfektion geradezu lebensfeindlich und unser Hoffen auf die Unfehlbarkeit von Computeralgorithmen Selbstmord. Der ewige Optimist Lesch schenkt uns ein wenig seiner unperfekten Zeit.“

Dass das Buch, um das es geht — Unberechenbar —, von zwei Autoren verfasst wurde, wird kaum erwähnt. Im Mittelpunkt steht der allseits bekannte und beliebte TV-Guru Lesch. (Schwartz war, ist und bleibt ein Epiphänomen. Warum also über seinen Anteil am Werk eigens nachdenken?!) In den nachfolgenden ttt-Beitrag werden von Angelika Kellhammer (daher auch) nur Redebeiträge Leschs eingeflochten.

Zunächst fällt auf: Lesch argumentiert nicht; er reiht lediglich Behauptung an Behauptung in extrem plakativer Machenschaft:

„Wie so vieles ist das Leben ein Resultat eines Fehlers, einer kleinen Asymmetrie. Das ganze Universum ist das Resultat einer kleinen Asymmetrie. Wenn alles perfekt wäre, würde es uns gar nicht geben. Wenn das Universum ein Berateruniversum wäre, dann wäre, mit perfekter PowerPoint-Präsentation sozusagen, dann würde es uns gar nicht geben. Alles, was auf dieser Welt wirklich interessant ist und auch zu Neuem führt, ist das, was instabil sein kann.

[Dann der erste Begründungsversuch:]

Nämlich nur das Instabile kreiert neue Eigenschaften, die vorher nicht da waren. Wenn immer dasselbe passiert, passiert nichts Neues.

[Da hat er Nietzsches Diktum der ewigen Wiederkehr des Gleichen entweder nicht verstanden oder gar nicht erst bedacht. Heidegger:

„Weil das Sein als ewige Wiederkehr des Gleichen die Beständigung der Anwesenheit ausmacht, deshalb ist das Beständige: das unbedingte Daß.“ (Nietzsche II, 9)

Oder allgemeinverständlich gefasst: Das Gleiche ist nicht Das Selbe… Zudem: evolutionstheoretisch ist (noch) nicht eindeutig geklärt, ob Struktur-Anomalien funktional bedingt sind oder ob – wie zumeist angenommen wird – Anomalien Struktur-Fehler sind (die dann – wenn schon, denn schon – funktional genutzt werden können und ggf. auch werden).]

Und es gibt einen schönen, ich finde nach wie vor, einen ganz grandiosen jüdischen Satz: Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, dann mache einen Plan.“

Hurra! Es lebe die Planlosigkeit!— Doch was für Götter gilt, gilt für Menschen noch lange nicht!— Hybris war schon den alten Griechen der schlimmste aller Frevel.

Über KI sagt Lesch:

„Das sind Maschinen, die lernen, und zwar unabhängig von uns. Wir geben dieser Maschine nichts mehr vor, sondern die lernt von alleine, ändert ihre Funktion und damit hat das natürlich auch veränderte Auswirkungen für uns. Das ist ja irre. Ich meine, da muss ich wirklich sagen, da haben wir uns Außerirdische geschaffen. Nachdem die Außerirdischen schon nicht hierhergekommen sind, verschaffen wir uns jetzt eine Form von Intelligenz möglicherweise, die garantiert nicht menschlich ist. Und ich erinnere an den Satz des großen Alan Turing, einen der Pioniere der Computerforschung, der gesagt hat: „Nur Maschinen können Maschinen verstehen.“

[Wo steht das?]

Und wenn das so ist, dann sollten wir ganz, ganz ganz vorsichtig sein, damit diese Maschinen und diese Algorithmen überall einzusetzen. Auch da muss ich sagen, hat man eher den Eindruck, dass alle sagen: Das können wir sowieso nicht aufhalten. Das ist wie eine Naturgewalt. Stimmt nicht. Wir sind die Akteure nach wie vor, und wir können bestimmen, ob diese Maschinen angeschaltet werden oder ausgeschaltet werden.“

Zudem sind Maschinen modifizierbar, zumindest sofern sie, wie bislang, strikt funktionsbezogen programmiert werden….

Und das Beste zum Schluss:

  • Erst das großartige Natur-Mensch-Glück-Gestammel:

„Was mich da umtreibt ist die Kenntnis von dem, was ich, des Bekannten in etwas zu überführen, das menschlich ist. Also die Kenntnis von der Natur, mit der man ja nicht verhandeln kann, in etwas zu überführen, was Menschen verstehen. Das kann ein Witz sein, ein Kalauer, ein gutes Gedicht sein und immer freundlich, weil jeder braucht alle anderen, und niemand von uns ist allein. Es darf nicht diejenigen geben, die glauben, vor ihnen sei nichts gewesen und nach innen wird nichts mehr kommen. Das nicht, sondern zusammen, das ist das Glück.“

  • Und dann das von Moor angekündigte, lang ersehnte Optimismus-Credo:

„Ich meine, es gibt keine Alternative zum Optimismus. Es gibt viele Leute, die mich für diesen Satz heftig kritisieren, weil, das weiß ich, weil die sagen: das ist doch naiv so zu denken. Nein, es ist im Gegenteil so: dieser Versuch aus Wissenschaften immer so etwas zu machen wie die Kunst des Sterbens, ja, wir müssen irgendwie gucken, wie wir damit klarkommen und dann werden wir hier vergehen. Das ist nicht der Punkt. Und Hannah Arendt hat diesen wunderbaren Satz geprägt: „Wenn Menschen zusammenkommen, dann muss man mit Wundern rechnen.“

[Wo steht das?]

Und wir wissen nie, was passiert. Das ist ein anderer Ausdruck dafür, dass die Welt nicht berechenbar ist. Wir wissen es nicht. Wir werden alles probieren und dann werden wir sehen, wie wir damit klarkommen.“

Hurra! Es lebe die Planlosigkeit!— Allbekanntes Beispiel Kernkraft: Erst mal Kernkraftwerke bauen und kräftig absahnen… Wie wir den radioaktiven Müll entsorgen??– Unwichtig. Ein Epiproblemchen. Darum kümmern wir uns später… — Wie der aus dem Himmel geworfene Münchner, der im Hofbräuhaus sitzt, eine Mass nach der andern in sich reinschüttet und dabei auf die göttlichen Eingebungen wartet, die freilich weder ihm noch auch der bayrischen Regierung je kommen…

Fazit: Nicht nur Precht taugt zum TV-Guru pseudowissenschaftlichen Gequakes!

———–

Wie sagte schon der göttliche Platon so treffend über das Begehr der Masse(n):

τὰ δόξαντ᾽ ἂν πλήθει οἵπερ δικάσουσινοὐδὲ τὰ ὄντως ἀγαθὰ  καλὰ ἀλλ᾽ ὅσα δόξει (Phaidros, 260a)

Maßgeblich für die (Volks-)Menge, die das Urteil fällt, ist (eben) nicht, dass (all) das, was (Gegenstand) ist, (wahrhaft) gut ist oder schön, sondern (dass es so) scheine als ob.

Solch Redenschreiber, die den Geschmack der Masse bedienen (λογογράφοι), nannte Platon verächtlich Sophisten, sprich Pseudoweise… (Phaidros, 257d)

Kurt Pelda über Islamistischen Terror

Cécile Schortmann, Islamistischer Terror – Gespräch mit Kurt Pelda, in „Kulturzeit“ vom 26.11.2020

Florian Flade und Volkmar Kabisch, Ein Netzwerk und eine neue Generation, tagesschau.de, 11.11.2020

Weltweites Entsetzen über Terrortat, tagesschau.de, 29.10.2020

Sabine Wachs, Paris erinnert an ermordeten Lehrer, tagesschau.de, 21.10.2020

Christof Haverkamp, So führte Karl der Große das Christentum ein, Osnabrücker Zeitung online, 29.01.2014

Immanuel Kant, Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? 1784

Auf die diversen islamistischen Anschläge in Frankreich und Österreich in jüngster Zeit hin bat die Kulturzeit Kurt Pelda zum Gespräch mit Moderatorin Cécile Schortmann. Peldas Antworten dürften Gutmenschin Schortmann entsetzt haben…

C. Sch. Welche Rolle sehen Sie für die Entwicklung des Islamismus in den Karikaturen von Charlie Hebdo?

Statt des von Schortmann erhofften Charlie Hebdo-Bashings verteidigt Pelda in seiner Antwort (s.u.) jedoch die Karikaturen – trotz der (zu erwartenden) Wirkungen von Seiten der darauf (wie erwartet) intolerant Reagierenden:

K. P. Naja, die Karikaturen beschäftigen uns schon seit Jahren. Sie wurden jetzt neu veröffentlicht, und das war natürlich so eine Art Katalysator. In früheren Jahren hätte man einfach in der muslimischen Welt demonstriert. Da wäre vielleicht das eine oder andere französische Konsulat angezündet worden. Und heute köpft man Menschen auf offener Straße in Europa. Also wir sehen hier, dass es eine gefährliche Tendenz ist, der wir Einhalt bieten müssen.

 

C. Sch. Einhalt bieten, wie?

 

K. P. Naja, wir lassen die Extremisten, das ist eine kleine Minderheit unter allen Muslimen, die hier in Europa leben, die kleine Minderheit lassen wir gewähren. Und wir geben ihnen sehr oft auch das Wort in Form von Islamverbänden, die sich zum Teil gemäßigt geben, in Wirklichkeit aber eigentlich dieselbe Ideologie verfolgen, vielleicht nicht zur Gewalt aufrufen, aber dieselbe Ideologie vertreten wie al-Kaida oder noch schlimmere Terrorgruppen.

Unsere naiv-dümmlichen Politiker freilich feiern sich immer noch für ihre, von ihnen ja initiierte Islam-Konferenz-Unterwürfigkeit, die nichts gebracht hat, als islamistischen Positionen ein Forum zu bieten und sie aufzuwerten…

C. Sch. Jetzt sagen Sie eine Minderheit, aber wir haben ja gerade gesehen, dass vielleicht auch andere Muslime, nicht nur Islamisten, inzwischen eine Art Kulturkampf beschwören.

Auch hier wieder der Versuch Schortmanns, einer Dhimmi, den Intoleranten nachzugeben, um jede Auseinandersetzung a priori zu vermeiden und die eigene Schwäche zu kaschieren und zu rechtfertigen.

Wenn man jetzt den französischen Staat anguckt, was für eine Möglichkeit hat er denn, die wieder von seinen Werten zu überzeugen und wieder zurückzuholen?

Gutmenschen wie Schortmann sind so in ihrem Gutmenschentum der Unterwürfigkeit unter das Diktat anderer gefangen, dass sie nicht begreifen (können) und (folglich) nie begreifen werden, dass Islamisten nie die Werte der Aufklärung akzeptieren werden.

Kant: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. […] Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“ (im Original kein Fettdruck)

Denn der Islam ist per se geistlos. — Kleine Jungs wetteifern schon mal, wer den Längsten hat. Der Koran feiert den Längsten als Ersten. Hurra! Er beginnt mit der längsten Sure und endet mit der kürzesten. Großartig genial, nicht wahr! — Doch, Hand aufs Herz, wer würde einen Roman (geschweige denn gar ein wissenschaftliches Werk) lesen, dessen Kapitel nicht nach logischer Stringenz, sondern nach Länge geordnet sind? — Aber das Heilige Buch darf das. Denn es darf (als solches) gar nie nicht kritisiert werden. So wie Mohammed, der Analphabet, Kinderficker und Massenmörder als (der) Prophet nicht kritisiert werden darf. — Freilich war auch das Christentum nicht zimperlich bei der Zwangsmissionierung per Köpfen der Renitenten, siehe Karl der Große der Sachsenschlächter. Doch der war der nur ein Mensch… —

Frage (an Gutmenschin Schortmann): Wie soll ein herrschaftsfreier Diskurs — von dem ja alle (Kulturzeit-)Linken träumen — (insbesondere) mit denen möglich sein, die die eigene Herrschaft absolut setzen? und nur Unterwerfung (anti-aufklärerisch „unter Leitung eines anderen“) kennen?

K. P. Naja, ich glaube die große Mehrheit der Muslime, das ist die schweigende Mehrheit der Moderaten. Und die Leute, die wir [im vorausgehenden Beitrag] gesehen haben, betend auf den Straßen von Paris, das waren Salafisten, das waren keine Moderaten. In der muslimischen Welt geht niemand auf der Straße am Freitag beten. Das passiert höchstens mal im Ramadan, wenn die Moscheen voll sind. Gebetet wird in der Moschee oder zuhause. Wer das hier in Europa auf der Straße oder auf öffentlichen Plätzen tut, er will eine Reaktion provozieren.

 

C. Sch. Ein Versuch ist es, das haben wir gerade gehört, und das ist nicht nur in Frankreich so, sondern auch in manchen anderen europäischen Ländern, zum Beispiel in Deutschland, dass man den Islamunterricht kontrolliert, ihn nicht mehr vom Ausland finanzieren und organisieren lässt. Kann dieser Plan gelingen, meinen Sie?

Kontrolle? — Schön wär ’s…:

K. P. Ich glaube, man sollte in diese Richtung gehen. Es sollte sicher mehr Kontrollen in den Moscheen und Koranschulen geben, aber letztlich kann der Staat so etwas gar nicht durchsetzen. Er muss dabei immer mit Moscheen, Moscheevereinen, Verbänden zusammenarbeiten, also er muss diese Verbände irgendwie auf einen Weg bringen, der für die Muslime gut ist und der auch für den Staat, die Demokratie und die Gesellschaft gut ist.

Das ist das Dilemma. So wenig wir die Kirche (von außen) kontrollieren konnten/können, so wenig auch die islamischen Einrichtungen.

C. Sch. Herr Pelda, Sie kennen sich gut aus in den islamistischen Netzwerken. Wie sehen sie denn genau aus? Wer steckt dahinter? Und wie organisieren sie sich europaweit?

 

K. P. Ursprünglich war natürlich al-Kaida und später der IS federführend in diesen Netzwerken. Seit dem Ende des Kalifats des IS haben sie sich zunehmend verselbstständigt. Also man hat diese Ideologie von al-Kaida, der Muslimbrüder, vom IS. Die ist mehr oder weniger identisch, und da gibt es dann Chat-Gruppen auf den verschiedensten Kanälen, telegram, you name it, und da radikalisieren sich junge Leute vor allem gegenseitig, manchmal auch unter Anleitung charismatischer Imame, da spielen YouTube-Videos und andere soziale Medien eine wichtige Rolle; aber sehr oft und das ist eben auch das Neue jetzt, in Wien wurde das klar, dass sich Jugendliche untereinander, junge Männer untereinander radikalisieren ganz ohne Zutun von Imamen. Und das passiert eigentlich alles über soziale Netzwerke im Internet und länderübergreifend, das geht über die Grenzen hinweg. […] Da gibt es auch zum Beispiel Verbindungen in den französischen Teil der Schweiz. Also die islamistischen Netzwerke sind über Landesgrenzen hinweg verknüpft.

 

C. Sch. Ja, der Wiener Attentäter hatte auch Bezug zu einer Moschee in der Schweiz. Aber gucken wir mal speziell in die Schweiz, über dieses Übergreifende hinaus. Wie ist diese islamistische Szene in der Schweiz einzuordnen?

 

K. P. Naja, wir haben natürlich sehr liberale Gesetze für alle Extremisten. Also auch die deutschen Neonazis kommen sehr gerne in die Schweiz, auch die deutschen Islamisten treffen sich gerne hier bei uns, weil man hier eigentlich fast alles darf, und wenn man doch mal bisschen Propaganda macht für den IS wie kürzlich ein Straftäter, ein IS-Sympathisant vor dem Bundesstrafgericht. Der wurde gerade mal mit einer Geldstrafe auf Bewährung verurteilt, also das gibt ‘s in Deutschland so gar nicht: Geldstrafe auf Bewährung. Wir haben eine sehr liberale Haltung. Natürlich zieht dies all diese Extremisten an. In der Regel machen sie keinen Terror hier, weil sie hier Geld sammeln, weil es ein Ruheraum ist, weil man sich hier Waffen besorgen kann. Und jetzt haben halt so Einzeltäter, sogenannte Einzeltäter auch zweimal in der Schweiz zugeschlagen.

[…]“

Und was lernen wir daraus? –:

Nur Dhimmis leben sicher. Also:

Lasst uns alle Dhimmis werden!!

Allāhu akbar!!

 

Max Moor zum „stillen Karneval“

Max Moor, Schluss mit Moor: Stiller Karneval, ttt, 15.11.2020

Das Beste an ttt sind die humorvoll-bissigen Kommentare von Moderator Max Moor in der Rubrik Schluss mit Moor. Diesmal ging ’s dem dem Corona-Lockdown zum Opfer gefallenen Karneval an den Kragen:

„Die Karnevalsaison hat begonnen, meine Damen und Herren, und sie hat begonnen mit einer, ich sag ‘s mal positiv, Neuerung. Corona bedingt soll es dieses Jahr ein stiller Karneval werden. Und bei dem Wort stiller Karneval hab‘ ich hellau gerufen, ganz leise, versteht sich.

Stiller Karneval, das ist so ziemlich das Härteste, das Abgefahrenste seit Erfindung des Karnevals. Was soll das bitte sein? Ein Mann mit sich allein mit Clownsnase und Papierhütchen vor dem Rasierspiegel? Ein Funkenmariechen im Lotussitz meditierend? Ein Karneval der Einkehr, der Besinnung im Karnevalkloster?

Stiller Karneval. Ich will ja keinem zu nahe treten, aber ist es nicht so: viele werden sich das öfter mal gewünscht haben, für viele war das, ich bin immer noch beim Positiven, eine Utopie. Ja, der Karneval der Zukunft, haben sie geträumt, wird ein stiller Karneval sein. Und trotzdem werden sich jetzt die wenigstens darüber freuen, am aller wenigsten die Solo-Karnevalisten, die verkleidet vor der Laptop-Kamera sitzen und Wolle mer se reinlasse? flüstern.

Karneval gilt als fünfte Jahreszeit. Ich sag ‘s wieder positiv, die anderen vier waren ja auch nicht so toll.“

Doch ganz so widersinnig wie stiller Karneval sich am Rhein auch zunächst anfühlen mag…, ist der von oben verordnete Stimmungsentzug, das Einfrieren rheinischer Frohnatur nicht.

Zum Trost aller Jecken sei gesagt: Der „Schrecken der Vernichtung“ (104) und das Verstummen (105) sind befristet, nur vorübergehend!! — Sie sind zudem, vergesst das nicht, auch eine Seite der Nacht. (104) Auch die Totenwelt und die silentes, die Stummen, gehören ja „zum Reiche des Dionysos“. (106) —

Eine Saison, was ist das schon, wenn das Jahr darauf, in der Session 2021/22, wieder, um so lauter dann, der „Rausch des Lebens“ (97) gefeiert und in manischer Verzückung gelärmt werden darf!!

Kölle Alaaf!!

———-

Zitate aus Walter F. Otto, Dionysos, Frankfurt a.M., 72011

„lesenswert“-Profi-Buchbesprecher outen sich als Philosophie inkompetent

lesenswert Quartett, 8.11.2020, 3sat, 8.11.2020

Wolfram Eilenberger, Zeit der Zauberer. Das große Jahrzehnt der Philosophie 1919 – 1929, Stuttgart, 2018

Martin Heidegger, Nietzsche I, Stuttgart, 1961

Anlässlich des Buchs Feuer der Freiheit – Die Rettung der Philosophie in finsteren Zeiten von Wolfram Eilenberger schwätzten die drei vom Fernsehen bestellten und bezahlten Literaturbesprecher: „Gastgeber Denis Scheck“ nebst Adjutanten/-in Insa Wilke und Ijoma Mangold in der Sendung lesenswert am 8.11.2020 auch über Eilenbergers früheres Werk Zeit der Zauberer. Das große Jahrzehnt der Philosophie 1919 – 1929 wie folgt:

Denis Scheck

war als Gastgeber gefordert zu beginnen. Erst titulierte er Eilenberger als Philosophen. Dann wertete er ihn zum Erzähler ab:

„Wolfram Eilenberger, der wurde bekannt mit einem veritablen Bestseller: Zeit der Zauberer. Da hat er von Heidegger, von Ludwig Wittgenstein, von Walter Benjamin und Ernst Cassirer erzählt und [nicht und, sondern in] den zwanziger Jahren. Und jetzt hat er mit Feuer der Freiheit einen Band über vier Denkerinnen des zwanzigsten Jahrhunderts geschrieben“.

Ein erzählender Philosoph also. Das klingt wie Schriftstellerphilosoph — wie Mann (Frau eher nicht) einst Nietzsche titulierte, um ihn abzuwerten — wie passend, dass er auch noch geisteskrank war, Syphilis bedingt: das Schwein –, um sich nicht mit ihm auseinandersetzen zu müssen. Eine Haltung, die u.a. Heidegger scharf kritisierte und vehement zurückwies. Für ihn markiert Nietzsches Philosophie gar das „Ende der abendländischen Metaphysik“ (8): aller bisherigen abendländischen Philosophietradition!! — Gegen diese Tradition schrieb Heidegger in und mit Sein und Zeit (1927) an.

Überhaupt sind die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts eine Zeit des Übergangs. Eilenbergers Verdienst ist es, dies in Zeit der Zauberer anhand von vier Hauptakteuren herausgearbeitet zu haben.

Ijoma Mangold

Da Mangold sich am liebsten selbst reden hört, musste er natürlich zu Schecks Gerede sofort etwas hinzu quaken. Er bezeichnete Zeit der Zauberer als „Deutsches Sachbuch“. Auch für ihn ist Eilenberger ein Erzähler:

„Schon in seinem ersten Buch ist er nach dem Prinzip verfahren, wir erzählen etwas [ja, was denn? Bitte genauer!] über die Philosophie des zwanzigsten Jahrhunderts. Ja klar, Heidegger, Wittgenstein, Walter Benjamin, völlig klar. Und dann ein Überraschungsgast, mit dem niemand gerechnet hat: Ernst Cassirer.“

Mangold, dieser ungebildete Volltrottel begreift überhaupt nicht, dass Ernst Cassirer einer maßgeblichen (!!) Philosophie-Ausleger der alten Garde war, gegen die Heidegger zu Beginn seiner Karriere — auch als Person — opponierte. Eilenberger führt dies denn auch clare et distincte aus/vor. (Mangold muss dies überschlafen haben.) Bereits zu Beginn seiner Darstellung geht Eilenberger hierzu detailliert auf das Großereignis II. Internationalen Davoser Hochschulkurse (März 1929) ein. Zurecht schreibt Eilenberger:

„Die Davoser Disputation zwischen Ernst Cassirer und Martin Heidegger gilt heute als einschneidendes Ereignis in der Geschichte des Denkens.“ (24)

Cassirer war eben nicht irgendwer, sondern einer der namhaftesten Philosophie-Professoren seiner Zeit! — Übrigens, Herr Mangold: Cassirer zu lesen ist ein intellektuelles Vergnügen…

Und dann meinte auch noch

Insa Wilke

etwas Kluges zum bisherigen Gerede beitragen zu müssen:

„Er [Eilenberger] benutzt ein Verfahren, das nicht so originell ist; das ist das konstellierende Verfahren. Das ist in der Essayistik inzwischen eigentlich durchaus gängig: also drei [??] Denkerinnen oder auch im letzten Buch drei [??] Denker, die man auf den ersten Blick nicht zusammenbringt, zusammenzustellen, nicht unter der Behauptung einer, eines kausalen Zusammenhangs, sondern er stellt einen Zusammenhang her.

Was diese Dummschwätzerin, die nicht bis vier zählen kann und auch in Logik wenig bedarft zu sein scheint, nicht begreift: Gemeinsamkeit und Unterschiede im Werk von Heidegger und Wittgenstein wurden (wissenschaftlich) mehrmals untersucht, auch Bezüge zwischen Cassirer und Heidegger wurden (nicht nur in Fachkreisen) diskutiert. — Eilenberger, z.B., geht dezidiert und detailliert auf das Gespräch Cassirer contra Heidegger in Davos ein. — Kurz gesagt: Sich im akademischen Betrieb bewegende Berufsphilosophen/-innen sind zwangsläufig miteinander im Kontakt: sie sind Konkurrenten/-innen um begrenzte Ressourcen.

Philosophen/-innen sind (zudem) eine Gemeinschaft aus/im Inter-esse. Heidegger:

„Der große Denker ist dadurch groß, daß er aus dem Werk der anderen »Großen« ihr Größtes herauszuhören und dieses ursprünglich zu verwandeln vermag.“ (33)

Übrigens, Herr Mangold: Der Außenseiter unter den vier genannten Meisterdenkern (Eilenberger) ist nicht Cassirer, sondern Benjamin! Denn:

„Aus akademisch-philosophischer Sicht ist Walter Benjamin im Jahre 1929 eine ausgesprochene Non-Entität.“ (33)

Ein wenig Faktenstudium würde nicht schaden…

———–

Anm. Die Davoser Disputation ist abgedruckt im Anhang zu Heideggers Werk Kant und das Problem der Metaphysik (1929) — das Heidegger als sein Kantbuch bezeichnete –, das er unmittelbar in Anschluss an die Davoser Hochschulkurse abfasste. — Das allein schon zeigt die Bedeutsamkeit der Disputation…

 

 

 

Sleepy Karl Lauterbachs Demokratieverständnis

Markus Lanz vom 27. Oktober 2020

Markus Lanz vom 21. Oktober 2020

Lauterbach fordert Kontrollen in Privatwohnungen, Welt online, 28.10.2020

Sven Lemkemeyer, Ärztepräsident spricht von „Vermummungsgebot“ – Lauterbach fordert Rücktritt, Tagesspiegel online, 23.10.2020

Prof. Dr. Dr. Karl Lauterbach MdB, NRW Landesgruppe in der SPD-Bundestagsfraktion

Andreas Ross, Donald Trump vermisst Hillary Clinton, FAZ online, 15.10.2020

Am 27.10.2020 war u.a. Thea Dorn bei Markus Lanz zu Gast. Über die Sendung vom 21. Oktober 2020, an der u.a. Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer teilnahm, äußerte sie sich – ab und an von Lanz unterbrochen – wie folgt:

„Sie [Herr Lanz] haben erlebt, was mit Herrn Reinhardt passiert ist. Herr Reinhard musste zu Kreuze kriechen, weil er gewagt hat, Bedenken daran zu formulieren, dass die Ausweitung der Maskenpflicht im öffentlichen Raum, wir reden über Freiluft, der Mann hat nicht gesagt: Schmeißt die Masken weg! Dass das aus seiner Sicht auch einen Preis hat.

[Intervention Lanz…]

Was bei mir hängen geblieben ist, war dieses unglaublich starke Plädoyer, wo ich dachte, meine Güte, solche Ärzte brauchen wir. Dieses sehr starke Plädoyer, Sie werden sich erinnern,

[…]

wo er erzählte aus seiner Praxis, er ist ja noch als Arzt tätig: Es kommt ein verzweifelter Mensch zu ihm in die Sprechstunde. Da fließen eventuell auch mal Tränen. Da ist jemand verzweifelt. Wo er sagt: Wenn wir mit Abstand an diesem Schreibtisch sitzen, dann nehm ich natürlich in dem Moment auch mal die Maske ab und der darf die Maske abnehmen, weil hier geht es gerade darum, dass zwei Menschen miteinander über Unglück versuchen sich zu verständigen.

[…]

Das berührt ja ein anderes Problem: Halte ich die Menschen für so weit mündig, dass ich sage, man kann eben unterscheiden. Hier ist gerade ein verzweifelter Mensch, der mit mir seine Verzweiflung teilt. Da muss ich nicht doktrinär sagen, in jeder Sekunde Mundschutz. Für mich war das ein überzeugender Auftritt. Und ich muss gestehen, ich bin schockiert gewesen mitzukriegen, wie sehr dieser Mann in die Mangel genommen wurde, weil ich den Eindruck habe, dass es den Diskurs, den wir so dringend brauchen, weil, ganz ehrlich, wir haben wundervolle Wissenschaftler, wir haben noch eine andere Waffe in der freien westlichen Welt: das ist der offene, wirklich angstfreie Diskurs, wo kritische Köpfe“

Lanz: „Den Diskurs haben wir ja geführt.“

„Wenn Herr Lauterbach, Herr Dr. Karl Lauterbach twittert“

Lanz: „Dr. Dr., Prof. Dr. Dr. Er ist ein kluger Mann. Das muss man einfach mal“

„Wenn der twittert, dieser Mann muss das sofort, er hat gar nicht gesagt, was, das sofort zurück nehmen oder er muss zurücktreten. Jemand, der wie gesagt, Herr Reinhardt, der Präsident der Bundesärztekammer, der hat sich mitnichten gemein gemacht mit irgendwelchen … Verschwörungswirren … Damit hat er sich in keiner Sekunde gemein gemacht. Und wenn wir in diesem Land ein Klima erzeugen, wo wir nicht mehr unterscheiden, wie wir auf Wirrköpfe reagieren … und mit kritischen Köpfen, wenn wir sagen, wir müssen auch die kritischen Köpfe tendenziell zum Zurückrudern bringen, weil die könnten ja den Wirrköpfen Munition liefern, dann haben wir ein Problem.“

Lanz: „Frau Dorn, Sie sind da wirklich auf dem Holzweg. Es tut mir leid.“

Tja, Sie haben ein Problem, Frau Dorn: Sie sind es, die ein Problem haben, Frau Dorn, nicht wir. Wir wissen, was wahr ist, was richtig ist. Sie sind auf dem Holzweg, Frau Dorn. Sind Sie so dumm oder tun Sie nur so? Scher’n Sie sich zum Teufel! Sie und der Reinhardt, Sie pseudokluge Stänkerer, Möchte-gern-Revoluzzer…

Was an diesem Gespräch — wieder mal — auffällt:

  1. die mangelnde Bereitschaft, doktrinäre, monistisch verkürzte Positionen zu hinterfragen.
  2. Für Lanz muss Lauterbach zudem schon deshalb recht haben, weil er Professor Doktor Doktor ist, also um so mehr Fachmann ist als er akademische Titel vor sich hertragen kann, der Vielfach-Kluge, und (entsprechend) brav nachbetet, was der Wissenschaftsmainstream, der ihn adelte, ihm vorbetet.
  3. Zusätzlich tut Lanz auch noch so, als könne er als Fachmann (!) am Diskurs teilnehmen — nach dem Motto: Ich hab da mal was Kluges gelesen (und verstanden, hurra! Bin ich aber toll auch!), die Studie…

Is‘ doch klar, sagen doch alle, die sich auskennen (inklusive mir): Masken tragen ist ultima ratio! Widerspruch wird nicht geduldet: Polizei! Missetäter abführen!

Sleepy Karl — dem zuzuhören ohne einzuschlafen ob dessen Eloquenz einen (akademischen) Preis verdient hätte — hat denn auch sofort per Tweet — nach Vorbild Trump — klar gestellt: Maskenpflicht ist alternativlos. Wer als „Ärztefunktionär“ das Gegenteil behaupte, müsse stante pede exkommuniziert werden:

„Die Gleichsetzung der Maskenpflicht zum Schutz vor einer tödlichen Viruserkrankung mit einem „Vermummungsgebot“ gleichzusetzen ist für den ranghöchsten deutschen Ärztefunktionär unentschuldbar. Aus meiner Sicht ein Rücktrittsgrund, wenn er das nicht sofort zurücknimmt.

Dass Lauterbach zudem gern auch im Privaten Gendarm spielen möchte, zeigt folgende Äußerung:

„Die Unverletzbarkeit der Wohnung darf kein Argument mehr für ausbleibende Kontrollen sein“, sagte Lauterbach der Düsseldorfer „Rheinischen Post“.“

Lauterbach träumt sich wohl den VEB Horch und Guck aus der guten alten DDR-Zeit zurück…

— Fazit —

Eigentlich sollte in einer Demokratie — wie auch in der Wissenschaft (zumindest angezielt: double blind review) — ja jede Stimme gleich viel zählen. Doch echten Demokraten wie Trump, Lanz und Lauterbach seien, nach deren eigener Meinung, wohl Ausnahmen, wohl-feilst, gestattet…

Islamkritik in der Kulturzeit

Nina M. Brunner im Gespräch mit Ebrahim Afsah über den Anschlag in Wien, Kulturzeit, 3.11.2020

Nina M. Brunner im Gespräch mit Hamed Abdel-Samad über „Aus Liebe zu Deutschland“, Kulturzeit, 3.11.2020

Viele Fragen an die Behörden, Tagesschau, 4.11.2020

Anlässlich des Terroranschlags in Wien am 2. November 2020 — begangen von einem 20-jährigen IS-Sympathisanten mit Doppelstaatsangehörigkeit (Österreich und Nordmazedonien), der frühzeitig aus der Haft entlassen wurde, „weil der Mann an einem Deradikalisierungsprogramm teilgenommen hatte“ — strahlte die Kulturzeit am Tag danach zwei Gespräche, geführt von Nina M. Brunner, aus, um diesen Anschlag aus übergeordneter Perspektive zu reflektieren.

  • Gespräch 1 mit Ebrahim Afsah, Professor für Rechtswesen und Ethik im Islam an der Universität Wien;
  • Gespräch 2 mit Hamed Abdel-Samad, Schriftsteller

Beide schildern die in Österreich bzw. Deutschland vorherrschende Dhimmi-Kultur: Afsah aus seiner Sicht als Professor an der Uni Wien, Abdel-Samad aus seiner Erfahrung als Islamkritiker in Deutschland.

Beide Gespräche sind ungekürzt widergegeben. Entscheidende Passagen sind fett gedruckt.

Gespräch 1

B. Bis gestern war Österreich ja nicht direkt vom dschihadistischen Terror betroffen. Gibt es Ihrer Meinung nach eine Begründung dafür, dass Wien jetzt in den Fokus gerückt ist, die über die Biografie des Täters hinausgeht?

 

A. Ich glaube nicht. Ich glaube nicht, dass Österreich irgendetwas getan oder unterlassen hat, was diese Anschläge provoziert haben könnte. Das sind Anschläge, die in dem weiteren europäischen Kontext zu sehen sind und in diesem weiteren Kulturkampf, den wir seit spätestens den dänischen Karikaturen Mitte der 2000er Jahre sehen.

 

B. In diesen weiteren Kontext zählt jetzt ja auch der aktuelle Streit zwischen dem türkischen Präsidenten Erdoğan und seinem französischen Amtskollegen Macron. Wie hat denn diese Debatte die muslimische Gemeinschaft in Österreich beeinflusst?

 

A. Es ist wichtig, meiner Meinung nach, hervorzuheben: wir haben uns ein bisschen auf Erdoğan eingeschossen, aber sehr viele muslimische Staatsoberhäupter, zum Beispiel auch der als moderat geltende König von Marokko, der König von Jordanien oder der Emir von Kuwait haben sich sehr sehr ähnlich wie Herr Erdoğan dazu geäußert. Das ist also eine breiter angelegte Kampagne und fällt eben in diesen Kulturkampfkontext, den ich angesprochen habe. Es ist also kein Erdoğan-Problem.

 

B. Der von der Polizei gestern erschossene Attentäter, der war den Behörden ja offenbar länger schon bekannt, radikalisierte sich, das wusste man. Welche Versäumnisse sind denn da der österreichischen Justiz und dem Staatsschutz zuzuschreiben?

 

A. Wissen Sie, es ist einfach, in einer Situation wie jetzt nach schnellen Schuldigen zu suchen. Ich glaube, den Verfassungsstaat, den wir haben, also die Rechtsordnung und eben auch die Strafrechtsordnung, die wir haben, gibt eben nur ein bestimmtes Maß an Maßnahmen her. Und ob die nun hier ausgereizt worden sind oder nicht, maße ich mir nicht an zu bemessen; aber ähnliche Fälle können immer wieder passieren. Ich glaube nicht, dass man diese Anschläge den Strafverfolgungsbehörden zumessen kann. Es ist eben auch ein relativ großer Sumpf, aus dem solche Leute kommen. Er ist, ich will nicht sagen unerschöpflich, aber ist zumindest sehr sehr groß. Ich glaube nicht, dass man alle diese Leute überprüfen kann.

 

B. Immer fordert die Politik nach solchen Attentaten ganz schnell irgendwie hartes Durchgreifen. Was halten Sie denn von solchen Parolen, die natürlich kommen, auch heute in Österreich?

 

A. Es sind eben Parolen, wie Sie sagen. Man vergisst immer wieder, dass das ein lang anhaltender Kulturkampf ist, in dem die westliche Lebensordnung sich selbstbewusst verteidigen muss, und zwar nicht nur verteidigen im Sinne von Maßnahmen, die es trifft, sondern indem es eben auch seine Lebensart selbstbewusst, stolz vertritt und dementsprechend auch ein Anpassen an diese Lebensart einfordert. Ich unterrichte ja nun, wie gesagt, einen Haufen muslimischer Studenten, und ich hab‘s mit der organisierten islamischen Vertretung hier in Österreich zu tun; und ich muss einfach sagen, dass dort im ganz normalen täglichen Leben mit ganz normalen sogenannten moderaten Muslimen eklatante Probleme liegen. Und das sind keine Probleme, die wir mit dem Strafrecht lösen. Das sind auch keine Probleme, die jetzt immer im Nachgang eines jeweiligen Anschlags lösen können. Da müssen wir uns als Gesellschaft einfach ein etwas längeres Gedächtnis zulegen.

 

B. Sie sagen eklatante Probleme. Da möchte ich jetzt kurz, zum Schluss einmal nachfassen. Was heißt das denn für Sie als Professor mit einem Lehrstuhl? Heißt das, sie zensieren sich teilweise schon selbst?

 

A. Also es ist offensichtlich, dass die Universität mich zensiert, zum Beispiel, ich bin eingestellt worden, um sogenannte Islamlehrer, die Unterricht ausüben sollen, irgendwann später sogenannte Imame, unter anderem auszubilden in islamischem Recht. Die Glaubensgemeinschaft hat das, massiv dagegen protestiert. Und darauf hat eben die Universität der Glaubensgemeinschaft, noch bevor ich kam, zugesichert: Macht euch keine Sorgen, der Typ wird nur Juristen unterrichten, eure muslimischen Kinder werden von einem Rechtgeleiteten unterrichtet werden. Das ist natürlich ein Problem. Und wenn Sie solche Zugeständnisse machen, brauchen Sie sich nicht zu wundern, dass dann mehr Forderungen kommen, und die sind jetzt in meiner speziellen Vita immer wieder gekommen. Es wurde immer wieder nachgegeben.

2. Gespräch

B. Bevor wir auf Ihr Buch [Aus Liebe zu Deutschland. Ein Warnruf] und Deutschland zu sprechen kommen, noch mal ein Reflex betreffend Österreich. Man weiß noch nicht allzu viel, aber der Attentäter war den Behörden offenbar bekannt als Sympathisant vom sogenannten IS. Was sagt Ihnen dieser Fall?

 

A.-S. Ich sage, ich als Islamkritiker und viele andere Islamkritiker müssen ja ihre Bewegungsfreiheit beschränken. Die leben in Angst. Wir leben unter Polizeischutz. Ich wechsle meine Wohnung alle drei, vier Monate, aber ein Gefährder, ein Salafist, ein Islamist können sich frei bewegen und sogar auch Menschen umbringen. Irgendetwas läuft schief in diesem Land, in diesem Kontinent. Europa ist dabei, seine Werte aufzugeben zugunsten von einem komischen Verständnis von Toleranz. Die westliche Zivilisation scheint aus der Mode gekommen zu sein für westliche Intellektuelle und westliche Politiker. Man will Minderheiten schützen. Das ist nobel. Man will Muslime nicht vor den Kopf stoßen. Das ist auch nobel. Aber im Namen dieser falsch verstandenen Toleranz lässt man zu, dass die Intoleranten ihre Infrastrukturen aufbauen, dass sie unsere Werte verachten und uns auch ihre Werte aufzwingen. Sie bestimmen, wer Mohammed zeichnet oder nicht. Sie bestimmen, was geschrieben wird oder nicht. Und ich höre seit dem elften September nur die gleichen Sonntagsreden: Wir dürfen die Intoleranten nicht mit Intoleranz, nicht begegnen. Wir kämpfen mit aller Vehemenz gegen Terrorismus. Aber ich sehe keine Strategie, keine Konzepte. Ich sehe, dass man versucht hat, sogar Islamisten ins Boot zu holen: türkische Organisationen, Erdoğan-Anhänger. Und am Ende hat man aber nicht erreicht, dass wir den Terrorismus bekämpfen, sondern Islamismus stärken. Mit dieser falsch verstandenen Toleranz haben wir nicht Minderheiten geschützt, sondern eher Islamisten gestärkt, Rechtsradikale gestärkt und die Demokratie geschwächt.

 

B. In Ihrem Buch gehen Sie ja konkret auf Deutschland ein. Sie schreiben: Eine unsichere Identität lädt diejenigen, die neu dazukommen, nicht zu Integration und Teilhabe ein. Was fehlt denn gerade Deutschland für eine gefestigte Identität?

 

A.-S. Vor allem Selbstbewusstsein. Ich sehe Schuldkult, Schuldbewusstsein, aber kein Selbstbewusstsein. Eine auf Schuld basierende Identität lädt weder Deutsche noch Migranten dazu ein, diese Identität zu umarmen, im Gegenteil. Das ist eine Identität, die abstoßend wirkt. Man muss an seine eigenen Werte wirklich glauben. Man muss diese Werte auch artikulieren. Und auch wenn Migranten kommen und sagen, das sind unsere Werte, und jeder, der zu uns kommt, muss sich daran halten. Wir zeichnen Propheten, Päpste und Politiker. Wir ziehen jeden durch den Kakao. Aber irgendwie wissen wir nicht, was wir von Migranten verlangen können. Wir wissen mittlerweile, was wir ihnen anbieten können: Sprachkurse, Integrationskurse und so weiter. Aber wir wissen nicht, was wir von ihnen verlangen können, sondern wir haben Integrationsangebote, aber keine Integrationsgebote. Wir haben keine Sanktionsmöglichkeiten. Jeder kann bei uns machen, was er will. Und sie lachen über uns mittlerweile, weil sie haben den Eindruck, wir sind schwach, wir nehmen unsere Werte nicht ernst. Und ich sehe, dass wir nicht so entschlossen für unsere Werte eintreten wie die Islamisten für ihre schlechten Werte.

 

B. Sie bemängeln ja auch ganz konkret in Deutschland eine Diskursverengung auf der politischen Linken einerseits und eine apolitische Besitzstandwahrung der bürgerlichen Mitte andererseits. Inwiefern unterscheidet sich Deutschland von anderen westlichen Demokratien? Denn diese Phänomene der Polarisierung, die gibt‘s ja überall.

 

A.-S. Die Phänomene der Polarisierung gibt‘s überall, aber jedes Land muss seine Konzepte selbst entwickeln, und ich hab dieses Buch zu Deutschland geschrieben, an die deutsche bürgerliche Mitte auch gerichtet. Es kann nicht sein, dass alle Themen und Diskurse in Deutschland von den Rändern bestimmt werden, sei es, wenn wir über die Corona-Krise sprechen, über Islamismus, über Rassismus. Und es kann nicht sein, dass bei jeder Debatte alles emotional aufgeladen wird, dass kaum eine sachliche Debatte möglich ist. Es kann nicht sein, dass Erdoğan zum Beispiel mehr Einfluss auf Deutschland hat als umgekehrt. Es kann nicht sein, dass wir nicht imstande sind, den Islam und Europa zu modernisieren, und stattdessen wird Europa vom Islam islamisiert. Das geht überhaupt nicht. Wir müssen Kante zeigen. Wir müssen diese Engführung des Begriffs Toleranz ändern. Wir müssen das verändern, wie wir über Toleranz und Islamismus denken. Wir haben die Aufklärung zugunsten einer falsch verstandenen Toleranz aufgegeben, zugunsten von Multikultki und Ethnofetischismus. Das geht nicht. Deutschland muss wieder zeigen, was dieses Land ausmacht. Wir sind gerne ein offenes Land, aber wir müssen auch Grenzen zeigen und auch Sanktionen gegenüber Islamisten, aber auch, natürlich, Rechtsradikalen auch zeigen. Aber das Land ist gerade irgendwie so lasch. Die bürgerliche Mitte zieht sich in Komfortzonen, in intellektuelle und emotionale Komfortzonen, und die Ränder wachsen und bestimmen die Themen. So schwächt sich die Demokratie selbst. So schwächt sich die westliche Zivilisation selbst. Und der Islamismus ist nicht die größte Gefahr für die westliche Zivilisation und auch für Deutschland, sondern dass diese Zivilisation, diese Kultur sich selbst aufgibt.

Ernst nehmen muss man/frau die geäußerte Kritik in beiden Statements freilich nicht: Sind sie doch nur das Geschwätz von Islamophoben, denen — ausnahmsweise: anlässlich des real stattgefundenen Terrors — mal ein wenig Raum für ihre kruden Ansichten im Diskurs zugestanden werden musste —

Ach sind wir doch tolerant und generös, wir Kulturzeitler —

Peter Stolz zur Dhimmi-Kultur in Deutschland

Peter Stolz, Was Berliner Schulen aus dem Mord an Samuel Paty lernen müssen, Tagesspiegel online, 25.10.2020

Kulturzeit“ vom 28.10.2020

Peter Stolz, Vorsitzender des Berliner Landesverbands der Deutschen Geschichtslehrer, sagt, worin die Unterschiede zwischen Frankreich und Deutschland bestehen:

  • In Frankreich: Meinungsfreiheit, uneingeschränkt
  • in Deutschland: Meinungsfreiheit politischer Korrektheit untergeordnet

Zwar ist auch in Frankreich die Meinungsfreiheit gefährdet (siehe Simone Hoffmanns Beitrag für die Ausgabe der Kulturzeit“ vom 28.10.2020 und Über die Wirkung des Islamistischen Terrors auf die Meinungsfreiheit hierzu), aber immerhin wird die Meinungsfreiheit als Wert nicht relativiert. In Deutschland ist die Lage laut Stolz jedoch anders:

„Auch in unserem alltäglichen Wirken wird unser dienstlicher Auftrag immer wieder infrage gestellt. Lehrkräfte und Schulleitungen sehen sich dem Druck ausgesetzt, Themen und Diskussionen zu vermeiden, bei denen mit Kritik aus islamischen Communitys zu rechnen ist.

Wir machen also die Erfahrung, dass aus unserer Sicht notwendige Lehrinhalte aus Angst vor idiosynkratisch motivierten Reaktionen nicht behandelt werden.

Wir erleben, dass Schulleitungen zur Einschätzung kommen, zur Wahrung des Schulfriedens bestimmte Exkursionen zu verbieten, mit Verweis auf religiöse Identitätsbildungsprozesse und zulasten der uns im gesellschaftswissenschaftlichen Aufgabenfeld auferlegten Pflicht zu Pluralismus und Kontroversität.“

Grundsätzlich gilt: Pluralismus und Kontroversität sind Grundsätze einer offenen Gesellschaft. Pluralismus aber setzt Gleichheit voraus.

Doch Gleichheit ist in Deutschland vornehmlich dadurch verbürgt, als jede Gruppierung (Schwule, Lesben, Moslems, etc.) für sich in Anspruch nehmen darf, (in Differenz zu allen andern) etwas Besonderes zu sein. (Primat der Vielheit gegenüber der Einheit — vs. Macrons Appell) Und insofern wird — soll dieser Diskurs herrschaftsfrei sein — jede Gruppierung von allen Diskursteilnehmern als in gleichem Maße schützenswert angesehen (quasi um Artensterben zu verhindern). Dieses Diversifikationsgebot ist weitgehend allgemein akzeptiert.

Indem aber alle Gruppierungen daraus je für sich das Recht ableiten, in ihrer Besonderheit von allen andern geschützt zu werden, bestimmt nicht die Mehrheit, sondern die jeweilige pressure group jeweils darüber, was sie als nicht hinterfragbare Werte ansetzt und verlangt, dass zumindest ihre Tabusetzungen (!) von allen andern akzeptiert und eingehalten werden. (z.B. Mohammed, der Prophet darf nicht kritisiert werden!)

Gibt es nun Gruppierungen, die aus welchem Grund auch immer, den Grundsatz politischer Korrektheit als oberste Maxime ansehen und auf die Formulierung weiterer und/oder anderer Forderungen ihrerseits freiwillig verzichten, fehlt ein Korrektiv gegen forcierte Durchsetzungsbestrebungen der Weltanschauungen manch anderer pressure group(s). So kann das Zugeständnis des Kopftuchtragen-dürfens kleiner Mädchen in Schulen dazu führen, dass durch diese Praxis-Intervention (faktisch) Zwang zum Kopftuchtragen-müssen für die entsteht bzw. entstehen soll (!), die sich dem bislang widersetzten…

Insbesondere die Unterwerfung der (schweigenden) Mehrheit unter die Wertvorstellungen der Islamverbände ist zu beobachten. Sie bestimmen den Diskurs politischer Korrektheit (Islam-Konferenz genannt): was „Deutschland“ zu akzeptieren habe – will es sich nicht dem Vorwurf aussetzen, islamophob zu sein. Und da alle nicht-moslemischen Gutmenschen (die am Diskurs teilnehmen) dies scheuen (wie der Teufel das Weihwasser), wird u.a. die Weltanschauung der Islamverbände zunehmend zum Maßstab politischen Handelns…

Willkommen im Dhimmi-Staat Deutschland…

Simone Hoffmann über die Wirkung des Islamistischen Terrors auf die Meinungsfreiheit in Frankreich

Kulturzeit“ vom 28.10.2020

Nizza: Tote und Verletzte bei Messerangriff, ZDF Panorama, 29.10.2020

Simone Hoffmann stellt in ihrem Beitrag für die Kulturzeit vom 28.10.2020 die Frage:

„hat der islamistische Terror der Republik längst einen Maulkorb verpasst?“

Sie beantwortet die Frage eher mit ja. 3 Statements hat sie ausgewählt, um dies zu belegen:

I

Patrick Pelloux, der sieben Jahre für Charlie Hebdo arbeitete:

„Die Politik muss schnell reagieren, sonst wird es dramatische Konsequenzen haben, nicht nur in Jahren, sondern schon in den nächsten Monaten. Es geht es nicht um die Frage, ob es noch einen Anschlag geben wird, sondern nur noch darum, wann.“

„Es muss eine Empörungswelle geben. Wir haben jahrhundertelang gebraucht, um uns von der Diktatur des Klerus zu befreien, der die Macht hatte. Die Unterdrückung des Volks durch die Kirche war einer der Motoren der Französischen Revolution.“

II

Kevin Boussuet, Lehrer:

„Man kann in Frankreich tatsächlich nicht mehr alles sagen, weil inzwischen manche Themen die Schüler schockieren. Wir bemerken, wie es auch eine Identitätsfrage für sie ist. Sie haben eine muslimische Identität, die ihre republikanische Identität zerschmettert. Sie sind in Familien aufgewachsen, in denen sich alles um die Religion dreht. Und dann kommt die Schule.“

III

Hassen Chalghoumi, Leiter der Moschee von Drancy

„Die moderaten Moslems sind die Mehrheit. Sie müssen aufwachen. Wacht auf! Im Namen der Menschheit und Allahs, eures Gottes, den diese kriminellen Mörder für sich allein beanspruchen.“

Fazit

Die Interviewten antworteten zwar aus (beruflich bedingt) unterschiedlicher Perspektive auf die Aushöhlung der Meinungsfreiheit, doch die wesentlichen Gründe sind klar benannt: Die Lethargie der säkularen, wenig glaubensüberzeugten Christen sowie die Zurückhaltung (bzw. das klammheimliche Einverständnis) gemäßigter Moslems stärkt die Position der (extrem) gewaltbereiten Islamisten, die Pluralität von Meinung (in gewaltloser Konfliktaustragung) zu akzeptieren weder gelernt haben noch jemals lernen werden wollen. Wenn aber Bildung scheitert — und das Scheitern ist ob der Bildungsverweigerung und -bekämpfung der Islamisten vorprogrammiert, bleibt dem Staat nur mehr möglich, der Aggressivität seiner Feinde durch Gegengewalt, die Exekutive, (möglichst vor der Tat) im Rahmen der Verfassung Einhalt zu gebieten. Eine Serie von (hoffentlich allesamt vereitelten) Terroranschlägen ist die nur schwer zu beendende Folge…

 

 

Erdoğan – privat sehr lustig

Ankara protestiert gegen Erdogan-Karikatur, Tagesschau, 28.10.2020

Eskalation im Fall Macron contra Erdoğan 

  • Anlass: Nach der Ermordung Samuel Patys (siehe u.a. Frankreich trauert um von Flüchtling enthaupteten Lehrer) rechtfertigt Frankreichs Präsident Macron die Veröffentlichung von Mohammed-Karrikaturen (im Satire-Magazin Charlie Hebdo).
  • Unmittelbar darauf Erdoğans Reaktion: Als Kalif vom Bosporus und damit oberster Mohammed-Apologet der Türkei bezeichnet er Macron, den Ungläubigen, als (vermeintlich) psychisch krank.
  • Nun in Reaktion auf Erdoğans Beleidigung: Charlie Hebdo prüft Erdoğans Gelassenheit.

„Die Karikatur auf der Titelseite der Mittwochausgabe von „Charlie Hebdo“, die am Dienstagabend schon online veröffentlicht wurde, zeigt Erdogan in weißem Oberteil und Unterhose auf einem Sessel sitzend. Er hält eine Dose in der Hand und hebt das Gewand einer verschleierten Frau hoch, um ihr nacktes Hinterteil zu enthüllen. „Ohh! Der Prophet!“, heißt es dazu in einer Sprechblase. Die Seite ist betitelt mit den Worten: „Erdogan – privat ist er sehr lustig“.“

Mal sehen, ob Mutti wieder — wie im einst im Fall Böhmermann (siehe Merkel opfert Böhmermann I und II) — ihrem Lieblingspotentaten Erdoğan untertänigst zu Hilfe eilt…

und wie die Ober-Dhimmis der Republik sich verhalten…

Vermutlich altbewährt — so weit möglich: Augen zu und Maul halten