Was heißt radikal? – unter Beug auf Heidegger…

Martin Heidegger, Nietzsche, Erster Band, Klett-Cotta-Ausgabe, Stuttgart, 82020 (zitiert als I)

Martin Heidegger, Beiträge zur Philosophie (Vom Ereignis), Klostermann-Gesamtausgabe Bd. 65, Frankfurt a. M. 42014 (zitiert nach Abschn.)

Laura Beck, Change the World – Junge Weltretter, ttt, 4.10.2020

I

Das Wort radikal ist griechisch-römischen Ursprungs. Es geht zurück auf das griechische Wort ῥάδιξ, das im Lateinischen radix heißt – wobei im Schriftbild lediglich die griechischen durch lateinische Buchstaben ersetzt wurden. Im Deutschen sagen wir Rettich für eine Pflanze, die nur ein (einziges) Radix, eine Wurzelknolle, ist. Im Englischen heißt Rettich radish; im Französischen radis. In solch Sprachverwandtschaft kann man/frau unschwer unsere gemeinsame europäische Kultur des Pflanzens als in griechisch-römischem Erb-Boden gedeihend erkennen.

Auf Neugriechisch heißt radikal übrigens ριζικό, in lateinischen Buchstaben geschrieben Risiko (mit Betonung auf o) – ein Wort, das ebenfalls auf Altgriechisch ῥάδιξ zurückgeht. Alles Radikale wäre demnach Risiko behaftet. Und weiter: der Risikogesellschaft (Ulrich Beck), in der wir leben (weil wir uns nicht nur natürlichen, sondern auch selbst-geschaffenen Risiken aussetzen), wäre ein Bezug zur Radikalität immanent. Eine noch nicht gestellte Frage…

II

in seinem zweiten Hauptwerk „Beiträge zur Philosophie (vom Ereignis)“ zeigt Heidegger, warum Philosophie einen neuen, völlig anderen Anfang braucht. Aus seiner radikal neuen Perspektive, dass die abendländische Philosophie in die Seinsverlassenheit (die „der Grund der Seinsvergessenheit“ ist) geführt habe, (Abschn. 55, S. 114) plädiert er für einen Neuanfang, wobei dieser Neuanfang radikal anders sein müsse (um eine neue Geschichte, anders als die bisherige, begründen zu können). Die von der Metaphysik geprägte Philosophie von den Vorsokratikern bis heute sei zu verlassen. 2.500 Jahre abendländische Geistesgeschichte seien in der Philosophie Nietzsches, im Nihilismus, zu ihrem Ende gekommen,

„einzig durch Nietzsche [sei…] das Ende der abendländischen Metaphysik“ vollzogen worden. (Abschn. 85, S. 174) Es gelte „Nietzsche als das Ende der abendländischen Metaphysik [zu] begreifen“ (Abschn. 89, S. 176)

und zwar als Nihilismus:

„Nihilismus heißt: Die obersten Werte entwerten sich.“ (I, S. 23) – Für Heidegger ist der Nihilismus Nietzsches Resultat dessen, „was Nietzsche selbst früh als seine Aufgabe erkannte: der Umkehrung des Platonismus.“ (Abschn. 90, S. 182) –

Und da keine „geschichtliche Bewegung […] aus der Geschichte herausspringen und schlechthin von vorne anfangen“ kann, (eb.) braucht es „die neuen Philosophen“, die „nach Nietzsche [als] Versuchende“, nicht als (All-)Wissende!, „die obersten Werte setzen“. (I, S. 23)

In den 30er Jahren, in den Jahren des wachsenden, immer mächtiger werdenden und sich durchsetzenden Hitlerregimes erkannte/sagte er ex post, dass sein Werk „Sein und Zeit“ (veröffentlicht 1927) noch auf der Grundlage und im Fahrwasser der (alten) Philosophietradition geschrieben wurde und daher zwar radikal, aber nicht radikal genug für die anstehende/ausstehende, komplett neue Blickbahn gewesen sei. –

Übrigens kritisiert er in seinen „“Beiträgen“, seinem zweiten Hauptwerk, u.a. die nationalsozialistische Ideologie hinsichtlich der ihr zentralen Aspekte des Völkischen und des RiesenhaftTotalen pointiert scharf.

„der eigentliche Nihilismus ist: man will sich die Ziel-losigkeit nicht eingestehen. Und deshalb »hat« man plötzlich wieder »Ziele« und sei es nur, daß, was allenfalls ein Mittel für die Zielaufrichtung und Verfolgung sein kann, selbst zum Ziel hinaufgesteigert wird: das Volk z.B. Und deshalb ist eben da, wo man wieder Ziele zu haben glaubt, wo man wieder »glücklich« ist, wo man dazu übergeht, die bisher den »Meisten« verschlossenen »Kulturgüter« (Sinus und Seebadereisen) allem »Volke« gleichmäßig zugänglich zu machen, eben da, in dieser lärmenden »Erlebnis«-Trunkenboldigkeit, ist der größte Nihilismus“. (Abschn. 72, S. 139)

Das Hitlertum sieht er als Teil eines überkommenen-altmodischen, nicht zukunftsorientierten Denkens. Heideggers (freilich nur in der Abgeschiedenheit seiner Berghütte, etc. vorgetragener) „Punk“ basiert auf Nietzsches Nihilismus. Selbst der Nihilismus unserer Punk-Generationen (ab Mitte der siebziger Jahre) ist nur eine Nachwirkung der von Heidegger konstatierten Machenschaften in unseren Gesellschaften.

III

Als die Perser 480 v. Chr. Athen eroberten, verbrannten sie die Akropolis. Doch schon einige Tage später begann der dort mitverbrannte Olivenbaum – den dem Mythos zufolge die Göttin Athene den Athenern als Geschenk vermacht hatte – neue Blätter zu treiben. Das heißt: (Selbst verbrannte) Pflanzen können sich regenerieren. Will man/frau eine Pflanze radikal zerstören, so muss man/frau sie vollständig ausgraben und vor allem ihre Wurzeln (lat. radices) zerstören. Denn Pflanzen beginnen zu leben, indem sie Wurzeln bilden (lat. radices agere). Solange die Wurzeln einer Pflanze leben, lebt sie weiter. Sogar Zähne leben so lange, wie ihre Wurzeln da sind. –

Hierzu zwei Aspekte aus Heideggers Philosophie nach Sein und Zeit:

      • Zum einen: die Wurzelmetaphorik im Streit Erde vs. Welt unter Bezug auf das Verstehen:

Das „Verstehen [ist] als Entwurf ein geworfener […] gewurzelt in der Erde, aufragend in eine Welt.“ (Abschn. 138, S. 259)

Begriffe, die nicht entsprechend gegründet werden, nennt Heidegger folglich ‚entwurzelte Begriffe‘. So sind für ihn

„Erörterungen über essentia und existentia […] ein leeres Geschiebe entwurzelter Begriffe.“ (Abschn. 150, S. 272)

      • Zum andern: Heidegger betrachtet Zeit als etwas, das im Zeit-Raum stattfindet. Doch im Gegensatz zu Einstein verbleibt für ihn das Gefüge von Raum und Zeit unter dem Primat der Zeit; er verräumlicht die Zeit, aber er verzeitigt nicht (bzw. nur andeutungsweise) den Raum:

Das „Durchdenken der Zeit bringt sie in der Bezogenheit auf das Da des Da-seins mit der Räumlichkeit des Da-seins und somit mit dem Raum in wesentlichen Bezug […] Aber Zeit und Raum sind hier, an der gewöhnlichen Vorstellung von ihnen gemessen, ursprünglicher und vollends der Zeit-Raum, der keine Verkoppelung, sondern das ursprünglichere ihrer Zusammengehörigkeit.“ (Abschn. 95, S. 189)

und

„Die Zeit als entrückende-eröffnende ist in sich […] zugleich einräumend, sie schafft »Raum«. Dieser ist nicht gleichen Wesens mit ihr, aber ihr zugehörig, wie sie ihm.

Raum muss aber auch hier ursprünglich als Räumung begriffen sein (wie sich diese in der Räumlichkeit des Da-seins anzeigen, aber nicht voll ursprünglich begreifen läßt).“ (Abschn. 98, S. 192)

IV

in der aktuellen Politik sieht man/frau einen derart radikalen Ansatz in der Bewegung „Fridays for Future“. Es begann unspektakulär mit Protesten eines einzelnen kleinen, unscheinbaren, schüchternen Schulmädchens namens Greta Thunberg irgendwo in Europa. In wenigen Wochen erwuchs daraus eine weltweite Bewegung. Und noch immer eint all die Protestierenden einzig die ursprünglich nur von einer Einzelnen vorgetragene Forderung nach einem radikalen Wechsel der Klimapolitik. Sie alle haben ein gemeinsames Ziel. Doch wie es erreicht werden könnte, wissen sie nicht. Die Umsetzung ihrer Forderung in Politik sehen sie nicht als ihre Aufgabe an. Wohl aber das Engagement in konkretem Handeln wie z.B. Müllbeseitigung, und Entwicklung technischer Lösungen (siehe ttt-Beitrag von Laura Beck). –

Auch Heidegger stellt eine radikale Forderung. Er sieht es als nötig an, dass die Philosophie neu anfange. Der wesentliche Grund hierfür sei die „Seinsverlassenheit, näher gebracht durch eine Besinnung auf die Weltverdüsterung und Erdzerstörung“. (Abschn. 56, S. 119) Er skizziert diesen anderen Anfang (u.a. in den Beiträgen) vor, aber er formuliert die entsprechende Philosophie nicht aus. Er sagt, dass dies die Aufgabe für die Zukünftigen sei. (siehe insbes. Abschn. 45, S. 96ff.) –

Im Gegensatz zu den bereits politisch etablierten „Grünen“ sind die „Fridays for Future“-Aktivisten (noch) keine Politiker/-innen. Doch vergessen wir nicht: auch die Grünen waren in ihren Anfängen – lange vor der Wiedervereinigung – eine radikale Bewegung: für Frieden, gegen Atomkraft, usw. Doch jetzt agieren sie als Partei – ähnlich wie andere Parteien. (Derzeit rangieren sie in Umfragen sogar als zweitstärkste Kraft nach der CDU/CSU.) –

Doch vergessen wir nicht, dass das Vergleichen, so Heidegger, bereits der erste Schritt sei, um das Verglichene anzugleichen, ja identisch zu machen:

„Alles Vergleichen ist aber im Wesen ein Gleichmachen, die Rückbeziehung auf ein Gleiches, das als solches gar nicht ins Wissen kommt, sondern jenes Selbstverständliche ausmacht, aus dem alles Erklären und Beziehen seine Klarheit nimmt.“ (Abschn. 76, S. 151) –

Siehe auch die Ansätze der Gleichschaltung, der totalen Konformität, etc. die das Hitler-Regime radikal umsetzte und dessen Machenschaften Heidegger als Zeitzeuge beobachtete und (zumindest) öffentlich nicht kritisierte (anfangs sogar als Neuanfang begrüßte):

„Die totale Weltanschauung muß sich der Eröffnung ihres Grundes und der Ergründung ihres Reiches ihres »Schaffens« verschließen; d. h. ihr Schaffen kann nie ins Wesen kommen und zum Über-sich-hinaus-schaffen werden, weil die totale Weltanschauung damit sich selbst infrage stellen müßte. Die Folge ist die: das Schaffen wird im vorhinein ersetzt durch den Betrieb. Die Wege und Wagnisse einstmaligen Schaffens werden in das Riesenhafte der Machenschaft eingerichtet, und dieses Machenschaftliche ist der Anschein der Lebendigkeit des Schöpferischen.“ (Abschn. 14, S. 40f.)

V

Eine andere Spielart von Radikalität besteht darin, zu den Wurzeln historisch/geschichtlich zurückzugehen/zurückzukehren und das Leben von neuem zu beginnen. Auslöser für diese Rückbewegung ist ebenfalls die Kritik an den bestehenden Verhältnissen. Doch im Unterschied zu der vorab genannten Spielart geht es hier nicht darum, die (bisherige) Tradition zu verlassen, sondern sie zu desavouieren. –

Heidegger betont ausdrücklich, dass die neue Blickbahn (des anderen Anfangs) die bisherige (des ersten Anfangs) nicht abwehrte (sondern grundlege):

„die Ab-setzung des anderen Anfangs gegen den ersten [ist…] niemals »Verneinung« im gewöhnlichen Sinne der Abweisung und gar Herabsetzung.“ (Absch. 90, S. 178)

„Die Rede vom Ende der Metaphysik darf nicht zur Meinung verleiten, die Philosophie sei mit der »Metaphysik« fertig, im Gegenfall: diese muß ihr jetzt erst in ihrer Wesensunmöglichkeit zugespielt und die Philosophie selbst so in ihren anderen Anfang hinübergespielt werden.“ (Abschn. 85, S. 173) –

Ein Beispiel hierfür ist der Islamische Staat (IS). Seiner Ideologie zufolge entspreche der zur Zeit gelebte Islam nirgendwo der vom Propheten Mohammed geforderten Praxis. Die Geschichte des Islam sei eine Geschichte des Ab-/Verfalls. Es sei geboten, die islamische Bewegung neu zu beginnen. Vorbild für den Neuanfang ist das Leben, wie es Mohammed und sein Gefolge (einst) führten.

Doch die Rückkehr zu den Anfängen muss nicht Jahrhunderte an Geschichte voraussetzen. Die diversen Neonazi-Bewegungen sehen sich als Nachfolger des Hitler-Regimes, das 1945, vor weniger als einem Jahrhundert, unterging. –

Heidegger zufolge gründen alle radikalen Bewegungen im (von Nietzsche prophetisch angekündigten und vorformulierten) Nihilismus. Machtgeile Führer wie Trump, Putin, Erdoğan, Lukaschenko usw. sind nur möglich als Emporkömmlinge, Helden aus nihilistischem Umfeld. Sie sind Gefangene ihrer eigenen Machenschaften. Sie bedürfen ihrer Unterstützer, die sie möglichst zahlreich um sich scharen, um sich und ihnen die Macht und damit die Machenschaften als Erwerbsgrundlage (noch) möglichst lange zu erhalten. Ein Pakt auf Gegenseitigkeit…

Murat Cem war VP01. Zeit, Dank zu sagen: Çok çok teşekkürler, Murat kardeş!

Jörg Diehl, Roman Lehberger u. Fidelius Schmid, Under Cover. Ein V-Mann packt aus. München, 2020

Frank Jansen, Szene wächst auf mehr als 12.000 Menschen, Tagesspiegel online, 14.1.2020

Yassin Musharbash, Jenseits. Thriller, Köln, 2019

Mark Fahnert, Lied des Zorns, Thriller, München, 2019

Daniel Silva, Der Hintermann. Thriller. Aus dem Amerikanischen von Wulf Bergner. München,

42019

Die jüngsten Zahlen zur Entwicklung der Islamistenszene in Deutschland sind alarmierend. Sie wird gegenwärtig auf mehr als 12.000 Personen geschätzt. (siehe Artikel Frank Jansen).

Erschreckend ist aber auch der Vertrauensverlust in den Verfassungsschutz. Der Tagesspiegel bot/bietet in seiner Online-Ausgabe seinen Lesern die Möglichkeit an einer Umfrage teilzunehmen. Knapp 50 % kreuzten auf die (allein) zur Abstimmung gestellte Frage: „Wie groß ist Ihr Vertrauen in das Bundesamt für Verfassungsschutz?“ die Felder „Eher gering“ oder gar „Sehr gering“ an. Sprich: die Hälfte der Teilnehmer sagt, kein Vertrauen in die Arbeit der Verfassungsschutz-Profis zu haben! Auch wenn die Befragung – anders als behauptet – wohl kaum Repräsentativität beanspruchen kann, so liegt die aktuelle Stichprobengröße immerhin bei 3.096 Rückmeldungen im Befragungszeitraum: 1.5.-30.7.2020 (Mittag).

Wie gut also, dass es dem Verfassungsschutz gelang, eine Vertrauensperson (VP) wie Murat Cem in die Szene einzuschleusen. In Under Cover berichten die drei Spiegel-Reporter Jörg Diehl, Roman Lehberger und Fidelius Schmid über ihre Gespräche mit Cem alias VP01, die laut Polizei und Verfassungsschutz tiefer in die Szene eindringen konnte als jede andere VP. Und doch verspielte der Verfassungsschutz leichtfertig die sich durch diese VP eröffnenden Möglichkeiten, die Szene nachhaltig zu infiltrieren.

In ihrem Vorwort schildern die Verfasser, wie es zur Abfassung des Buchs kam (ab der Kontaktanbahnung per Mail am 22. Januar 2018) und stellen uns dankenswerterweise die Person näher vor, die sich hinter dem Pseudonym Murat Cem verbarg/verbirgt, wie und soweit sie sich ihnen in ihrer Zusammenarbeit ab „Frühjahr 2019“ hinweg erschloss. (16) Über ein Jahr dauerte es, bis Cem nach seinem Ausscheiden als VP01 aus dem Polizeidienst die Spiegel-Redaktion erstmals kontaktierte und fragte, ob sie Interesse an einer Story über seine VP-Vergangenheit habe. Aus den wieder ein Jahr später erst stattgefundenen Gesprächen wurde dann ein Buch.

„Murat Cem wurde geboren als Sohn türkischer Gastarbeiter, wuchs in einem Problemviertel auf, rutschte in die Kriminalität hinein, wurde von der Polizei erwischt, packte aus und stieg auf zum besten V-Mann, den die Ermittler in Nordrhein-Westfalen nach eigenem Bekunden je hatten. Er kaufte Drogen und Waffen, er überführte Mörder, er infiltrierte die Islamistenszene und schlief Kopf an Kopf mit Anis Amri in einer Moschee.“ (14; im Original kein Fettdruck)

Doch das „BKA glaubte, Murat sei ein Märchenerzähler, ein Wichtigtuer und Lügner. Den Terroranschlag auf dem Breitscheidplatz [am 19. Dezember 2016] sah Murat im Fernsehen, weinend. […]

Wahrscheinlich weiß Murat, der heute Anfang 40 ist und sich knapp 20 Jahre lang verstellen musste, nicht einmal genau, wer er überhaupt ist. Dieses Buch sei für ihn auch eine Form der Therapie, sagt er.

Sein Leben ist eine Geschichte, in der Täuschung und Verrat alltäglich sind. In der es darum geht, das Vertrauen von Menschen zu gewinnen, ihnen nahezukommen, sich mit ihnen anzufreunden, um sie auszuhorchen und hinter Gitter zu bringen. Das ist Murats Job gewesen, seine Berufung – ein Mann in streng geheimer Mission. Über viele Jahre erzählte er nicht einmal seiner Ehefrau, was er genau mit der Polizei zu tun hatte.

»Ich habe es geliebt«, sagt Murat.“ (15; im Original kein Fettdruck)

Nach Ende ihrer Unterredungen mit Cem, die sich etwa ein Jahr hinzogen, ziehen die drei Journalisten das Fazit:

„Fast zwei Jahrzehnte lang riskierte Murat sein Leben für den Staat. Und zahlte am Ende einen hohen Preis dafür.“ (16)

Will man/frau verstehen, was in der Kommunikation der Beamten mit Murat Bey letztlich so unbefriedigend, letztlich sogar verhängnisvoll lief, ist zunächst festzuhalten, dass V-Leute zumeist aus einem Unterschicht- bzw. unterprivilegierten (Gast-)Arbeiter-Milieu, häufig mit Kleinkriminellen-Vergangenheit stammen, das brav-biederen, politisch korrekt agieren müssenden Beamten des gehobenen Diensts, die sie führen sollen, (extrem) fremd ist — im Gegensatz zu Salafismus-/IS-Rekrutierern, was es denen – anders als der Polizei bzw. dem Verfassungsschutz – so leicht macht…

In Murats Worten:

„»Wer wird denn V-Mann? Kriminelle und Verrückte. Ich war beides.«“ (301)

Seine Herkunft hinderte Murat jedoch nicht daran, die Seite zu wechseln und sich voll für die Polizei zu engagieren. Um so bedauerlicher, dass die ihn ausbremste und verbrannte:

„»Ich glaube, wenn sie mich ordentlich behandelt hätten, […] hätte [ich] noch 100 Jahre für die Polizei gearbeitet. […] Wenn mich einer gefragt hätte: ›Liebst du deine Familie oder die Polizei‹ […], ich hätte gesagt: ›Ich liebe die Polizei.‹ […] Ich hätte sogar meinen Bruder verpfiffen, meinen eigenen Bruder.«“ (300f.)

Zusammengefasst: Murat vereint(e) zwei Eigenschaften, die für erfolgreiche Spitzel-Arbeit unerlässlich sind: Möglichst absolute Loyalität zum Auftraggeber und trotzdem zugleich die völlige Verwurzelung mit der auszuspionierenden Szene. Doch je intensiver der Kontakt zu den Auszuspionierenden wird, desto mehr besteht die Gefahr, dass die VP die Seite wechselt. Diese im Grunde leicht verständliche psychologische Einsicht scheint Murats Führungspersonen leider fremd gewesen zu sein…

Um die Psychologie der Akteure ggf. besser verstehen zu können, lohnt ein Blick in Politthriller, die die Islamismus-Thematik bespielen.

Einige Thriller wie Der Hintermann von Daniel Silva sind freilich extrem konstruiert und wählen Personen fern aller Realität zu ihrem Protagonisten-Ensemble. Dies ist im Fall Silvas umso bedauerlicher, als er als CNN-Journalist und im Orient tätig (!) war. Aufschlussreich, detailliert und plausibel ausgeführt ist bei ihm lediglich das Interessen- und Kommunikationsgeflecht zwischen den westlichen Geheimdiensten. In islamistische Netzwerke hingegen scheint er wenig – realitätsnahen – Einblick zu haben…

Mark Fahnert ist im Hauptberuf Polizist. Auch sein Thriller Lied des Zorns ist extrem konstruiert. Seine Protagonisten wandeln sich zudem im Lauf der Handlung, ohne diesen Wandel freilich überzeugend darzulegen. Legt man/frau seinen Thriller zugrunde, so erweist sich Fahnert als Polizist mit wenig Begabung und Empathie, sich in VPs einfühlen zu können. Auch bei ihm liegt der Fokus auf innerpolizeilichen (Netzwerk-)Strukturen: mit Tendenz zu Überzeichnung. So schwadroniert er über die „Monstrosität“ einer „geheime[n] Polizeistelle mit nachrichtendienstlichen Befugnissen“… (203)

Positiv hervorzuheben ist hingegen Yassin Musharbashs Thriller Jenseits. Musharbash wird vorgestellt als Autor mit deutschen und jordanischen Vorfahren (!) und vielfältigen journalistischen Erfahrungen. Zudem veröffentlichte er ein Buch über al-Qaida. (!) In seinem Thriller gelingt es ihm daher, sowohl ein IS-Leben (über den kompletten Lebenszyklus von der Rekrutierung über die Zeit im IS bis zum Ausstiegsversuch) als auch die Verhandlungen mit deutschen Behörden, insbesondere dem Verfassungsschutz, über die Rückkehr aus dem IS nach Deutschland realitätsnah, einfühlsam und überzeugend auszugestalten. Der Autor zeigt, wie sensitiv gerade verletzliche Netzwerke wie der IS auf Störungen/Irritationen im Verhaltensgrundmuster reagieren und Personen als suspekt aussortieren, von denen sie nicht absolut überzeugt sind.

Auch die deutsche Islamistenszene agiert – wie Under Cover ausführt – extrem vorsichtig und verfügt über eine ausgefeilte Feinsensorik des Controlling ihrer Entscheidungszirkel. So nah Murat dem Attentäter Amri auch kam, letztlich hatte er nie eine Chance, voll akzeptiert zu werden. Da er aber darin talentiert war/ist, auf andere zuzugehen, sich auf sie einzulassen und sein Leben mit ihnen – fast – vorbehaltlos zu teilen, kurz in seinen Aktionen authentisch zu sein, war/ist es ihm immerhin gegeben, an den inneren Kreis der anderen so nah als – einem Außen-stehen-Bleibendem überhaupt – möglich heranzukommen. Dies war/ist nachrichtendienstlich von kaum zu überschätzendem Wert.

Murat verbrannt zu haben, ist für den Verfassungsschutz und uns alle daher höchst tragisch und für seine Führungspersonen ein Armutszeugnis.

Çok sağolun, Murat’cığım!

 

 

Rückeroberung der Hagia Sophia zur Moschee

Karin Senz, Erstes Gebet seit 86 Jahren, tagesschau.de, 24.7.2020

Christian Buttkereit, Die „Rückeroberung“ der Hagia Sophia, tagesschau.de, 24.7.2020

Christian Buttkereit, Tausende bei Freitagsgebet: Hagia Sophia ist wieder Moschee, BR24, 24.7.2020

Katja Belousova, Was hinter Erdogans Inszenierung steckt, ZDF heute, 24.7.2020

Hagia Sophia: Geht ja gut los – Imam Ali predigt mit Schwert des Todes!, 1984 Magazin online, 24.7.2020

İhlas Haber Ajansı (İHA), Erbaş: Çiğneyen lanetlenir, Sözcü online, 24.7.2020

Meriç Velidedeoğlu,  ‘24 Temmuz Lozan Günü’, Cumhuriyet online, 24.7.2020

Martin Gehlen, Der Kalif fordert den Gehorsam der Muslime, Stuttgarter Zeitung online, 6.7.2014

Pelin Ünker (Mit Agenturen), Daniel Derya Bellut, Verena Greb, Die Hagia Sophia ist wieder eine Moschee, Focus online, 24.7.2020

Susanne Burkhardt, Leitmotiv der Eroberung, im Gespräch mit Susanne Güsten, 24.7.2020

Bundesamt für Verfassungsschutz, Bundesamt für Verfassungsschutz stuft AfD-Teilorganisation „Der Flügel“ als gesichert rechtsextremistische Bestrebung ein, Pressemitteilung vom 12.3.2020

Istanbul Tourist Information, Hagia Sophia – Die Heilige Weisheit

— Presseberichte —

Das Datum für die erste Predigt nach der Rückeroberung der Hagia Sophia war mit Bedacht gewählt:

„Der Termin 24. Juli scheint nicht zufällig gewählt. Die regierungsnahe Zeitung Sabah hat darauf hingewiesen. Am gleichen Tag im Jahr 1923 schloss die Türkei mit damaligen Großmächten den Vertrag von Lausanne. In ihm sind die Grenzen mit Griechenland festgeschrieben.“ (Senz)

Am Tag, an dem sich der Friedensvertragsschluss von Lausanne (Lozan Barış Antlaşması) zum 97. Mal jährte, enterte der Präsident des Amts für Religiöse Angelegenheiten (Diyanet İşleri Başkanı), sprich für Islamismus türkischer Prägung, Ali Erbaş, die Kanzel der rückeroberten Hagia Sophia und predigte mit der Rechten auf das Schwert gestützt (kılıçla) dem auserwählten Volk mit Erdoğan an der Spitze:

“Bugün müminlerin sevinç gözyaşları içinde kıyama durduğu, huşu ile rükuya vardığı ve şükürle secdeye kapandığı gündür”

Heute ist der Tag, an dem wir [Allah] Treuen in Freudentränen ausbrechen und voll Ehrfurcht und Dank uns [vor ihm] niederwerfen.

„Ayasofya’nın ibadete açılması […] İslam medeniyetinin bütün zorluklara rağmen yükselmeye devam edişinin ispatıdır.“

Die [Wieder-]Öffnung der Hagia Sophia für das [islamische] Gebet […] ist der Beweis dafür, dass die Islamische Zivilisation trotz aller Schwierigkeiten voranschreitet.

Bereits die AKP-Initiative zur Umwidmung der Hagia Sophia wurde martialisch mit Schwert-Rhetorik vorgetragen:

„Begleitet wurde die AKP-Initiative von nationalistischer Rhetorik. „Die Hagia Sophia ist unser geographischer Besitz. Wer es mit dem Schwert erobert hat, besitzt auch die Eigentumsrechte“, polterte etwa der stellvertretende AKP-Vorsitzende Numan Kurtulmuş. „Die Hagia Sophia ist Teil unserer Souveränität.““ (Focus; im Original kein Fettdruck)

Nicht mal IS-Kalif Abu Bakr al-Baghdadi (Ibrahim Awad Ibrahim al-Badri) inthronisierte sich mit dem Schwert in der Hand. Das blieb auf Geheiß des neo-osmanischen Sultans seinem Obereinpeitscher Erbaş vorbehalten. Allāhu akbar!

„Es war Erbas, der Chef der Religionsbehörde, der die Gebetskanzel fast wie ein Eroberer bestiegen hatte: Mit einem Schwert in der Hand. Eine islamische Geste, bei der es darauf ankommt, in welcher Hand das Schwert getragen wird: Wer es rechts trägt, offenbart seine Absicht, es zu benutzen und zielt darauf ab, den Feind einzuschüchtern. Erbas trug es rechts.“  (Buttkereit; im Original kein Fettdruck)

Katja Belousova wies zudem darauf hin, dass die Inszenierung auch eine Rolle für den Sultan bereit hielt! Denn es war der Präsident der Republik Türkei, Erdoğan höchst-selbst, der zu Beginn der Zeremonie als Imam auftreten und die erste Sure des Korans, Al-Fātiḥa (Fatiha Suresi), beten durfte.

„1. Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen.

2. Aller Preis gehört Allah, dem Herrn der Welten,

3. Dem Gnädigen, dem Barmherzigen,

4. Dem Meister des Gerichtstages.

5. Dir allein dienen wir, und zu Dir allein flehen wir um Hilfe.

6. Führe uns auf den geraden Weg,

7. Den Weg derer, denen Du Gnade erwiesen hast, die nicht (Dein) Mißfallen erregt haben und die nicht irregegangen sind.“

Ein Staatsoberhaupt als Imam:

Für Beobachter in Istanbul ist klar: Durch diese Geste stellt sich Erdogan in eine Reihe mit den großen osmanischen Sultanen.“ (Belousova; im Original kein Fettdruck)

Die Richtigkeit dieser Mutmaßung zeigte sich u.a. zudem darin, dass Erdoğan unmittelbar nach Ende des Freitagsgebets das Grab von Mehmed II. besuchte, der 1453 Konstantinopel eroberte. Die historische Bedeutung wird klar, wenn selbst die vermeintlich „objektiv“ berichtende Website des türkischen Istanbul Tourist Information meint, explizit darauf hinweisen zu müssen:

„Nach der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen wurde die erste große Andacht am 3. Juni 1453 als Freitagsgebet mit dem Eroberer Fatih Sultan Mehmet abgehalten.“ (im Original kein Fettdruck)

In dieser Tradition also sieht sich der zum Imam ausgebildete Präsident der Türkei. Der 24. Juli 2020 wird in die Geschichte eingehen als Tag der neo-osmanischen Rückeroberung, der Re-Inthronisierung des Sultans, des Endes der durch Atatürk gegründeten Republik Türkei und…

— Analyse und Fazit —

Website-Stellungnahmen: Die Tagesschau-Redaktion sendete ein divergentes Bild. Während Karin Senz auf das Auftreten und die Botschaften von Erbaş nicht einging, sprach Christian Buttkereit schriftlich (nicht aber in seinem Audio-Beitrag für den BR!) Klartext. ZDFheute ging auf seiner Website sogar noch ausführlicher als Buttkereit auf die Botschaft des „Gebets“ ein.

vs.

TV-Stellungnahmen: Doch weder in Jörg Brases Bericht für das heute-journal noch in Oliver Mayer-Rüths Beitrag für die tagesthemen vom 24.7.2020 wurden weder Erdoğan als Imam noch Prediger Erbaş auf das Schwert gestützt gezeigt. Auch die Moderatoren beider Sendungen übergingen (verschweigend, aber politisch höchst korrekt) die Thematisierung dieser Symbolik: und zwar völlig!!

Stört das doch das Bild des ach so friedfertigen Islams und der ach so friedfertigen Migranten, die sich dank Mutti und Gutmenschenpack mittlerweile millionenfach in Deutschland tummeln, dank Lobbyisten ungestört (auch aus den Parlamenten heraus) agieren und zudem noch großzügig alimentiert werden.

Nur wenig beachtete Medien (u.a. auch Deutschlandfunk Kultur: Audio, nicht TV!) und die böse, böse, ach so böse AFD redet wieder mal Klartext. Auf dass der Verfassungsschutz diese Störer des dhimmi-Wohlgefühls endlich komplett – und nicht nur den „Flügel“ – liquidieren möge!! Auf dass es auch in Deutschland bald von den Minaretten schalle:

Allāhu akbar!

 

Alex Michaelides‘ Plädoyer für Alkestis in ‚Die stumme Patientin‘

Alex Michaelides, Die stumme Patientin. Psychothriller. Aus dem Englischen von Kristina Lake-Zapp. München, 2019

Euripides, Ausgewählte Tragödien in zwei Bänden. Griechisch und Deutsch. Aus dem Griechischen von Dietrich Ebener. Herausgegeben von Bernhard Zimmermann. Mannheim, 2010

Euripides, Alcestis, ed. David Kovacs, perseus (online)

Yassin Musharbash, Jenseits. Thriller. Köln, 2019

Wilhelm Nestle, Euripides. Der Dichter der griechischen Aufklärung. Stuttgart, 1901

Alex Michaelides eröffnet seinen Psychothriller mit einer Frage: „Aber warum spricht sie nicht?“, die er vorgibt, aus „Euripides, Alkestis“ (im Original kein Fettdruck) entnommen zu haben. Im Lauf der Handlung kommt der Autor immer wieder auf die Sprachlosigkeit zu sprechen, wobei er Parallelen zwischen seiner Protagonistin, der stummen Patientin, und der Alkestis (Ἄλκηστις) des Euripides zieht.

Die angesprochene Stelle bei Euripides lautet: τί γάρ ποθ᾽ ἥδ᾽ ἄναυδος ἕστηκεν γυνή; (1143) Dietrich Ebener übersetzt diese Stelle sehr nah am Original: „Warum steht eigentlich mein Weib so schweigsam [ἄ-ναυδος: sprachlos/stumm] da?“ Der deutsche Titel des Psychothrillers Die stumme Patientin trifft insofern das im Stück des Euripides beobachtete und genannte Verhalten sehr genau.

Als Grund für dieses Verhalten lässt Euripides durch Herakles dem Ehemann der Alkestis, Admetos, der die Frage stellte, antworten:

„Du darfst noch nicht vernehmen ihren Gruß, bevor / den Göttern sie der Unterwelt als Sühneopfer / gespendet und bevor der dritte Tag anbricht.“ (1144-46; Übersetzung Ebener)

Alkestis, die sich für ihren Ehemann opferte und starb, wurde in Euripides‘ Stück von Herakles dem Tod (der im Stück als Akteur auftritt) entrissen und als von den Toten Auferstandene ihrem Ehemann zurückgebracht.

Im Unterschied zu Euripides‘ Alkestis wird die Protagonistin in Michaelides‘ Psychothriller in nicht zwei, sondern drei Phasen vorgestellt: als Ehefrau vor dem Verstummen, als Verstummte (und Mörderin ihres Ehemanns) und nach ihrem Verstummen (während der Therapie). Zudem fehlt bei Michaelides der Bezug zur Welt der Götter und Heroen. Er reduziert die Figur Alkestis auf den Aspekt der Selbstopferung:

„Alkestis ist die Heldin eines griechischen Mythos, eine Liebesgeschichte der traurigsten Art. Alkestis opfert aus freien Stücken ihr Leben für ihren Ehemann Admetos, stirbt an seiner Stelle, da niemand sonst dazu bereit ist. Ein verstörender Mythos der Selbstopferung, zumal es unklar war, in welchem Zusammenhang er mit Alicias [der stummen Patientin] Situation stand. Die wahre Bedeutung dieser Anspielung erschloss sich mir eine geraume Weile lang nicht. Bis eines Tages die Wahrheit ans Licht kam …“ (17; im Original kein Fettdruck)

— Frauen, die sich freiwillig opfern, kommen bei Euripides häufig vor:

Iphigenie ringt sich nach zwar heissem aber natürlichen Kampfe mit jugendlicher Lebenslust zu dem Entschluss durch, sich für Hellas zu opfern (Iph. Aul.1386 ff.); Makaria geht für das Wohl der Ihrigen in den Tod (Heraklid 500 ff.); Andromeda lässt sich von ihrem Vater Kepheus an einen Felsen schmieden, um das Land von einem Ungeheuer zu befreien, während [nicht nur] Alcestis [sondern auch], Euadne und Polyxena aus persönlichen Motiven mutvoll dem Tod ins Auge schauen.“ (Nestle, 279; im Original kein Fettdruck)

Euripides hingegen beginnt sein Stück mit dem Auftritt des Gottes Apoll, der berichtet, dass und warum er sich am Hof von Admetos aufhält. Gottvater Zeus habe ihm befohlen, sich als Tagelöhner zu verdingen zur Strafe dafür, dass er die Kyklopen erschlug. Apoll freilich mordete aus Rache, da Zeus zuvor „die Brust [von Apolls Sohn Asklepios] ihm traf mit seinem Blitz.“ (3; Übersetzung Ebener)

Die griechischen Götter der Zeus-Ära: Ein Geschlecht von Mödern!! Der oberste Gott, Gott Zeus, selbst Mörder, der seinen Bruder, Gott Apoll, ebenfalls Mörder, als Mörder bestraft: vorübergehend einem Sterblichen!! zu dienen. Welch unerhörter Fall!! Welch Schmach!! die Euripides der Aufklärer hier kundtut!!

— In den Buchreligionen undenkbar: Gott ist unfehlbar – wie auch sein mächtigstes Fußvolk: Propheten und Papst. Wehe dem, der daran frevelt!  — Im Islam ist sogar des Propheten Kinderficken und Massenmord – zumindest – toleriert. Hierauf baut der IS seine Ideologie auf. In Yassin Musharbashs Thriller Jenseits liest sich die Selbstrechtfertigung und -ermächtigung eines IS-Kämpfers zu morden (in Form eines fiktiven Gesprächs mit Abu Karim, als dem Strenggläubigen aber Friedfertigen, der ihn zum Islam brachte) so:

„Wenn ich zu Lebzeiten des Propheten gelebt hätte, habe ich zu dir gesagt, was hätte der Prophet, Friede sei auf ihm, wohl entgegnet, wenn ich ihm gesagt hätte: »Halte inne, Muhammad! Töte die Ungläubigen nicht! Verschone ihre Hälse, ihre Frauen, ihre Dattelpalmen – der Islam ist doch die Religion des Friedens!« Du wärest doch heute gar kein Muslim, Abu Karim, wenn es so gelaufen wäre – weil der Islam es niemals auch nur bis nach Mekka geschafft hätte. Das habe ich dir an den Kopf geworfen.

Der Prophet, Abu Karim, hat selbst ein Schwert geführt. Er hat getötet.

Du nicht. Aber Abu Muhammad schon! So habe ich mit dir geredet.“ (167; im  Original kein Fettdruck)

Ein weiterer Unterschied zu Euripides ist, dass die stumme Patientin nicht auf die Rolle Ehefrau restringiert dargestellt wird. Nicht nur, dass sie als Mörderin die Rolle des Todes übernimmt, sie wird auch – und das wird für die Entwicklung des Thrillers entscheidend – (bereits zu Beginn) als Künstlerin vorgestellt:

„Alicia schwieg zwar – aber sie machte dennoch eine Aussage. Ein Gemälde. Sie fing an, es zu malen, nachdem sie aus dem Krankenhaus entlassen und unter Hausarrest gestellt worden war, bevor der Fall vor Gericht ging. Laut der vom Gericht bestellten psychiatrischen Betreuerin aß und schlief Alicia kaum – alles, was sie tat, war malen. […]

Bei dem Bild handelte es sich um ein Selbstportrait. Sie betitelte es in der unteren linken Ecke der Leinwand, in hellblauer griechischer Schrift.

Der Titel bestand aus einem einzigen Wort:

Alkestis.“ (16)

Eine weitere Schlüsselszene im Psychothriller ist die Stelle, wo Alicia ihren Vater unbeabsichtigt belauscht, nachdem seine Frau den von ihr willentlich verursachten Autoaufprall gegen die Wand nicht überlebte, seine auf dem Beifahrersitz angeschnallte Tochter jedoch schon:

„Eva … Warum musste sie sterben? Warum ausgerechnet sie? Warum konnte nicht stattdessen Alicia sterben? […]

So wie Admetos Alkestis zum physischen Sterben verurteilt hatte, hatte Vernon Rose seine Tochter zum psychischen Tod verdammt. Admetos musste Alkestis auf eine gewisse Art geliebt haben; in Vernon Rose dagegen war keine Liebe zu finden, nur Hass. Was er getan hatte, was seelischer Kindsmord, und Alicia wusste das.“ (308)

Dieses Erlebnis wird als Grund für den Mord am Ehemann nachträglich benannt:

„Aber eines Tages brechen all der Schmerz, all die Wut wieder hervor, wie Feuer aus einem Drachenbauch – und man greift zu einer Waffe. Man richtet seinen Zorn nicht gegen den Vater, der tot und unerreichbar ist, sondern gegen den Ehemann, der einen Platz im eigenen Leben eingenommen hat, der einen liebt und das Bett mit einem teilt.“ (309)

Doch das ist freilich nicht die ganze Wahrheit: Michaelides‘ Thriller ist wesentlich komplexer und entwickelt sich in eine für den Leser unerwartete Richtung — vorgetragen in einer Art Doppelbiographie, deren Stränge gekonnt aufeinander zu geführt und ineinander verschlungen werden…

Prädikat: lesenswert!

Imam Husamuddin Meyer quakt auf Kulturzeit

Kulturzeit, 13.11.2019, ab min. 10,13

Imam Husamuddin Meyer mit weißem Turban auf rotem Grund, mit extrem langem weißen Bart nach Fundi-Art drapiert, einem kaftanmäßigen Kittel über dem Hemd und einem Holzspazierstock mit gerundetem Griff in der Linken sieht aus wie einem Karnevalskostümverleih — spezialisiert auf Mittelalter-Orient — entsprungen.

Einiges seines Lieblingsblabla aus dem nachfolgend vollständig widergegebenen Dialog mit Kulturzeit-Moderatorin Cécile Schortmann zu dem ängstlich aus der Türkei zurück-erwarteten IS-Gevolk in Fettdruck.

CM: Live bei mir im Studio ist jetzt der Imam Husamuddin Meyer. Er ist spezialisiert auf die Deradikalisierung von Islamisten, arbeitet als Seelsorger in der JVA in Wiesbaden und ist dort auch für junge IS-Anhänger zuständig. Herzlich willkommen, Herr Meyer.
HM: Dankeschön.

CS: Die Nervosität, die Aufregung in Deutschland ist g‘rade groß wegen dieser IS-Anhänger, die hier zurückerwartet werden.

[Abgeschoben von Muttis Liebling Erdoğan, mit dem sie seinerzeit einen großartigen Deal aushandelte…]

Sie haben Erfahrung mit solchen Radikalisierten. Wie mit ihnen umgehen? Und wie viel Gefahr geht von ihnen aus?
HM: Ja, zunächst muss ich da ein bisschen was korrigieren, weil meine Aufgabe ist eigentlich die Seelsorge

[so wie unser Oberpfaffe Gauck und Pfaffentöchterlein Mutti. Och, da wird einer/einem ja richtig warm um‘s Herz]

und die religiöse Betreuung

[Wie die wohl aussieht? Beispiel gefällig?

„Und die Ungläubigen – zur Hölle sollen sie versammelt werden“ (8,37)]

im Gefängnis, nicht die Radikalisierung. Aber ich mach diese Arbeit seit elf Jahren und hab schon von Anfang an festgestellt, dass dieses Thema immer wieder aufkommt, dass immer wieder Fragen dazu gestellt werden: Ist Terrorismus im Islam erlaubt? Und natürlich, als dann diese Hochphase kam, wo ganz viele Leute sich angezogen gefühlt haben und von dem sogenannten Islamischen Staat, ich sag lieber Satanischer Staat,

[vgl. Satanische Verse…]

weil mir das gar nicht gefällt, dass das in diesem Zusammenhang so genannt wird; und dann sind natürlich auch schon die ersten zurückgekommen. Man muss sagen, die meisten, mit denen ich im Gefängnis arbeite, sind normale Kriminelle; aber es sind viele, es sind, sagen wir mal, 10-15 Prozent der Leute, sind anfällig für Radikalisierung, wenn einer mal kommt, der ideologisiert ist. Und deswegen ist dieses für mich natürlich immer, birgt immer eine Gefahr in sich. Wenn jemand kommt, der ideologisiert ist und der dann auf Leute trifft, die Wut in sich haben [sogenannte Wutbürger] und diese Wut gerne kanalisieren würden; und ihre kriminellen Handlungen, die sie vorher schon

CS: Was machen Sie dann in diesem Moment, wenn Sie das merken?
HM: Also, wichtig ist erst mal, dass man die große Mehrheit schützt, indem man immer predigt, in den Freitagspredigten, die wir auch anbieten im Gefängnis, dass man schon mal eine Grundimmunisierung versucht zu erzeugen bei den Leuten, die dafür anfällig sein könnten. Dann ist natürlich, das seelsorgerische Angebot ist freiwillig. Das heißt nur diejenigen kommen in den Genuss, die selber dies wünschen. Und häufig ist es dann so, dass die Ideologisierten erst mal nicht mit einem Imam sprechen wollen, der nicht ihrer Meinung ist, der einer anderen Richtung, sozusagen, folgt. Und da braucht man erst mal viel Geduld. Aber meine Erfahrung ist, dass die Leute doch, wenn sie eine Weile da sind, dann eben das Angebot in Anspruch nehmen und auch gerne mal mit jemandem sprechen, der Muslim ist und der auch theologische Kenntnisse hat und wo man dann auch theologische Gespräche führen kann.

[ER aber „stärkte euch durch seine Hilfe und versorgte euch mit guten Dingen, auf daß ihr dankbar sein möchtet.“ (8,27)

Und so offenbarte ER den Engeln:

„Ich bin mit euch; so festiget denn die Gläubigen. In die Herzen der Ungläubigen werde ich Schrecken werfen. Treffet (sie) oberhalb des Nackens und schlagt ihnen die Fingerspitzen ab!“ (8,13)

Ach, wie friedfertig ist doch Allah. Gepriesen sei seine Barmherzigkeit! Und die seiner Vollstrecker, seiner Henker. Wie im Himmel so auf Erden!]

CS: Aber jetzt noch mal zurückzukommen auf die Leute, die jetzt hier erwartet werden. Die werden nicht alle ins Gefängnis kommen. Denn sie sind ja nicht nur, weil sie eine gewisse Ideologie verfolgen, gleich für den Knast, sozusagen, bestimmt. Da gibt‘s ja gar keinen Grund. Wie geht man mit diesen Menschen um? Wie kann man sie integrieren wieder in diese Gesellschaft?
HM: Ja, natürlich wird versucht, jetzt, bei denen eine Straftat nachzuweisen. Und ich kann jetzt nur von meiner Arbeit im Gefängnis sprechen. Wichtig ist vor allem, dass man, also, meine Aufgabe sehe ich darin, dass ich mich um die Seele kümmere der Menschen, dass ich auch schaue, was ist der Hintergrund. Warum sind die Leute überhaupt so geworden und wie sieht ihr innerer Zustand jetzt aus? Weil häufig ist ‘ natürlich schon so, und wir wissen alle nicht, wie die letzten, die jetzt zurückkommen aus Syrien, wie die drauf sind. Die ersten, die zurückgekommen sind, mit denen ich bis jetzt gearbeitet habe, sind fast durch die Bank desillusioniert gewesen. Die haben festgestellt, es war alles ganz anders dort unten als sie dachten. Und da war‘s natürlich nicht schwer. Da muss man natürlich dann schauen, inwieweit sind sie traumatisiert. Hab‘n sie Dinge erlebt oder eventuell sogar selber gemacht, die großen Schaden angerichtet haben an ihrer eigenen Seele auch. Oder, wie das jetzt bei den neuen ist, die jetzt kommen und länger geblieben sind. Ob die stärker ideologisiert sind, das wird sich dann zeigen nachher.

CS: Aber dennoch, Sie sind ja der Überzeugung, dass wir das schaffen.

[Wie einst Hilfspfäffin Mutti vorgab.]

Sie gucken da positiv in die Zukunft und sagen, Sie gehen von ungefähr 80 Männern aus, oder auch Familien, die hier hin kommen. Und Sie meinen, wir werden das im Griff haben?
HM: Also, von diesen 80 sind wahrscheinlich nur wenige Männer, die meisten sind Frauen und Kinder. Da ist es noch mal anders. Und das ist natürlich wichtig, dass mit denen, es gibt auch extra Deradikalisierungsprogramme, die dann gezielt mit diesen Leuten arbeiten. Meine Aufgabe ist die Seelsorge. Ich kümmere mich um den Menschen. Ich schau den Menschen erst mal ganz normal an und versuche festzustellen, ist denn das Herz getötet worden, sozusagen, durch den Aufenthalt dort unten. Weil durch diese Gehirnwäsche, die dort stattfindet, versucht man ja das Herz zu töten auf eine Art. Sonst ist man nicht in der Lage, diese Gewaltverbrechen dort durchzuführen. Und meine Aufgabe ist dann erst mal, das Herz wieder zu wecken und zu versuchen, dann da ein Gefühl, eine Barmherzigkeit wieder ‚vorzulocken und eventuell zu schauen, wie man die Wunden heilen kann, die da entstanden sind durch den Aufenthalt [: dort unten].

CS: Wir sehen das bei sehr brutal kämpfenden Menschen des IS. Was machen Sie für Erfahrungen? Was sind da, was stecken da, wenn Sie sagen: wir gucken da auf die Seele, für Menschen dahinter?
HM: Ja, bis jetzt, diejenigen, mit denen ich gearbeitet habe, die sind dahin gegangen aus verschiedenen Gründen, aus Abenteuerlust, weil die sind oft sehr jung gewesen, das waren oft 15-16-Jährige, die da verführt worden sind dahin zu gehen, weil sie was erleben wollten, weil sie vielleicht auch gedacht haben, dort wird man nicht diskriminiert, dort geht man in den Islamischen Staat. Das war eher ein genialer Werbetrick, dass sie das so genannt haben. Und dann sind sie dort angekommen und haben festgestellt, da kann man sehr schnell umkommen. Man kann sehr schnell geköpft werden von den eigenen Leuten.

[Köpfen: das darf man eben nur den andern antun, den kuffār. Die haben’s verdient! Ist’s doch SEIN Auftrag! (siehe 8,13)]

Die haben mir berichtet von dem Nachbarn, der grade mit ihnen gegessen hat, dessen Kopf dann nachher in der Mitte des Raums lag. Das sind natürlich schon Sachen, die man sich gar nicht vorstellen kann hier; und wo man schauen muss, wie kann man so was verarbeiten.

CS: Sie sagen, im Gefängnis sorgen Sie möglichst dafür, dass halt diese wirklich ideologisch Radikalisierten gar nicht mit denen zusammenkommen, die vielleicht eine Wut in sich tragen und anfällig dafür sind. Wie kann man denn generell, wenn wir in die Zukunft blicken, Radikalisierung vermeiden? In diese Richtung Islamismus?
HM: Ja, da gibt‘s, ja da müssen natürlich auch die Moschee‘, die Imame müssen da stärker zur Brust genommen werden, das heißt die müssen sich stärker mit dem Thema beschäftigen, dass da auch in den Moscheen; das ist jetzt nicht so, dass da, die Moscheen Brutstätten sind. Das nicht, aber die Imame sprechen nicht über das Thema immer. Und dann gibt‘s oftmals so kleine Gruppen, die dann sich bilden und die dann über solche Themen vielleicht nachdenken, weil die Themen nicht bearbeitet werden. Es gibt keinen Schulunterricht, wo über Islam gesprochen wird.

[Ach ja?]

Ich meine, im Gefängnis stellt man fest, die Leute interessieren sich alle für Islam. Die halten sich alle für Muslime selbst, haben aber überhaupt keine Ahnung von Islam. Die wissen gar nicht, was Islam ist, das heißt weil eben in den letzten 20 Jahren gar kein Unterricht stattgefunden hat. Die ganze junge Generation ist völlig ungebildet, und die hören dann nur diese Sachen, wenn dann jemand kommt, der denen beibringt, das ist der Islam. Und wenn sie dann noch die nötigen Voraussetzungen dafür haben, sie werden diskriminiert, sie haben Wut in sich, sie haben vielleicht schwierige familiäre Situationen, dann sind sie dafür möglicherweise anfällig.

CS: Herr Meyer, ich danke Ihnen sehr, dass sie hier waren. Und weiterhin viel Erfolg.

Oh, welch Freude, solch von der Mehrheit, den scheiß kuffār, gedemütigte, diskriminierte, klammheimliche Wutbürger-Experten um uns zu haben.

„Wußten sie denn nicht, daß Allah ihre Geheimnisse kennt und ihre vertraulichen Beratungen und daß Allah der beste Kenner des Verborgenen ist?“ (9,78)

Frohlocket, ihr Bürger.

Frohlocket, ihr einfältiges Dhimmigezücht.

Home-grown Islamism: „Generation Allah“ in Deutschland

Werner van Bebber, Islam-Experte sieht „Generation Allah“ aufwachsen, DER TAGESSPIEGEL online, 5.2.2019

Regina Mönch, Zerrieben zwischen zwei Kulturen, FAZ online, 15.9.2018

Majd Abboud, „Von Anfang an zum Scheitern verurteilt“, CICERO online, 28.9.2018

Uwe Müller, Ein Toter nach Streit zwischen Deutschen und Afghanen, WELT online, 9.9.2018

Kersten Knipp, Der tiefe Fall der Freien Syrischen Armee, Deutsche Welle (DW) online, 3.2.2018

Hilarion G. Petzold, Wie gefährlich sind Religionen und   wie riskant sind ihre Fundamentalismuspotentiale?, Psychologische Medizin, 27 (2016) 3, S. 20-38

Ahmad Mansour, Autor mehrerer Bücher zum Thema Integration, „sieht“ — so Werner van Bebber in seiner Rezension zu Mansours Buch

Klartext zur Integration; Gegen falsche Toleranz und Panikmache, veröffentlicht in 2018 —

„eine „Generation Allah“ heranwachsen, die nichts weniger will als Integration und keine Vorstellung von Zusammenleben hat.“ (im Original kein Fettdruck)

Dies verdeutliche Mansour

am Beispiel eines Bekannten namens Nader.

[Genau, liebe Gutmenschen: Nur 1 einziges, klitzekleines Beispielchen. Völlig unrepräsentativ. Also eine komplett zu vernachlässigende Größe. Logo.]

Wer Nader frage, was er sei, bekomme zur Antwort „Palästinenser und Moslem“,

[in Fällen anderer Nationalität entsprechend: Syrer + Moslem, Afghane + Moslem, Marokkaner + Moslem, etc.]

obgleich Nader schon seit Jahren die deutsche Staatsangehörigkeit besitze.

[uns Deutschen als Nation ist eben jede/-r willkommen. Müssen wir doch der Welt zeigen, dass wir aus unserer Geschichte (der Schande) gelernt haben und uns nun zurecht ins Lager der Gutmenschen mit-rechnen, mit Bush und Konsorten auf der Seite der Guten kuscheln dürfen…]

Nader gebe sich als Patriarch. Er sagt seiner Frau und seinen Kindern, was sie zu tun haben. Er arbeitet schwarz und nimmt die Unterstützung der Behörden mit. Was er für seine Kinder wünsche? „Sie sollen die Ehre der Familie hochhalten. Sie sollen wissen, woher sie kommen, wissen, dass sie Palästinenser sind und sonst nichts – und auf mich hören.“ Soweit der Bürger Nader, der „mittendrin“ in einer Parallelgesellschaft lebe. Man liest diese Beschreibung eines Menschen und fragt sich: Warum sollte er sich ändern, nachdem er von Gaza nach Berlin gezogen ist? In seiner Welt ist er der Chef. Die Frau gehorcht, die Kinder respektieren ihn.

Die Männer um ihn herum sind wie er. Sein Patriarchat ist unangefochten und zweifelsfrei. Er lebt, wie er in Gaza gelebt hat – nur sicherer. Warum sollte er sich integrieren?“ (im Original kein Fettdruck)

Sehr richtig.

Er wär‘ auch schön blöd, wenn er das tun würde: sich integrieren. Also seine unangefochtene Position als „Herr“ im eigenen Haus (unter seinesgleichen: Palästinenser + Moslem) riskieren und gegen die als „Knecht“ im fremden Haus (unter den andern: den Deutschen + den Ungläubigen) eintauschen würde. Außerdem ist es für ihn nur recht und billig, dass die scheiß Ungläubigen für ihn, den Rechtgläubigen zahlen. Sollen sie doch froh sein, am Leben gelassen und nicht über den Haufen gefahren zu werden. Und sie, die dhimmis, diese Würmer unterwerfen sich ohnehin nur allzu gern, nehmen nur allzu gern die ihnen zugewiesene Rolle des „Knechts“ ein. Wie verachtenswert! Dieses ehrlose Pack!! — — Tja, ihr Gutmenschen, egal wie toll ihr euch fühlt, in den Augen echter, „Eier“, Ehre habender Moslems seid ihr nur: der letzte Dreck!

Hier 1 weiteres — keine Angst! — nur noch 1 einziges weiteres, 1 ebenso klitzekleines, also wiederum komplett zu vernachlässigendes Beispielchen (mehr) aus Mansours Buch, das sich in der FAZ findet. Rezensentin Regina Mönch greift es auf schreibt:

Die Vorgesetzten verzweifelter Lehrer oder Jugendamtsmitarbeiter, die sich an Mansour gewandt hatten, sehen das oft anders, ob überlegt oder nur ignorant, ist egal. Doch wenn sie einen Lehrer sanktionieren, weil er einen kleinen Jungen, der fast kollabiert ist – Unterricht im Ramadan – freundlich dazu bringt, doch einen Schluck zu trinken, klingt das wie eine Geschichte aus dem Tollhaus. Sie ist aber leider wahr und kein Einzelfall.

[Wie? Was? Doch „kein Einzelfall„???

Das MUSS ein politisch inkorrekter Schreibfehler sein. Wir Leser bitten um (politisch korrekte) Richtigstellung! Aber hopp, hopp, ihr (Neo-)Nazis!!]

Die frommen [!] Eltern hatten sich danach bei der Schulaufsicht beschwert. Fazit: klarer Verstoß gegen die Religionsfreiheit.“ (im Original kein Fettdruck)

Was sonst?!

Außerdem ist der Islam dem Christentum überlegen. Schon allein deswegen, weil Prophet Mohammed nach Prophet Jesus gelebt hat – wie eine Bahá’í-Gläubige mir gegenüber argumentierte. (Wohlgemerkt: Diese Sektierer geben vor, gegenüber allen Religionen wertneutral zu sein. Ha ha!!)

Übrigens:

Keine Rezension zu diesem Buch Mansours in der SZ! (Zumindest nicht in deren Online-Ausgabe) bisher. So kann man/frau auch zeigen, dass Leute wie Mansour unwillkommen sind. Dieser Nestbeschmutzer! Dieser den Islam Schlecht-Redner!! Schämen soll er sich!!! Verpissen soll er sich!!!!

Also wirklich. Sind doch alle so süß und lieb, die ach so süßen, lieben Flüchtlinge. Insbesondere die. Nicht wahr?

Frauen prügeln? Kein Problem (gedeckt durch den Koran). Kinderehe? Kein Problem (gedeckt durch Hadithe). Weihnachtsmärkte plattfahren? Pure Ausnahmstat (von IS-Irren). Deutsche abstechen? Selbst schuld: weil selbst mit-prügelnd (Fall Ochtrup/Münster), vor-erkrankt (Fall Köthen), etc. Wird sich schon ein Grund finden, um auf Freispruch zu plädieren. Nicht wahr, Richter Beier??

So wundert es andererseits auch nicht, dass die — Gott sei Dank! nicht wenigen — Flüchtlinge, die tatsächlich integrationswillig waren und wenn wir Glück haben — allen Fehlleistungen deutscher Toleranz-Politik zum Trotz — vielleicht sogar immer noch sind, von der Gutmensch-Politik enttäuscht sind und sich abwenden, irgendwann vielleicht gar abwandern.

Einer von denen ist Majd Abboud. Er ist einer von denen, die in 2015 zu Hunderttausenden nach Deutschland kamen, gelockt wurden, wohl wissend, dass es sich um

„Menschen aus einem „fundamentalistischen Mittelalter““ (Petzold, 27)

handelt. Was Gutmensch Hilarion G. Petzold freilich nicht hindert zu relativieren: (im fundamentalistischen Mittelalter stehen gebliebene)

„gewaltaktive Fundamentalisten findet man [auch unter anderen Religionen] an sehr vielen Orten“, (eb.)

von einer „„Systematik der Freiheit““ (eb., 29) zu schwadronieren und uns zu empfehlen, mit diesen Primitivlingen in einen „POLYLOG“ einzutreten, da nur der allein uns „weiterbringen kann“ (eb., 25). Is‘ ja toll. Natürlich könne und müsse ein solcher Polylog — einem anderen Träumer, Habermas zufolge — strikt, absolut vorurteils- und herrschaftsfrei geführt werden.

Just diese naiv-verharmlosende, weltfremd-devot-illusorische Grundhaltung ist es, die (auch) integrationswillige Moslems zum Kotzen finden.

In Cicero resümiert Abboud:

„Da Deutsche und Flüchtlinge von völlig anderen Voraussetzungen ausgehen [hehres Gutmensch-Ideal vs. schnöde Mittelalter-Wirklichkeit], kann ich sicher sagen, dass der Integrationsprozess von Anfang an zum Scheitern verurteilt war.“ (im Original kein Fettdruck)

Abboud sieht das deutsche Staatsversagen vor allem in folgender Hinsicht:

„Deutschland hat […] Maßnahmen ergriffen […], um sich der Lebensweise der Einwanderer anzupassen und sie zufriedenzustellen. So wurden [dem Polylog-Ideal folgend] zum Beispiel neue, auf unterschiedlichen Nationen und Sprachen ausgerichtete Moscheen gebaut, weil die verschiedenen Gruppierungen und Nationalitäten einander nicht tolerieren. Wie soll man aber von den Deutschen erwarten, Toleranz zu zeigen, wenn die neuen Gäste dazu untereinander nicht einmal imstande sind?

Deshalb halte ich die deutsche Regierung für mitschuldig [!], weil sie zu sehr auf die Forderungen der Flüchtlinge eingeht. Es scheint so, als ob die Deutschen den Flüchtlingen mehr entgegen kommen als umgekehrt. […]

Die Tatsache, dass unter den Flüchtlingsströmen auch viele Radikale waren, die im Krieg mitgewirkt und die Chance zur Flucht ergriffen haben, als sie sahen, dass der Kampf gegen die syrische Regierung erfolglos war, ist nicht mehr zu vertuschen. Wir dürfen dies nicht unter den Teppich kehren, denn diese Menschen bedrohen nicht nur den Frieden des Landes, sondern erschweren ganz konkret auch den Aufenthalt derer, die sich gut integrieren wollen.

Unsere Rebellen wussten, dass diejenigen, die an der Seite der USA stehen und die Interessen des Westens [vor allem der CIA] repräsentieren,

[z.B. die sogenannte ‚Freie Syrische Armee‘, die in Wahrheit eine islamistische Räuberbande ist (siehe Kamal Sido)]

sich alles erlauben können. Sie wissen außerdem, dass es in Deutschland eine Regierung gibt, die sich unter dem Deckmantel der Toleranz für Ausländer mehr einsetzt als für die eigenen Leute.

[Wie politisch inkorrekt!! Dieser undankbare Scheißer! Dieser verkappte Neo-Nazi! Als wirklich. Am besten ausweisen! Mit Mansour zusammen abschieben!!…]

Folglich steigen die Ansprüche und damit auch die Undankbarkeit immer weiter.“ (im Original kein Fettdruck)

Tja, mein Lieber: Willkommen in Deutschland!

Im Land der dhimmis und ihrer kuschelig polylogen Untertan-Kultur! (Heinrich Mann)

Frohlocket, ihr Rechtgläubigen!

Allahu akbar!

 

 

Das Recht, die Ehefrau zu schlagen: Was sagt der Koran, Sure 4/5, Vers 34?


Malte Henk und Henning Sußebach: Koran-Sure 4, Vers 34, ZEIT, 3.1.2019, S. 13-15

Zülfü Livaneli, Unruhe, Aus dem Türkischen von Gerhard Meier, Stuttgart 2018

Micheal Lüders, Armageddon im Orient, München 2018

Diyanet erklärt Heirat von neunjährigen Mädchen für zulässig, RP online, 4.1.2018

Kopf ab im Namen Allahs, Cicero online

Nach einigen Absätzen Einleitungsblabla reichen die beiden Journalisten Malte Henk und Henning Sußebach die Motivation für ihr Vorhaben nach:

„Für dieses Dossier haben wir versucht, Sure 4, Vers 34 zu verstehen.“ (13)

Dabei kommt es ihnen einzig und allein darauf an, nur ja politisch korrekt zu sein und den Koran als das zu preisen, was Gutmenschen-Konsens ist, nämlich als Buch der himmlischen Liebe Allahs. Prophet Mohammed wird entsprechend nett charakterisiert: Er, dessen Existenz in der Expertenzunft nicht unumstritten ist, soll seine auch heute noch immer und immer wieder inbrünstig besungene Lieblingsfrau Aisha im Alter von 9 Jahren geehelicht haben. Diesem entzückenden Vorbild entsprechend erklärte nun jüngst, Anfang 2018!, auch die türkische Religionsbehörde Diyanet die Heirat von neunjährigen Mädchen für zulässig.

„Diyanet versicherte [jedoch] angesichts der Kritik, es werde niemals Kinderehen befürworten und sei lediglich an der Auslegung des islamischen Rechts interessiert. Laut einer traditionellen Interpretation des Islam dürfen Mädchen ab neun Jahren verheiratet werden.“

Auch das Köpfen von Ungläubigen soll ihn nicht gestört haben. Ja, er soll es befohlen haben.

„Ibn Ishaq, der bekannteste Biograf Mohammeds, hat uns eine viel sagende Szene überliefert: „Schließlich mussten sich die Quraiza ergeben, und der Prophet ließ sie im Gehöft (…) einsperren. Sodann begab er sich zum Markt von Medina (…) und befahl, einige Gräben auszuheben. Als dies geschehen war, wurden die Quraiza geholt und Gruppe um Gruppe in den Gräben enthauptet. (…) Insgesamt waren es sechs- oder siebenhundert Männer; einige behaupten sogar, es seien zwischen acht- und neunhundert gewesen.“ Diese oft verdrängten und von Mohammed befohlenen Massenenthauptungen des jüdischen Stammes der Banu Quraiza fanden im Jahre 627 in Yatrib statt, jenem Dorf, das später Medina („Madinat el nabi“ also „Stadt des Propheten“) genannt wurde. Mohammed wohnte dem Massaker bis zum Ende bei.“ (Cicero; im Original kein Fettdruck)

Anderen von Mohammeds Nachfolgern erfundenen Sagen (Hadīth) zufolge soll er sogar selbst mit gemetzelt haben. Bei den Autoren des Dossiers hingegen heißt es über den ungebildeten Räuberhauptmann – ganz im Gutmensch-Duktus – euphemistisch: Er sei „aus vornehmen Kreisen“. (13) Mag ja sein. Doch was die beiden Autoren verschweigen, ist der Kontext:

„Arabien […], eines der rückständigsten Gebiete im Orient, lebte bis zum Beginn der Erdölförderung in den 1930er Jahren [!!] in wirtschaftlicher, sozialer und politischer Hinsicht im frühen Mittelalter. Mangels Zentralstaatlichkeit gab es auch keine Sicherheit: Mit Vorliebe überfielen verfeindete Beduinenstämme [wie zu Mohammeds Zeiten] einander oder sie raubten Karawanenzüge aus. Diese Überfälle, arabisch ghazzu (unser Wort Razzia leitet sich davon ab), galten als legitimer und angesehener Erwerbszweig, als Ausdruck von Mannestum. In der Regel verfolgten sie nicht das Ziel, den Gegner zu töten [Wie barmherzig!], sondern ihn auszurauben. Das Ergebnis war allerdings oft genug dasselbe, denn die Opfer, vielfach Oasenbewohner, starben anschließend häufig den Hungertod.“ (Lüders, 14)

Die Phrase von vornehmer Abstammung klingt unter dieser Hinsicht nicht mehr ganz so großartig, nicht wahr!

Und auch die Aussage, Mohammed habe „in eigenartig schöner Reimsprache“ gedichtet, (13) ist nur Idioten-Gequake. Denn die beiden, die das behaupten, geben selbst zu, gar kein Arabisch zu können!

„Wir haben nicht Islamwissenschaften studiert und sprechen nicht Arabisch.“ (13) –

Doch wer weiß? Vielleicht fühlen die beiden sich ja auch zur Prophetie berufen, zur Gutmensch-Prophetie…

Hier ein schönes Beispiel für das, was Mohammed seinen zwei Journalisten-Jüngern zufolge so Schönes dichtete:

„O ihr, denen die Schrift gegeben wurde, glaubet an das, was Wir herabsandten, bestätigend das, was (schon) bei euch ist, bevor wir einige der Führer vernichten und sie umlegen auf ihre Rücken oder sie verfluchen, wie wir die Sabbatleute verfluchten. Und Allahs Befehl wird vollzogen werden.“ (4, 48)

Wunderschön, dieser huldvolle Hass auf die scheiß Juden, nicht wahr? So voller Liebe! Und so herrlich gereimt! Allāhu akbar!

Und dann wird der in Fachkreisen anerkannte Islamwissenschaftler Tilman Nagel von den beiden Volltrottel-Journalisten zwar unwissenschaftlich-inkorrekt, dafür aber umso moralisch-korrekter abgefertigt, zur Sau gemacht:

„Denn er verteidigt mittlerweile die Thesen von Thilo Sarrazin und hat Vorträge bei der AfD gehalten.“ (13)

So ein rechtes Schwein! Logo, dass er so, mit dieser scheiß Gesinnung den

„Politikern der anderen Parteien und auch Medien »in ihrer Mehrheit« einen zu naiven Blick auf den Islam vor[werfe].“ (13)

Also sprach der Journalisten-Gutmensch: „Nagel, du islamophobes Ferkel! Sei verflucht!“ Wie geschrieben steht:

„Allah hat sie verflucht um ihres Unglaubens willen.“ (Koran 2, 89)

Doch zum Glück haben unsere lieben Gutmenschen ja

Angelika Neuwirth, wie Tilman Nagel Mitte siebzig, Professorin für Arabistik, auch sie emeritiert.“ (14; im Original kein Fettdruck)

Voller Freude, doch noch eine unterwürfige Gutmenschin unter den WissenschaftlerInnen gefunden zu haben, lobpreisen die beiden Heilssuchenden ihren Heiland, ihre Gewährsfrau:

„Angelika Neuwirth hat viele Verse im Kopf, jeder ein Argument. Was sie sagen will: Warum starren die Nagels, die Sarrazins und so viele Möchtegern-Islamexperten immer nur auf das schlimme Detail? Pessimisten, die nur das Schlechte sehen wollen, können nicht das ganze Bild erfassen. Es würde sich lohnen, einen Schritt zurückzutreten, findet Neuwirth. Man sehe dann einen barmherzigen Schöpfer.“ (14)

Also sprach der Gutmensch: „Jubiliert, ihr kuffār! Und preist Allahs Barmherzigkeit!“ Wie geschrieben steht:

„Sprich: […] «Wer immer ein Feind Allahs ist und Seiner Engel, und seiner Gesandten, und Gabriels, und Michaels, gewiss ist Allah Feind (solchen) Ungläubigen.»“ (2, 99)

Und allen noch nicht restlos Vereinnahmten, Verblödeten sei gesagt: Barmherzigkeit kennt der Koran nur für die Gläubigen, die ihm Unterwürfigen:

„Nein, wer sich gänzlich Allah unterwirft und Gutes tut, dem wird sein Lohn bei seinem Herrn. Keine Furcht soll auf solche kommen, noch sollen sie trauern.“ (2,113)

Nicht nur dass der Allah des Korans wenig Barmherzigkeit gegen die Ungläubigen kennt, an einigen Stellen zeigt er sich regelrecht gemein und boshaft:

„da sprach Er: «Und auch dem, der nicht glaubt, will ich einstweilen Wohltaten erweisen; dann will Ich ihn in die Pein des Feuers treiben, und das ist eine üble Bestimmung.»“ (2, 127)

Doch immerhin gestehen die beiden Journalisten zu, dass im Koran nur so getan werde, als dass „Gott direkt zum Gläubigen“ spreche. (14) Denn Mohammed sei Machtpolitiker gewesen und habe Allah lediglich benutzt, um seinen Clan, seine Räuberbande an sich zu binden:

„Da waren lauter junge Männer, Kämpfer [!!]. Mohammed brauchte sie. Für sie musste er seine Religion attraktiv machen.“ (13)

Damals wie heute: Unterwerfung im arabischen Raum geschieht

„nach der ghazzu– Methode: Eine Ortschaft wird überfallen, und die Einwohner haben die Wahl. Entweder zahlen sie Tribut und übernehmen die Lehren des Wahhabismus – oder aber ihr Leben endet. Dieses «Alleinstellungsmerkmal», die Verbindung aus Religion und Gewalt, erklärt den Erfolg der Gotteskrieger.“ (Lüders, 29; im Original kein Fettdruck)

Dieser Methode entsprechend sei, Michael Lüders zufolge, auch Ibn Saud bei der Gründung seines Imperiums vorgegangen.

„Ibn Sauds […] Eliteeinheit [… waren die] Ikhwan […], Brüder. Mit ihrer Hilfe gelang es Ibn Saud, in den 1910er und 1920er Jahren weite Teile des heutigen Saudi-Arabien zu erobern. Deren rund 150 000 Kämpfer erwiesen sich allerdings als ebenso fanatische wie brutale Schlächter, die raubten und plünderten und wie schon ihre gewalttätigen Vorfahren ein weiteres Mal Mekka und Medina verwüsteten. [Nicht mal die heiligen Stätten wurden ausgenommen…] Angeblich haben sie mehr als 40 000 Gegner Ibn Sauds geköpft, weiteren 350 000 Hände oder Füße amputiert. […] Weltbild und Vorgehen der Ikhwan zeigen deutliche Parallelen zum «Islamischen Staat» und anderen gewaltbereiten Dschihadisten von heute. Ibn Sauds Gotteskrieger sind, wenn man so will, das Original.“ (Lüders, 33; im Original kein Fettdruck)

Soweit zum von den Gutmenschen verbreiteten Märchen, dass der IS nichts mit dem Islam zu tun habe.

1929 dann liquidierten Ibn Saud und die Seinen die Ikhwan mit

„Hilfe ihm treu ergebener Stämme und der britischen Luftwaffe […]. Tausende wurden getötet, die meisten flohen in den Irak oder nach Kuwait. Zähneknirschend nahmen die Wahhabiten diesen Affront hin und banden sich noch enger an das Haus Saud, um für sich selbst Schlimmeres zu verhindern. So wurden sie zu Juniorpartnern und sind es bis heute geblieben.“ (Lüders, 36)

Der IS und andere Gotteskrieger-Zusammenschlüsse der Jetztzeit sind die Ikhwan von heute. Sie konkurrieren mit Potentaten wie dem Clan der Saud um die Macht im arabischen Raum. Daher, allein deswegen werden sie von den Saudis bekämpft, obwohl sie, ja gerade weil sie ebenfalls Anhänger des Wahhabismus sind.

Und zum Schluss noch eine Gute-Nacht-Geschichte aus Zülfü Livanelis gerade erschienenen und übersetzten Roman Unruhe (Huzursuzluk). Insbesondere den naiv-dümmlichen Gutmenschen gewidmet, auf dass sie anfangen mögen, ihre Weltsicht (ein wenig) zu hinterfragen. (Die Hoffnung stirbt zuletzt.)

„Mit einer Frau in einem Nachbardorf hatte Hasan ein Verhältnis, und sie hat von ihm Zwillinge zur Welt gebracht. Bei ihr war Hasan oft, und als der Bruder das eines Tages erfuhr, ließ er Hasan aufgebracht zu sich nach Hause kommen. ˃Sag ein letztes Mal dein Glaubensbekenntnis, dann dreh dich irgendwohin, aber nicht in Richtung Mekka, denn ich erschieße dich jetzt. Hast du gehört, nicht in Richtung Mekka!˂ Den Bruder zu erschießen, war für ihn keine Sünde, aber einen Mann zu töten, der in Richtung Mekka steht, schon. Und er hat ihn tatsächlich erschossen. Dann ist er in das Nachbardorf, hat die Frau ausfindig gemacht und ihr die Kinder weggenommen. […] Dann hat er die Babys in sein eigenes Dorf gebracht und sie in eine Hütte gesperrt, der durfte sich niemand nähern, sonst hätte er ihn auf der Stelle erschossen. Die Kinder weinten vor Hunger und Durst, aber niemand traute sich, die Tür der Hütte zu öffnen. Tagelang mussten die Leute im Dorf sich das anhören [bis die Kinder tot waren…]
Dieser Mann übrigens, […] wenn der seine Frau schlug, zog er sich vorher aus, und seine Frau ebenfalls […]. Er wollte […] nicht, dass jemand, der die Schreie seiner Frau hörte, ins Zimmer kam und ihn daran hinderte, nach Herzenslust weiterzuprügeln. Es durfte nämlich kein Mann hinein, da im Zimmer eine nackte Frau war, und auch keine Frau, da im Zimmer ein nackter Mann war.“ (Livaneli, 46f)

Wo seid ihr denn? All ihr Feministinnen, Me too-Aktivistinnen, wenn es darum geht, das Prügeln, Vergewaltigen, Morden der süßen Koran-Jünger zu kritisieren? Feige abgetaucht seid ihr, euch hinter eurem Politische-Korrektheit-Schutzschild versteckend. Eure Doppelmoral ist zum Kotzen! Ihr VerräterInnen! Von wegen: Die Menschenrechte gelten universell. Aus Gründen politischer Korrektheit sucht und findet ihr immer wieder aufs Neue Ausflüchte. Schämt euch!

Straßburger Attentäter: Kein Islamist! Hurra?

Philipp Saul; Interview mit Farhad Khosrokhavar, „Er wollte Rache an der Gesellschaft“, SZ online, 14.12.2018

Attentäter war wohl Anhänger des IS, tagesschau.de, 16.12.2018

Am Dienstag, 11. Dezember 2018, schoss der polizeilich Gesuchte Chérif Chekatt auf dem Straßburger Weihnachtsmarkt wahllos auf Passanten. Mindestens vier starben:

„Und Wir haben den Ungläubigen schmähliche Strafe bereitet“ (Koran, Sure 4, Vers 38)

Nur drei Tage später, am 14. Dezember 2018, veröffentlichte die SZ husch-husch ein Interview, das Philipp Saul mit einem Pariser Soziologen – nicht Psychologen! – führte, um in der SZ den dumm-naiven Deutschen der Gutmensch-Front in seinem einleitenden Statement in Fettdruck zu erklären, dass der nette Herr Attentäter, mittlerweile von der französischen Polizei neutralisiert, selbstredend gar nie nicht Islamist gewesen sein könne:

„Der Pariser Soziologe [und übersinnlich-begabte Ferndiagnostiker?] Farhad Khosrokhavar glaubt nicht an ein islamistisches Motiv des Attentäters vom Weihnachtsmarkt. Für ihn ist Chérif Chekatt [nur] ein Krimineller, der religiöse Motive [nur] benutzt hat, um Angst zu verbreiten.“ (im Original alles Fettdruck)

Natürlich, was sonst:

Ist doch der Islam (nach Gutmensch-Lesart) bekanntlich (und zwar wider besseres Wissen!!) per se die friedliebendste, allweise Religion überhaupt; nur dass die Nicht-Gutmenschen, sprich Islamophoben, das einfach nicht wahrhaben wollen.

„Wahrlich, Allah, Er tut nicht Unrecht auch nur für eines Stäubchens Gewicht. Und ist da irgendeine gute Tat, so verdoppelt Er sie viele Male und gibt von Sich aus großen Lohn.“ (Koran, Sure 4, Vers 41)

„Die [aber] Unseren Zeichen Glauben versagen, die werden Wir bald ins Feuer stoßen. Sooft ihre Haut verbrannt ist, geben Wir ihnen eine andere Haut, damit sie die Strafe auskosten. Wahrlich, Allah ist allmächtig, allweise.“ (Koran, Sure 4, Vers 57)

Epilog

Zu früh gefreut, ihr Verharmloser!

Am 16. Dezember 2018 heißt es nunmehr in der Tagesschau: Ätsch, der Mörder sei doch IS-ler gewesen:

„Der Vater des getöteten 29-jährigen [Abdelkrim Chekatt] sagte, sein Sohn sei Anhänger der Terrormiliz IS gewesen.“

 

Todessucht: als Finale übersteigerten Opferwahns

(Elisabeth von Thadden, Fingerspitze ohne Gefühl, ZEIT, 11.1.2018, 51)

(Jan İlhan Kızılhan u. Alexandra Cavelius, Die Psychologie des IS. Die Logik der Massenmörder, Berlin, München, Zürich, Wien, 2016)

In Elisabeth von Thaddens Buchbesprechung zu John Greens Jugendbuch „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“, bekommt man/frau parabelhaft vorgeführt, wohin übersteigerter Opferwahn führen kann: Eine Art Todes-Sehnsucht, wie sie sich auch bei IS-kämpfern zeigt.

Nasser „war wichtig, im Krieg zu sterben, damit er als Märtyrer dastand. Immer, wenn Bomben vom Himmel regneten, ist er auf die Straße gerannt, um in den Explosionen umzukommen.“ (Kızılhan…, 266)

Grundlage hier wie auch im anschließenden Zitat, des Falls der 16-jährigen Protagonistin Aza Holmes ist eine Angststörung.

(Der unter dem Namen Nasser genannte IS-Kämpfer leidet unter dem Wahn, nicht als Märtyrer sterben zu dürfen, wodurch ihm ja – wie schrecklich! – die Jungfrauen im Paradies vorenthalten würden.)

Bei von Thadden allerdings steht die zum Wahn gesteigerte Opferinszenierung in nicht-religiösem Zusammenhang: rein biologisch fundiert gibt sie die Ur-form des Pathologischen: die Zernichtung des eigenen Lebens aus Ekel vor dem Leben, vor allem Leiblichen:

„Dass aber außerdem diese [offene] Wunde, sehr weltlich, im Zeichen der oft analysierten amerikanischen Bakterienangst steht, zeigt das Motiv des dauernd desinfizierten Fingers. Der Puritanismus, der Amerikas Körperfeindlichkeit prägt, bringt hier durch fortgesetzte Desinfektion die Lebendigkeit um ihr biologisch Ureigenstes: lebendig zu sein, also voller Keime. Das muss bekämpft werden, kontrolliert, unterworfen. [!] Und Azas zwanghaftes Kreisen um die eigene Person zieht alles Lebendige in die sich verengende Spirale hinein, der sie ausgeliefert ist und aus der es kein Entkommen gibt.“ →→

„Und Aza wird eines Tages nicht anders können, als Desinfektionsmittel zu trinken, weil sie glaubt, in ihrem Inneren sei alles verseucht.“

Die Islamisten, die Gutmenschen und das Islamophobie-Sprachspiel

(Richard Gutjahr, „An Deiner Stelle würde ich mir in die Hose scheissen, dass meiner Tochter auch mal was passieren könnte.“, ZEIT, 18.1.2018, 6)

(Rassismusvorwürfe nach „Kameltreiber“-Rede, ZEIT online, 15.2.2018)

Journalist Richard Gutjahr, nach eigener Aussage „Augenzeuge des Terroranschlags in Nizza“, was in den sozialen Medien zum Teil vehement bestritten wird, leidet seit damals unter Angriffen von Truthern. Truther: das sind (nach Definition Gutjahr) „die Wortführer, die Verschwörungstheoretiker“, die meinen, nicht nur die Wahrheit zu kennen, sondern sie auch gegen all die, die sich gegen sie verschworen haben, durchsetzen zu müssen; sie wähnen sich im Recht, im Kampf des Guten gegen das Böse das Gute, für das sie stehen, durchsetzen zu dürfen, ja müssen.

Ein Schelm, der dabei nicht an den IS denkt oder an die diversen, zum Teil selbst ernannten, Islam-(Verbands-)Führer und die von ihnen Geführten, die sich, obschon sie untereinander zum Teil heillos zerstritten sind, in einem Punkt Einigkeit demonstrieren: Sie behaupten, von aufmüpfigen kuffār bedroht zu sein. Und so werfen sie all ihren Kritikern vor, auf islamistische Schandtaten, mit denen sie selbstredend nichts zu tun haben, islamophob (über-)zureagieren.

Dieser Vorwurf verfehlt seine Wirkung nicht. Kein Gutmensch, der ja per se multikulti eingestellt ist, der sich vorwerfen lassen will, islamophob zu sein. Denn islamophob ist doch das Gegenteil von multikulti. Gemäß des Grundsatzes Nicht sein kann, was nicht sein darf heißt das: Von Islamisten begangene Gräueltaten sind die Taten einzelner, fehlgeleiteter Individuen, Psychopathen. Alles halb so schlimm. Die Ausnahme ist lediglich die Bestätigung der Regel. Die Flüchtlinge mit ihrem Primitiv-Islam sind eine Bereicherung. Jawohl! Und wehe dem, der dem widerspricht: Der wird mit dem Vorwurf islamophob zu sein in die rechte Ecke gestellt. Schande über ihn!

Ganz anders die Gutmensch-Argumentation, wenn es darum geht einen, der der Gruppe der in der rechten Ecke Stehenden (per Vorverurteilung) bereits zugewiesen ist, sich unflätig äußert. Beispiel die Aschermittwoch-Rede des AfD-lers André Poggenburg, in der er

„Türken in Deutschland als „Kümmelhändler“ und „vaterlandsloses Gesindel“ bezeichnet. „Diese Kameltreiber sollen sich dorthin scheren, wo sie hingehören, weit, weit, weit, hinter den Bosporus, zu ihren Lehmhütten und Vielweibern. Hier haben sie nichts zu suchen und zu melden““ (ZEIT online)

Hier ist dann nicht mehr von einem Einzeltäter die Rede. Vielmehr wird das Verhalten dieses einzelnen und damit seine Widerlichkeit zu einem Vorwurf pars pro toto: AfDler per se sind böse. So äußerte sich beispielsweise

Aydan Özoğuz, die auch [!!] Integrationsbeauftragte der Bundesregierung ist [und deren Brüder bekennende Islamisten sind, was freilich nie erwähnt wird], warf Poggenburg vor, sich „außerhalb unserer demokratischen Grundordnung“ zu stellen. [Um dann zum Pauschalurteil überzuleiten:] „Der bürgerliche Putz der AfD bröckelt immer stärker, ihr Fundament ist braun“, sagte Özoğuz ebenfalls dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.“ (ZEIT online; im Original kein Fettdruck)

Dabei hätte Özoğuz durchaus die Möglichkeit gehabt, die AfDler als Gruppe anzugreifen: da das Publikum seinem Redner applaudierte und sogar „Abschieben!“ forderte.

Ach, was wären all die Meinungsführer von rechts wie links qua Amt ohne die, die ihnen wie Hammel hinterher traben und mit-blöken.

Über das weite Feld der Mitläufer schreibt Gutjahr:

„Der Großteil derer, die Truther- und Hass-Videos liken oder teilen, sind harmlose Mitläufer. Doch man sollte ihre Rolle nicht unterschätzen. Erst dadurch, dass sie den Hass weiterverbreiten, werden die Wortführer in die Lage versetzt, Macht über ihre Verleumdungsopfer zu gewinnen.“

Ach, ihr Gutmenschen, die ihr euch über die AfDler so herrlich in Rage reden könnt. — Eure Scheinheiligkeit ist mittlerweile so eklatant, dass euch immer weniger glauben: Nach Umfragen derzeit 15 Prozent für die AfD. Das habt ihr (mit) zu verantworten. Und je mehr ihr Probleme leugnet, schön redet, umettiketiert, desto mehr wächst die Gruppe derer an, die von euch rechts verortet wird und die dann bei nächster Gelegenheit per Wahlzettel gegen euch aufbegehren…

Am Fall Özoğuz kann man zudem lernen, wie frau trotz islamistischer Familien-Vorbelastung zur Sauberfrau wird. Gutjahr zeigt das Argumentationsmuster auf:

Argumentationstrick: sich selbst zum Opfer stilisieren

„Tatsächlich gelingt den Hass-Tätern ein erstaunlicher Trick, den ich schon oft bei meinen Bemühungen, mit den Mitläufern zu kommunizieren, beobachtet habe: die Anführer suggerieren ihren Anhängern, nicht Täter, sondern Opfer zu sein.

[Im Fall von Özoğuz geht das so: Ich bin eine (bekennende) Muslima. Habt mich gefälligst lieb, ihr kuffār! Und falls ihr mich nicht lieb habt, so sage ich euch geradeheraus: Das macht ihr nur, weil ich Muslima bin. Pfui! Ihr seid ja islamophob! Schande über euch! Möget ihr im Höllenfeuer schmoren, wie Allah es für euch vorbestimmt hat!! –– Sie sehen, es ist höchst belebend, sich aus der eigenen Opferrolle heraus echauffieren zu können:]

Das senkt die eigene Hemmschwelle und rechtfertigt Hetze als adäquate Selbstverteidigung gegen ein übermächtiges System.“

In Deutschland ist das System, gegen das die mehr oder weniger radikal-fanatischen Moslems aufbegehren, das der zahlenmäßig (noch) überlegenen dhimmi.

Doch zum Glück leben wir Menschen in der Ambivalenz und so gilt Hölderlins Aussage:

Wo aber Gefahr ist, wächst

das Rettende auch.

Und so könnten ja demnächst die Kirchen, die wegen Unterfüllung eigentlich geschlossen werden müssten, husch husch zu Moscheen umgerüstet, umfunktioniert werden. Das bringt Geld in die Kasse der Kirche und spart zudem Ausgaben des Staats. Welch win-win-Potenzial!

Wann werden wir es endlich schaffen, Jenseits von gut und böse zu kommen, um dann in einen herrschaftsfreien Diskurs eintreten zu können. –

Die alten Griechen waren da schon weiter. Ihre Götter waren per se ambivalent angelegt. Kein Schablonendenken in gut und böse, Gläubige und Ungläubige, Paradies und Höllenfeuer (wie im Koran). Und, Frau Özoğuz, die sie ja behaupten, Deutschland habe keine Kultur (außer Deutsch als Sprache), sei entgegnet: Schauen Sie sich mal um in unseren Städten und sie werden sehen…

Den Haupteingang der Universität Freiburg flankieren zwei Statuen: Homer und Aristoteles: Literatur und Wissenschaft fußend in der von den Vorsokratikern kreierten Geisteswelt: Das ist unsere, das ist europäische Kultur(-Tradition). Ihren geistlosen (Primitiv-)Islam (nebst Kodex: Heirat mit 9 Jahren, wie nun auch in der Türkei wieder erlaubt werden soll, Vielehe, Köpfen, Steinigen, etc. und Logik: Analogieschlüsse, die es jedem Taliban durch Zitieren irgendwelcher Koranstellen erlauben, eine Fatwa zu erlassen) brauchen wir wahrlich nicht zur Bereicherung.