Nida-Rümelins Gequake: Von der Schönheit der Demokratie


Die Schönheit der Demokratie, BR online, 21.5.2019

Nida-Rümelin: Kulturmanager und Sozialdemokrat, RP online, 23.11.2000

CDU-Mann will Steinmeier nach SPD-„Missgriff“ nicht mehr wählen, WELT online, 11.2.2017

Wilhelm Nestle, Vom Mythos zum Logos. Die Selbstentfaltung des griechischen Denkens, Stuttgart, ²1975

I

Also sprach Julian Nida-Rümelin, Lieblings-„Philosoph“ der Gutmenschzunft:

„Demokratie ist nicht die Herrschaft der Mehrheit über die Minderheit. Das ist ein Irrtum.

[Stimmt. Es müsste Herrschaft des Volkes heißen. Doch das würde ja Populismus, wenn nicht gar Nazi-Diktion bedeuten. Und dies Wording ist im Gutmenschsprech (politischer Korrektheit) bekanntlich den Bösen, den Aller Bösen, der AfD zugewiesen. Hurrah!]

Wofür haben wir Artikel 1-19 im deutschen Grundgesetz? Grundrechte, Rechte von Individuen, die diese gegen den Staat im Zweifelsfall geltend machen können. Das heißt: die Demokratie ist nicht Herrschaft der Mehrheit gegenüber der Minderheit, sondern eine Form, in der ich Regierungen unblutig ablösen kann.“

Als ob es nicht um Macht ginge, sondern herrschaftsfreie Diskursspielchen in einer Art aristophanischer „Vogelstadt „Wolkenkuckucksheim““ (Nestle, 469).

Wie (selbst) naiv bzw. (andere) verblödend ist das denn?

Dass unsere Demokratie längst zu einem Selbstbedienungsladen verkommen ist, ist besonders hübsch gerade an Äußerungen der Sozen abzulesen —; was besonders pikant ist, da Gutmensch Nida-Rümelin ja selbst bekanntlich „fest in der SPD verwurzelt“ ist. (RP; im Original alles in fett)

Hierzu 2 Fallgeschichten:

Fall 1

Als Frank-Walter Steinmeier im Februar 2017 zum Bundespräsidenten gekürt wurden, titelten die Genossen frohgemut-euphorisiert nach Gutsherrnart:

„Wir freuen uns auf den neuen sozialdemokratischen Schlossherrn“.

Nix Demokratie: Feudalismus!! Das ist das wahre Gesicht der Sozen!! Demokratie als Maske!!

Fall 2

Und als Franz Müntefering im März 2004 – mit bis dahin super-toll-grandios-unschlagbareren (haha) 95,1 Prozent der Delegierten-Stimmen zum SPD-Vorsitzenden gewählt wurde, rief er den Delegierten zu:

„Opposition ist Mist. Lasst das die anderen machen – wir wollen regieren“. (Welt)

Also sprach der Sieger den Delegierten zu, „die ihn für seine Rede begeistert feierten.“ (Welt)
Hat nicht lang gehalten, die Freude…

II

Und Nida-Rümelin fährt weiter fort:

„Ja, ohne Opposition keine Demokratie, und zwar eine Opposition, die sich nicht in kleinen Zirkeln formiert, sondern die sich öffentlich äußern kann, deren Vertreter nicht ins Gefängnis wandern, die Medien haben, die sie unterstützen, also Agora, ein Marktplatz der Meinungen, muss existieren. Die Leute wollen sich ein Urteil bilden. Das können sie nur, wenn sie die Alternativen kennenlernen und diese nicht stigmatisiert oder gar kriminalisiert werden, wie wir das jetzt gerade in der Türkei erleben.“

Tja, man/frau muss nicht missfällig auf die Türkei, auf Erdoğan schauen. Lenk nicht ab! Das ist extrem wohlfeil und simpel. Auch in Deutschland herrscht Diktatur: politische Korrektheit. Der zufolge sind gut und böse (manichäisch) eindeutig zugewiesen – nach dem Ausschlussprinzip (ex negativo): Gut ist alles, was nicht AfD (und ähnlich rechts) ist. Gutmenschen sind eben extrem schlichten, simplen Gemüts. Schubladisieren, nix denken…

III

Und Nida-Rümelin fährt in seiner Verkündung der Frohen Botschaft an die Tumben weiter fort:

„Nicht nur alle 4, 5 Jahre mal über eine Regierungsmannschaft entscheiden, sondern Anteil nehmen, schauen, was machen die eigentlich, kritisch zu reagieren, vielleicht sich selber zu engagieren, vielleicht selber zu kandidieren. Das ist die Schönheit der Demokratie. Gemeinsame Praxis. Wir nehmen teil an einem gemeinsamen Projekt, mit dem wir uns identifizieren können.“

Herrlich! Toll! Pathetik pur. Wie brauchen wir das!

IV

Also sprach schon Spielverderber, Aufklärer Heraklit:

„ὄνους σύρματ᾽ ἂν ἑλέσθαι μᾶλλον ἢ χρυσόν· ἥδιον γὰρ χρυσοῦ τροφὴ ὄνοις.“
Ärsche fläzen sich eher auf Stroh denn auf Gold. (Fragment 9) [Und Aristoteles kommentiert:] Denn Lust ist Goldes Nahrung den Ärschen.

So pfeifen ’s die Götter von den Dächern und

Quaken ’s die Fröschlein im Tümpel der Dumpfheit

Quak, quak, quak

 

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Erdoğan weiht Köln-Ehrenfelder Moschee ein

(Başkan Erdoğan Köln Merkez Camii açılışında konuştu , Sabah online, 29.9.2018)

Der Steinmeier und Co. sonst gern Schmähende zeigte sich diesmal großmütig und stolzierte sultanesk über den ihm zu Ehren von Steinmeier ausgelegten Roten Teppich.

Der allseits Hofierte sprach dann auch noch vor und anlässlich der Eröffnung der Ehrenfelder Moschee über seine Ditib-Brüder und -Schwestern, verbunden im Glauben, hinweg – huldvoll frohlockend –

an die andern, das Noch-Mehrheitsvolk der Nicht-Türken gewandt:

„Buradaki kardeşlerimiz […] Köln şehrine ve elbette Almanya’ya böyle güzel bir eseri hediye ettiler.“

„Unsere hier lebenden Geschwister […] vermachten der Stadt Köln und ganz Deutschland ein so schönes Werk zum Geschenk“.

Also freut euch gefälligst, ihr kuffar. So schön ist euer Scheiß-Dom nicht. Auf dass ihr euch endlich bekehren möget!

Denn sonst ist euer das Feuer!

Also sprach der Prophet: „Kostet die Strafe des Brennens!“ (Sure 3, Vers 182)

Erkenntnis eines Testspiels: Erdoğan-Fans Özil und Gündoğan ausgepfiffen

Frog1

Boris Kálnoky, Erdogan zieht in sein ganz persönliches Versailles, welt.de, 29.9.2014

Christoph Cöln, Der Fall Gündogan / Özil wird zum ernsthaften Problem, welt.de, 9.6.2018

„Bisschen ratlos gemacht“, spiegel.de, 6.6.2018

Merkel kritisiert Treffen von Özil und Gündogan mit Erdogan, spiegel.de, 15.5.2018

Udo Lindenberg, Sonderzug nach Pankow Songtext

Özil saß wegen einer Verletzung bei der WM-Generalprobe [am 8.6.2018 gegen Saudi-Arabien] in Leverkusen nur auf der Bank. Gündogan wurde eingewechselt – und sofort ausgepfiffen. Obwohl der Bundestrainer [Joachim Löw] und sein Assistent [Oliver Bierhoff] die Fans noch zur Unterstützung für den Mittelfeldspieler aufgefordert hatten. Es half nichts. Die Fans protestierten.
[…]
Sympathie für den Machthaber?
Genau darin liegt das Problem. Denn Gündogan hat sich zwar bei einem Medientag im Trainingslager in Eppan den Fragen der Journalisten gestellt, doch mehr als die Behauptung, dass es sich bei dem Treffen nicht um ein politisches Statement gehandelt habe, kam dabei nicht heraus. Worum aber soll es sich sonst gehandelt haben?
Beide Spieler übergaben Erdogan bei dem Treffen in London ein Trikot mit persönlicher Widmung, Gündogan sogar mit der Widmung: „Für meinen Präsidenten, hochachtungsvoll“ – dabei besitzt der in Gelsenkirchen geborene Premier-League-Star zwar die deutsche, nicht aber die türkische Staatsbürgerschaft. [!] Der medienwirksam inszenierte Termin spielte Erdogan mitten im Wahlkampf in die Hände.“ (Der Fall…; im Original Namen nicht im Fettdruck)

Und wie reagiert(e) unser weiser Bundespräsident??

„In einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ sagte Steinmeier, er habe sich zunächst gefragt, ob beide überrumpelt worden seien. „Es hat mich dann, ehrlich gesagt, auch ein bisschen ratlos gemacht.““ (Bisschen ratlos…; im Original Name nicht im Fettdruck)

ein bisschen ratlos??

Wie sieht dieser verschleimt-parteiische Greis – ein Skandal, dass dieser ιδιώτης überhaupt zu einem Staatsorgan, ja Bundespräsidenten gemacht wurde – wohl aus, wenn er mal völlig ratlos sein sollte?? Ob er dann in die Hose scheißt?? Und das so fotogen wie einst Zappa on toilet??…

Über Honecker hieß es einst bei Udo:

„Ich weiß, tief in dir drin, bist Du eigentlich auch’n Rocker / Du ziehst dir doch heimlich auch gerne mal die Lederjacke an / Und schließt Dich ein auf’m Klo und hörst West-Radio“…

Was Udo wohl über unsern (Pseudo-)Präsidenten Steinmeier dichten würde??

Und Mutti? Was denkt Mutti?

„Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich über ihren Sprecher Steffen Seibert kritisch zu dem Treffen der beiden Fußballnationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan geäußert. Es sei eine Situation gewesen, „die Fragen aufwarf und zu Missverständnissen einlud“, sagte Seibert in Berlin.“ (Merkel kritisiert…; im Original Namen nicht im Fettdruck)

Ja, gibt’s denn das?

Mutti traut sich ja nicht mal, selbst zu quaken. Und lässt noch dezidierter abwiegeln als Steinmeier: Alles nur ein klitzekleines, unbedaftes Missverständnis.
So so: ein Missverständnis. Was bitte schön soll an der Äußerung „Für meinen Präsidenten, hochachtungsvoll“ missverständlich sein? Klarer kann man kaum sagen, für wen das Herz schlägt, wo man seine Heimat sieht.

Die Fußballfans (zu Leverkusen) jedenfalls waren/sind nicht ratlos: Sie buh(t)en!! Sie wollen diese zwei Fußball-Clowns nicht mehr in der Nationalelf sehen. Recht so!!

Özil und Gündoğan: Haut ab zu eurem Präsidenten Erdoğan nach Aksaray und nehmt unsre beiden Ober-Politidioten-Schleimer am besten gleich mit!!

 

Rutte vermasselt Çavuşoğlu Wahlk(r)ampfspektakel in den Niederlanden

(„Das geht viel zu weit“, SPIEGEL online, 11.3.2017)

(Erdoğan’dan Hollanda’ya tarihi tepki: Uçaklarınız nasıl gelecek, Sözcü, 11.3.2017)

Der niederländische Premierminister Mark Rutte zeigt unserer hündischen Politikerkaste, wie man/frau mit Primitivlingen wie Çavuşoğlu (einem Hanswurst von Erdoğans Gnaden) umzugehen hat: Nicht hofieren und anbiedern wie Gabriel, Gauck, Steinmeier und süt anne Merkel (die Amme, die Erdoğan mit ihrer Milch am Leben hält und nährt (siehe: Der vor Çavuşoğlu winselnde Gabriel)), sondern:

Kalt stellen.

Das wirkt!!!

(Çavuşoğlus und insbesondere) des Operettensultans unmittelbar-ungefilterte Spontan-Reaktionen zeigen vollends die untopbare Primitivität und Hilflosigkeit ihres Sprachhandelns. Die subito in die Ecke gestellten Erdoğan und sein Gefolge können nur noch hysterisch-schlichtes Schlagwörter-Gekreische. Erdoğan:

„Bunlar ne siyaset biliyor, ne uluslararası diplomasi nedir onu biliyor. Bunlar bu kadar ürkek, bu kadar korkak, bunlar nazi kalıntısı, bunlar faşist bunu böyle biliniz.“ (Video-Ausschnitt und Wiedergabe auf Sözcü; im Original keine Hervorhebungen)

Zu deutsch: „Sie [die niederländischen?? „Diplomaten“??] wissen nichts von Politik; sie wissen nichts von Diplomatie. Sie sind so überaus ängstlich, so überaus feige. Sie sind Nazi-Relikte. Sie sind Faschisten. Das sollt ihr wissen.“ (eigene Übersetzung; Videoausschnitt in den tagesthemen, 11.3.2017)

Welch Selbstoffenbarung: Der Sultan, der gewohnt ist, dass alle vor ihm kuschen (übrigens: wie er einst vor seinem Vater), wird nervös, wenn dem plötzlich mal nicht mehr so ist. Und er sieht keinen Ausweg mehr als vor seinen Anhängern den Trotzkopf zu geben, rumzubaffen und ihnen einzureden, dass die andern die Spielverderber, die Bösen sind…

Welch armer Wicht!!

Und welch armselige Gestalten, die ohne türkischen Pass und fern der Türkei (also für Erdoğan und seine Schergen unerreichbar), trotzdem also, sich seinem Spiel beugen, vor diesem Wurm winseln…

Welch Theater…

 

 

Bundesverfassungsgericht erteilt Gauck und Konsorten schallende Ohrfeige

(Bundesverfassungsgericht, Erfolglose Verfassungsbeschwerde gegen den Auftritt des türkischen Ministerpräsidenten in Deutschland, Pressemitteilung Nr. 16/2017 vom 10. März 2017, Beschluss vom 08. März 2017, 2 BvR 483/17)

Dem ängstlich-kriecherischen Verhalten unserer Freiheitsapologetenkaste (Gauck, Merkel, Gabriel, Steinmeier und ihren Mitläufern und Untertanen) gegenüber den Vertretern des türkischen Operettensultanats (Özdemir) stellte das Bundesverfassungsgericht mit Beschluss vom 8.3.2017 klar:

„Staatsoberhäupter und Mitglieder ausländischer Regierungen [haben] weder von Verfassungs wegen noch nach einer allgemeinen Regel des Völkerrechts einen Anspruch auf Einreise in das Bundesgebiet und die Ausübung amtlicher Funktionen in Deutschland. Hierzu bedarf es der Zustimmung der Bundesregierung, in deren Zuständigkeit für auswärtige Angelegenheiten eine solche Entscheidung fällt. Soweit ausländische Staatsoberhäupter oder Mitglieder ausländischer Regierungen in amtlicher Eigenschaft und unter Inanspruchnahme ihrer Amtsautorität in Deutschland auftreten, können sie sich nicht auf Grundrechte berufen. [!!] Denn bei einer Versagung der Zustimmung würde es sich nicht um eine Entscheidung eines deutschen Hoheitsträgers gegenüber einem ausländischen Bürger handeln, sondern um eine Entscheidung im Bereich der Außenpolitik, bei der sich die deutsche und die türkische Regierung auf der Grundlage des Prinzips der souveränen Gleichheit der Staaten begegnen.“ (im Original keine Hervorhebungen)

Mal sehen, was sich die öffentlich Geohrfeigten nun einfallen lassen, um uns ihr Versteckspiel hinter der Persona der Meinungsfreiheit weiter als alternativlos vorzugaukeln…

Welch Theater…

 

Deniz’e özgürlük! – Freiheit für Deniz Yücel!

Frog1(Can Dündar, Journalismus als Verbrechen, Aus dem Türkischen von Sabine Adatepe, ZEIT, 2.3.2017, 37)

(Deniz’e özgürlük!, Petition)

(Hupen für die Pressefreiheit, taz.de, 1.3.2017)

(Hans-Peter Uhl, „Feinden der Demokratie geben wir keine Versammlungsfreiheit“, Deutschlandfunk, 4.3.2017)

Ach, lieber Can Dündar, obwohl Sie es doch eigentlich besser wissen müssten, geben Sie uns immer noch den Hoffnungsvollen:

„Der Haftbefehl gegen Deniz Yücel wird dafür sorgen, dass auch die Deutschen besser verstehen, mit welchem Unrechtsregime und welch schonungsloser Härte wir es in der Türkei zu tun haben. […]

Ich hoffe, die deutsche Regierung […] bereut endlich, zu den Menschenrechtsverletzungen der türkischen Regierung so lange geschwiegen zu haben“… (im Original keine Hervorhebung)

Ach, sevgili Can Bey, was erwarten Sie denn?

Kennen Sie denn unsere Geschichte nicht?

Wenn doch selbst Gauck, Herr unserer obersten Eunuchen-, äh, Politiker-Kaste, dieser Pseudo-Apologet der Freiheit, neuerdings nur noch eine Sorge kennt: Erdoğan und seinem Hofstaat, diesem Operetten-Sultanat (Cem Özdemir) — die Freiheit der Rede zu gewähren!!

Für ihn wie die ganze verdruckst-verschleimt winselnde Bagage von Untertan-Kreaturen (Merkel, Steinmeier, de Maizière…)

— man/frau erinnere sich an Werner Peters‚ Verkörperung des Diederich Heßling in der Verfilmung von Heinrich Manns Roman —

gilt doch stets und immer wieder nur der altbewährte Satz:

Nach oben buckeln und nach unten treten:

Hauptsache der Türkei-Deal hält!!

Und so wie der SPD-Scherge von einst bei George Grosz verkündete:

Prost Noske,… das Proletariat ist entwaffnet!

So schallt es heut‘ aus den Berliner Hinterzimmern der GroKo klamm-heimlich gen Ankara:

Prost Erdoğan, die Journalisten in den Knast!!

Frog4

Steinmeier: Von seiner SPD vorab zum „neuen sozialdemokratischen Schlossherrn“ geadelt

Frog1(Die SPD freut sich zu früh, SPIEGEL online, 11.2.2017)

Die nachfolgende Meldung macht(e) wieder mal deutlich, welch Politikverständnis die SPD ihrem Wesen nach hat:

Ein Tweet der Berliner SPD hat kurz vor der Wahl des Bundespräsidenten für Ärger gesorgt. In Anspielung auf den gemeinsamen Kandidaten der schwarz-roten Koalition, Frank-Walter Steinmeier (SPD), twitterte die Landes-SPD zu einem Foto des Amtssitzes Schloss Bellevue: „Wir freuen uns auf den neuen sozialdemokratischen Schlossherrn.“

Nicht überparteilich, sondern kleinkariert, Ressentiment behaftet und eigensüchtig; nicht demokratisch, sondern klünglerisch und feudal.

Frog4

N. Göles Gequake über „gewöhnliche Muslime“

Frog1(Nilüfer Göle, „Der Islam ist dabei, einheimisch zu werden“, Im Interview mit Karin Krüger, FAS, 20.11.2016, 48; im Internet unter: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/niluefer-goele-im-gespraech-ueber-den-islam-in-europa-14533903.html)

(Peter Dausend, Raus aus der Haut!, Zeit, 17.11.2016, 1)

(Charlotte Joppien, Die türkische Adalet ve Kalkınma Partisi (AKP). Eine Untersuchung des Programms „Muhafazakar Demokrasi“, Berlin, 2011)

(Diyanet’in çocuk dergisinde ‚şehitlik‘ övgüsü: Ne güzel şehit olmak, SOL online, 28.3.2016)

(Pater Rásonyi, Kanzlerin Alternativlos, Neue Zürcher Zeitung, 22.11.2016, 3)

Nilüfer Göle sagt über „gewöhnliche Muslime“:

„Diese Muslime aber fallen auf, da sie ihren Glauben im Alltag leben wollen. Als Konsequenz muss [wieso muss??] Europa sich damit auseinandersetzen, dass Symbolfiguren des Islams mitten im öffentlichen Leben in Erscheinung treten: etwa durch Moschee oder durch das Kopftuch.“ (im Original keine Hervorhebung)

Allein die Einfügung des Gegensatz anzeigenden Wörtchens aber macht deutlich, dass das gerade nicht die gewöhnlichen Muslime sind: Diese Muslime wollen auffallen!! Sie wollen die Show!! Sie wollen provozieren!! — Wo bitte ist der Unterschied zwischen dem mahalle baskısı (Prinzip der „gegenseitige[n] gesellschaftlichen Kontrolle“) der AKP (Joppien, 106) und der Scharia-Polizei der salafistischen Eiferer??

Dieses in Deutschland zum Teil bereits heimische Betvolk, zum Teil durch die von Merkel auferweckte und angeführte Refugees Welcome!-Heilsarmee zu Hunderttausenden aufgestockt, fällt auf und stößt – leider zu wenig – auf Widerstand:

Es gibt eine große Ablehnung des Fremden […] Auch bei Intellektuellen aus dem linken Lager, bei Feministinnen und in Teilen der Homosexuellenbewegung.

[Hört ihr: Ihr seid xenophob, ihr sol, ihr Linken!!]

Sie haben gegen die Macht der Kirche [und der Moscheen, Frau Göle!!] gekämpft, um sexuelle Freiheit und Geschlechtergleichheit zu erreichen. Nun fühlen Sie sich bedroht von der Rückkehr der Religion im öffentlichen Raum. Sie zeigen sich wenig gewillt, gemeinsam mit [solch!!] Muslimen neue Formen zu entwickeln.“ (im Original keine Hervorhebung)

Zudem fällt auf, dass immer mehr (z.B.) AKP-Anhänger sich in den sozialen Medien gegenseitig einen gesegneten heiligen Freitag wünschen: Die Entprofanisierung des Alltags unter den Sunniten schreitet munter voran. (Aleviten sind darüber gar nicht erfreut. Sie wissen genau, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis sich der sunnitische Mob wieder mal gegen sie richtet…)

Bedenklich stimmt daher Göles Aussage:

„Wer beispielsweise im europäischen Arbeitsalltag fünfmal täglich beten möchte, braucht eine Strategie. Deshalb gehen die jungen Muslime sehr reflektiert an ihren Glauben heran.

[Als ob dieses Betvolk von Aufklärung Ahnung hätte!! oder deren Ideale gar anerkennen würde!!! Ganz im Gegenteil: Ne güzel şehit olmak!]

Indem sie ihre Religion in den öffentlichen Raum einbringen, geben sie Europa einen neuen Farbton.

[Immer wieder dieses Multikulti-Geschwätz!! Als ob ein İmamların ordusu (welcher Couleur auch immer), eine von den Moscheen aus gelenkte sunnitische Armee Farbakzente setzen wolle!! Ganz im Gegenteil: Ne güzel şehit olmak!]

Genauso verhält es sich mit europäischen Konvertiten. Der Islam ist dabei, einheimisch zu werden.“

Welch‘ unerträgliche Verharmlosung des salafistischen Extremismus!!

Dann verkündet Göle ihren Imperativ: Es gelte,

„die integriert lebenden Muslime, die in allen europäischen Ländern die Mehrheit bilden, wahrzunehmen.“

Baş üstüne!

Immerhin gibt Göle zu, Teil der naiv-dümmlichen Bewegung gewesen zu sein, die in Erdoğan einen, gar den Heilsbringer der Nation sahen, ja: sehen:

„Ich war eine derjenigen, die an den von Erdoğans AKP angestoßenen Prozess der Demokratisierung glaubten. […] Etwa zehn Jahre lang hat es funktioniert. Doch dann setzte aus Gründen, die noch genau zu analysieren sind, eine Rückwärtsbewegung ein.“

Doch dies Eingeständnis hindert Göle nicht, ihr naiv-dümmliches Narrativ fortzuleben:

„Ich hoffe, dass der Wandel des Islams in eine demokratische Richtung unterstützt wird. Ich sehe in der Türkei derzeit aber nicht das Element der Religion im Vordergrund [weltfremder geht’s wohl kaum noch…], sondern Nationalismus und vor allem Nativismus.“

Und auch die nachfolgende Passage gibt Zeugnis von Göles unbegrenzter Naivität:

„Während des Putschversuchs war ich in Istanbul. Niemand wollte einen Staatsstreich, ich sah, wie die Leute sich den Panzern entgegen stellten. Wir dachten, es könnte der Beginn einer neuen demokratischen Ära sein.“

Es ist ein Skandal ohnegleichen, dass solche Schwätzer – wie die ZEIT über Steinmeier sagte: populäre „Welterklärer“ – zu Experten (für was auch immer) hochgejubelt werden…,

wobei sich vor allem die Hochjubler selbst mit hochjubeln —: Hier der schlicht-manichäische Antagonismus des eben zitierten vorgeblich Wissenden, Peter Dausend, über all die unwissenden Schäfchen im Land, verkündet von der Kanzel auf Seite 1 der ZEIT:

„Der Populismus der Weltverdreher, konfrontiert mit der Popularität eines Welterklärers“…

Ist das nicht herrlich!! Göttlich!! Άξιον εστί…:

„Bundeskanzlerin Alternativlos also, genau so, wie Merkel zu regieren pflegt.“ (Rásonyi)

(siehe auch: Menschenrechtsverständnis „gewöhnlicher Muslime“ à la AKP)

Frog4

Bald-Bundespräsident Steinmeier: Das devote Sensibelchen

 Frog1(Markus Wehner, Der Empfindliche, FAS, 20.11.2016, 3)

(Michael Paulwitz, Berliner Wagenburg, Junge Freiheit, 18.11.2016, 1)

(Christine Lemke-Matwey, Wie Ostberlin kurz nach der Wende, Zeit, 17.11.2016, 54)

Markus Wehner schreibt in der FAS über Politbarometer-Liebling, Noch-Außenminister und Bald-Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier:

„Steinmeier ist ein empfindlicher Mann, überempfindlich, sagen manche.“ (Wehner)

Das allein wäre ja nicht so tragisch. Doch er sei und wirkt auch reichlich bieder-behäbig:

„Zum zweiten Mal wurde er [Steinmeier] Merkels Außenminister. Seitdem bereist er in höchstem Tempo alle Krisenherde der Welt und alle nicht so krisenhaften Länder auch. Jeder Tag ist pickepackevoll mit Terminen. [Superstar? Batman?] Steinmeier rettet die Welt. [Doch:] Nochmals vier Jahre könne er das keinesfalls durchhalten, sagen Vertraute. […] Selten sagt Steinmeier dabei etwas, was überrascht und länger im Gedächtnis bleibt. [!!…] Aber seiner Beliebtheit kann die ruhige, etwas langweilige Art nichts anhaben, im Gegenteil. Steinmeier wird gerade deswegen gemocht.“ (Wehner; im Original keine Hervorhebung)

Beste Voraussetzungen also, um Pastor Gauck als Bundespräsidenten abzulösen. Und auch in punkto Schleimscheißerei zählt er zum Spitzenpersonal unserer Regierung. Michael Paulwitz‘ Kommentar zur Kür dieses Spitzenmanns liest sich diesbezüglich denn auch nicht eben schmeichelhaft:

„Die Kanzlerin und CDU-Chefin handelt sich Absage um Absage ein und findet keinen Kandidaten aus dem eigenen Stall, der von anderen mitgetragen würde“, so dass ihr zuletzt nichts anderes übrig blieb, als den von „SPD-Chef Gabriel […] anmaßend als „Wunschkandidaten“ des Volkes“ Bezeichneten als schon jetzt feststehenden „Sieger auf den Schild zu heben“. (Paulwitz; im Original keine Hervorhebung)

Über den Herrn Kandidaten selbst schreibt Paulwitz:

Ein farbloser Apparatschik mit bescheidener Bilanz, dessen Freude über die ihm zugeschanzte schöne Pfründe zum Karriereausklang wahrscheinlich sogar echt ist […] Er [Steinmeier] wolle weiter „unbequeme Dinge sagen“, versichert der von Politik und Medien als „integer“ und „erfahren“ Umschmeichelte brav – als hätte er das schon jemals in seiner Karriere getan.“ (Paulwitz; im Original keine Hervorhebung)

Beispiel: Das Einknicken gegenüber Despoten Erdoğan – vom Auswärtigen Amt am liebsten in aller Stille vollzogen, auf dass die (je Vorgang uneingeweihte) Öffentlichkeit kaum etwas mitbekommen möge und an Steinmeiers Image nicht gekratzt werden kann:

„Der Türkei, die den Völkermord [an den Armeniern] bis heute leugnet, missfiel das kleine Projekt [das Konzertprojekt Aghet – Ağıt] so sehr, dass sie im April aus dem beteiligten EU-Förderprogramm ausstieg und außerdem dafür sorgte, dass das für den 13. November im deutschen Generalkonsulat in Istanbul vereinbarte Gastspiel kurzfristig abgesagt wurde“: und das, obwohl Aghet / Ağıt auch „vom deutschen Auswärtigen Amt unterstützt“ wird!!

Dieses diplomatisch-unwürdige feige Verhalten, diese Schande versteckten die Gutmenschen der Zeit in ihrem Feuilleton, während im Politikteil gern Steinmeiers mutiges Eintreten für die Freiheit gefeiert wird. Auch das: Ein Stück Lügenpresse

Christine Lemke-Matwey fühlt sich angesichts dieser Kulturpolitik sogar an 1915 erinnert. Auch damals wussten

„die Deutschen […] um die Deportationen der Armenier, unternahmen aber nichts, da man die Türkei im Weltkriegsgeschehen »noch sehr brauchen« würde, wie Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg sich ausdrückte“. (Lemke-Matwey; im Original keine Hervorhebung)

In so einer Notlage sieht sich Merkel derzeit wohl auch: Gegen ihre „Politik des fortgesetzten Rechtsbruchs“ (Paulwitz) – sprich: die unkontrollierte Flutung Deutschlands mit hunderttausenden Flüchtlingen – scheint ihr und ihrer Regierungsmannschaft nur ein Ausweg möglich: Der Deal mit Erdoğan – zu welchem Preis auch immer. Da sind sich Merkel und Steinmeier einig: Hoch lebe der neue Bundespräsident! Der Bückling, Beweihräucher der Kanzlerin!

Wie sagt Paulwitz über unser Establishment so schön:

„einen Bundespräsidenten, der – wenn er schon keine Exekutivgewalt hat – wenigstens die Fehlentwicklungen beim Namen nennen und dem Politikbetrieb die Leviten lesen würde, lässt die politische Klasse, die dafür die Verantwortung trägt, nicht mehr zu.“ (Paulwitz)

Da macht das Durchregieren doch Freude: Lang lebe die Alternativlosigkeit!

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Deutschlands grandios-glorreicher Beitrag zur Meinungsfreiheit auf der Istanbuler Buchmesse

Frog1(Tilman Jens, Buchmesse Istanbul, Kulturzeit, 15.11.2016)

(Kulturzeit vom 15.11.2016)

(Deutschland Gastland in Istanbul, Frankfurter Buchmesse (online))

(Sabine Kieselbach, Kommentar: Gastland Deutschland bei der International Istanbul Book Fair – Akt der Solidarität mit türkischen Autoren, Deutsche Welle online, 15.11.2016)

I

2016 war Deutschland Gastland der 35. Istanbuler Buchmesse (İstanbul Kitapçısı) vom 12.-15. November 2016. Deutschland stellte seinen Auftritt unter das Motto „Worte bewegen“. Sözcüklerin etkisi: Was der Slogan (wörtlich übersetzt:) die Wirkung der Worte soll, wird durch folgende Ereignisse evident:

Am letzten Tag der Buchmesse, am 15.11.2016, ließ es sich Bundespräsident-Anwärter Steinmeier, der am Tag zuvor, am 14.11.2016, nach Ankara pilgerte, nicht nehmen, mal wieder diplomatische Schleim-Akzente zu setzen. Voll klammheimlich zur Schau gestellter Freude eilte er – selbstredend: natürlich nicht nach Istanbul, der Solidarität mit den Geschundenen wegen (die ihm angeblich ja so am Herzen liegen), sondern – zu seinem Intimus, dem Sultan, um ihm als Bückling seine Aufwartung zu machen: Befehle, Herr, und ich folge! Baş üstüne!

Tina Mendelsohn demaskiert denn auch Steinmeiers devot-schleimig-heuchlerischen Charakter in ihrem Statement ob dieser Tat:

„Erdoğan lud heute kurzfristig den deutschen Noch-Außenminister und Fast-Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier zu sich ein. Eisige Minen und seit Tagen Säbelrasseln. Deutschland sei ein sicherer Rückzugsraum für Terroristen, schallt es aus Ankara. Jetzt wird schmutzige Wäsche gewaschen. Nichtsdestotrotz hat Steinmeier gerade verkündet: Diese Türkeireise sei positiv verlaufen.“

Zu deutsch: Der Deal steht! — Und dieser Heuchler soll nun durch Regierungsbeschluss ins Präsidentenamt gehievt werden…

II

Doch zurück zur Buchmesse. Wohlgemerkt: Unter denen, die den Auftritt Deutschlands gestalteten, firmierte das Auswärtige Amt an erster Stelle:

„Das Auswärtige Amt, die Frankfurter Buchmesse und das Goethe-Institut gestalten den Gastlandauftritt Deutschlands in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, dem Verband der deutschen Messewirtschaft AUMA und der Messe Leipzig International LMI.“ (Frankfurter Buchmesse/buchmesse.de; im Original Fettdruck)

Doch nicht nur dieses Amt, all die in Istanbul auf der Messe geschäftlich anwesenden Deutschen zeigten sich vornehmlich als kleinlaute, mutlose, verängstigte Eunuchen. Das Motto des Gastlands hätte wohl treffender: Die Bemühung des Todschweigens geheißen.

Im Bericht der Kulturzeit (15.11.2016) wird deutlich, wie sprach-, politik- und tatenlos unsere Kulturmemmen agierten:

  1. Maria Böhmer, Beauftragte der Bundesregierung für Migration, überreichte – wohl zur Aufrechterhaltung des Flüchtlingsdeals und Selbstdesavouierung – ein Kochbuch mit Titel „Kraut Kopf“. (Den Anfang der Kochbuchdiplomatie machte freilich der Gastgeber. Der stellvertretende Kulturminister der Türkei, Hüseyin Yayman, gut genug, das Gastland willkommen zu heißen, überreichte zuerst sein Kochbuch…: zur Aussetzung der Meinungsfreiheit.)
  2. Am Stand der Cumhuriyet hieß es: „Nein, die Deutschen sind hier leider nicht aufgetaucht.“
  3. Am Stand (mit Titel #özgürlüğesesver, gib der Freiheit eine Stimme) der inhaftierten Schriftstellerin Aslı Erdoğan, hieß es: „Bisher ist nicht ein einziger deutscher Autor zu uns gekommen.“
  4. Vor dem Knast, in dem Erdoğan einsitzt, zeigten sich zwar immerhin 7 von 50 deutschen Messe-Delegierten. Doch Wirkung sieht anders aus. Kommentar Tilman Jens‘: „Ein Bild des Jammers.“ Gleichwohl betonte Alexander Skipis, Börsenverein des deutschen Buchhandels, wie wichtig es sei, „dass wir heute hier sind“. Übrigens: Vom Goethe-Institut Istanbul kam kein einziger Vertreter.
  5. Pseudo-Philosoph Wilhelm Schmid begründete sein Fernbleiben der Demonstration vor dem Knast: „Ich habe meiner Familie schlicht versprochen: Ich begebe mich in keinerlei Gefahr.“

Gepriesen sei die Wirkung solch‘ Worte und Taten! –– Den Sultan wird’s freuen!

PS: Besonders hübsch ist die Kommentierung der Gutmenschin Sabine Kieselbach zur deutschen Solidaritätsbekundung (zu den o.g. Punkten 1-5):

Kieselbach zufolge zeige sich im Verhalten der Deutschen nämlich:

„die Aufforderung zum Dialog. Man will das Gespräch nicht abreißen lassen, nicht mit den Kollegen, aber auch nicht mit den offiziellen Gesprächspartnern. In der Politik nennt man das Diplomatie.“ (Kieselbach)

Da kann selbst Steinmeier noch ’was lernen!

Frog4