Die Islamisten, die Gutmenschen und das Islamophobie-Sprachspiel

(Richard Gutjahr, „An Deiner Stelle würde ich mir in die Hose scheissen, dass meiner Tochter auch mal was passieren könnte.“, ZEIT, 18.1.2018, 6)

(Rassismusvorwürfe nach „Kameltreiber“-Rede, ZEIT online, 15.2.2018)

Journalist Richard Gutjahr, nach eigener Aussage „Augenzeuge des Terroranschlags in Nizza“, was in den sozialen Medien zum Teil vehement bestritten wird, leidet seit damals unter Angriffen von Truthern. Truther: das sind (nach Definition Gutjahr) „die Wortführer, die Verschwörungstheoretiker“, die meinen, nicht nur die Wahrheit zu kennen, sondern sie auch gegen all die, die sich gegen sie verschworen haben, durchsetzen zu müssen; sie wähnen sich im Recht, im Kampf des Guten gegen das Böse das Gute, für das sie stehen, durchsetzen zu dürfen, ja müssen.

Ein Schelm, der dabei nicht an den IS denkt oder an die diversen, zum Teil selbst ernannten, Islam-(Verbands-)Führer und die von ihnen Geführten, die sich, obschon sie untereinander zum Teil heillos zerstritten sind, in einem Punkt Einigkeit demonstrieren: Sie behaupten, von aufmüpfigen kuffār bedroht zu sein. Und so werfen sie all ihren Kritikern vor, auf islamistische Schandtaten, mit denen sie selbstredend nichts zu tun haben, islamophob (über-)zureagieren.

Dieser Vorwurf verfehlt seine Wirkung nicht. Kein Gutmensch, der ja per se multikulti eingestellt ist, der sich vorwerfen lassen will, islamophob zu sein. Denn islamophob ist doch das Gegenteil von multikulti. Gemäß des Grundsatzes Nicht sein kann, was nicht sein darf heißt das: Von Islamisten begangene Gräueltaten sind die Taten einzelner, fehlgeleiteter Individuen, Psychopathen. Alles halb so schlimm. Die Ausnahme ist lediglich die Bestätigung der Regel. Die Flüchtlinge mit ihrem Primitiv-Islam sind eine Bereicherung. Jawohl! Und wehe dem, der dem widerspricht: Der wird mit dem Vorwurf islamophob zu sein in die rechte Ecke gestellt. Schande über ihn!

Ganz anders die Gutmensch-Argumentation, wenn es darum geht einen, der der Gruppe der in der rechten Ecke Stehenden (per Vorverurteilung) bereits zugewiesen ist, sich unflätig äußert. Beispiel die Aschermittwoch-Rede des AfD-lers André Poggenburg, in der er

„Türken in Deutschland als „Kümmelhändler“ und „vaterlandsloses Gesindel“ bezeichnet. „Diese Kameltreiber sollen sich dorthin scheren, wo sie hingehören, weit, weit, weit, hinter den Bosporus, zu ihren Lehmhütten und Vielweibern. Hier haben sie nichts zu suchen und zu melden““ (ZEIT online)

Hier ist dann nicht mehr von einem Einzeltäter die Rede. Vielmehr wird das Verhalten dieses einzelnen und damit seine Widerlichkeit zu einem Vorwurf pars pro toto: AfDler per se sind böse. So äußerte sich beispielsweise

Aydan Özoğuz, die auch [!!] Integrationsbeauftragte der Bundesregierung ist [und deren Brüder bekennende Islamisten sind, was freilich nie erwähnt wird], warf Poggenburg vor, sich „außerhalb unserer demokratischen Grundordnung“ zu stellen. [Um dann zum Pauschalurteil überzuleiten:] „Der bürgerliche Putz der AfD bröckelt immer stärker, ihr Fundament ist braun“, sagte Özoğuz ebenfalls dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.“ (ZEIT online; im Original kein Fettdruck)

Dabei hätte Özoğuz durchaus die Möglichkeit gehabt, die AfDler als Gruppe anzugreifen: da das Publikum seinem Redner applaudierte und sogar „Abschieben!“ forderte.

Ach, was wären all die Meinungsführer von rechts wie links qua Amt ohne die, die ihnen wie Hammel hinterher traben und mit-blöken.

Über das weite Feld der Mitläufer schreibt Gutjahr:

„Der Großteil derer, die Truther- und Hass-Videos liken oder teilen, sind harmlose Mitläufer. Doch man sollte ihre Rolle nicht unterschätzen. Erst dadurch, dass sie den Hass weiterverbreiten, werden die Wortführer in die Lage versetzt, Macht über ihre Verleumdungsopfer zu gewinnen.“

Ach, ihr Gutmenschen, die ihr euch über die AfDler so herrlich in Rage reden könnt. — Eure Scheinheiligkeit ist mittlerweile so eklatant, dass euch immer weniger glauben: Nach Umfragen derzeit 15 Prozent für die AfD. Das habt ihr (mit) zu verantworten. Und je mehr ihr Probleme leugnet, schön redet, umettiketiert, desto mehr wächst die Gruppe derer an, die von euch rechts verortet wird und die dann bei nächster Gelegenheit per Wahlzettel gegen euch aufbegehren…

Am Fall Özoğuz kann man zudem lernen, wie frau trotz islamistischer Familien-Vorbelastung zur Sauberfrau wird. Gutjahr zeigt das Argumentationsmuster auf:

Argumentationstrick: sich selbst zum Opfer stilisieren

„Tatsächlich gelingt den Hass-Tätern ein erstaunlicher Trick, den ich schon oft bei meinen Bemühungen, mit den Mitläufern zu kommunizieren, beobachtet habe: die Anführer suggerieren ihren Anhängern, nicht Täter, sondern Opfer zu sein.

[Im Fall von Özoğuz geht das so: Ich bin eine (bekennende) Muslima. Habt mich gefälligst lieb, ihr kuffār! Und falls ihr mich nicht lieb habt, so sage ich euch geradeheraus: Das macht ihr nur, weil ich Muslima bin. Pfui! Ihr seid ja islamophob! Schande über euch! Möget ihr im Höllenfeuer schmoren, wie Allah es für euch vorbestimmt hat!! –– Sie sehen, es ist höchst belebend, sich aus der eigenen Opferrolle heraus echauffieren zu können:]

Das senkt die eigene Hemmschwelle und rechtfertigt Hetze als adäquate Selbstverteidigung gegen ein übermächtiges System.“

In Deutschland ist das System, gegen das die mehr oder weniger radikal-fanatischen Moslems aufbegehren, das der zahlenmäßig (noch) überlegenen dhimmi.

Doch zum Glück leben wir Menschen in der Ambivalenz und so gilt Hölderlins Aussage:

Wo aber Gefahr ist, wächst

das Rettende auch.

Und so könnten ja demnächst die Kirchen, die wegen Unterfüllung eigentlich geschlossen werden müssten, husch husch zu Moscheen umgerüstet, umfunktioniert werden. Das bringt Geld in die Kasse der Kirche und spart zudem Ausgaben des Staats. Welch win-win-Potenzial!

Wann werden wir es endlich schaffen, Jenseits von gut und böse zu kommen, um dann in einen herrschaftsfreien Diskurs eintreten zu können. –

Die alten Griechen waren da schon weiter. Ihre Götter waren per se ambivalent angelegt. Kein Schablonendenken in gut und böse, Gläubige und Ungläubige, Paradies und Höllenfeuer (wie im Koran). Und, Frau Özoğuz, die sie ja behaupten, Deutschland habe keine Kultur (außer Deutsch als Sprache), sei entgegnet: Schauen Sie sich mal um in unseren Städten und sie werden sehen…

Den Haupteingang der Universität Freiburg flankieren zwei Statuen: Homer und Aristoteles: Literatur und Wissenschaft fußend in der von den Vorsokratikern kreierten Geisteswelt: Das ist unsere, das ist europäische Kultur(-Tradition). Ihren geistlosen (Primitiv-)Islam (nebst Kodex: Heirat mit 9 Jahren, wie nun auch in der Türkei wieder erlaubt werden soll, Vielehe, Köpfen, Steinigen, etc. und Logik: Analogieschlüsse, die es jedem Taliban durch Zitieren irgendwelcher Koranstellen erlauben, eine Fatwa zu erlassen) brauchen wir wahrlich nicht zur Bereicherung.

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