Femizide in der Türkei: unter der AKP auf Rekordhoch

Anne Brühl, Angst vor dem Mann, Auslandsjournal (ZDF), 6.8.2020

Milena Hassenkamp, Die Türkei ringt mit den Frauenrechten, Spiegel online, 8.8.2020

Jürgen Gottschlich, Geschlagen, gewürgt, verbrannt, taz online, 22.7.2020

Konvention des Europarates zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt, Deutsches Institut für Menschenrechte

Femizid: Es sind keine Einzelfälle, mdr online, 10.6.2020

Patricia Hecht, Besser tot als frei, taz online, 7.2.2020

Clemens Zerling, Vom phallischen Hermes zum weisen Trismégistos. Ein Offenbarungsprinzip und seine bunte Ausdrucksfülle, Basel u.a., 2019

Anton Weiher (Hrsg.), Homerische Hymnen, griechisch und deutsch, [Nachdruck der Ausgabe von 1951] München, 1970

Angesichts des jüngsten Vorhabens des Sultans (siehe Rückeroberung der Hagia Sophia zur Moschee) und seiner „Regierungspartei [AKP…], ein internationales Abkommen zu Frauenrechten zu kündigen“, weist Anne Brühl in ihrem Beitrag darauf hin, dass der bei uns zumeist unter dem Schlagwort „Ehrenmord“ diskutierte Themenkomplex in der Türkei unter Erdoğan massiv zunahm: Im Schnitt stirbt in der Türkei jeden Tag mehr als eine Frau durch häusliche Gewalt.

„Für 2019 hat die Plattform „Wir stoppen die Frauenmorde“ (Kadın Cinayetlerini Durduracağız) 474 derartige Delikte gezählt. Bis auf drei Fälle wurden alle Morde von Ehemännern, Ex-Ehemännern, Lebensgefährten oder anderen Männern aus dem unmittelbaren familiären Umfeld verübt.“ (Gottschlich; im Original kein Fettdruck)

Zum Vergleich:

Jeden dritten Tag wird in Deutschland eine Frau durch ihren Partner oder Ex-Partner getötet.“ (mdr; im Original kein Fettdruck)

In 2019 registrierte das Bundeskriminalamt in Deutschland insgesamt 111 Femizide. (mdr)

Einst gerierte sich die AKP-Türkei gar als Vorreiter:

„Die Türkei hatte das Abkommen des Europarats [„Konvention zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt“] als erstes Land überhaupt ratifiziert – 2012.“ (Brühl; im Original kein Fettdruck)

Zum Vergleich:

„Deutschland [hingegen] hat[te erst] am 12. Oktober 2017 die Beitrittsurkunde zum „Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt“ beim Generalsekretär des Europarats hinterlegt.“ (Dt. Institut…; im Original kein Fettdruck)

Heute will sich der Sultan von seinem einstigen Pseudo-Frauen-Kuschelkurs verabschieden. Er passt nicht (mehr) zur Sultan-Maske.

Auffällig nur, dass unsere Menschenrechtsfreunde (insbesondere die der taz) zwar Gewalt gegen Frauen anderswo, hier: der Türkei, lautstark und vehement verurteilen, sich aber kaum echauffieren, wenn bei uns einer der ach so süßen Flüchtlinge/Migranten auffällig wird. Dann greift sofort die allem übergeordnete Maxime der politischen Korrektheit, sprich Maulkorb, und – wenn nicht zu verleugnen – die Einzelfall-Doktrin plus sofortiger/gleichzeitiger Relativierung. So leitete Patricia Hecht ihren Artikel zum Jahrestag der Ermordung Hatun Sürücüs mit dem Satz ein:

„Die meisten Frauen werden hierzulande von Deutschen ohne Migrationshintergrund umgebracht. Die Öffentlichkeit verdrängt diese Tatsache gern.“ (im Original kein Fettdruck)

Ohnehin verbiete sich social profiling: eine Differenzierung nach Nationalität, Religion und allen sonstigen Kategorien, die „Minderheiten“ als besonders gewaltbereit diskriminieren könnten. –: Sind doch alle* ach so süß, die ach so süßen Migranten (extrem) islamistischer Vorprägung aus Syrien, Afghanistan, Irak, etc. und partiell extremistischer Vorprägung wie z.B. der Nordost-Türkei…

In dem Moment, in dem Migranten die Grenze ihres Heimatlandes überschreiten, gilt ihre islamistische Sozialisation als vergeben und vergessen und sie werden zu ach so süßen Flüchtlingen glorifiziert. Helleluja!

Ist doch der Islam, wenn er denn zu uns kommt, eine – wie es im Gutmensch-Sprech heißt – „Bereicherung“: per se. Lehrt der Koran uns amoralischem, ungläubigem, unaufgeklärtem Kapitalistenpack doch unseren selbstverschuldeten Untergang:

„Jedem Volk ist eine Frist gesetzt; und wenn ihre Stunde gekommen ist, dann können sie (sie) auch nicht um einen Augenblick hinausschieben […]

Die aber, die Unsere Zeichen verwerfen und sich mit Verachtung von ihnen abwenden, die sollen die Bewohner des Feuers sein; darin müßen sie bleiben.“ (Sure 7, Verse 35 u. 37)

Wie lange es wohl noch dauern wird, bis unter den Gutmensch-Dhimmis die Forderung laut wird nach Umkehr des Integrationsgebots: —

Sprich Integration von uns kuffār und kāfirūn unter die Herrschaft des Islam

der — inshallah — zahlreichst uns zuströmenden Besser-Mensch-Importe?

—–

* Alle ist u.a. eine Zuschreibung von allen an eine/n: Gott Pan (zu deutsch „all“) erhielt seinen Namen, weil alle der um Zeus versammelten Olympier „von Herzen […] froh und vergnügt wurden“, als Gott Hermes ihnen seinen wider ihr Schönheitsideal gestalteten, sprich doppelt gehörnten, Ziegenbock-bebarteten und -füßigen Sohn voller Stolz präsentierte:

„Pan aber nannten sie ihn, weil er [sie] alle vergnügte.“ (19. Hymne, An Pan, Vers 45ff, hier 47; siehe auch Zerling, 19f.)

Zum Begriff ‚Geister‘ bei Hölderlin – Kritik von Otts „Hölderlins Geister“

Karl-Heinz Ott, Hölderlins Geister, München 2019

Michael Köhlmeier, Das große Sagenbuch des klassischen Altertums, München, 202019

I

Karl-Heinz Otts Buch, eine der Neuerscheinungen zu Hölderlins 250. Geburtstag, setzt sich zum Ziel, Hölderlins Geister zu benennen und wohl auch zu deuten. Einige Seiten vor dem Schluss seines Buchs schreibt Ott:

„Ums Deuten kommt man nicht herum, es geschieht von allein. Jedes Lesen setzt Assoziationen frei; wir haben sie nicht im Griff, sie schweifen in tausenderlei Richtungen.“ (230)

Diesem Konzeptionsprinzip des Aus- und Abschweifens entsprechend ist Otts Buch aufgebaut. Er kommt vom Hölzchen aufs Stöckchen, aufs Blättchen… Alles in steter Bewegung, ohne Halt, zerschwafelt und zerfaselt; und am Ende bleibt dem Leser nur ein Chaosbrei aus Zitaten, von Rück-, Vor- und Querverweisen, Anspielungen und Deutungsanrissen. Ein Gewoge, hin und her, ohne erkennbaren Faden.

II

Der Titel „Hölderlins Geister“ bereits ist schlecht gewählt. Denn er erinnert fatal an Goethes Gedicht „Zauberlehrling“, in dem es heißt:

„Die ich rief, die Geister,

Werd‘ ich nun nicht los.“

Geht es Ott doch nicht um das Anrufen von Geistern zu einem bestimmten Zauberzweck. Die Auseinandersetzung mit den Geistern erfolgt unter anderen, gleichwohl vagen, in der Schwebe gehalten Rücksichten.

III

Hier (einige) Geister-Stellen aus Otts Buch (ohne Gewähr auf Vollständigkeit) – zunächst geordnet nach dem Fortlauf des Buchs:

  • „die große Gleichheit der Geister […] in Freiheit. Monotheismus und Polytheismus sollen sich nicht nur vertragen, sie sollen eins sein.“ (18)
  • In Hölderlins „vereinigungsseligen Kosmos […] beflügelt sein Weingott die Geister, doch stets mit heiligem Ernst. Von Delirien keine Spur, von Barbarei schon zweimal nicht.“ (37)
  • Wieland stellt fest, dass die Einbildungskräfte sprießen wie selten zuvor, aller Aufklärung zum Trotz. Man sehnt sich nach Geistern und nach Phänomenen, die alle Vernunft übersteigen.“ (51)
  • „Liberale Geister kennen keine männliche Standhaftigkeit, sie schwanken und wanken. Baeumler verabscheut den Liberalismus als weibische Kultur.“ (76)
  • „Von nichts ist bei Hölderlin mehr die Rede als von der Einigkeit und Gleichheit der Geister, nach nichts sehnt er sich mehr.“ (162)
  • Hölderlin im Hyperion: „Von Kinderharmonie sind einst die Völker ausgegangen, die Harmonie der Geister wird der Anfang einer neuen Weltgeschichte sein.“ (179)
  • Hölderlin im Gedicht Hymne an die Jugend: „In der Jugend Strahlen sonnen / Ewig alle Geister sich.“ (223)
  • Der letzte Absatz des Buchs lautet: „Ein bisschen steht um die alte Burse herum noch immer die Zeit still, nicht nur bei Nacht. Hört man Schritte hallen durch die Stille, hört man auch noch anderes. […] Es sind Geister, die nichts von Geistern an sich haben. Gespenster ohne Gespenstisches. Anwesenheit könnte man dazu sagen. Anwesenheit aus naher Ferne, von was auch immer.“ (236)

IV

Diese acht Aussagen ließen sich ex post wie folgt ordnen:

In der Auseinandersetzung mit und gegen Kant entstehe, so Ott, ein neues Bedürfnis nach Metaphysik, nach dem, was die Vernunft übersteigt. (3) Diesem Zeitgeist entsprechend habe Hölderlin seine Einbildungskräfte darauf konzentriert, einen jenseitigen Kosmos der Geister zu entwerfen. Dieser neu, besser: erneut zu schaffende Kosmos der Geister sei bei Hölderlin, so Ott, durch Anwendung der Gestaltungsprinzipien von Einigkeit und Gleichheit zu erreichen. (5) Dies setze – wider das Christentum – die Einheit von Monotheismus und Polytheismus voraus. (1) Diese Einheit wiederum könne aber nur durch den Weingott, sprich Dionysos, gestiftet werden. (2) Sobald durch ihn die Einheit verwirklicht worden sei, wäre die Harmonie der Geister geschaffen, die den Anfang einer neuen Weltgeschichte einleitete. (6) Doch nur jugendliche Dichter vermöchten es, einen solchen Kosmos der Geister zu entwerfen. (7) — Doch was die Geister letztlich sind, bleibt bei Ott offen, (8) außer dass sie – politisch vereinnahmt – (nicht bräunlich, sondern) liberal seien (4):

„Die späten Hymnen […, so Ott] weisen tatsächlich ins Offene“ (227)

So endet das Buch, wie es begann: in geisterhaftem Spuk. Erkenntnisgewinn? Fehlanzeige; auch nach 236 Seiten ermüdendem Lesen nicht auszumachen.

V

Dabei gäbe es durchaus Ansatzpunkte der Bestimmung des Begriffs Geister, auf die Ott jedoch mit keinem Wort näher eingeht:

  • Die Vereinnahmung von Christus als letzten der griechischen Götter bei Hölderlin: Dazu gibt es reichlich Literatur. Insbesondere die Parallelen zwischen Christus und Dionysos sind reichlich diskutiert. Doch von Ott kein Wort dazu.
  • Der Große Pan ist tot“, heißt es (auch) bei Ott. (18) Stimmt. Gott Pan war der erste der griechischen Götter, die starben. (Er stank so sehr nach Ziege, dass die anderen Götter sich weigerten, ihn mitzunehmen, wenn sie auszogen, um von den Kräutern zu essen, die unsterblich machen. Und da er kein Unsterblichkeit erhaltendes Kraut mehr bekam: Pech gehabt.) Der letzte war Dionysos: „die Erlöserfigur in der griechischen Mythologie“. (Köhlmeier, 601)
  • Doch Dionysos wurde, laut Hölderlin, wiedergeboren in Christus, wie auch Ott behauptet. (164) Doch inwiefern? Auch dazu findet sich bei Ott kein Wörtchen. Kein Wörtchen zu den Evangelisten und dem Nachhall der altgriechischen Tradition in ihren Schriften… Kein Wort zum Bezug von Mythos und Logos.
  • Kein Hinweis auf das Zitat, mit dem Hegel seine Phänomenologie des Geistes schließt: „aus dem Kelche dieses Geisterreiches / schäumt ihm [dem absoluten Geist] seine Unendlichkeit“. Hegel zitiert hier die Schlusszeilen eines Gedichts (ohne Titel) aus Schillers Philosophischen Briefen, das im Abschnitt Gott steht, mit dem die Briefe schließen:

„Freundlos war der große Weltenmeister,

fühlte Mangel, darum schuf er Geister,

sel’ge Spiegel seiner Seligkeit.

Fand das höchste Wesen schon kein Gleiches,

aus dem Kelch des ganzen Wesenreiches

schäumt ihm die Unendlichkeit.“

  • Auch in den Räubern finden sich mehrere Stellen, die auf Hölderlin (vor)verweisen, z.B. der Ausdruck Harmonie der Geister. (Erster Akt, erste Szene) Doch Ott geht auf Ähnlichkeiten und Differenzen der Begriffswelt / Metaphorologie (Blumenberg) zwischen Hölderlin und seinen Jugendfreunden Hegel und Schelling ebenso wenig ein wie auf die zwischen Hölderlin und Schiller (von dem Hölderlin sich Unterstützung für das Publizieren seiner eigenen Gedichte erhoffte und dessen Werke er daher sehr genau studiert haben dürfte).
  • Besonders disqualifizierend ist folgende Aussage: „Im Übrigen wissen die Griechen noch nicht, dass es sich bei Dionysos und Apoll um ein klassisches Gegensatzpaar handelt. Das ist Nietzsches Erfindung.“ (36) Welch Blödsinn! Es war Gottvater Zeus selbst, der seine beiden Söhne, Dionysos und Apoll, zu den Herren über Delphi bestimmte. (Von Frühling bis Herbst herrschte Apoll und im Winter Dionysos.) Apoll war es, der sich im und über das Orakel offenbarte. Dionysos offenbarte nicht; er wirkte im Verborgenen, im Dunkeln. Nietzsches Erfindung bestand einzig darin, die beiden Wirkmächte des Verbergens und Entbergens der Natur und ihrer Geschöpfe auf die Welt der Kunst zu übertragen. Noch einmal Köhlmeier:

„Apoll und Dionysos verstanden sich wider Erwarten sehr gut. Warum? Weil sie sich ergänzten zu einem. Und das war die allergrößte Gefahr, die dem Zeus drohte, das hat er wohl nicht vorausgesehen. Nämlich zusammen – Apoll und Dionysos, dass Apollinische und das Dionysische –, zusammen waren sie unschlagbar.

Gemeinsam drängten sie den ganzen großen Götterhimmel schließlich zurück. Und in ihrer Verschmelzung gaben sie einer neuen, einer ungeheuer mächtigen Gottgestalt Charakter – nämlich Jesus Christus.“ (614f.)

VI

Wie heißt es bei Hölderlins Odendichter-Vorbild Pindar über die verschwatzten Gelehrten, über die sich sowohl vorher als auch danach Meister der Sprache (sehr hübsch die Xenien von Goethe und Schiller) ebenfalls köstlichst zu amüsieren wussten, so schön:

             μαθόντες δὲ λάβροι

παγγλωσσίᾳ κόρακες ὢς ἄκραντα γαρυέτων

Διὸς πρὸς ὄρνιχα θεῖον·

ihr Allwissen sei nur Krähengekrächze angesichts des göttlichen Vogels des Zeus. (2. Olymp. Ode, Vers 87ff.)

Die Psychologie des IS

(Jan İlhan Kızılhan u. Alexandra Cavelius, Die Psychologie des IS. Die Logik der Massenmörder, Berlin, München, Zürich, Wien, 2016)

(Samuel Schirmbeck, Der islamische Kreuzzug und der ratlose Westen. Warum wir eine selbstbewusste Islamkritik brauchen, Zürich, 22016)

Aufgrund der vielen Fall-Geschichten, der zahlreichen mit (ehemaligen) IS-Kämpfern und Jesidinnen, denen die Flucht aus den Fängen ihrer IS-Sklavenhalter gelang, geführten Interviews ist die Psychologie des IS in diesem Buch von İlhan Kızılhan, einem Experten für transkulturelle Psychiatrie und Traumatologie, und Alexandra Cavelius, einer Journalistin, nicht deduktiv, aus einem theoretischen Konzept heraus, entfaltet. Dies erschwert es, aus den aus den Fallgeschichten entwickelten, hie und da gezogenen Schlüssen und verallgemeinernden Aussagen eine Systematik zu destillieren.

Grundkonzept

Im Kapitel „Interview mit dem IS-Terroristen Abu Dschihad: Wie ein Henker erklärt, was richtig auf der Welt ist“ (58-102), entfalten die Autoren auf wenigen Seiten anhand dieses einen, als Paradigma dienenden Falls die Psychologie des IS.

Laut den Autoren ist der IS dem entsprechend vor allem Manifestation des Protests und der Rebellion von Jugendlichen in islamisch geprägten Gesellschaften gegen die als „schwach“ erlebten Väter, die Patriarchen ihrer traditionell patriarchalischen Gesellschaften, in denen sie aufwuchsen/aufwachsen. Als moralisch und politisch „schwach“ erlebt werden dabei nicht nur die eigenen Väter, sondern auch der Staat als Über-Vater:

„Der Vater, der als Symbol für einen mündigen Staat steht, kann den Kindern, seinen Bürgern, keinen ausreichenden Schutz und keine Perspektive bieten, weil er selbst schwach, möglicherweise korrupt und in einer Doppelmoral lebend, keine wirkliche Vorbildfunktion mehr erfüllt.“ (83)

Regression in die gute alte Zeit: Der Ur-Islam als Ideal von Gemeinschaft

Folglich wenden sich viele Jugendliche von ihrem als „schwach“ erlebten Staat ab und suchen nach einem Gegenentwurf an Stärke. Zugleich manifestiert sich im Erlebnis der Schwäche der Autoritäten auch das Erleben der eigenen Schwäche.

IS-Rekrutierer sind daher gezielt auf der Suche nach Jugendlichen/Heranwachsenden, die labil, nicht-festgestellt sind. Bekanntermaßen findet die Rekrutierung u.a. vornehmlich in Gefängnissen statt, indem (einstige) Gesetzesbrecher, Kämpfer-gegen, Kämpfer der Destruktion zu (künftigen) Kämpfern-für, zur Wiedererrichtung eines Gottesstaats umgepolt werden:

„Das führt dazu, dass sich viele junge Menschen auf der Suche nach einem islamischen Ideal fast romantisch nach der »alten Zeit« sehnen, ohne wirklich zu wissen, was in Überlieferungen und Geschichtsbüchern darüber berichtet wird. Auf diese Weise sind die Einhaltung der islamischen Regeln und die alte Art, sich nach islamischer Tradition zu kleiden, wieder »modern« geworden. Sie folgen einer Idee, die geprägt ist durch die patriarchalische, arabisch-islamische Vision des »Ur-Islams« aus den Anfangsjahren um 622.“ (83)

Daher wollen die IS-Fanatiker den Ur-Islam re-institutionalisieren. Der Gottesstaat ist keine Utopie, ist nicht etwas (völlig) Neues, sondern zielt im Gegenteil auf die Wiedererrichtung, auf den Sprung in den Anfang. (Wobei wir seit Herklit bereits wissen, dass es nicht möglich ist, zweimal in denselben Fluss zu steigen.) Es handelt sich um eine regressive Bewegung, die die Jetztzeit als Verfall und den einstigen Anfang als Ideal ansieht:

„Die IS-Banden […] wollen eine neue Kultur mit einer neuen Jahresrechnung beginnen und alles zurück auf »null« stellen.“ (95)

in den Köpfen dieser dem IS verfallenen Jugendlichen

„findet eine ideologische Neuorientierung statt. Die jungen Leute sind davon überzeugt, den schwachen Vater [und ihre vormals eigene Schwäche] durch ihre eigenen Aktivitäten zu ersetzen und gleichzeitig dadurch Traditionen und Werte, die ein starker Vater ursprünglich verkörpert hat [und verkörpern sollte] gegen den Feind zu schützen und zu bewahren.“ (84)

Hierdurch kommt es zu einer Umwertung der Werte, einer Art negativer Dialektik:

  • In der Selbstwahrnehmung…

„Die eigene Person wird idealisiert, aus dem Versager von einst, dem Marginalisierten und Perspektivelosen, wird der überlegene Befreier der menschlichen Ehre.“ (357)

  • … und dadurch im gesellschaftlichen Rang:

„Ab sofort gilt nicht mehr der [schwache] Vater, sondern der junge [starke] Terrorist, der bereit ist für seine Ideale im Krieg zu sterben, als das neue Vorbild.“ (85)

Das gilt auch für die IS-Bräute. Eine von ihnen drückt ihre damalige IS-Hochstimmung so aus:

Wir „berauschten uns an dem Gefühl, Teil einer auserwählten Gemeinschaft zu sein.“ (373)

Beibehalten wird dabei das „Fundament der patriarchalischen Macht“ (87) in einem Klima der Angst:

Islamic Angst

Den Autoren zufolge war in der urislamischen Gesellschaft der Tod und damit die Angst vor dem Tod allzeit gegenwärtig. Der Tod markierte die Schwelle zwischen einem stets gefährdeten Leben und dem Jenseits:

„Unterschwellig herrschte eine tiefe Existenzangst in der islamischen [Ur-]Gesellschaft. Diese Angst äußerte sich paradoxerweise in einer Todessehnsucht. Das Verstümmeln der Feinde, das Mitschleppen ihrer Köpfe oder Körperteile, wie Ohren und Nasen, sind nur einige Beispiele dieser krankhaften Morbidität aus dem 7. Jahrhundert. Der Tod war im Leben stets gegenwärtig.“ (405)

Je mehr das Leben als bedrohlich erlebt wurde, desto stärker wurde die Sehnsucht nach dem Gegenteil. Das Jenseits wurde entsprechend aufgewertet und zu einem Sehnsuchtsort. Der Tod wurde und wird gesucht, um das Jammertal des Lebens hinter sich lassen und ins Paradies eingehen zu können. Im Koran heißt es dazu:

  • „und wer Allah und seinem Gesandten gehorcht, den führt Er in Gärten ein, durch die Ströme fließen; darin sollen sie weilen; und das ist die große Glückseligkeit.“ (Sure 4,14; diese Paradiesbeschreibung, nur ausführlicher, findet sich bereits in Sure 2,26)

    und

  • „Sprich: »Wenn die Wohnstatt im Jenseits bei Allah nur für euch ist unter Ausschluss der anderen Menschen [!], dann wünschet den Tod, wenn ihr wahrhaft seid.«“ (Sure 2, 95)

Heute erleben und inszenieren sich die IS-Kämpfer als gottgefällige Krieger. Sie führen Krieg (dschihād) u.a. gegen die eigenen Regierungen. Doch so wie diese setzen auch sie auf Gewalt (gemäß dem Gebot Gleiches mit Gleichem zu vergelten):

„Diktatoren und Militärregimes im Mittleren Osten verzichten nur auf Gewalt, wenn die Schwachen gehorchen. Und die Schwachen gehorchen nur, weil sie Angst vor der Gewalt der Diktatoren haben.“ (259)

Erst aus Angst vor den Mächtigen zeigen die Untertanen

„Ehrfurcht und Respekt. Das erleichtert dem IS, den Menschen seine islamisierte Ideologie nahezubringen, da sie dem alten Erziehungsmuster nicht allzu fremd ist.“ (87)

Um die neue „hierarchische Ordnung“, die Über-Ich– bzw. Gott-Fixierung, anschließend zu zementieren, wird den IS-Kämpfern „jegliche Art von Individualität und Autonomie“verweigert: (88)

„Persönliche Wünsche werden im IS förmlich abgetötet, es geht immer um das Interesse der »Umma«, der islamischen Gesellschaft.“ (88)

Die IS-Anhänger leben zwar aus Kant-ischer Sicht in selbstverschuldeter Unmündigkeit, erleben diese aber als Befreiung:

Selbstunterwerfung als Befreiung (von der Angst)

IS-Anhänger halten an der patriarchlichen Gesellschaftsordnung fest, nur dass sie das Führungspersonal austauschen: Nicht mehr die (eigenen schwachen) Väter, sondern die IS-Herrscher erteilen nun die Befehle. Ihnen haben sich die Kämpfer zu unterwerfen Zur Minderung eigener Angst/Ohnmacht:

„Wer sich unterwirft, braucht keine Angst vor Repressionen oder negativen Konsequenzen zu haben. Die jungen Leute nehmen das [real existierende IS-]System nicht nur als von Gott gegeben hin, sondern sie identifizieren sich damit.“ (88)

IS-Anhänger definieren sich also vornehmlich durch Gegnerschaft, durch Ablehnung. Diese Haltung rechtfertigen sie aus ihrem narzistischen Selbstverständnis (165), aus moralischer Überlegenheit, die sie aus der Gegnerschaft generieren und die ihrer Auffassung nach dadurch gegeben sei, dass nur sie „allein im Besitz der Wahrheit und über alle anderen Menschen erhaben“ seien. (165) Denn sie allein seien die wahren Hüter des Seins: des Islam, nämlich des Ur-Islam als des Ideals des Islam, der von Gott gegründeten und gelebten Ur-Gemeinschaft, also der einzig wahren Gemeinschaft der Gläubigen (umma).

Das Frauenbild des IS

Dem Selbstunterwerfungsgebot gegenüber der IS-Führung korrespondiert das Selbstermächtigungsgebot gegenüber Frauen, insbesondere ungläubigen Frauen wie den Jesidinnen, die zu Sklaven degradiert und als solche gehalten werden.

Empirische Grundlage des Buchs sind, laut Aussage der Autoren, u.a. über 1400 Interviews mit Frauen in IS-Geiselhaft. (206) Einige, besonders drastische Fälle wie es scheint, werden im Buch detailliert geschildert. Doch nicht nur der IS praktiziert sein auf eigenem Minderwertigkeitsempfinden fußendes Frauenverständnis.

Zum Thema Sexualität im Islam schreiben die Autoren unmissverständlich:

„Bis heute ist Sexualität im Islam [allgemein!] stark vom frühmittelalterlichen Vorbild Mohammeds und dessen Frauenbeziehungen geprägt.“ (209; im Original kein Fettdruck)

Und da hilft auch alles Leugnen und Schönreden nicht, ihr Gutmenschen.

„Die Frau gilt als Verführerin, die ihr sexuelles Verlangen schwerer als der Mann zügeln kann.“ (213) Hieraus resultiere, „dass die Frau ihre Weiblichkeit verbergen muss, damit der Mann ihr nicht zum Opfer fällt.“ (214)

Also: Im Grunde müßte mann/frau den Islam als solchen auf die Coach legen…

Selbstaufwertung durch exzessive Gewalt

Aggression erleichternd wirkt auf die IS-Klientel also, dass sie sich in einer Bedrohungssituation wähnen, bzw. faktisch (aufgrund des von den USA ausgerufenen war on terror) sogar sind, z.B. durch die Besetzung Afghanistans und Iraks durch die USA, die – und dazu scheint ihnen jedes Mittel recht zu sein – eine andere, un-islamistische Gesellschaftsordnung anstreben. (92)

Als innere Feinde sieht der IS also die schwachen Väter und die Nicht-Sunniten; als äußere Feinde sieht er die Kreuzritter, die die muslimische Welt erneut besetzen und unterjochen wollen. Aus der erlebten Schwäche (der Väter) heraus und um diese zu kompensieren entwickelt die Terrormiliz „Wut und Hass auf die Ungläubigen und Kreuzfahrernationen“: (351)

„die Grausamkeit soll wie ein Medikament gegen die[… erlebte] Kränkung helfen.“ (352)

Auch der IS strebt die Endlösung an.

„Die Vernichtung richtet sich dabei selektiv gegen jene Personen, die sich dagegen [gegen die Rückkehr zum Ur-Islam] wehren. Wie zu Zeiten des Propheten Mohammed in Medina legitimiert der IS diese rohe Gewalt gegen Andersgläubige und Andersdenkende.“ (95)

Klar und deutlich sprechen die Autoren aus, was unsere Islamverbände und all die in ihrer Multikulti-Höhle gefangenen Gutmenschen wider alle Fakten nicht wahrhaben wollen, dumm-dreist leugnen:

„Leider aber ist schon seit der Entstehung des Islams ein tiefes und fundamentales Gewaltpotenzial im strukturellen Kern dieser Religion angelegt.“ (162)

Allein in Sure 2 des Koran ist im Grunde nur, ausschließlich von gottesfürchtigem vs. frevelhaftem Handeln die Rede und von (qualvoller bzw. demütigender) Strafe des Feuers gegen die Ungläubigen und Frevler in 27 der 287 Verse explizit die Rede (Verse 8, 11, 25, 40, 82, 86, 87, 91, 97, 105, 115, 127, 160, 162, 163, 166, 167, 168, 175, 176, 179, 202, 207, 212, 218, 258, 276).

Insbesondere die immer wieder gern bemühte Floskel des ach so friedlichen, friedvollen und friedliebenden Islam ist schlechthin Euphemismus pur:

„Im Islam ist die Geschichte der Enthauptungen so alt wie die Religion selbst. So soll Mohammed in seiner ersten Biografie »As-sîra an-nabawiyya« laut Ibn Ishaq (704-768 n. Chr.) und anderer Autoren offenbart haben, dass nach der Schlacht in Medina bis zu 900 Gefangenen der Kopf abgeschlagen wurde. Die meisten Enthauptungen soll Ali, Schwiegersohn des Propheten Mohammed, vollzogen haben.“ (247; im Original kein Fettdruck)

Die Autoren zitieren zudem eine Stelle aus der Sure Mohammad, in der es heißt:

„Begegnet ihr im Krieg Ungläubigen, schlagt ihnen die Köpfe ab (…) wenn Allah wollte, hätte er sich auf andere Weise an ihnen gerächt [Gebot der Blutrache!]; er will aber damit die einen von euch durch die anderen prüfen. Und diejenigen, die auf Allahs Weg getötet werden, wird er ihre Werke nicht fehlgehen lassen.“ (Sure 47,5; zitiert nach Kızılhan u. Cavelius, 248)

Später zitieren die Autoren auch den Vers:

„Und tötet sie (die Ungläubigen), wo immer ihr sie trefft…“ (Sure 2, 191; zitiert nach Kızılhan u. Cavelius, 406)

Pathologisch wird die Aggression zudem, wenn sie sich zu einer appetitiven steigert:

„Diese Form der Aggression muss sich nicht immer durch Angst und Bedrohung rechtfertigen, sondern entsteht unter anderem auch durch Lustempfinden. […] Je deutlicher Menschen in einer an Glücksmomenten armen Umwelt merken, dass Gewalt ihnen zu einem Überlegenheitsgefühl und einem Lustgewinn verhilft, desto häufiger werden sie diese Aggression ausüben und desto eher suchen sie diesen erregenden Zustand“. (93)

Das Köpfen wird im IS gar zum alleinigen Wertmaßstab eines „Kämpfers“:

„IS-Emir ist automatisch derjenige geworden, der mindestens sechzehn Menschen geköpft hatte.“ (277)

Nicht zuletzt durch die Auszeichnung von Gewalt gegenüber anderen gelingt es denen, die sich als unterdrückt empfinden, „sich aus der eigenen Bedeutungslosigkeit in die Position des Mächtigen zu katapultieren.“ (348)

Fazit

Die Psychologie des IS ist eine Psychologie des Ur-Islam, wie er insbesondere im Koran verfasst wurde. Und da der heute praktizierte Islam lediglich ein abkünftiger Modus des Ur-Islam ist, zeigt der gelebte IS-Islam paradigmatisch auf, was uns droht, wenn wir den islamistischen Tendenzen, die sich u.a. auch aus Gutmenschentum und political correctness bei uns breit machen, (immer weiter) nachgeben. Dies lässt sich in Samuel Schirmbecks Der islamische Kreuzzug und der ratlose Westen, au détail nachlesen…

„In Deutschland leben so viele Salafisten wie nie zuvor“

Frog1Eckart Lohse, In Deutschland leben so viele Salafisten wie nie zuvor, faz.net, 10.12.2017

Mona Jaeger, „Deutsche Leitkultur nicht identifizierbar“, faz.net, 31.8.2017

„Die Zahl der Salafisten in Deutschland ist weiter gestiegen. Nach Angaben des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) liegt sie derzeit bei 10.800 Personen. Im September hatten die Verfassungsschützer noch 500 Salafisten weniger gezählt, vor einem Jahr lag der Wert bei 9700, vor sechs Jahren noch bei weniger als 4000. BfV-Präsident Hans-Georg Maaßen sprach in Berlin von einem „Allzeit-Hoch“. Das zeige die „anhaltende Attraktivität der salafistischen Ideologie“.

[Woher kommt das bloß??

Nicht nur, dass viele unserer türkischen Mit-Bürgerinnen und MitBürger (ehrlicher, aber politisch inkorrekt: Neben-Bürgerinnen und Neben-Bürger) nicht integriert sind, sondern – der Multikulti-Ideologie der Bundesregierung sei (mit) dank – sich mittlerweile pudelwohl in ihren staatlich gehätschelten Parallelmilieus bewegen.

Nein: Mutti sieht es als ihre Meta-Christenpflicht – da das Christentum in Deutschland im Aussterben sei – sich dem Islam – der das Christentum in Deutschland zu beerben scheine – hörig zu machen. So machte sie das SPD-Gewächs Aydan Özoğuz, eingebürgert 1989, das bekanntlich bekennende Islamisten zu Brüdern hat, zu ihrer und damit unser aller Integrationsbeauftragten. Seitdem heißt es, der Islam sei eine Bereicherung für Deutschland. Nicht die Zugereisten, sondern wir müßten uns anpassen: Boko haram! Wir kuffar müßten endlich einseh‘n: Sie, die muslimischen Zuwanderer, bringen uns das Heil, auf dass wir es freudig begrüßen: Kein Schweinefleisch mehr! Umkleidekabinen gesondert für muslimische und nicht-muslimische Jungs! Kein gemeinsamer Schwimmunterricht für Mädchen und Jungs! Keine gemeinsamen Schulfahrten für Mädchen und Jungs! Kopftuch für Mädchen und Frauen! Kinderehe!

Ist doch unsere Kultur eine Un-Kultur. Hat doch, laut Özoğuz, unsere Kultur nichts vorzuweisen, außer Deutsch – als Sprache.

Özoğuz:

„Eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.“

Ist doch klar: Wir Kulturlosen brauchen die muslimischen Zuwanderer zur Bereicherung: Sie sind es, die uns Banausen Kultur beibringen: Müslüman kültürü! Küsst ihnen den Arsch, ihr kuffar!

Ist doch klar: dass, wie Mona Jaeger schreibt, über Özoğuz‘ Satz „nur wenig gesprochen“ wurde. Diese ihre Auffassung ist schließlich mainstream. Wer das Gegenteil behauptet: dass deutsche Kultur mehr sei als nur deutsche Sprache, ist doch per definitionem rechts, gehört zu den Bösen. So wie der böse, böse AfD-ler Alexander Gauland: Der und seinesgleichen, die sind doch alle nur Pack, alles nur Deutschtümler, Nazis, Ewig-Gestrige, Rassisten…

Ach, wie ist die Welt doch so schön (und) einfach, wenn man/frau tumb ist und (pseudo-)links.]

Die Behörde beobachtet in der Salafisten-Szene einen Trend zum Rückzug aus der Öffentlichkeit ins Private. Sogenannte Straßenmissionierung, die öffentlich sichtbar sei, finde nur noch selten statt. Das sei mutmaßlich auch eine Folge staatlicher Ermittlungserfolge, heißt es seitens des Bundesamtes.

[Na ja, wer’s glaubt…]

„Die Radikalisierung findet weniger in Moscheen oder in größeren überregionalen salafistischen Organisationen, sondern in kleinen, konspirativen Zirkeln und vor allem im Internet statt“, geht aus einer Mitteilung des BfV hervor. Häufiger bildeten sich Netzwerke von Frauen heraus, zu den[en] die Nachrichtendienste nur schwer Zugang hätten.

[Frauen-Power! Endlich! Hurrah!]

Maaßen sprach von einer „Fragmentierung und Privatisierung“ des Salafismus in Deutschland. „Das ist eine besondere Herausforderung für den Verfassungsschutz.“

Eine erhebliche Bedrohung geht nach Einschätzung des BfV von Islamisten aus dem Nordkaukasus aus.

[Wie?? Sind die denn nicht auch Bereicherung?]

Deren „Affinität zu Gewalt und Waffen“ erfordere die Aufmerksamkeit der deutschen Sicherheitsbehörden, sagte Maaßen. „Extremistische Nordkaukasier waren, neben dem Tschetschenienkrieg in ihrer Heimat, aktuell auch an den Kämpfen in Syrien und Irak maßgeblich beteiligt. Sie sind kampferprobt und stellen ein hohes Gefährdungspotenzial dar“, sagte Maaßen.“ (Im Original kein Fettdruck im Text, nur zu Beginn der erste Buchstabe)

Gefährdung? Wieso Gefährdung? Das sind doch die Guten, unsere Befreier. Die bringen uns kuffar endlich auf Linie. Sie lösen unsre Fesseln und führen uns Gefangene aus unserer Höhle des Unglaubens, aus unserer selbst verschuldeten Unmündigkeit endlich ans Licht, endlich. Seit Platon warten wir und seine ihm nachgefolgten Verkünder der Vernunft wie der Selbstüberwindung des Menschen, wir alle, wir Delphier, sehnsuchtsvoll darauf, nur darauf: Auf dass wir endlich erkennen und einsichtig werden mögen:

γνῶθι σ’αυτόν:

Die Antwort auf all unsere Fragen, hier ist sie, endlich:

Boko haram!

„Allah ist der Freund der Gläubigen: Er führt sie aus den Finsternissen ans Licht. Die aber nicht glauben, deren Freunde sind die Verführer, die sie aus dem Licht in die Finsternis führen; sie sind die Bewohner des Feuers; darin müssen sie bleiben.“ (Sure 2, 258)

„Sprich zu denen, die ungläubig sind: „Ihr sollt übermannt und in der Hölle versammelt werden; und schlimm ist die Ruhestatt!““ (Sure 3, 13)

Frog4

von Kittlitz‘ Selbstkritik am Über-Ich: dem Gutmensch-Diktat

Frog1Alard von Kittlitz, „Es heißt, Trump die xenophob – aber wenn ein arabisch aussehender Mann mit Rucksack in die Bahn steigt, haben wir alle Angst. Wir sind nicht ehrlich mit uns“, Zeit, 24.11.2016, 80)

Gutmensch Alard von Kittlitz gibt zu, dass der Flüchtlingsdiskurs weitgehend gleichgeschaltet geführt wird, die Gutmensch-Erzählung von der Herrenklasse der öffentlichen Meinung dem Volk als alternativlos hingestellt wird. Doch er erkennt auch, dass sich Widerstand gegen die politische Korrektheit regt und die bösen Opponenten dabei sind, die Gutmensch-Diktatur zu unterlaufen. Ohnmächtig konstatiert er:

„Wir verlieren, obwohl wir schon lange kultureller Hegemon sind. Obwohl sich also alle, die wir persönlich kennen, fast alle Politiker, die wir als halbwegs normal bezeichnen, fast alle Stars auf unserer Seite befinden. Fast alle Fernsehsender und fast alle Zeitungen. Wir sind das Establishment, und wir haben verloren.“

Gut so, ihr Arroganzlinge!

Als Medizin gegen die eigene Überheblichkeit empfiehlt von Kittlitz die Rückbesinnung auf das jemeinige Säuglingsalter: Die Überwindung der antagonistischen Weltperspektive durch die Anerkennung von Ambivalenzen:

„Die Mutter gibt ihm [dem Säugling] die Brust: Sie ist gut. Die Mutter entzieht sich ihm: Sie ist böse. Die Mutter ist also gut und böse. Er selbst, lernt der Säugling, ist es also vielleicht auch. Er ist nicht rein. Das ist ein sehr großer Gedanke.“

Wir gratulieren zu dieser großartigen Erkenntnis!! (Schon mal was u.a. von Dialektik gehört??)

Von Kittlitz empfiehlt seinen Gutmenschfreunden daher, ihre arrogante Haltung, ihre Rechthaberei und ihren moralischen Überlegenheitsanspruch zu überdenken:

„Wir haben ein Riesenproblem: Wir sind nicht ehrlich mit uns. Wir sind nicht mehr aufgeklärt. [Hört, hört!!] Wir kennen uns selbst nicht mehr. Wir haben, würde der Analytiker sagen, ein zu dominantes Über-Ich.“ (im Original keine Hervorhebungen)

Dieses Über-Ich manifestierte sich in „Tabus und Denkverboten“. Je stärker diese zementiert würden, desto deutlicher und d.h. scharfkantiger akzentuiere sich die Opposition (als Gegenkraft):

„Es ist einfach, zu begreifen, was mit einer Gesellschaft geschieht, die das Scheitern am eigenen Über-Ich als Katastrophe erlebt: Sie beginnt sich zu spalten. Deshalb gibt es nun jene, die anfangen, das Über-Ich abzulehnen, und es ist kein Wunder, dass sie sich zuerst unter dem Banner des Hasses auf die Political Correctness zusammengefunden haben.“

Nur wenn es gelinge, Ambivalenzen zu tolerieren, anzuerkennen und die eigenen Überzeugungen aus der Perspektive anderer (Grund-)Positionen ehrlich zu hinterfragen, könne die (immer weiter zunehmende) Spaltung der Gesellschaft überwunden werden:

„Wenn uns [Gutmenschen] das Aussprechen [„unser[es] Scheitern[s]“ am eigenen Über-Ich] nicht gelingt, produzieren wir das, was uns so ängstigt: eine Gesellschaft, durch die ein immer tieferer Graben verläuft. Eine Gesellschaft, in der wir, die wir an die Werte der Aufklärung glauben [gemeint ist Kant…], immer weiter an Land verlieren. Eine Gesellschaft, in der zunehmend Gewalt droht.“

Klingt zunächst gut und vernünftig. Doch ob dem Geheuchel wohl auch Taten folgen??

Frog4

Gutmensch-Euphemistik von Precht und Welzer: Flüchtlinge als „Modernisierer“ des Abendlands

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(Richard David Precht und Harald Welzer, Jugend an die Macht!, ZEIT, 17.3.2016, 51)

(Evelyn Finger, Jesus oder Pilatus?, ZEIT, 23.3.2016, 52)

(Seyran Ateş, Parallele Gesellschaften, ZEIT, 31.3.2016, 46)

(Ednan Aslan, »Radikale Willkommenskultur«, im Gespräch mit Evelyn Finger, ZEIT, 31.3.2016, 46)

Richard David Precht und Harald Welzer behaupten keck:

„Moderne Gesellschaften bekommen ihre Modernisierungsimpulse nicht von innen heraus.“

Uns den sunnitischen Islam als Modernisierungsschub verkaufen zu wollen, ist ziemlich dreist und völlig weltfremd. Doch die Verharmlosung hat Methode.

Anfang März wurden „vier Nonnen [… mit] ihren zwölf Kollegen in einem Altersheim im Jemen“ ermordet. (Finger; siehe auch Islamisten im Jemen wollen entführten Priester kreuzigen, derStandard online, 25.3.2016 und ISIS brutally crucifies Fr. Tom Uzhunnalil on Good Friday, Catholic Online, 28.3.2016)

Haben Sie davon gelesen oder gehört??

Haben Sie mitbekommen, dass der IS drohte, den damals entführten Geistlichen, Tom Uzhunnalil, am Karfreitag zu kreuzigen? Wissen Sie, dass nicht nur Köpfen, sondern auch Kreuzigen im IS praktiziert wird?

Wahrscheinlich nicht. So etwas zu sagen, ist nicht opportun. Wir schweigen und werden beschwiegen. Genauso wie in Köln. Wir wollen doch nicht als Revanchisten, Pauschalisierer, gar Islamhasser missverstanden werden… Nein! Wir sind auf der Seite der Guten, wir verstehen die Verachtung und kuschen vor der Moral, die uns die Täter entgegen bringen…: Sie bekommen ihre Moscheen, ihre Gebetsräume in Schulen und Universitäten, ihre Trennung von Mädchen und Jungs beim Schwimmen, beim Turnen, ihr halāl Essen in den Flüchtlings- und Schulkantinen, finanzieren „die Vielweiberei durch Steuergelder“ (Ateş)

Seyran Ateş:

„Streit um die Beteiligung von Mädchen am Schwimmen, an Biologieunterricht und Klassenfahrten ist inzwischen ein Klassiker. Deutsche Schulen unterwerfen sich den Wünschen streng muslimischer Eltern – zumal die von Moscheegemeinden mit islamischen Rechtsgutachten unterstützt werden.“

„In Schulkantinen soll das Essen halal sein, und die bloße Anwesenheit von Schweinefleisch empört die Frommen. Gebetsräume für muslimische Schüler werden zum Muss. Weihnachtsschmuck wird weniger. Fasten im Ramadan aber soll von allen respektiert werden.“

Kurz gefasst: Wir befürworten die (Voll-)Verschleierung

„Schon tragen vierjährige Mädchen im Kindergarten Kopftücher.“ (Ateş)

und tolerieren, dass wir die Kāfir sind.

Evelyn Finger nimmt die Ermordung der „in einem von Mutter-Teresa-Schwestern betriebenen Seniorenheim in Aden“ (Standard) zum Anlass, um

„die Provokation, die die Bluttat auslöste [herauszuarbeiten]: dass ein paar barmherzige Samariter an der Seite der Schwächsten blieben. Die hatten eigentlich keine Überlebenschance“…

Richtig. Die Begründung aber greift zu kurz, ist westlich gedacht:

„Die Friedfertigen provozieren mit ihrer Friedfertigkeit die Gewaltbereiten und müssen es büßen.“

Was Finger nicht begreift ist, dass die Wurzeln des Hasses im Islam selbst liegen. Krank zu sein, gar behindert zu sein, ist eine Strafe Gottes. Sich um diese Leute zu kümmern, ist Sache einzig der Familie (nicht von Außenstehenden). Häufig wurden und werden Behinderte zu Hause versteckt, damit sie niemand sonst zu Gesicht bekommt. Als ich einmal einem total Entstellten auf der Straße in Erzurum, einer Islamistenhochburg im Osten der Türkei, Geld geben wollte, griff mir mein Begleiter mit Gebetskäppi, der mich liebend gern bekehrt hätte, in den Arm und sagte, wortwörtlich übersetzt: Lass, „Allah sorgt für ihn.“ All unsere Gutmenschen sollten mal ein wenig nachforschen, wie viel Gelder muslimische Wohlfahrtsverbände ihren Glaubensbrüdern im Fall von Naturkatastrophen, z.B. Pakistan, spende(te)n und wie aufopferungsvoll sie sich um ihre Glaubensbrüder auf der Flucht kümmer(te)n…

Natürlich hat Finger Recht: Wir müssen „zwischen den beiden Extremen Jesus und Pilatus, Selbstaufopferung und Selbstschutz“ wählen.

Doch die Gutmenschen haben sich längst, radikal entschieden. Sie wollen von außen, durch die hunderttausenden, nicht selten analphabetischen Flüchtlinge modernisiert werden. Sie wollen heim ins Reich, ins Neuosmanische Reich des Sultans Tayyip I (Erdoğan-Song; Titel-Bild des Economist, Juni 2013) und voller Freuden als Kāfir den Rechtgläubigen Kopfsteuer zahlen…

Doch Precht und Welzer zufolge mache die Aufnahme der Flüchtlinge

„die kapitalistische Welt nicht nur gerechter, sondern auch überlebensfähig“.

Was für ein verqueres Gesülze! Die Überlebensfähigkeit (!) Europas abhängig vom Zuzug ungebildeter, verblödeter Massen zu erklären! Kant wollte die Selbstbefreiung. Diese beiden Vordenker wollen die Unterwerfung: Zurück in die selbstverschuldete Unmündigkeit. Fünf mal am Tag beten… Sollte diese Einstellung siegen, hat sich Europa als Idee endgültig, selbst ausgeträumt…

„So zieht Europa im Namen der Religionsfreiheit seine eigenen Mörder heran.“ (Ateş)

Unser Pfaffentum ist mehr und mehr im Aussterben begriffen; unsere Kirchen lehren sich. Doch die Sklavenmoral des Christentums hat in den Gutmenschen obsiegt. Seid ohne Sorge! Die von Mutti und Co. zu Tisch gebetenen Islamisten greifen nur zu gern zu: Welch‘ reich gedeckter Tisch an Opferlämmern!

Ednan Aslan:

„Für Gott zu sterben, so predigen es auch Europas Imame, sei die höchste Hingabe, die ein gläubiger Mensch [im Christentum: Vorbild Jesus und Co.] erbringen kann. Das Märtyrertum gilt als Wert an sich, auch bei denen, die überhaupt nicht gewaltbereit sind.“

Wie sich die Sklavenmoralen doch gleichen…

Mit einem Unterschied: Die Islamisten gefallen sich als Mörder, unsere Zombiereligiösen als Erdulder…

Neueste Kapriole: Händeschütteln? Islam-Streit in der Schweiz, Kulturzeit, 5.4.2016

Der Islamische Zentralrat Schweiz äußert in einer eigens hierzu erlassenen Fatwa: Ist der Händedruck zwischen Mann und Frau im Islam erlaubt? dazu:

„An die Nicht-Muslime ergeht die Empfehlung, das islamische Berührungsverbot nicht als Provokation oder Herausforderung der eigenen Kultur zu interpretieren. Angesichts der immer stärkeren kulturell und religiösen Durchmischung unserer Gesellschaft ist sinnvoll, einzelne Bräuche und kulturelle Eigenheiten nicht zur conditio sine qua non für gesellschaftliche Zugehörigkeit zu überhöhen. Der Händedruck soll das bleiben, was er ist: ein Brauch, auf den man ohne weitere Abstriche auch verzichten kann. Wichtig ist der Respekt für den anderen und seine spezifische Lebensweise. Dieser kann mit forderndem Zwang zur kulturellen Assimilation kaum gefördert werden.“ (im Original keine Hervorhebungen)

Wie sagte Tayyip I (einst, am 17.5.2010 in Köln) so schön:

„Assimilation ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.“  (SZ, Rede im Wortlaut)

Frog4

 

 

 

 

Gleichschaltung und Selbstzensur – Die Kölner Silvesternacht 2015/16 in der Presse

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(Selbstzensur oder politisches Kalkül?, Kulturzeit, 14.1.2016)

(Joumana Haddad, Mama, die Macho-Macherin, ZEIT, 14.1.2016, 5)

 

Selbstzensur aus Gutmenschenperspektive

Eingangstext zum Beitrag:

„Die Chaosnacht von Köln. Vier lange Tage dauert es, bis deutschlandweit öffentlich wird, was geschehen ist. Und noch immer ist vieles unklar. Zeitungen, Radio und Fernsehsender sprechen zunächst von Männern. Wer sich da am Kölner Bahnhof versammelt hat, dass es vor allem Migranten und auch Flüchtlinge sind, bleibt unerwähnt. Schon bald heißt es Zensur.“

So ist es. Nachweihnachtliche Stimmlosigkeit, – Gutmensch-Einlull-Stille:

Wir singen Leise rieselt der Schnee, die 2. Strophe bitte [auf Befehl von „oben“]:

In den Herzen ist’s warm

Still schweigt Kummer und Harm

Sorge des Lebens verhallt

Freue dich, Christkind kommt bald

Birgit Kelle, eine der ersten Journalistinnen, die regional wahrheitsgemäß berichtete:

„Ich glaube nicht daran, dass irgendjemand den Redaktionen verbietet zu berichten. Ich glaube eher, dass das eine Art Selbstzensur im Kopf schon ist.“

„Ich glaube, die [Nichtberichter/Falschmünzer] meinen ‘s eigentlich gut. Das Problem ist: Es ist aber eine Zensur von Nachrichten, die sie da machen. Sie sortieren quasi aus, was für ihre Leser oder was für ihre Zuschauer zumutbar ist und was nicht.“

Wo ist dann der Unterschied zur Nachrichtenpolitik à la Putin, Erdoğan, etc.??

Oh, ich vergaß: Letzterer ist ja seit neulich, hurra, vom Nichteuropäer zum EU-, Flüchtlings- und Merkel-Freund avanciert: Muss er doch in der Allianz der Willigen/Korrupten helfen, Muttis „Wir schaffen das!“-Großmäuligkeit nicht im Desaster, sprich ihrem Rücktritt enden lassen zu müssen.

Frank Schneider, BILD-Chefredakteur, vom allerersten Medium, das sich traute, überregional wahrheitsgemäß zu berichten:

„Man hat nicht nur verschwiegen, man hat noch bewusst das Gegenteil behauptet.“

„Politik ist nicht dafür da, Dinge zu vertuschen oder schönzureden, sondern dafür da, Probleme zu lösen.“

Schau mal an! BILD vorne weg: Als Aufklärer!!

Frank Überall, Journalismusverband-Vorsitzender, hingegen gibt sich immer noch als bedächtiger Gutmensch-Vereinseitiger:

„Es wurde manchmal natürlich auch abgewogen, will man das jetzt so in den Mittelpunkt stellen oder nicht, weil: Das kann in der Tat brandgefährlich sein.“

Horst Pöttker, Journalismusforscher:

„Man hat gemerkt, dass da eine große Unsicherheit war, was man eigentlich mitteilen soll und dass da einfach Barrieren waren, die was mit der politischen Situation zu tun haben.“

„Der Journalismus als Beruf zur Öffentlichkeit darf nicht davon ausgehen, dass er ein unmündiges Publikum hat, sonst wird er eben zur Volkspädagogik, zum Gesinnungsjournalismus. Das wollen wir eigentlich nicht.“

So ist es. Wie sagte Kant so schön: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.“

„Wenn wir die Vorstellung haben, die sind alle ganz lieb und das sind bessere Menschen: Das muss natürlich ins Gegenteil umschlagen, in dem Moment wenn sich herausstellt, dass es nicht bessere Menschen sind, sondern dass es Menschen sind mit Schwächen und Fehlern usw. Dann muss es ins Gegenteil umschlagen. Dann sind es plötzlich die ganz Bösen. Und ich glaube, wir brauchen eine kontinuierliche, wahrhaftige, offene Berichterstattung.“

Und dann: Gutmensch Antje Schrupp, als „Philosophin“ vorgestellt:

„Gerade aus Angst davor, die Rassisten sozusagen damit zu bedienen, scheut man sich natürlich, bestimmte Sachen zu sagen und ich auch.“

Was ist das für eine armselige Person, gar Philosophin, die so wenig elaboriert ihre Angst vor (statt Liebe zur) Wahrheit bekennt…

„Ich finde diese Scheu auch richtig, weil tatsächlich ich der Ansicht bin, dass Rassismus momentan ein größeres Problem ist für den Zusammenhalt der deutschen Gesellschaft als sexuelle Übergriffe aus bestimmten migrantischen Zusammenhängen heraus.“

Tja, meine lieben Damen, die ihr angegrapscht und bestohlen wurdet: Ihr müsst euch getäuscht haben. Es waren bestimmt als Nordafrikaner verkleidete Deutsche. Oder wart ihr bereits so besoffen und unzurechnungsfähig, dass ihr das nicht (mehr) gemerkt habt?? Und selbst wenn es Migranten, gar Flüchtlinge gewesen waren/sein sollten: So ein bisschen Angebagger ist ja nun wahrlich nicht der Rede wert: Wir wollen doch schließlich alle nicht das Rassismus-Vorurteil bedienen, nicht wahr?? Also kuscht gefälligst, ihr hündisches kuffar-Pack!!

Zudem: Irgendwer sollte Philosophin Schrupp mal Nachhilfe geben und ihr das Symmetrieprinzip erklären. Sie scheint da echt Nachhilfebedarf zu haben…

(Nicht nur Frau Schrupp) sehr zu empfehlen in Sachen Symmetrie und Dialektik ist Joumana Haddads Volkspädagogik (Pöttker), in Imperativform formuliert:

„Anstatt eurer Tochter zu erzählen, dass sie Beute ist, versucht eurem Sohn zu sagen, dass er kein Jäger ist. Anstatt eure Tochter zu lehren, den Mund zu halten, versucht eurem Sohn beizubringen zuzuhören. Anstatt eurer Tochter zu verbieten, dieses T-Shirt zu tragen, macht eurem Sohn klar, dass dieses T-Shirt keine offene Einladung zum Sex ist. Anstatt eure Tochter zu zwingen, sich zu verhüllen, erklärt eurem Sohn, dass eine Frau mehr ist als ihr Körper. Anstatt eurer Tochter zu beweisen, dass Männer Feinde sind, beweist eurem Sohn, dass Frauen wertvolle Partner auf Augenhöhe sind. Anstatt eure Tochter in Angst vor Männern und euren Sohn zum Frauenverächter zu erziehen, versucht sie beide in Vertrauen, Wertschätzung und Liebe zueinander groß werden zu lassen.“

Ihr Wort in Gottes Ohr, liebe Frau Haddad.

So sei es!!

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Donatella Di Cesare: Antisemitismus in der deutschen Philosophie (von Luther zu Hitler)

Frog1(Donatella Di Cesare, Heidegger, die Juden, die Shoah, Frankfurt a. M., 2016)

Im zweiten Kapitel (47-109) ihres höchst lesenswerten Buchs thematisiert Donatella Di Cesare Die Philosophie und der Hass gegen die Juden (nachdem sie im ersten Kapitel – mit Titel Zwischen Politik und Philosophie – zunächst auf die neuere Heidegger-Rezeption eingegangen war.

Es ist erschreckend, bei Di Cesare nochmals nachzulesen/nachlesen zu müssen, wie sich der Antisemitismus nicht nur in der christlichen Religion – gerade in der Reform-Bewegung von Luther, „der als erster die Zerstörung des Judentums gefordert hatte“ (47) –, sondern auch bei Kant und im Deutschen Idealismus (bei Fichte und Hegel) und seiner (Radikal-)Kritik durch Schopenhauer und Nietzsche breitmachte.

Bereits Luther sah die Juden als verlogen und als unbekehrbare „innere Feinde“ an, die zu vernichten seien. (50) Di Cesare zitiert: „das man ire Synagoga oder Schule mit feur anstecke“… (52) Aus heutiger Sicht liest sich das wie die Vorwegnahme der Reichskristallnacht.

Es sind insbesondere die folgenden Zuschreibungen, die immer wieder erhoben und miteinander verquickt werden:

  • Das Judentum als religiös verlogen
  • Das Judentum als Nicht-Religion

Den Vorwurf, dass die Juden Lügner seien, erhebten neben Luther auch Kant, Schopenhauer und Nietzsche. (53) Als Grundlage hierfür nennt Di Cesare die Behauptung (der Hebraisten), dass „das Judentum kein echter Glaube sei.“ (58) Auch Kant ist dieser Auffassung. Di Cesare zitiert:

Das „Judentum […] ist eigentlich gar keine Religion, sondern bloß Vereinigung einer Menge Menschen, die, da sie zu einem besondern Stamm gehörten, sich zu einem gemeinen Wesen unter bloß politischen Gesetzen, mithin nicht zu einer Kirche formten“. (Kant, Die Religion innerhalb…; nach 64)

  • Das Judentum als Staat im Staat / die Juden als politisch verlogen
  • Das Judentum als innerer Feind

Des Weiteren wird das Judentum als das gänzlich Fremde und daher als nicht integrierbarer Fremdkörper in der (werdenden) deutschen Nation stigmatisiert:

„Das Judentum, jene sonderbare, fremde Religion, wird – von Herder bis zu Fichte – zur Religion einer fremden Nation. Dem theologischen folgt unmittelbar das politische Stigma. Die Juden werden als ein Volk angesehen, das einem anderen Kontinent [dem Orient] entstammt.“ (59; im Original keine Hervorhebungen)

Die unterstellte politische Verlogenheit wird (jüngst) u.a.auch von Emmanuel Todd herausgearbeitet:

„Wenn der andere von Natur aus anders ist, kann seine Assimilation nur ein Täuschungsmanöver, ein Trick, eine Lüge oder der Versuch sein, sich in eine gesunde Kultur einzuschleichen, um sie von innen heraus zu verderben.“ (Wer ist Charlie?, Aus dem Französischen von Enrico Heinemann, München 2016, 88)

Dabei wird der sonst gern ins Spiel gebrachte Grundsatz ex oriente lux auf die Juden gerade nicht (vs. in dubio pro reo) angewandt.

Luthers Verdikt, dass die Juden innere Feinde seien, werde, so Di Cesare, von denjenigen (wieder) aufgegriffen, die auf die „kompromisslose Durchsetzung des deutschen Nationalismus“ drängten. (60) So insbesondere von Fichte, der die jüdische Nation als einen Staat im Staate betrachtet und „zum ersten Mal die Idee einer jüdischen Weltverschwörung angedeutet“ habe. (60)

Grundlage dieser Auffassung könnte folgender, von Kant vertretener Argumentationsstrang sein:

Das Judentum bilde, so Kant, die „unterste Stufe“ in der Hierarchie aller „historischen Religionen“. (62) Dabei sei das „Judentum […] eigentlich gar keine Religion, sondern […] ein bloß weltlicher Staat [… mit dem] politische[n] Glaube[n…], ihn [den Staat] (bei Ankunft des Messias) wohl einmal wiederherzustellen.“ (Kant, Die Religion innerhalb der Grenzen…, 789f; nach 64)

Ausschlaggebend für die Negativwertung des Judentums ist demnach also die Unterstellung, dass die Juden eigentlich einen eigenen Staat wollten, dies aber verleugneten, indem sie nur so täten als ob sie Bürger des deutschen Staates seien. [Vgl. Dolchstoßlegende]

Fichte war wohl der erste, der dann das Ariertum als Gegenbegriff in den Diskurs über das Judentum einbrachte, indem er einen ursprünglich arischen Christus von einem abkünftig asiatischen unterschieden (61) und diese Differenz politisch gedeutet habe:

„Für die Deutschen beansprucht Fichte sowohl das Recht, das Erbe dieses ursprünglichen Christentums anzutreten, als auch die Aufgabe, es zu arisieren und in eine politische Mission zu übertragen.“ (61)

  • Die Juden als Volk von Betrügern
  • Die Juden als Volk unredlicher Kaufleute

Warum Kant bei Di Cesare erst nach Fichte untersucht wird, ist in ihrem Buch nicht näher ausgeführt.

Ein Aspekt, der von Anfang an mit virulent war, wird von Kant gar anthropologisch verankert: Für Kant sind die Juden „eine Nation von [moralisch betrachtet] Betrügern“: (Kant; nach 67)

„Die unter uns lebenden Palästinenser [!!] sind durch ihren Wuchergeist seit ihrem Exil, auch was die größte Menge betrifft, in den nicht unbegründeten Ruf des Betruges gekommen. [… Sie seien als] eine Nation von lauter Kaufleuten zu denken, deren bei weitem größter Teil […danach trachte, seinen] Verlust durch die Vorteile der Überlistung des Volks, unter dem sie [die Kaufleute] Schutz finden, und selbst ihrer untereinander, ersetzen [zu] wollen.“ (Kant, Anthropologie in pragmatischer…, 517f; nach 66f)

  • Das Judentum als perfide
  • Das Judentum als Sklavenmoral

Hegel thematisiert – ob bewusst oder unbewusst, bleibt offen – dieselben Vorurteile wie Fichte. Hegel zufolge

bringe der Jude „die Verheißung, versteht sie aber nicht. Er verrät sie sogar, indem er auf seinem Unglauben gegenüber dem Glauben beharrt, den er nicht anerkennen kann. Deshalb die Anschuldigung der Perfidie.“ (71; Hervorhebung im Original kursiv)

Das Judentum sei der Dialektik des Zu-sich-selbst-kommens des Geistes (d.h. in Freiheit) nicht fähig:

„Auf den drei Stufen, auf denen es [das jüdische Volk] sich allmählich bildet, Abrahams Schnitt, dem Exodus aus Ägypten, der Auferlegung des Gesetzes durch Moses, stellt sich seine Freiheit dreimal als Sklaverei heraus.“ Doch: „für ein Volk, das auch in dem Moment, in dem es frei wird, sich weiter als Sklave bestimmt, kann es keine Hoffnung geben.“ (77)

Das Judentum habe, so die Schlussfolgerung, vor dem τέλος der Geschichte kapituliert.

  • Das Judentum als Urgrund der christlichen Sklavenmoral
  • Die Juden als die Fälscher alles Natürlichen

Für den sich zum Antichrist gemauserten Pfarrerssohn Nietzsche ist das „Christentum […] eine Erfindung der Juden.“ (89) Nietzsche wende sich daher nicht nur gegen das Christentum, weil es Sklavenmoral predige, sondern auch gegen das Judentum als die Grundlage der christlichen Sklavenmoral. Er „bezichtigt [die Juden], ihn [Jesus] hervorgebracht zu haben.“ (89) Ähnlich wie für Hegel sind für Nietzsche, so suggeriert Di Cesare, die Juden „in der Geschichte die Gestalt der Entfremdung selbst.“ (91) Denn „ihr Geist [habe] sich zum starren priesterlichen Codex versteinert“: (91)

Im Antichrist schreibt Nietzsche:

„Die Juden sind das merkwürdigste Volk der Weltgeschichte, weil sie, vor die Frage von Sein und Nichtsein eingestellt, mit einer vollkommen unheimlichen Bewusstheit das Sein um jeden Preis vorgezogen haben: dieser Preis war die radikale Fälschung aller Natur, aller Natürlichkeit, aller Realität, der ganzen inneren Welt so gut als der äußeren.“ (Nietzsche, Der Antichrist, §24; nach 100)

Damit sind die Juden als widernatürlich gebrandmarkt. In Anschluss an Nietzsche sahen die Nazis es dann als ihre geschichtliche Aufgabe, die (vorgeblich von den Juden betriebene) Umwertung alles Natürlichen in Widernatürlichkeit radikal zurückgängig zu machen: Durch Auslöschung der Fälscher:

„Der Nationalsozialismus hat sich berufen gefühlt, die uralte Wertordnung wiederherzustellen: Hatte das Judentum, auch in seiner letzten Version, und zwar im Christentum, die Natur gefälscht und so eine extreme Entartung verursacht, so sei es nun nötig, zur Natur zurückzukehren, die Umwertung rückgängig zu machen und die Verantwortlichen, die Fälscher, auszulöschen.“ (101)

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