Was bleibt von Merkel?

Frog1(Markus Horntrich, 2017 geht es um die Wurst, Der Aktionär, 6.-12.1.2017, 3)

(Bündnis 90 / Die Grünen, Flüchtlinge, 10.1.2017)

Merkels Regierungserfolg fällt derzeit traurig aus. Denn das Land ist gespalten:

Rein sachlich (und auch rechnerisch (siehe: Merkelnomics) richtig betrachtet, ist das Fazit nach 2 Legislaturperioden Merkel ernüchternd:

„Merkels Amtszeit wird in die Geschichte vor allem als unkoordiniertes Großexperiment in Migrationsangelegenheiten eingehen. Als Amtszeit, in der der Terror nach Deutschland kam, mit dem „wir nun leben müssen“.“

Doch während die einen lamentieren, freuen sich die andern (in ihren sozialen Netzwerken) über jeden (pseudo-)syrischen Flüchtling, dem es mit ihrer Hilfe gelang, (auf Staatskosten versteht sich) eine angemessen große, eigene Wohnung zu ergattern und (endlich nach reichlich Nachfassen bei den Behörden) mit seiner vielköpfigen Familie auf deutschem Boden (auf Staatskosten versteht sich) wiedervereint zu sein. Hurra!!

Merkel sei Dank: Endlich gibt es eine Klientel, um die sie sich all die Gutmenschen, die bislang ihre Talente nicht entfalten konnten, kümmern dürfen. Auf dass es so bleibe: O, ihr Flüchtlinge, ach kommet doch all !!!! — Das Gutmensch-Credo, z.B. der Grünen, lautet daher:

Das „Menschenrecht auf Schutz und Asyl [kennt] keine, wie auch immer gearteten Obergrenzen oder Maximalkapazitäten.“

Frog4

Saudis planen weitere Moscheeneubauten

Frog1(Alexander Jungert, Hasan-Hüseyin Kadıoğlu u. Dirk Lübke, Salafisten bieten in Mannheim Millionen, morgenweb, 14.12.2016)

Und immer noch versucht Saudi-Arabien uns mit reichlich Geld ihren Primitiv-Islam anzudienen:

„Die religiös extremistische Salafistenbewegung wollte in Mannheim mit mehreren Millionen Euro einen Standort für ein großes Zentrum erwerben. Das bestätigte Kemal Hodzic, ehemaliger Vorsitzender des Islamischen Kulturzentrums Bosnien-Herzegowina.

So berichtet es der „Mannheimer Morgen“. Es habe ein Angebot einer saudi-arabischen Stiftung gegeben. Demnach sollte ein Gelände gekauft und der Bau einer salafistischen Moschee mit „drei bis vier Millionen Dollar“ aus Saudi-Arabien erfolgen. Hodzics Verein habe allerdings abgelehnt.

Im August dieses Jahres hatte laut der Zeitung eine ähnliche Entwicklung in Oeffingen (Rems-Murr-Kreis) für Aufsehen gesorgt. Damals wäre im Gewerbegebiet der 7000-Einwohner-Stadt ein Gebäude von drei Geschäftsleuten erworben worden, um ein Salafistenzentrum daraus zu errichten. Die Gemeinde Fellbach, zu der Oeffingen gehört, hatte durch eine Änderung des Bebauungsplanes den Erwerb – es war von etwa einer Million Euro die Rede – rückgängig gemacht. Danach waren religiöse Versammlungen in Gewerbegebieten untersagt.“

Nicht nur manch‘ Flüchtling ist leichte Beute… (siehe: Ziel islamistischen Terrors)

Daher gilt es, wachsam zu bleiben…

Frog4

G. Kepel: Ziel islamistischen Terrors

Frog1(Gilles Kepel u. Antoine Jardin, Der Terror in Frankreich. Der neue Dschihad in Europa, Aus dem Französischen von Werner Damson, München, 2016)

(Gilles Kepel, Laster, schwarz und weiß, Im Gespräch mit Elisabeth von Thadden, Zeit, 5.11.2017, 39f)

(Gilles Kepel, La fracture, Paris, 2016)

(Boualem Sansal, Allahs Narren. Wie der Islamismus die Welt erobert, Deutsch von Regina Keil-Sagawe, Gifkendorf, 72016)

Lange hat es gedauert, bis unsere Gutmenschen aus ihrem Schlummer dümmlich-naiver Entzückung erwachten. Nun heißt es selbst in der ZEIT:

„Die jüngsten Anschläge öffnen uns die Augen: Wir merken endlich, wie spät wir im Kampf gegen den Terror dran sind.“ (Untertitel/Beitext zum Interview, 39)

Gilles Kepel gilt als einer, für Boualem Sansal sogar als „zweifellos der größte Experte für Fragen des politischen Islam“ (30) in Europa. Obwohl Kepel, ganz Gutmensch, die Willkommenskultur als bewundernswert charakterisiert und die Zahl der potenziellen Gefährder unter den Flüchtlingen kleinredet, gesteht er doch zu:

„Die bewundernswerte Willkommenskultur darf einen nicht übersehen lassen, dass eine winzige Minderheit der Flüchtlinge leicht [!!] für den Dschihad mobilisierbar ist. Darauf sind die Sicherheitsbehörden nicht vorbereitet.“ (Interview, 40)

Wie recht er hat, zeigte zuletzt der Fall Amri

In seinem Buch Terror in Frankreich beschreibt Kepel (in Zusammenarbeit mit Antoine Jardin) nicht nur wie sich der Islamismus in Frankreich ausbreitete und zu einer permanenten Terrorbedrohung in Frankreich wurde. Detaillierter als im ZEIT-Interview zeigt er in seinem Buch Terror in Frankreich auch auf, wie der gegenwärtige islamistische Terrorismus entstand und welche Phasen er (bislang) durchlief.

Erste Phase: Unterstützung islamistischer Guerilleros (in Afghanistan: 25.12.1979-15.2.1989: Während der Okkupation durch die Rote Armee)

in der ersten Phase kämpften die Islamisten „ihren Dschihad vor allem gegen muslimische Bevölkerungen“. (Interview, 39) Dabei wurden sie zum Teil massiv vom Westen unterstützt, aufgebaut und hofiert:

„Die Vereinigten Staaten und die Ölmonarchien der Arabischen Halbinsel […] bewaffneten, trainierten und finanzierten islamistische Guerilleros (die Mudschaheddin) in Afghanistan und in der ganzen Welt (die Dschihadisten). Und die Vereinigten Staaten […] tolerierten sogar Rekrutierungsbüros auf ihrem eigenen Staatsgebiet.“ (9; im Original keine Hervorhebungen)

Und: Islamistischer Aufstand in Ägypten und Algerien

in Ägypten und Algerien jedoch war die islamistische Revolution weniger erfolgreich:

„Nach einem fünfjährigen Bürgerkrieg, der bis zu hunderttausend Tote in Algerien und zehntausend Tote in Ägypten forderte, waren die Dschihadisten im Herbst 1997 am Ende. […]

Bereits zu dieser Zeit war auch Europa Schauplatz des bewaffneten Dschihadismus, aber nur als zweitrangiges Ziel: 1994 griff der algerische Bürgerkrieg mit der Entführung eines Linienflugzeugs Algier-Paris der Air France auf Frankreich über, 1995 mit einer Reihe von Attentaten, vor allem in der Pariser Metro.“ (10)

Zweite Phase: Terror-Krieg gegen die USA (1998-2005)

Da in Nordafrika (anders als in Afghanistan) „die Massen der islamistischen Avantgarde nicht gefolgt sind“, sah es Ayman al-Zawahiri – in seinem im Dezember 2001 veröffentlichten Manifest Ritter [fursan] unter dem Banner des Propheten – als notwendig an, den Dschihad nicht (so sehr) gegen einen nahen Feind, sondern gegen einen weit entfernten Feind, die USA, zu richten. (11) Und da die Mittel nicht ausreichten, diesen Kampf militärisch zu führen, sei eine neue Strategie erforderlich: Schrecken: Terror zu verbreiten.

Als Rechtfertigung hierfür nannte al-Zawahiri:

Sure 8, Vers 60 des Korans: »Und rüstet wider sie, was ihr nur vermögt an Streitkräften und berittenen Grenzwachen, damit in Schrecken zu setzen Allahs Feind und euren Feind«.“ (12; im Original keine Hervorhebungen)

Als Angriffsziele wurden Stätten gewählt, die die westliche Kultur symbolisieren.

„So ist der »9/11« die zeitgenössische Neuauflage der Belagerung und Einnahme Konstantinopels, die das Byzantinische Reich im Jahr 1453 zur Kapitulation zwangen.“ (im Original kein Fettdruck)

Zudem erklärte al-Zawahiri die Medien zum propagandistischen Machtfeld. In der Tat wurde 9/11, so Kepel, weltweit als „ein hollywoodeskes Spektakel“ inszeniert und entfaltete nicht zuletzt dadurch „eine ungeheure Wirkung“. (12) Doch:

„das mediale Spektakel nutzte sich ab und die Massen konnten nicht dauerhaft erreicht werden.“ (12)

Dritte Phase: Globaler Dschihadismus (ab 2005)

„Der syrische Ingenieur Abu Musab al-Suri, der für die Öffentlichkeitsarbeit bin Ladens zuständig gewesen war, zog die Bilanz aus dem Misserfolg dieser beiden Phasen des Dschihadismus und veröffentlichte im Januar 2005 einen Appell zum weltweiten islamischen Widerstand im Internet. Dieser umfangreiche Text erklärt erstmals ausdrücklich Europa zum zentralen Schlachtfeld des globalen Dschihadismus.“ (13; im Original kein Fettdruck)

Ziel: Spaltung der Gesellschaft

Anders als seinerzeit die RAF zielt der IS, so unterstellt Kepel, nicht darauf ab, die Bevölkerung von der Notwendigkeit der, von der Terror-Organisation als Avantgarde vorgetragenen Revolte zu überzeugen.

Die islamistischen Selbstmordattentäter wollen, so Kepel, mit ihren Anschlägen nicht primär (wie einst die RAF) den Staat herausfordern, sondern vielmehr (zunächst) die mehrheitlich nicht-muslimische, weitgehend zombiereligiöse (Todd) Bevölkerung gegen die Minderheit der muslimischen, genauer sunnitischen Bevölkerung aufbringen:

„Das Ziel des islamistischen Terrors ist es, die europäischen Gesellschaften zu spalten. Vor dieser fracture warne ich in meinem jüngsten Buch.“ (Interview, 39)

Zweck der IS-Terror-minds sei es, durch eine Vielzahl von Anschlägen gegen alles, was von Islamisten als christlich-dekadent, ḥarām, angesehen wird/werden kann (als stimuli), innergesellschaftlich eine Spirale des Hasses (als responses) in Gang zu setzen: Nicht-Muslime gegen Muslime; Muslime gegen Nicht-Muslime… (Vorbild Israel??)

Realitätsnahe (!!) und konsequent angewandte (!!) Sicherheitskonzepte könnten helfen. Duckmäusertum, Verleugnen, Verdrängen, Schönreden und Aussitzen jedenfalls, so zeigt die Geschichte, ermunterte die Säer von Hass noch und ließ ihre Saat stets üppigst aufgehen…

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M. Hampe: Zur postfaktizistischen Katerstimmung bei (den Gutmenschen) der KWL

Frog1(Michael Hampe, Katerstimmung bei den pubertären Theoretikern, Zeit, 15.12.2016, 48)

Michael Hampes These (zur Kritik der KWL) lautet:

„Seitdem die Rechte postfaktisch geworden ist, hat die kulturwissenschaftliche Linke [(KWL)] ein echtes Problem“. (Untertitel)

Den Grund hierfür sieht Hampe im Mangel an theoretischer Durchdringung der aus der Tradition der Vorgänger (Nietzsche, Heidegger, Foucault) unkritisch übernommenen Theoreme:

„Warum geht es der KWL schlecht? Das liegt nicht an der Ärmlichkeit und Widersprüchlichkeit ihrer theoretischen Praxis. Für die kann sie nichts. Denn die hat sie sich ja nicht selbst ausgedacht, sondern von Nietzsche, Heidegger, und Foucault geerbt, die sie nicht recht verdauen konnte, deren Theoreme sie jedoch bei sich geistig auf Dauer gestellt hatte.“

Der Mangel an sowohl Reflexionsbereitschaft als auch Reflexionsvermögen zeige sich insbesondere unter Bezug auf die eingeschränkte Gültigkeit des Faktischen: Könne doch das Faktische nur historisch: im historischen Kontext Gültigkeit beanspruchen:

„die KWL [hat sich] jahrelang nur selbst gefeiert, weil sie von Großonkel Nietzsche gelernt und richtig verstanden hat, dass es keine absolute Wahrheit und keine nicht in historischen Situationen beschriebenen Tatsachen gibt“.

Laut Heideggers Existenzialanalytik hat die Faktizität gar nur Entwurf-Charakter: Das Dasein west im (hermeneutisch ausgelegten) Zeitlichkeitskontext des (je-meinigen) Verstehens:

„Und nur weil das Sein des Da durch das Verstehen und dessen Entwurfcharakter seine Konstitution erhält, weil es ist, was es wird bzw. nicht wird, kann es verstehend ihm selbst sagen: »werde, was du bist!«.“ (SuZ, § 31, Abs. 9)

Insofern mutet es grotesk und absurd an, dass (ausgerechnet) die KWL ihren von ihr zu Populisten erklärten Widersachern vorwirft, (im Gegensatz zu ihren eigenen Positionen) a priori nur (zugleich) postfaktisches und amoralisches Geschwätz vorzutragen. Doch die Angegriffenen – welch Graus – reagieren nicht (länger) als in unredlichem Handeln Ertappte:

„Doch jetzt schert sich der Gegner nicht mehr um die Korrekturversuche, sondern sagt: »Wir lassen uns von euch kein schlechtes Gewissen mehr einreden, weil wir diese oder jene Wörter verwenden und damit angeblich Mikroaggressionen ausüben! Glaubt ihr, euer Versuch, uns zu sagen, wie wir zu sprechen haben, sei keine Aggression? Wer ist hier eigentlich der bully: wir mit unserer ungehobelten Rede oder ihr, die ihr uns als naive Rassisten entlarven und einsortieren wollt? Ihr habt doch bei eurem Hausheiligen Nietzsche ganz genau gelernt, wie Schwache die Starken unterdrücken: indem sie ihnen ein schlechtes Gewissen einreden! […]«“

Also sprach der Anti-KWLer:

„Nun, wenn [ohnehin] alles nur konstruiert ist, dann konstruiere ich mir jetzt eben mal“

meine Welt à la Pipi Langstrumpf: Wie sie mir gefällt…

Tja, ihr Gutmenschen, ihr blasierten Apologeten der Postfaktizität, damit habt ihr wohl nicht gerechnet…

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Die Flüchtlinge und die Zunahme des Terrors

Frog1(Elif Shafak, Der Geruch des Paradieses, Aus dem Englischen von Michaela Grabinger, Berlin 2016)

Auch wenn uns die Gutmenschen einreden wollen, dass es keinen Zusammenhang zwischen der Zunahme moslemischer Flüchtlinge und der Zunahme islamistischen Terrors gebe: Die Fakten sprechen dagegen:

  1. In Ländern ohne nennenswerten islamischen Bevölkerungsanteil gab es bislang keinen einzigen Terroranschlag!! (Siehe Polen…)
  2. Seit der verfassungswidrigen!! Flutung Deutschlands mit hunderttausenden Flüchtlingen aus fast ausschließlich moslemisch bevölkerten Ländern (Syrien, Afghanistan, Tunesien…) stieg die Zahl der Gefährder und der islamistisch motivierten Terroranschläge in Deutschland sprunghaft an.

Der Grund für Punkt 2 ist darin zu sehen, dass Moslems in muslimisch geprägten Ländern bislang nicht gelernt haben und kaum Bereitschaft zeigen, Konflikte gewaltfrei zu lösen. (Siehe u.a. sprunghafter Anstieg der Ehrenmorde, Gewalt gegen Frauen, Forderung der Wiedereinführung der Todesstrafe… in der Türkei seit Erdoğans Machtübernahme; siehe auch Auspeitschen, Köpfen, Steinigen… in Ländern, die die Scharia immer noch/wieder praktizieren: Saudi-Arabien, Iran…) Insbesondere Sunniten tendieren dazu, Andersgläubige als minderwertig und vernichtenswert anzusehen: Es ist doch auffällig, dass Selbstmordanschläge (fast) ausschließlich von Sunniten begangen werden und nur die Konvertiten als gewaltverherrlichend auffallen, die sich zum sunnitischen Islamismus (SalafismusIS…)  bekennen…

Zudem: An den Türken auf deutschem Boden (und ihrer überproportional hohen Erdoğan-Hörigkeit) kann man/frau wunderbar studieren, was es heißt, Menschen anderer Nation en masse aufzunehmen (und sie  Enklaven bilden zu lassen bzw. sie sogar darin zu bestärken, um dies dann als Multikulti-Großtat preisen zu können): Die Spannungen des Herkunftslands werden selbstredend mit importiert und über Generationen in der Fremde vererbt und (insbesondere in Abschottung) weiter kultiviert…

Und auch aus religiösen Gründen ist die Integrationsbereitschaft nicht sonderlich ausgeprägt: Für einen wahren Moslem ist nur verbindlich, was Koran und hoca sagen…

Eine Vermittlung zwischen Säkularen und den mehr und mehr erstarkenden Religiösen ist selbst in der Türkei kaum noch bzw. gar nicht mehr in Sicht. Über den Riss, die schier unüberwindliche Kluft in der türkischen Gesellschaft schreibt Elif Şafak in ihrem jüngst übersetzten Roman:

„Die Gesellschaft hatte sich in unsichtbare Gettos aufgeteilt. Istanbul glich weniger einer Metropole als einer Flickenstadt aus voneinander abgeschotteten Communitys. [sic] Man war entweder »streng religiös« oder »streng säkular«, und diejenigen, die sich noch irgendwie in beiden Lagern gesehen und mit dem Allmächtigen ebenso leidenschaftlich auseinandergesetzt hatten wie mit der Gegenwart, waren entweder verschwunden oder auf gespenstische Weise verstummt.“ (145)

Dass das restriktive Beharren auf die eigene Position als die allen andern überlegene auch in der Fremde weiterlebt: Das ist der Wille Erdoğans:

 „Assimilation ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.“ (Köln, 10.2.2008)

Schon vergessen??

Fazit: All das ficht Gutmenschen freilich nicht an. Doch wer den Vorwurf erhebt, dass AfD-ler per se postfaktisch eingestellt seien, muss zugleich zugestehen, dass dies für all die naiv-dümmlich-realitätsfremden Gutmenschen erst recht gilt. Denn die AfD ist nur die Reaktion auf das (ursächliche) Gutmenschengelaber: Ohne Gutmenschengelaber keine AfD:

Der Spuk wär‘ schnell vorüber…

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Endzeitdrohung: M. Elsbergs „Black Out“ vs. F. Schätzings „Der Schwarm“

Frog1(Marc Elsberg, Black Out, München, 232013; blanvalet 38029)

(Frank Schätzing, Der Schwarm, Frankfurt a.M., 272016; Fischer 16453)

(Dirk Althaus, Zeitenwende: Die postfossile Epoche. Weiterleben auf dem Blauen Planeten, Murnau a. Staffelsee, 2007)

Beide Romane sind Bestseller; es sind dicke Schmöker (Schwarm: 989 bzw. Black out: 800 Seiten); in beiden bedroht ein — mächtiger, vielleicht sogar übermächtiger — Gegner die westliche Welt; beide Gegner wollen die Regression:

Regressionsphantasien sind nichts Neues; sie finden sich zahlreich in der Literatur, z.B. bei Gottfried Benn

Bei Frank Schätzing lauert der Schwarm, eine nicht-menschliche Spezies, in den Tiefen der Meere: Sie will ihr Habitat wieder für sich allein haben und alles Menschengemachte, alle Menschen in ihm vernichten. Marc Elsbergs Feinde hingegen sind Menschen: Es sind radikale Antikapitalisten, denen fast alle Mittel recht sind, um die westliche Welt zurück zum Naturzustand zu bringen…

Beide Romane sind zudem wissenschaftlich fundiert; ihre Zivilisationskritik ist science fiction. Dirk Althaus, einer derer, die die Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels von der fossilen zur postfossilen Gesellschaft thematisier(t)en, weist in Die postfossile Epoche (mehrmals) explizit in auf Schätzings Der Schwarm hin:

„Das [Schätzings Der Schwarm] ist lesenswert zum Verständnis der Menschenrolle in der Welt, denn was von Schätzing auf tausend Romanseiten komprimiert wurde, geschieht auf Milliarden Seiten in der Realität. Es stellt sich wieder die Frage, ob wir mit der Zähmung des Feuers einen falschen Weg gewählt haben.“ (Althaus, 76)

In beiden Romanen geht es um Steuerung: Bei Schätzing geht es um die Steuerung von Lebewesen —

„Diese Gallerte beispielsweise: Sie […] steuert andere Lebewesen, indem sie ihre neuronalen Netze befällt.“ (Schätzing, 576) —;

Bei Elsberg hingegen geht es um die Steuerung von technischem Equipment. Elsberg konkretisiert die Anfälligkeit zunehmend smarter Technologien in der Energiewirtschaft für gezielte Angriffe durch IT-Saboteure. Doch kombiniert wird diese Technikkritik auch bei ihm durch eine Zivilisationskritik. Die fällt in seinem Roman ambivalent aus: Zum einen geht es (zumindest einigen Radikalinskis unter) den Saboteuren um „eine Rückkehr in vorindustrielle Lebensformen“, (Elsberg, 595) die von ihren Befürwortern entsprechend positiv bewertet wird. Zum andern zeigt Elsberg dystopisch den Rückfall in ein homo homini lupus-Verhalten als das Verhaltensparadigma, dem gemäß die Bevölkerung (als die Menge aller Individuen mit ihren jemeinigen Partikularinteressen) wohl reagieren wird, wenn ihre Grundversorgung über mehr als zwei Wochen hinweg nicht mehr sichergestellt werden kann.

Ganz anders handeln — so wird von den Wissenschaftlern (unter den Protagonisten), die die fremde Spezies untersuchen, vermutet — die Akteure, die die Freiheit von allem, was nicht ihre Lebensform ausmacht, wiedererlangen wollen:

„Schwarmwesen […] opfern Millionen […] zur Erreichung ihrer Ziele. Der Einzelne gilt ihnen nichts.“ (Schätzing, 672)

Diese Wesen, Schwarmwesen, sind, so suggeriert Schätzing, den Menschen und ihrer Technik weit überlegen. Der Mensch kann sie nicht besiegen, nur überlisten — und selbst das nur

„um einen Aufschub zu erwirken, vielleicht sogar [irgendwann mal so] etwas wie gegenseitiges Verstehen“ —: (Schätzing, 972)

Indem der Mensch so tut als sei er wie sie, die Schwarmwesen:

„Welch eine Zumutung für die Krone der Schöpfung!“ (Schätzing, 972)

Doch immerhin enden beide Romane mit Waffenstillstand und sogar „Hoffnung“ (Schätzing, 986) bzw. Sieg (über die Saboteure) (bei Elsberg).

Doch in beiden Fällen wurde die Gefahrenabwehr teuerst erkauft: Schätzings „Apokalypse“ gipfelt im „Absturz des Schelfs“ (Schätzing, 425) und der (weltweiten) Zerstörung fast aller Küstenstädte des umliegenden Festlands (eb., 433); bei Elsberg bricht die komplette Stromversorgung zusammen, und es kommt u.a. zu Reaktorunfällen in den sabotierten Regionen. (In beiden Romanen sind die attackierten Regionen vornehmlich Europa und die USA.)

Zudem ist das (halbwegs) ins Positive gewendete Ende auch bei Elsberg lediglich vorläufig: Auch in seinem Roman bleibt offen, ob tatsächlich alle Saboteure und alle Schadsoftware-Programme entdeckt und eliminiert/neutralisiert wurden…

Fazit: Technik ist ambivalent: Je mehr wir sie nutzen, um uns zu entlasten, desto anfälliger werden wir (und desto unsolidarischer reagieren wir), sollte sie versagen/zerstört werden… Schon jetzt schieben wir von uns: menschengemachte Probleme vor uns her, die uns irgendwann auszulöschen drohen, z.B. der radioaktive Müll, die Klimaveränderung…

Bleibt nur der beiden Autoren Trost: Ausgesprochen in Hölderlins berühmten Zeilen:

„Wo aber Gefahr ist, wächst / Das Rettende auch“ (Patmos)

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B. Köpfer und P. Mathews: Leben im IS

Frog1(Benno Köpfer u. Peter Mathews, Kadir, der Krieg und die Katze des Propheten, Roman, München, 2016)

Wie in den meisten Romanen ist auch in diesem über die Organisation des IS wenig zu erfahren. Das ist erstaunlich bzw. schade, da einer der beiden Autoren, Benno Köpfer, laut Buchumschlag „als wissenschaftlicher Analyst beim Verfassungsschutz mit an der Bekämpfung islamistischen Terrors“ arbeite.

(Nebenbei sei angemerkt, dass einer der im Buch genannten Orte, Adapazarı, falsch (als Adaypazari) wiedergegeben ist, (130) obwohl über den zweiten Autor, Peter Mathews, gesagt wird, dass er „sich mit der Geschichte des Islam und der Türkei über viele Jahre beschäftigt“ habe…)

Über den auf syrisch-irakischem Boden real existierenden IS erfährt man/frau lediglich hinlänglich bekannte Gräuelgeschichten. Erwähnt, zum Teil detailliert erzählt werden insbesondere die Exekution mittels Köpfen und Kreuzigen, das Halten von (jesidischen) minderjährigen Sexsklavinnen und Kamikaze-Kampfeinsätze, an denen Freiwillige teilnehmen, zum Teil ohne zu wissen, dass sie zu Kanonenfutter auserkoren wurden…

Es ist zu vermuten, dass es die Absicht des Buchs ist, Jugendliche abzuschrecken: Auf dass sie sich vom IS und von den diversen salafistischen Koran-Exegeten und erfahren-erfolgreichen Rekrutierern – im Christentum werden diese Menschenfischer genannt – fernhalten und nicht auf des IS‘ (vornehmlich martialische) Propaganda hereinfallen mögen…

Das könnte gelingen: Denn die Radikalisierung des Protagonisten, Kadir, erfolgt zum einen (zwar fiktional, aber) plausibel und einfühlsam – durch Eintauchen in und Schreiben aus der Weltsicht eines „normalen“ (Durchschnitts-)Jugendlichen – auf seinem Weg, wie er sagt:

„vom Multi-Kulti-Kuschelkurs [ u.a. über Knast-Erfahrungen] zum Terrorismus“. (195)

Zum andern ist die Erzählung (pseudo-)faktisch nachvollziehbar, indem Bezüge u.a. zur mittlerweile verbotenen Organisation Die wahre Religion hergestellt werden: Die Erzählung der Radikalisierung spielt in deren Umfeld. Der Name Die wahre Religion wird dabei mehrmals wiederholt. (ab 42) Spärlich, aber immerhin angesprochen wird zudem die Aktion Lies! als – auch der Öffentlichkeit mittlerweile bekannte häufige – Zwischenstation auf dem Radikalisierunspfad. (259) Zudem werden weitere Organisationen wie Salafi Media (194) und Personen wie der (ehemalige) Rapper Abu Talha al-Almani (Denis Cuspert alias Deso Dogg), (63) sowie die Hassprediger Abu Dawud und Abu Ibrahim des mittlerweile verbotenen (Moschee-)Vereins Millatu Ibrahim erwähnt und in die Ausarbeitung einbezogen. (110)

Fazit:

Als Roman für Jugendliche wohl durchgehend spannend, grausig, aber auch kenntnisreich und informativ; doch halbwegs Vorgebildeten kaum/nichts Neues bietend…

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B. Sansal: Strategie des Europäischen Islamismus zu Vertiefung und Ausweitung

Frog1(Boualem Sansal, Allahs Narren. Wie der Islamismus die Welt erobert, Deutsch von Regina Keil-Sagawe, Gifkendorf, 72016)

In seinem als Essay bezeichneten schmalen Buch (inkl. Anhang 164 Seiten) intendiert der Algerier Boualem Sansal, „das Aufkommen [nahda] des Islamismus in der Arabischen Welt“ zu beschreiben. (9) Dabei geht er bereits zu Beginn auf die Bedeutung der Moscheen als Orte der Indoktrination (Vertiefung) und der territorialen Expansion (Erweiterung) des dar al-islam ein. (Das sei hier eigens betont, um all den noch nicht völlig vom Gutmenschen-Geschwätz Eingelullten klar zu machen, was Sache ist und derzeit auf dem Spiel steht.)

Moscheen als Orte der Indoktrination

Über die Islamisierung in Algerien schreibt Sansal:

„Einige Jahre später entdeckten wir unversehens, dass dieser Islamismus, der uns [Algeriern zunächst] so armselig und kläglich erschienen war, sich über das Netz der Märkte und Moscheen, von wo aus er seine Predigten und Lehrwerke unters Volk brachte, im ganzen Land ausgebreitet und die Herzen der Menschen erobert hatte. […] Nun bewunderten wir die Kraft, die im Blick dieser „Narren Allahs“ [les fous d’Allah (85)] lag und die imstande schien, Berge zu versetzen.“ (13; im Original kein Fettdruck)

Zwei Waffen seien es, die die Stärke des Islamismus heute ausmachen: „Predigt und Terror“. (14) — Eine der  historisch bedeutendsten Salafisten-Gruppen (die sich 1998 formierte) nannte sich Groupe Salafiste pour la Prédication et le Combat; aus ihr ging (in 2007) Al-qaïda au Maghreb islamique hervor. (20)

Moscheen als territorialer (geopolitischer) Anspruch

Moscheen sind aber nicht nur Orte der Indoktrination, sie markieren zu dem territoriale Ansprüche:

„Durch die Sakralisierung (etwa den Bau einer Moschee) erfolgt per se die Anbindung ans „Haus des Islam“ (dar al-islam), die Gesamtheit aller Gebiete unter islamischer Herrschaft“. (55; im Original kein Fettdruck)

Aus lokaler Perspektive ist die Moschee ein Machtzentrum, das [nicht nur] religiöse, [sondern auch] ökonomische, kulturelle und erzieherische Funktionen erfüllt [!!], sich als vermittelnde Instanz zu den staatlichen Behörden versteht [!!] und das Monopol in der Beschaffung von Geldern aus dem In- und Ausland für sich in Anspruch nimmt.“ (86; im Original kein Fettdruck)

Den Gegensatz hierzu bildet dar al-kufr, das Haus des Unglaubens:

„Hier die Welt des Islam, die es zu schützen, dort die Welt des Bösen, die es zu bekriegen gilt. [Dar al-kufr ist zugleich dar al-harb, das Haus des Kriegs.] Für den friedlichen, toleranten Muslim haben diese Begriffe [mehr oder weniger] symbolischen Charakter; man bekämpft das Böse, indem man es ablehnt. [!!] Für den radikalen Islamisten hingegen besteht das Ziel der Kriegsführung darin, den anderen, jenen, der gegen die Gesetze des Islam verstößt, zu töten.“ (56; im Original kein Fettdruck)

Terror als Wille zur Macht

„Die Aufgabe, Hüter des Islam zu sein, denen es zusteht, über Leben und Tod jedes anderen zu richten, übt eine morbide Faszination auf die radikalen Islamisten (Taliban, […], Boko Haram) aus. Sie gestattet ihnen, ihren niedersten Instinkten freien Lauf zu lassen und sich danach mit gutem Gewissen zur Ruhe zu betten. Sie plündern, verwüsten, vergewaltigen, verurteilen und töten mit stolzgeschwellter Brust im Namen Allahs.“ (124; im Original kein Fettdruck)

Die Legitimierung des Dschihad wird häufig auf Koran, Sure 9 (Die Reue), Vers 73 gestützt:

„O du Prophet! Kämpfe gegen die Ungläubigen und Scheinheiligen und verfahre mit ihnen hart. Die Hölle sei ihre Herberge, und schlimm ist die Fahrt (dorthin).“ (zitiert nach Sansal, 29)

Kampfplatz Europa

Sansal zeichnet dem entsprechend für Europa, das der Islam (u.a. per Islamismus) für sich erobern will, ein düsteres Zukunftsbild:

In Europa […] wird es immer wahrscheinlicher, dass es zu einem Bruch zwischen den Muslimen und den nationalen Mehrheitsgesellschaften, in denen sie leben, kommt„. (66; im Original kein Fettdruck)

An die Adresse der in ihre Multikulti-Traumwelt versponnen Gutmenschen schreibt Sansal:

der Trend zum „politisch Korrekten“ [„infolge von Einschüchterung oder Zensur, Selbstzensur oder allzu verbrämter Ausdrucksweise“ (80) …] ist das Ende einer jeden echten Debatte. […] In den Augen der Radikalen ist diese selbstauferlegte Zurückhaltung nurmehr der Beweis dafür, dass die Gesellschaft kapitulationsreif ist“!! (78f; im Original kein Fettdruck)

((Leider!! — Eine weitere Kommentierung erübrigt sich…

Frog4

Anschlag in Berlin: „Merkels Tote“

Frog1(Polizei prüft Tweet von AfD-Mann Pretzell, WELT online, 21.12.2016)

(tagesschau 23.12.2016 20:00 Uhr)

(Bettina Schön, Tod in Mailand – Terrorverdächtiger erschossen, Brennpunkt, ARD, 23.12.2016)

(Mutmaßlicher Attentäter von Berlin in Mailand erschossen, tagesthemen, 23.12.2016)

(Olaf Wedekind, Flüchtlinge in Berlin: Rot-Rot-Grün plant Abschiebe-Stopp, Berliner Zeitung (BZ) online, 3.11.2016)

(Giovanni di Lorenzo u. Heinrich Wefing, Es ist eine nationale Aufgabe, ZEIT, 29.12.2016, 1)

(P. Dausend, F. Klask, M. Klingst, Y. Musharbash u. Marco Ansaldo, Der geduldete Gefährder, ZEIT, 29.12.2016, 3)

Zunächst war man/frau sich mal wieder einig: Die böse, böse AfD habe eine populistische Brandrede gehalten:

„Noch bevor die Hintergründe des Anschlags auf den Weihnachtsmarkt in Berlin bekannt waren, hatte der AfD-Landesvorsitzende in Nordrhein-Westfalen, Marcus Pretzell, sein Urteil gefällt: „Es sind Merkels Tote“, schrieb der Lebensgefährte von Parteichefin Frauke Petry auf Twitter. Eine Provokation, die nach dem üblichen Reizmuster der Rechtspopulisten [Das heißt: Es gibt auch Linksextremisten!!…] abläuft und die bei vielen Politikern Abscheu hervorgerufen hat. Nur diesmal könnte die bewusste Grenzüberschreitung von Pretzell Konsequenzen haben. Ebenfalls auf Twitter kündigte die Münchner Polizei an, Pretzells „Tweet strafrechtlich prüfen“ zu lassen.“ (Welt; im Original keine Hervorhebungen)

Zwei Tage später tönt es dann aus dem linken (linkspopulistischen??) Lager:

„Wenn sich jemand proaktiv selbst als Selbstmordattentäter anbietet, den dann aus den Augen zu verlieren, den nicht so einzustufen, dass man ihn in Gewahrsam nimmt, dann ist man mit schuld an zwölf Toten. Das muss man so deutlich und so scharf sagen.“

Ob dieser Rhetor, Frank Tempel, Fraktion Die Linke, der sich (in den tagesthemen, 23.12.2016) so äußerte, wohl auch damit rechnen muss, dass seine Äußerung strafrechtlich geprüft wird??

Viel interessanter als das Messen mit zweierlei Maß aber ist das, was der Fall selbst offenbart:

Eklatanter Mangel an Professionalität

Brennpunkt-Moderator Sigmund Gottlieb urteilt:

„Es waren ein glücklicher Zufall und der Mut italienischer Polizisten, die dem mutmaßlichen Terroristen von Berlin das Handwerk legten. […] Das Ende der Flucht von Anis Amri war alles andere als das Resultat professioneller Ermittlungsarbeit.“

Das Versagen der Sicherheitsorgane decken u.a. Sebastian Kemnitzer und Ahmet Şenyurt in ihrem Brennpunkt-Beitrag auf. Sie zitieren aus geheimen Ermittlerakten:

„30.11.2015

Laut Mitteilung des BKA […] hat sich AMRI einer eingesetzten Vertrauensperson (VP) [des Verfassungsschutzes] als potentieller Attentäter angeboten. AMRI gibt an, dass er Kalaschnikows besorgen könnte.“

und

„24.02.2016 bis 22.03.2016

„AMRI verlässt Dortmund und begibt sich erneut nach Berlin. Er wird durch die VP gefahren und macht Angaben dazu, dass sein Auftrag sei, im Sinne von Allah zu töten […] In Berlin besuch AMRI die Fussilet Moschee, welche als extremistisch gilt. AMRI wird durch Kräfte der Berliner Polizei observiert.“

Wer ihnen die wohl zuspielte??

Wie brisant das Behördenversagen im Fall Amri ist, zeigt Ingrid Bertram in ihrem Brennpunkt-Bericht auf: Amri ist nur einer aus weit über 500 islamistischen Gefährdern:

„549 Gefährder gibt es derzeit in Deutschland [laut Bundesinnenministerium. …] Gerade in den vergangenen drei Jahren hat sich die Zahl mehr als verdoppelt. [250 waren es Ende 2014, 450 Ende 2015, 549 Ende 2016]. […] Ein Großteil der Gefährder lebt in Nordrhein-Westfalen.“

(Die rot-grüne Landesregierung ist dafür bekannt, alles zu tun, um Multikulti zu fördern…)

Ahmet Şenyurt macht zudem deutlich, warum die Justiz der Exekutive mal wieder keine Hilfe war:

„Die besten Ermittler bringen es letztendlich nicht so weit, wenn die Justiz nicht mitzieht, wenn Staatsanwälte wie zum Beispiel der [Berliner] Generalstaatsanwalt in der Presserklärung sagt: »Wir haben den Fall zu den Akten gelegt, weil in der Phase, in der er [Amri] observiert wurde, keine Straftaten vorlagen.« Das zeigt, wo wir mit dem Rechtsstaat an die Grenzen kommen.“

„Ich hab‘ heute noch mit Ermittlern aus der Szene gesprochen. Die sagen, wir wussten ganz genau, es gab Straftaten: Passverstöße, Verstoß gegen Sozialhilfegesetz. Man hätte ihn festsetzen können, aber es fand sich eben kein Richter.“

Warum?? Das ist Berliner Gutmensch-Politik: Anfang November erst verkündete die Berliner (Neu-)Regierung, keine/n abgelehnten Asylbewerber/in mehr abschieben zu wollen und feierte dies als humanitäre Großtat: Grünen-Verhandlungsführerin Bettina Jarasch (47):

„Wir erweitern damit unsere Spielräume für eine humanitäre Politik.“

Hoch lebe der Wegschau-Willkommens-Schmusekurs!! (Gefährder wie Amri sind doch eigentlich herzensgut liebe Menschen…)

In der Tagesschau aber fragt Richard C. Schneider weiter:

„Wie war es möglich, dass Anis Amri zwei nationale Grenzen mit einer Waffe überqueren konnte, ohne irgendwo kontrolliert zu werden?“

Und dann das Finale: In Italien. Tata!Giovanni di Lorenzo und Heinrich Wefing schreiben dazu:

„(es ist ein böser Treppenwitz der Geschichte, dass Amri in Italien gleich der erstbesten Streife aufgefallen war).“

Tja, scheint, dass die von Deutschen verachtete italienische Polizei in Wahrheit weniger dilettantisch zu sein scheint als die deutsche…

Und noch ‚was wurde mal wieder evident: Unter den Flüchtlingen sind viele, die nicht so lieb und so süß sind, wie uns unsere naiv-dümmlichen Gutmenschen an den Fakten vorbei (hier: Fall Amri), andauernd einreden wollen. Das kommt davon, wenn man/frau pauschal all die zu hunderttausenden nach Deutschland Wollenden zu ach so armen, ach so traumatisierten, ach so friedvollen und lieben Flüchtlingen deklariert. Wieso also regt ihr Gutmenschen euch jetzt auf??

Doch nicht nur die willkommensenthusiastischen Gutmenschen, auch die deutschen Geheimdienste scheinen gutmenschlich verweichlicht und daher an konsequenter Verfolgung nicht sonderlich interessiert zu sein. Oliver Köhr urteilt:

„Kein Wort von de Maizière zu dem Vorwurf, der marokkanische [??] Geheimdienst habe im Herbst 2015 zweimal explizit vor Amri gewarnt.

[„Nach Informationen der ZEIT wurden alle Sicherheitsbehörden des Bundes [nachträglich] darüber unterrichtet, das erste Mal Mitte September 2016.“ (Dausend u.a.; im Original kein Fettdruck)]

Und auch zum Kontakt des Tunesiers zum sogenannten Islamischen Staat schweigen die Behörden. Dabei taucht heute ein Video auf, das Amri in Berlin zeigen soll und in dem er sich zu den Zielen des IS bekennt.“

Fazit:

„Der Ruf nach Konsequenzen nach dem Fall Amri macht deutlich: Es gibt erhebliche Lücken im System, die es islamistischen Terroristen leicht machen, sich in Deutschland und Europa aufzuhalten und zu bewegen.“

Am schlimmsten an diesem Befund ist, dass dies gutmenschlich(-pathologisch) gewollt zu sein scheint…

Frog4

M. Schauer: MUFs sind per se gewaltbereit

Frog1(„Anschlag in Berlin“, maybrit illner spezial, 20.12.2016)

(A Clockwork Orange (1971), Filmsite Movie Review, )

Ab und an entfleuchen Vertreter(inne)n der Gutmenschfraktion doch – man glaubt es kaum –  political incorrecte Statements. So gab Maggie Schauer (Center of Excellence for Psychotraumatology, Uni Konstanz) in einer Talkrunde zum Anschlag in Berlin (am 19.12.2016) zu: Minderjährig unbegleitete Flüchtlinge neigen per se zu Gewalt (Schauer widerspricht damit ihren professoralen Diskursfreunden, z.B. Münkler, der alle Flüchtlinge zu Bessermenschen umdeklariert(e), siehe: Münklers Statistiklüge):

„Wir haben in verschiedenen Ländern geforscht. In Somalia, im Kongo, in wirklich Gebieten, in denen Täter aktiv sind und Zivilisten treffen möchten, und zwar täglich und empfindlich treffen möchten. Und wir haben auch die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge hier untersucht. Und da haben wir festgestellt, dass tatsächlich eine Menge Gewalt in der Kindheit dieser Menschen eine große Rolle spielt. Die erleben schreckliche Gewalt selber am eigenen Leib in den eigenen Familien, und diese Gewalt, die labilisiert mich mit Angst oder mit wieder Gewalt zu reagieren.

[Die Konsequenz für Gutmenschen heißt aber nicht: Gefahr im Verzug mit all den daraus folgenden Konsequenzen, sondern im Gegenteil:

  • Noch mehr Verständnis,
  • noch mehr Hätscheltäschel-Schmusekurs,
  • noch mehr Gelder für einzeltherapeutische Selbstwertstärkung:]

Und ich glaube, wir […] müssen wirklich auch politisch umdenken und so einen paradigmatischen Wandel einleiten, dass wir sagen: Diese Menschen, die müssen von Anfang an Unterstützung bekommen, untersucht werden und auch Psychotherapie bekommen. Wir müssen unser Geld tatsächlich anders einsetzen, das wir da haben.“

Das Ideal scheint dem Film A Clockwork Orange (1971) entlehnt zu sein, seinerzeit gefeiert als:

„producer-director-screenwriter Stanley Kubrick‘s randomly ultra-violent, over-indulgent, graphically-stylized film of the near future“:

Das also sei die Gutmensch-Zukunft: Unterwerfung (statt Aufbegehren).

Denn sollten die MUFs (als gewaltbereite Minderheit unter all den friedvollen Flüchtlingen) doch mal ‚was anstellen – was zwar selten, aber ab und an leider doch vorkomme -, so ist das nach Gutmenschsicht a priori nicht deren Schuld, sondern die der Umstände und: ihrer Opfer:

Hier nochmals das Gutmensch-Statement des Ministers aus dem einst (auch) von Linken (!!) gefeierten Film:

„We tried to help you. We followed recommendations which were made to us that turned out to be wrong. An inquiry will place the responsibility where it belongs. We want you to regard us as friends. We put you right. You are getting the best of treatment. We never wished you harm, but there are some who did, and do, and I think you know who those are. There are certain people who wanted to use you for political ends. They would have been glad to have you dead, for they thought they could then blame it all on the Government. There is also a certain man, a writer of subversive literature, who has been howling for your blood. He has been mad with desire to stick a knife into you but you are safe from him now. We put him away. He found out that you had done wrong to him. At least he believed you had done wrong. He formed this idea in his head that you had been responsible for the death of someone near and dear to him. He was a menace. We put him away for his own protection, and also for yours…We are interested in you and when you leave here you will have no worries. We shall see to everything – a good job on a good salary.
Alex: What job and how much?
Minister: You must have an interesting job with a salary which you would regard as adequate, not only for the job that you’re going to do, and in compensation for what you believe you have suffered, but also because you are helping us.
Alex: Helping you, sir?
Minister: We always help our friends, don’t we? [Alex dramatically opens his mouth to be spoon fed, and the Minister complies.] It is no secret that this Government has lost a lot of popularity because of you, my boy. There are some who think that at the next election, we shall be out. The press has chosen to take a very unfavorable view of what we tried to do. But public opinion has a way of changing, and you…you can be instrumental in changing the public’s verdict.“ (im Original keine Hervorhebungen)

Na, kommt Ihnen dies Gutmensch-Rechtfertigungsquakquak nicht bekannt vor?? —

Ein Schelm, der dabei nicht z.B. an de Maizières Apologie(-Gestotter) denkt. ((Da kann auch Muttis und Oberpastors Gauck‚ wohl ehrlich inspiriertes Beileidgesülze qua Ablenkmanöver zur Beschwichtigung des Wahlvolks langfristig wohl kaum Entlastung heischen…

Frog4