Angst der Franzosen vor einem Sieg Le Pens

Frog1(Elisabeth von Thadden, Noch eine Zukunft, ZEIT, 31.3.2016, 37)

(Joseph Hanimann, „Und sagen Sie nicht, Sie hätten es nicht gewusst“, SZ online, 17.3.2016)

Michel Houellebecq prophezeit in seinem Roman Unterwerfung die Liaison von François Bayrou, des ewigen Bewerbers um das Amt des Staatspräsidenten Frankreichs (seit 2002), mit der Muslimbruderschaft:

„Kurz nach vierzehn Uhr schlug dann die Nachricht wie eine Bombe ein: UMP, UDI und PS hatten sich darauf geeinigt, eine Regierungsvereinbarung für eine »erweiterte republikanische Front« zu unterzeichnen und schlossen sich dem Kandidaten der Bruderschaft der Muslime an.“ (129)

Dem setzt Michel Wievorka in Séisme (Erdbeben) die Befürchtung eines Wahlsiegs von Marine Le Pen entgegen:

„Ein Jahr ist es her, da hatte der Schriftsteller Michel Houellebecq in seinem Roman Unterwerfung als ein satireschwarzes Gedankenexperiment erzählt, wie sich im Jahr 2022 die männliche Academia mit Gewinn dem Islam an den Hals wirft“. (von Thadden)

Wievorka reagiert mit dem

„Plot einer Zukunft Frankreichs […], faktensatt: Le Pen an der Macht!“ (von Thadden)

Neu ist dieses Phänomen, French Angst freilich nicht:

„Vorsorgliches Halluzinieren: Comiczeichner, Soziologen und Schrifsteller malen sich ein Frankreich unter Marine Le Pen aus. Die Furcht davor geistert seit Jahren durch den öffentlichen Diskurs.“  (Hanimann)

Hanimann nennt neben Wievorka:

  • den Comicband La Présidente, „eine Politfiktion über das Ergebnis der nächsten Präsidentschaftswahlen in Frankreich“ von François Durpaire und Farid Boudjellal.
  • einen Comic von Charlie Hebdo-Herausgeber LaurentRissSourisseau und Richard Malka, der demnächst erscheinen soll.
  • eine Novellensammlung von Arnaud Vivant als Herausgeber, die ebenfalls mit der Hypothese von Le Pen als nächster Staatspräsidentin spielt.

Hanimanns Fzit:

„Ein so unterhaltsames wie hilfloses Beben geht durchs Land.“

Frog4

 

Gutmensch-Euphemistik von Precht und Welzer: Flüchtlinge als „Modernisierer“ des Abendlands

Frog1

(Richard David Precht und Harald Welzer, Jugend an die Macht!, ZEIT, 17.3.2016, 51)

(Evelyn Finger, Jesus oder Pilatus?, ZEIT, 23.3.2016, 52)

(Seyran Ateş, Parallele Gesellschaften, ZEIT, 31.3.2016, 46)

(Ednan Aslan, »Radikale Willkommenskultur«, im Gespräch mit Evelyn Finger, ZEIT, 31.3.2016, 46)

Richard David Precht und Harald Welzer behaupten keck:

„Moderne Gesellschaften bekommen ihre Modernisierungsimpulse nicht von innen heraus.“

Uns den sunnitischen Islam als Modernisierungsschub verkaufen zu wollen, ist ziemlich dreist und völlig weltfremd. Doch die Verharmlosung hat Methode.

Anfang März wurden „vier Nonnen [… mit] ihren zwölf Kollegen in einem Altersheim im Jemen“ ermordet. (Finger; siehe auch Islamisten im Jemen wollen entführten Priester kreuzigen, derStandard online, 25.3.2016 und ISIS brutally crucifies Fr. Tom Uzhunnalil on Good Friday, Catholic Online, 28.3.2016)

Haben Sie davon gelesen oder gehört??

Haben Sie mitbekommen, dass der IS drohte, den damals entführten Geistlichen, Tom Uzhunnalil, am Karfreitag zu kreuzigen? Wissen Sie, dass nicht nur Köpfen, sondern auch Kreuzigen im IS praktiziert wird?

Wahrscheinlich nicht. So etwas zu sagen, ist nicht opportun. Wir schweigen und werden beschwiegen. Genauso wie in Köln. Wir wollen doch nicht als Revanchisten, Pauschalisierer, gar Islamhasser missverstanden werden… Nein! Wir sind auf der Seite der Guten, wir verstehen die Verachtung und kuschen vor der Moral, die uns die Täter entgegen bringen…: Sie bekommen ihre Moscheen, ihre Gebetsräume in Schulen und Universitäten, ihre Trennung von Mädchen und Jungs beim Schwimmen, beim Turnen, ihr halāl Essen in den Flüchtlings- und Schulkantinen, finanzieren „die Vielweiberei durch Steuergelder“ (Ateş)

Seyran Ateş:

„Streit um die Beteiligung von Mädchen am Schwimmen, an Biologieunterricht und Klassenfahrten ist inzwischen ein Klassiker. Deutsche Schulen unterwerfen sich den Wünschen streng muslimischer Eltern – zumal die von Moscheegemeinden mit islamischen Rechtsgutachten unterstützt werden.“

„In Schulkantinen soll das Essen halal sein, und die bloße Anwesenheit von Schweinefleisch empört die Frommen. Gebetsräume für muslimische Schüler werden zum Muss. Weihnachtsschmuck wird weniger. Fasten im Ramadan aber soll von allen respektiert werden.“

Kurz gefasst: Wir befürworten die (Voll-)Verschleierung

„Schon tragen vierjährige Mädchen im Kindergarten Kopftücher.“ (Ateş)

und tolerieren, dass wir die Kāfir sind.

Evelyn Finger nimmt die Ermordung der „in einem von Mutter-Teresa-Schwestern betriebenen Seniorenheim in Aden“ (Standard) zum Anlass, um

„die Provokation, die die Bluttat auslöste [herauszuarbeiten]: dass ein paar barmherzige Samariter an der Seite der Schwächsten blieben. Die hatten eigentlich keine Überlebenschance“…

Richtig. Die Begründung aber greift zu kurz, ist westlich gedacht:

„Die Friedfertigen provozieren mit ihrer Friedfertigkeit die Gewaltbereiten und müssen es büßen.“

Was Finger nicht begreift ist, dass die Wurzeln des Hasses im Islam selbst liegen. Krank zu sein, gar behindert zu sein, ist eine Strafe Gottes. Sich um diese Leute zu kümmern, ist Sache einzig der Familie (nicht von Außenstehenden). Häufig wurden und werden Behinderte zu Hause versteckt, damit sie niemand sonst zu Gesicht bekommt. Als ich einmal einem total Entstellten auf der Straße in Erzurum, einer Islamistenhochburg im Osten der Türkei, Geld geben wollte, griff mir mein Begleiter mit Gebetskäppi, der mich liebend gern bekehrt hätte, in den Arm und sagte, wortwörtlich übersetzt: Lass, „Allah sorgt für ihn.“ All unsere Gutmenschen sollten mal ein wenig nachforschen, wie viel Gelder muslimische Wohlfahrtsverbände ihren Glaubensbrüdern im Fall von Naturkatastrophen, z.B. Pakistan, spende(te)n und wie aufopferungsvoll sie sich um ihre Glaubensbrüder auf der Flucht kümmer(te)n…

Natürlich hat Finger Recht: Wir müssen „zwischen den beiden Extremen Jesus und Pilatus, Selbstaufopferung und Selbstschutz“ wählen.

Doch die Gutmenschen haben sich längst, radikal entschieden. Sie wollen von außen, durch die hunderttausenden, nicht selten analphabetischen Flüchtlinge modernisiert werden. Sie wollen heim ins Reich, ins Neuosmanische Reich des Sultans Tayyip I (Erdoğan-Song; Titel-Bild des Economist, Juni 2013) und voller Freuden als Kāfir den Rechtgläubigen Kopfsteuer zahlen…

Doch Precht und Welzer zufolge mache die Aufnahme der Flüchtlinge

„die kapitalistische Welt nicht nur gerechter, sondern auch überlebensfähig“.

Was für ein verqueres Gesülze! Die Überlebensfähigkeit (!) Europas abhängig vom Zuzug ungebildeter, verblödeter Massen zu erklären! Kant wollte die Selbstbefreiung. Diese beiden Vordenker wollen die Unterwerfung: Zurück in die selbstverschuldete Unmündigkeit. Fünf mal am Tag beten… Sollte diese Einstellung siegen, hat sich Europa als Idee endgültig, selbst ausgeträumt…

„So zieht Europa im Namen der Religionsfreiheit seine eigenen Mörder heran.“ (Ateş)

Unser Pfaffentum ist mehr und mehr im Aussterben begriffen; unsere Kirchen lehren sich. Doch die Sklavenmoral des Christentums hat in den Gutmenschen obsiegt. Seid ohne Sorge! Die von Mutti und Co. zu Tisch gebetenen Islamisten greifen nur zu gern zu: Welch‘ reich gedeckter Tisch an Opferlämmern!

Ednan Aslan:

„Für Gott zu sterben, so predigen es auch Europas Imame, sei die höchste Hingabe, die ein gläubiger Mensch [im Christentum: Vorbild Jesus und Co.] erbringen kann. Das Märtyrertum gilt als Wert an sich, auch bei denen, die überhaupt nicht gewaltbereit sind.“

Wie sich die Sklavenmoralen doch gleichen…

Mit einem Unterschied: Die Islamisten gefallen sich als Mörder, unsere Zombiereligiösen als Erdulder…

Neueste Kapriole: Händeschütteln? Islam-Streit in der Schweiz, Kulturzeit, 5.4.2016

Der Islamische Zentralrat Schweiz äußert in einer eigens hierzu erlassenen Fatwa: Ist der Händedruck zwischen Mann und Frau im Islam erlaubt? dazu:

„An die Nicht-Muslime ergeht die Empfehlung, das islamische Berührungsverbot nicht als Provokation oder Herausforderung der eigenen Kultur zu interpretieren. Angesichts der immer stärkeren kulturell und religiösen Durchmischung unserer Gesellschaft ist sinnvoll, einzelne Bräuche und kulturelle Eigenheiten nicht zur conditio sine qua non für gesellschaftliche Zugehörigkeit zu überhöhen. Der Händedruck soll das bleiben, was er ist: ein Brauch, auf den man ohne weitere Abstriche auch verzichten kann. Wichtig ist der Respekt für den anderen und seine spezifische Lebensweise. Dieser kann mit forderndem Zwang zur kulturellen Assimilation kaum gefördert werden.“ (im Original keine Hervorhebungen)

Wie sagte Tayyip I (einst, am 17.5.2010 in Köln) so schön:

„Assimilation ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.“  (SZ, Rede im Wortlaut)

Frog4

 

 

 

 

Merkels Freund Erdoğan lässt deutschen Botschafter einbestellen

Frog1(extra-3-Satire: Türkei zitiert deutschen Botschafter ins Außenministerium, SPIEGEL online, 28.3.2016)

„Die türkische Regierung hat nach Informationen von SPIEGEL ONLINE den deutschen Botschafter einbestellt. Er musste sich offenbar für einen Satirebeitrag des NDR rechtfertigen.“

Und hier das vom Sultan kritisierte Video zum Weitersenden an Mutti und Freunde…

Song: Erdowie, Erdowo, Erdogan | extra 3 | NDR

Besten Dank, liebe Freunde!!

Und hier zum Mitgrölen der Text:

Er lebt auf großem Fuß, der Boss vom Bosporus

Bei Pressefreiheit kriegt er ‘n Hals, drum braucht er viele Schals

Ein Journalist, der was verfasst, das Erdoğan nicht passt, ist morgen schon im Knast

Redaktion wird dicht gemacht, er denkt nicht lange nach

Und fährt mit Tränengas und Wasserwerfern durch die Nacht

Sei schön charmant, denn er hat Dich in der Hand

Erdo-wie?, Erdo-wo?, Erdo-Wahn!

Die Zeit ist reif für sein großosmanisches Reich

Erdo-wie?, Erdo-wo?, Erdo-Wahn!

Gleiche Rechte für die Frau’n, die werden auch verhau’n

Ist das Wahlergebnis schlecht, das ruckelt er zurecht

Kurden hasst er wie die Pest,

die bombardiert er auch viel lieber als die Glaubensbrüder drüben beim IS

Gib ihm Dein Geld, er baut Dir ein Flüchtlingszelt

Erdo-wie?, Erdo-wo?, Erdo-Wahn!

Sein Land ist reif für den EU-Beitritt

Er pfeift auf Demokratie

Tschü mit ü sagt Erdoğan, und er reitet in den Sonnenuntergang.

Frog4

Das Türkeibild der ZEIT – U. Greiner über Pamuks Roman „Diese Fremdheit in mir“

Frog1(Ulrich Greiner, Istanbul, mon Amour, ZEIT, 23.3.2016, 45)

Zuerst, über dem Text das Foto

Schiffspassagiere, von denen die älteren weiblichen Wesen im Vordergrund ausnahmslos Kopftuch tragen, um den ganzen Kopf rum, festgezurrt, damit Mann ja kein Haar sieht. Das also ist das Istanbul-Bild, das die ZEIT ihren Lesern vors Auge drückt.

Was soll uns das sagen?? — So IST es; oder: So SOLL es sein?? Das Istanbul mon amour

Wahrlich ekelhaft!

Ob nun so oder so; das uns Lesern vorgesetzte Bild – Humble Pie: Eat it! – ist AKP-Propaganda: Es suggeriert: Seht her! Das haben wir schon erreicht: Also: Zurück ins real existierende Mittelalter!! Wiederkehr des ewig Gleichen?? — Danke für Eure Selbstaufklärung, γνῶθι σαὐτόν, liebe ZEIT-Redaktion.

Und dann der süper Text schlechthin:

Die Roman-Rezension von Ulrich Greiner!!

Erster Satz -, zum Auftakt ein wenig Schelte:

„Dass der Nobelpreisträger Orhan Pamuk nicht sonderlich gut schreibt, sieht man auch an seinem neuen Roman [Kafamda Bir Tuhaflık]“… (im Original keine Hervorhebung)

Aber wie, bitte schön, will das jemand beurteilen, der kein Türkisch kann?? — Kleinlaut das Eingeständnis:

„Es mag übrigens sein, dass die Übersetzung an manchen Unbeholfenheiten nicht schuldlos ist. „

Beispiele?? — Fehlanzeige, tabii ki.

Eine Episode, die Greiner schildert ist die wohl jedem in der Türkei lebenden Türken wohl bekannte Unsitte, Strom

„aus Leitungen [zu] beziehen, die am Zähler vorbeiführen. [Kommentar Greiner:] Was offenbar fast die Regel ist.“

Soll heißen: Dem Rezensenten scheint dies eine völlig neue Einsicht zu sein…

Und dann Greiners Schluss-Absatz, das grandiose Finale:

„Dieses Buch ist eine [sülz-sülz…] Liebeserklärung an diese fantastische Stadt Istanbul. [Doch Istanbul spezifische Aussagen fehlen in Greiners Rezension.] Wer die Türkei verstehen will, sollte es [das rezensierte Buch] lesen.“

Was aber ist das, was an Istanbul, der Türkei verstanden werden soll?? — Dass jeder jeden bescheißt?? sofern er die Chance dazu hat?? — So richtig das ist/sein mag…: Soll das alles sein, was Istanbul, die Türkei ausmacht??

Arme ZEIT, dieses QuakQuak als Weisheit auszugeben, den Lesern vorzusetzen, zuzumuten. — Wie einst auf Humble Pie’s Cover: Der Teller ist leer und bleibt leer… Da hatten selbst die dümmsten Sophisten seinerzeit mehr zu bieten…

Frog4

Can Dündar über die Silvesternacht-Grapschparty zu Köln

Frog1(Can Dündar, „Frau Merkel, hören Sie auf den türkischen Kerker!“, WELT AM SONNTAG online, 16.1.2016)

(Anant Agarwala, Mariam Lau und Khuê Pham, Der Albtraum, ZEIT, 7.1.2016, 2)

(Heinrich Wefing, Unter Schock, ZEIT, 7.1.2016, 1)

Can Dündar, derzeit prominentestes Opfer des Racheengels Erdoğans, über das Silvesternachtgegrapsche in Köln:

Köln? Das passiert auf dem Istanbuler Taksim-Platz jedes Jahr

Das, was in der Silvesternacht in Köln passiert ist, kam uns Türken wohlbekannt vor. Es war dasselbe, was sich jedes Jahr auf dem größten Platz von Istanbul, dem Taksim-Platz, zuträgt. Ein Ausdruck einer konservativen Machokultur und des Hungers auf Frauen, den diese selber produziert; Ausdruck einer Kultur, die in der Schule, bei der Arbeit, in allen Bereichen des Lebens Frauen von Männern trennt und versucht, sie in ihrer Rolle als Mütter zu Hause einzusperren.

In der Türkei kämpfen seit Jahren Frauen und Männer unter Lebensgefahr gegen dieses Weltbild und für ein laizistisches, modernes Leben und eine demokratische Republik. Sie sind davon überzeugt, dass man sich nicht mit den Symptomen, sondern mit den Ursachen auseinandersetzen und eine Politik entwickeln muss, die diese Ursachen bekämpft.

Auf welcher Seite aber stehen die westliche Welt und die Europäische Union und insbesondere Deutschland und Frau Merkel, wenn diese beiden verschiedenen Auffassungen in Istanbul oder in Köln aufeinanderprallen? Wir kennen die Antwort auf diese Frage. Und genau darum lächeln wir bitter, wenn wir von Merkels harter Reaktion auf die Angreifer von Köln hören.“

Und zum Kontrast das Gutmensch-Relativierungsgeschwätz von Anant Agarwala, Mariam Lau und Khuê Pham in der vorzeige-liberalen ZEIT:

Die „schlimmsten Vorurteile scheinen bestätigt.“ Wohl gemerkt: Sie scheinen bestätigt, sie sind es nicht. Die begrapschten Damen müssen sich geirrt haben.

Über das als Lea Westerkamp vorgestellte Opfer heißt es:

„Westerkamp tut sich schwer damit, ganz genau zu sagen, was sie denkt, vielleicht weiß sie es selbst noch nicht.“

War wohl alles nur ein Traum, ein böser Traum…

Und dann das Relativierungsgesülze:

„Nein, sie [Westerkamp] will keine politische Geschichte aus den Vorfällen machen.“

Natürlich nicht. Denn sie weiß ja, so wie auch die Autoren und mit ihnen all die Willkommenskultur-Apologeten:

„Dass Frauen in Nächten wie Silvester belästigt werden, bestohlen und betatscht, kommt immer wieder vor.“

Alles (nicht mal) halb so schlimm also. Gewaltexzesse seien ja schließlich, insbesondere in Köln, ohnehin nichts Besonderes:

„Dass ein Mob in der Kölner Innenstadt wütet, ist kein ganz neues Phänomen. Schon im Oktober 2014 verletzten 4000 überwiegend junge Männer 45 Polizisten [..]. Damals sprachen die jungen Männer Deutsch, trugen Glatze und nannten sich Hooligans gegen Salafisten.“

Was die  ZEIT-Relativierer freilich nicht wegvergleichen können: Diese Wahnsinnigen fielen nicht durch kollektive Grapschattacken auf.

Naiv-drollig auch die Empfehlung der frisch-gekürten Oberbürgermeisterin Henriette Reker: Frauen sollten „eine Armlänge“ Distanz zu fremden Männern halten. Dümmlicher geht’s kaum noch. Und so was ist Oberbürgermeisterin. Armes Köln!!

Ähnlich dümmlich äußerte sich auch Claus-Ulrich Prölß, Geschäftsführer des Kölner Flüchtlingsrats:

Flüchtlinge „lesen keine deutschen Zeitungen und schauen nicht WDR“. Und die Autoren ergänzen: „Von der Gewalt in der Silvesternacht hätten sie [die Flüchtlinge] noch gar nichts mitbekommen.“

Als ob Mann dazu Zeitung lesen oder fernsehen müsse… Was für Trottel!!

Besonders hübsch ist auch die Relativierungserzählung von Seite 1:

Heinrich Wefing schreibt:

„Das massenhafte Einkreisen, Begrapschen und Beklauen von Frauen ist eine Form des Straßenterrors, die wir nicht kennen. [Na, da wurde es aber Zeit, dass dem abgeholfen wurde. Wie schön. Seid dankbar!!…] Aus Indien ist Ähnliches bekannt [ah, das beruhigt aber…], auch aus Kairo, vom Tahrir-Platz, wo ein [!] Exzess sexueller Gewalt den Anfang vom Ende des Arabischen Frühlings [welch Euphemismus…]bedeutete.“

Na, dazu fällt mir doch der Aufstand gegen den bösen, bösen, allzu bösen Alaviten, den Ungläubigen al-Assad ein, den die CIA (neuerdings Seit‘ an Seit‘ mit Erdoğan und Mutti) ja schon lange weg haben wollte, spätestens seit 9/11. (Günter Meyer zu CIA, Russland und IS in Syrien) Jetzt, nachdem sich das Kriegsglück gegen die von der CIA mit aufgehetzte sunnitische Mehrheit (zu Aleppo und anderswo) wendete, wollen  diese, die einst großmäuligen sunnitischen Assad-Hasser weg aus Syrien. Und wo wollen sie hin? Ins Reich der Ungläubigen, auf dass die Merkelschen sie, das sunnitische Herrenvolk, durchfüttern und ihnen die Füße küssen, und das nicht nur zu Ostern, sondern jeden Tag aufs Neue. Sagt mal, ihr depperten Gutmenschen, habt ihr es immer noch nicht begriffen?? Erst vor ein paar Stunden mordeten wieder sunnitische Radikalinskis Christen, nur weil sie Ungläubige, Christen sind: (Taliban bekennen sich zu Anschlag in Lahore, ZEIT online, 27.3.2016) Ihr heißt Leute willkommen, von denen die Mehrheit Euch verachtet, offen verhöhnt, auszutzelt und Eure Dummheit verspottet. Ihr bornierten Trottel!!

Frog4

 

 

 

 

 

 

 

 

Sarah Wagenknecht attackiert Merkels Erdoğan-Schmusekurs

Frog1 (Türkei für Migrationskrise in Europa verantwortlich, Sputnik Deutschland, 17.2.2016)

Sahra Wagenknecht, Fraktionschefin der Linken im Bundestag, zu Merkel im Bundestag am 17.2.2016:

„Sie [Frau Merkel] haben über die Gefahren des Terrorismus gesprochen, und da wählen Sie als Ihren bevorzugten Partner zur Lösung der Flüchtlingskrise ausgerechnet den Terrorpaten Erdogan, der mit seiner blutigen Politik gegen die Kurden im eigenen Land und mit seiner Unterstützung von islamistischen Terrorbanden in Syrien grade zu einer personifizierten Fluchtursache ist. Das ist doch völlig irrational“.

„Und die Verwandlung der Türkei in ein Flüchtlingsgefängnis – und der Oberaufseher Erdogan, der Europa grenzenlos erpressen kann, weil er immer den Schlüssel zu diesem Gefängnis in der Tasche behält“. „Das ist doch keine Lösung. Das ist eine moralische Bankrotterklärung.“

So ist es.

Wird Zeit, dass unsere verlogene, heuchlerische, dummdreiste Regierungsriege endlich abdankt.

(Oder besser doch nicht??: Falls Houellebecq Recht behalten sollte…)

Frog4

 

Günter Meyer zu CIA, Russland und IS in Syrien

Frog1(Günter Meyer, Kulturzeit-Gespräch mit Günter Meyer, Im Gespräch mit Andrea Meier, Kulturzeit, 15.2.2016)

Günter Meyer, Leiter des Zentrums für Forschung zur Arabischen Welt, Uni Mainz:

USA-Intervention: Sturz al-Assads um jeden Preis

“Wie der ehemalige Nato-Generalsekretär bereits zehn Tage nach den Terroranschlägen in New York und Washington [11.9.2001] erfahren musste, plante die USA bereits damals einen Sturz des Assad-Regimes. 2006 sind Informationen durchgesickert, wonach klar die Destabilisierung des Regimes, gerade auch die Anfachung der ethischen Gegensätze im Vordergrund stehen sollte. Und als dann nach Beginn des Arabischen Frühlings die Proteste ausbrachen, war es vor allem die USA, die auf die anfangs gemäßigte Opposition gesetzt hat und damit kläglich gescheitert ist.“

Wirkung: Stärkung und Proklamation des (Gegen-)Staat der Islamisten

„Wenn etwa das syrische Regime, wenn Baschar al-Asad gestürzt wird, entsteht ein riesiges Machtvakuum. Mittlerweile ist klar geworden, dass dieses Machtvakuum nur von den radikalen islamistischen Gruppen gefüllt werden kann.“

Unterstützung der syrischen Islamisten durch die USA

Unterstützung „vor allem von der USA, in der Anfangsphase. Es wurden Waffen über den CIA aus den Arsenalen von Gaddafi aus Libyen geliefert. Es wurden in großem Stil über die Türkei Waffenlieferungen durchgeführt, an gemäßigte Rebellen. Nur diesen gemäßigte Rebellen entpuppten sich dann als Nusra bzw. als Anhänger des Islamischen Staates.“

Russlands Desinteresse an einer Flüchtlingsproduktion

Russland hat kein primäres Interesse daran, die Flüchtlingsströme zu verschärfen. Davon kann keine Rede sein. Sondern bei den russischen Interessen, gerade auch beim Vormarsch im Norden des Landes geht es darum, dass die wichtigsten Teile des Landes unter die Kontrolle des Regimes zurückzubringen.“

Frog4

(Boulevard-)Journalismus der Belanglosigkeit in der ZEIT

Frog1(Ulrich Ladurner, Simon und meine Kamera, ZEIT, 23. 12.2015, 3)

(Tina Hildebrandt, Die Wiedervereinigung, ZEIT, 23. 12.2015, 5)

Die letzten Zeilen dieses Artikels über (irgendeinen) Simon (2 Spalten à 30 Zeilen à ca. 55 Zeichen) von Ulrich Ladurner unter der Überschrift Es gab auch gute Nachrichten – in Großbuchstaben gesetzt! – auf Seite 3 lauten:

„Ich knipste nun […] Simon, und er streckte dabei lachend die Zunge raus, ein bisschen wie Albert Einstein, als wolle er mir sagen: »Na, habe ich dich erwischt? Dich und dein Herz?« [/] Hat er.“ (im Original keine Hervorhebungen)

Was, bitte, soll an dieser völlig belanglosen Szene die gute Nachricht sein? Gar so bedeutend, dass es im Rückblick zur Nachricht des Jahres 2015 taugt? Um es gar auf Seite 3 zu setzen??

Was, Herr Autor, haben wir Leser davon, über dieses Etwas informiert zu werden??

Warum, liebe Politik-Redaktion, bleibt der Rest der Seite leer?? Wie einfallslos; wie bedeutungslos muss Ihnen das Jahr 2015 vorgekommen sein…: Wie schade für Sie und uns Leser…

Eine weitere, angeblich höchst wichtige Nachricht, die uns ebenfalls unter der Überschrift Es gab auch gute Nachrichten – in Großbuchstaben gesetzt! – präsentiert wurde, war in derselben Ausgabe zwei Seiten weiter, ebenfalls im Politikteil, auf Seite 5 zu lesen: Die Wiedervereinigung.

Doch mit Politik hat Tina Hildebrandts Wiedervereinigungsgeschreibsel wahrlich nichts zu tun. Berichtet wird von (Untertitel:)

„Aufstieg, Fall und jetzt das Happy End: Christian und Bettina Wulff haben sich wieder getraut.“

Großartig.

Was sonst nur der Boulevardpresse eine Schlagzeile wert ist, die voller Freude die Weibergeschichten von irgendwelchen (Ex-)Politikern ausgraben (z.B. Rudolf Scharping & Kristina Pilati: Überraschende Scheidung nach 13 Ehe-Jahren!, BUNTE online, 27.1.2016), erhält nun also auch in der ZEIT Nachrichtencharakter. Prima!

Dem privaten Glück – „Das Happy End gönnen wir den beiden.“, lauten die eindeutig apolitischen Schlusszeilen – wird, husch husch, politische Brisanz angezaubert. Und das nur, weil der Bräutigam irgendwann mal kurzzeitig Bundespräsident war (aber nicht mehr ist, Gott sei Dank).

„Irgendwie haben sie [!] es also geschafft: das Amt hinter sich zu lassen“.

Wieso „sie“? Hatte Frau Wulff denn zu Zeiten ihres Präsidentengatten auch eine politische Funktion?? Seit wann ist Drumrumstehen, Danebenstehen, Entferntstehen einer Gattin denn ein Amt?? Und überhaupt:

Sie haben Recht, Frau Hildebrandt: Wulff ist nicht mehr Präsident. Er ist Geschichte. Er interessiert nicht mehr. Also warum langweilen sie uns mit dem Privatleben von ihm und seiner Tusnelda, äh Betina??… Wir haben wahrlich andere Sorgen…

Frog4

Bestseller-„Philosoph“ Wilhelm Schmid über Houellebecq

Frog1(Wilhelm Schmid, »Ich hasse das Thema Glück mittlerweile«, Im Gespräch mit Iris Radisch, ZEIT, 23.12.2015, 50)

Noch so einer, der von der ZEIT als Philosoph tituliert wird, obwohl er Philosophie (lediglich) zu Zwecken des Broterwerbs, als τέχνη betreibt, so wie andere das Bäcker- oder Metzgerhandwerk. Wilhelm Schmid ist ein Klug-Quaker – in Platons Jargon: Ein Sophist, d.h. einer, der vom Verkauf seiner Weisheiten lebt. Zuletzt schrieb er seitenlang über Gelassenheit (vom Volk zum »Spiegel«-Jahresbestseller 2015 gekauft), doch ohne selbst gelassen zu sein (Philosoph als Beruf ohne Berufung). Das wird in seinen Äußerungen über Michel Houellebecqs Roman Unterwerfung besonders deutlich:

„Houellebecq ist im Zynismus gelandet [Inwiefern??], da wird er auch sitzen bleiben bis zum Ende seiner Tage. [Warum?? Und selbst wenn: Warum ist das so schlimm, dass man darüber nicht gelassen hinwegsehen könnte?? Warum diese Abfälligkeit??] Ich beschäftige mich nicht damit. [Statt Gelassenheit Verdrängung. Und so ‘was soll Philosoph sein…] Der ist nicht zugänglich [Andere runterputzen, damit man selbst besser dasteht…], der fährt nach Bangkok, vögelt die Thailänderinnen [Welch‘ Sprachniveau… Und überhaupt: Stimmt das denn??] und beklagt zugleich, dass moderne Leute die Freiheit dazu haben. So etwas Bescheuertes.“

Das gilt demnach auch für Schmid. Denn auch er hat nichts außer Sex(-Optimierung) im Kopf:

„Es geht um die Spannweite zwischen Askese und Ekstase. Viele wollen nur die Ekstase. Aber nur, wenn man sich übt in etwas, sich auch diszipliniert verhält, auch etwas verzögern kann, hat man den besseren Sex. Es geht um Optimierung, nicht um Maximierung.“

So, so…

„Er ist zu feige und zu faul [Woher weiß Herr Schmid das?], eine andere Lebensform zu finden, sich mit dem Alltag zu beschäftigen, darum, wie man [!] Kinder aufzieht [Kommt bei Schmid auch nicht vor.], wie man [!] Essen macht [in Schmids Jargon: optimiert], wie man [!] lebt. [Heidegger würde Schmid vorwerfen, im Modus der Verfallenheit gefangen zu sein…] Er macht lieber große Theorien über den Untergang der westlichen Welt. [Immerhin hat er, im Gegensatz zu Schmid, erkannt, dass Sex nicht alles sein kann/darf. Und immerhin hat Houellebecq Ahnung von Literatur… Auch Schmid, übrigens, schrieb zuvor über SexOut…] Er ist ein Altachtundsechziger, der noch nicht auf dem Stand der Dinge ist.“

Soll wohl heißen im Gegensatz zu ihm, Wilhelm Schmid, der natürlich auf der Höhe der Dinge – welcher Dinge? Es geht doch wohl um Dasein, Existenz – ist, widmet er doch seine „ganze Arbeit der Neubegründung der Lebenskunst.“ Ja, Schmid habilitierte gar über Grundlegung zu einer Philosophie der Lebenskunst. Und was fällt ihm dazu Bahnbrechendes ein:

„Jeder Mensch macht auch transzendente Erfahrungen. Sie haben mit großer Wahrscheinlichkeit schon mal einen Sex erlebt, der Sie hinweggespült hat, das sind religiöse Momente.“

Dieses doch recht animalisch-triebhafte Verständnis von Glückseligkeit teilt Schmid übrigens mit dem Protagonisten aus Houellebecqs Unterwerfung, François. Worin also liegt der Unterschied?? Außer (vielleicht) darin, dass ersterer wohl eher auf Maximierung und letzterer definitiv auf Optimierung setzt. Welch‘ Differenz!! Welch‘ großartiger Philosoph, welch‘ großartige Philosophie, welch‘ Lebenskunstgenuss…

Frog4

Wir schaffen das.

Frog1(Alexander Cammann, Eine Lawine, die jeden Leser begräbt, ZEIT, 4.2.2016, 39)

Alexander Cammann beendet seinen

Aufruf zu „Hashtag #buchschrei [, zur] Lesesolidarität mit den neuen Dicken [… und in Solidarität mit Merkel:] Lassen wir uns trotzdem nicht entmutigen: Wir schaffen das.“

Danke, mein Lieber: Lassen Sie uns all unsere Aussagen stets mit Merkels Phraseologie enden!

Sinnfälliger kann man/frau dieses Schwachmatikengerede der (Noch-)Oberhäutlinge (Obama, Merkel, etc.) nicht persiflieren…

Frog4