Merkels Freund Erdoğan lässt deutschen Botschafter einbestellen

Frog1(extra-3-Satire: Türkei zitiert deutschen Botschafter ins Außenministerium, SPIEGEL online, 28.3.2016)

„Die türkische Regierung hat nach Informationen von SPIEGEL ONLINE den deutschen Botschafter einbestellt. Er musste sich offenbar für einen Satirebeitrag des NDR rechtfertigen.“

Und hier das vom Sultan kritisierte Video zum Weitersenden an Mutti und Freunde…

Song: Erdowie, Erdowo, Erdogan | extra 3 | NDR

Besten Dank, liebe Freunde!!

Und hier zum Mitgrölen der Text:

Er lebt auf großem Fuß, der Boss vom Bosporus

Bei Pressefreiheit kriegt er ‘n Hals, drum braucht er viele Schals

Ein Journalist, der was verfasst, das Erdoğan nicht passt, ist morgen schon im Knast

Redaktion wird dicht gemacht, er denkt nicht lange nach

Und fährt mit Tränengas und Wasserwerfern durch die Nacht

Sei schön charmant, denn er hat Dich in der Hand

Erdo-wie?, Erdo-wo?, Erdo-Wahn!

Die Zeit ist reif für sein großosmanisches Reich

Erdo-wie?, Erdo-wo?, Erdo-Wahn!

Gleiche Rechte für die Frau’n, die werden auch verhau’n

Ist das Wahlergebnis schlecht, das ruckelt er zurecht

Kurden hasst er wie die Pest,

die bombardiert er auch viel lieber als die Glaubensbrüder drüben beim IS

Gib ihm Dein Geld, er baut Dir ein Flüchtlingszelt

Erdo-wie?, Erdo-wo?, Erdo-Wahn!

Sein Land ist reif für den EU-Beitritt

Er pfeift auf Demokratie

Tschü mit ü sagt Erdoğan, und er reitet in den Sonnenuntergang.

Frog4

Can Dündar über die Silvesternacht-Grapschparty zu Köln

Frog1(Can Dündar, „Frau Merkel, hören Sie auf den türkischen Kerker!“, WELT AM SONNTAG online, 16.1.2016)

(Anant Agarwala, Mariam Lau und Khuê Pham, Der Albtraum, ZEIT, 7.1.2016, 2)

(Heinrich Wefing, Unter Schock, ZEIT, 7.1.2016, 1)

Can Dündar, derzeit prominentestes Opfer des Racheengels Erdoğans, über das Silvesternachtgegrapsche in Köln:

Köln? Das passiert auf dem Istanbuler Taksim-Platz jedes Jahr

Das, was in der Silvesternacht in Köln passiert ist, kam uns Türken wohlbekannt vor. Es war dasselbe, was sich jedes Jahr auf dem größten Platz von Istanbul, dem Taksim-Platz, zuträgt. Ein Ausdruck einer konservativen Machokultur und des Hungers auf Frauen, den diese selber produziert; Ausdruck einer Kultur, die in der Schule, bei der Arbeit, in allen Bereichen des Lebens Frauen von Männern trennt und versucht, sie in ihrer Rolle als Mütter zu Hause einzusperren.

In der Türkei kämpfen seit Jahren Frauen und Männer unter Lebensgefahr gegen dieses Weltbild und für ein laizistisches, modernes Leben und eine demokratische Republik. Sie sind davon überzeugt, dass man sich nicht mit den Symptomen, sondern mit den Ursachen auseinandersetzen und eine Politik entwickeln muss, die diese Ursachen bekämpft.

Auf welcher Seite aber stehen die westliche Welt und die Europäische Union und insbesondere Deutschland und Frau Merkel, wenn diese beiden verschiedenen Auffassungen in Istanbul oder in Köln aufeinanderprallen? Wir kennen die Antwort auf diese Frage. Und genau darum lächeln wir bitter, wenn wir von Merkels harter Reaktion auf die Angreifer von Köln hören.“

Und zum Kontrast das Gutmensch-Relativierungsgeschwätz von Anant Agarwala, Mariam Lau und Khuê Pham in der vorzeige-liberalen ZEIT:

Die „schlimmsten Vorurteile scheinen bestätigt.“ Wohl gemerkt: Sie scheinen bestätigt, sie sind es nicht. Die begrapschten Damen müssen sich geirrt haben.

Über das als Lea Westerkamp vorgestellte Opfer heißt es:

„Westerkamp tut sich schwer damit, ganz genau zu sagen, was sie denkt, vielleicht weiß sie es selbst noch nicht.“

War wohl alles nur ein Traum, ein böser Traum…

Und dann das Relativierungsgesülze:

„Nein, sie [Westerkamp] will keine politische Geschichte aus den Vorfällen machen.“

Natürlich nicht. Denn sie weiß ja, so wie auch die Autoren und mit ihnen all die Willkommenskultur-Apologeten:

„Dass Frauen in Nächten wie Silvester belästigt werden, bestohlen und betatscht, kommt immer wieder vor.“

Alles (nicht mal) halb so schlimm also. Gewaltexzesse seien ja schließlich, insbesondere in Köln, ohnehin nichts Besonderes:

„Dass ein Mob in der Kölner Innenstadt wütet, ist kein ganz neues Phänomen. Schon im Oktober 2014 verletzten 4000 überwiegend junge Männer 45 Polizisten [..]. Damals sprachen die jungen Männer Deutsch, trugen Glatze und nannten sich Hooligans gegen Salafisten.“

Was die  ZEIT-Relativierer freilich nicht wegvergleichen können: Diese Wahnsinnigen fielen nicht durch kollektive Grapschattacken auf.

Naiv-drollig auch die Empfehlung der frisch-gekürten Oberbürgermeisterin Henriette Reker: Frauen sollten „eine Armlänge“ Distanz zu fremden Männern halten. Dümmlicher geht’s kaum noch. Und so was ist Oberbürgermeisterin. Armes Köln!!

Ähnlich dümmlich äußerte sich auch Claus-Ulrich Prölß, Geschäftsführer des Kölner Flüchtlingsrats:

Flüchtlinge „lesen keine deutschen Zeitungen und schauen nicht WDR“. Und die Autoren ergänzen: „Von der Gewalt in der Silvesternacht hätten sie [die Flüchtlinge] noch gar nichts mitbekommen.“

Als ob Mann dazu Zeitung lesen oder fernsehen müsse… Was für Trottel!!

Besonders hübsch ist auch die Relativierungserzählung von Seite 1:

Heinrich Wefing schreibt:

„Das massenhafte Einkreisen, Begrapschen und Beklauen von Frauen ist eine Form des Straßenterrors, die wir nicht kennen. [Na, da wurde es aber Zeit, dass dem abgeholfen wurde. Wie schön. Seid dankbar!!…] Aus Indien ist Ähnliches bekannt [ah, das beruhigt aber…], auch aus Kairo, vom Tahrir-Platz, wo ein [!] Exzess sexueller Gewalt den Anfang vom Ende des Arabischen Frühlings [welch Euphemismus…]bedeutete.“

Na, dazu fällt mir doch der Aufstand gegen den bösen, bösen, allzu bösen Alaviten, den Ungläubigen al-Assad ein, den die CIA (neuerdings Seit‘ an Seit‘ mit Erdoğan und Mutti) ja schon lange weg haben wollte, spätestens seit 9/11. (Günter Meyer zu CIA, Russland und IS in Syrien) Jetzt, nachdem sich das Kriegsglück gegen die von der CIA mit aufgehetzte sunnitische Mehrheit (zu Aleppo und anderswo) wendete, wollen  diese, die einst großmäuligen sunnitischen Assad-Hasser weg aus Syrien. Und wo wollen sie hin? Ins Reich der Ungläubigen, auf dass die Merkelschen sie, das sunnitische Herrenvolk, durchfüttern und ihnen die Füße küssen, und das nicht nur zu Ostern, sondern jeden Tag aufs Neue. Sagt mal, ihr depperten Gutmenschen, habt ihr es immer noch nicht begriffen?? Erst vor ein paar Stunden mordeten wieder sunnitische Radikalinskis Christen, nur weil sie Ungläubige, Christen sind: (Taliban bekennen sich zu Anschlag in Lahore, ZEIT online, 27.3.2016) Ihr heißt Leute willkommen, von denen die Mehrheit Euch verachtet, offen verhöhnt, auszutzelt und Eure Dummheit verspottet. Ihr bornierten Trottel!!

Frog4

 

 

 

 

 

 

 

 

Sarah Wagenknecht attackiert Merkels Erdoğan-Schmusekurs

Frog1 (Türkei für Migrationskrise in Europa verantwortlich, Sputnik Deutschland, 17.2.2016)

Sahra Wagenknecht, Fraktionschefin der Linken im Bundestag, zu Merkel im Bundestag am 17.2.2016:

„Sie [Frau Merkel] haben über die Gefahren des Terrorismus gesprochen, und da wählen Sie als Ihren bevorzugten Partner zur Lösung der Flüchtlingskrise ausgerechnet den Terrorpaten Erdogan, der mit seiner blutigen Politik gegen die Kurden im eigenen Land und mit seiner Unterstützung von islamistischen Terrorbanden in Syrien grade zu einer personifizierten Fluchtursache ist. Das ist doch völlig irrational“.

„Und die Verwandlung der Türkei in ein Flüchtlingsgefängnis – und der Oberaufseher Erdogan, der Europa grenzenlos erpressen kann, weil er immer den Schlüssel zu diesem Gefängnis in der Tasche behält“. „Das ist doch keine Lösung. Das ist eine moralische Bankrotterklärung.“

So ist es.

Wird Zeit, dass unsere verlogene, heuchlerische, dummdreiste Regierungsriege endlich abdankt.

(Oder besser doch nicht??: Falls Houellebecq Recht behalten sollte…)

Frog4

 

Wir schaffen das.

Frog1(Alexander Cammann, Eine Lawine, die jeden Leser begräbt, ZEIT, 4.2.2016, 39)

Alexander Cammann beendet seinen

Aufruf zu „Hashtag #buchschrei [, zur] Lesesolidarität mit den neuen Dicken [… und in Solidarität mit Merkel:] Lassen wir uns trotzdem nicht entmutigen: Wir schaffen das.“

Danke, mein Lieber: Lassen Sie uns all unsere Aussagen stets mit Merkels Phraseologie enden!

Sinnfälliger kann man/frau dieses Schwachmatikengerede der (Noch-)Oberhäutlinge (Obama, Merkel, etc.) nicht persiflieren…

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Merkels und de Maizières Schmusekurs mit Erdoğan

Frog1(Schmusekurs mit Erdogan: „Wir sollten aufhören, die Türkei zu kritisieren, monitor, 4.2.2016)

Danke für die klaren Worte, liebes Monitor-Team!!

Georg Restle, Moderator:

„Das Schweigen der deutschen Bundesregierung wird von der Türkei dabei [beim Krieg gegen die PKK] offenbar als Freibrief verstanden, als Freibrief für einen brutalen Krieg, als Freibrief aber auch für die Unterdrückung der Opposition im eigenen Land.“

Erdoğan am 12.1.2016 zur Petition von (ca. 1000) Intellektuellen gegen den Krieg und für den Frieden im eigenen Land:

„Wir stehen hier einem Verrat der sogenannten Wissenschaftler gegenüber, die ihr Gehalt mehrheitlich vom Staat erhalten und denen es, was ihre Lebensqualität angeht, besser geht als dem Durchschnittsbürger.“

Konsequenz: Sofortige (baş üstüne) Umsetzung durch Exekutive und Justiz: Einige Unterzeichner wurden verhaftet, einige entlassen…

Merkel äußerte sich zum Besuch und im Beisein von Ahmet Davutoğlu gut eine Woche später, am 22.1.2016 in Berlin:

„Das Gemeinsame hat heute in den Beratungen doch sehr stark auch überwogen.“

Thomas de Maizière wurde deutlicher:

„Alle, die uns jetzt sagen, man muss die Türkei von morgens bis abends kritisieren, denen rate ich mal, jetzt das nicht fortzusetzen. Wir haben einen Interessenausgleich [welch Euphemismus!] mit der Türkei vor uns. Wir haben Interessen. Die Türkei hat Interessen. Das ist ein wichtiger Punkt.“

„Aber die Türkei, wenn wir von ihr etwas wollen, wie dass sie die illegale Migration unterbindet, dann muss man auch Verständnis dafür haben, dass es dann im Wege des Interessenausgleichs [das scheint de Maizières Lieblingsfloskel zu werden…] auch Gegenleistungen gibt.“

Danke, dass Sie, Herr de Maizière, wenigstens zugeben, dass Sie ein Heuchler sind, während Ihre Chefin nur, äh, äh, drum ‚rum druckst…

Wie gut daher, dass Monitor im Beitrag nochmals die Rede von Merkel am 27.6.2013 einblendete. Damals sagte sie:

„Die Türkei ist ein wichtiger Partner. Doch unsere europäischen Werte der Demonstrationsfreiheit, der Meinungsfreiheit, der Rechtsstaatlichkeit, der Religionsfreiheit, die gelten immer, die sind nicht verhandelbar [nix Interessenausgleich!] für uns.“

Welch‘ Differenz!! Welch‘ Dreistigkeit!! Welch‘ Verlogenheit!! Welch‘ Verarsche!! Und von solch‘ Subjekten werden wir regiert… Zum Kotzen!!

Vielleicht liebt unser‘ Mutti Sultan Tayyip neuerdings ja deshalb so sehr, weil sie letztlich recht ähnlich tickt…: Das freilich wäre höchst fatal…

Arme Türkei!! Armes Deutschland!!

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Vs. Hyperkritik und Hypermoral in der Flüchtlingsfrage

Frog1(Matthias Geis, Nach dem Tabu, ZEIT, 21.1.2016, 3)

(Jens Jessen, Das Flüchtlingsspiel, ZEIT, 28.1.2016, 40)

(Ijoma Mangold, Der Verlust der Mitte, ZEIT, 21.1.2016, 37f)

(Özlem Topçu, Wo sind ihre toten Kinder?, ZEIT, 21.1.2016, 7)

Diskursnorm: Die Gutmenschsicht der kulturalistischen Linken

Ijoma Mangold zeigt in seinem Aufsatz sehr schön, wie sich – am Beispiel Flüchtlingsthematik – der öffentliche Diskurs an der Norm der politischen Korrektheit – vorgegeben durch die kulturalistische Linke – ausrichtet(e). Durch die Ausrichtung an deren Norm gerieten/geraten alle davon abweichenden Meinungen pauschal unter Verdacht, rechts der Mitte, d.h. (mehr oder weniger) braun beheimatet zu sein. Die so – zumindest aus ihrer Sicht – Diffamierten ihrerseits unterstell(t)en (dann) der Gegenseite, verlogen zu sein. Sie sehen sich als (z.B. Pegida) die wahren Bürger und titulier(t)en die, die die Diskurshoheit in Politik und (herkömmlichen) Medien besitzen als Lügenpresse. Wer dabei außen vor bleibt, sind die Flüchtlinge qua Dasein: Sie interessieren stattdessen nur als Vor– und Zuhandenheit (Heidegger), als Gegenstand eines Spiels (Jessen), eines Theaterstücks, einer Diskursinszenierung…

Mangold:

„Die kulturalistische Linke […] ist vor allem auf dem Feld der Identitätspolitik zugange. Jede ethnische, kulturelle oder sexuelle Differenz soll unter staatlichen Schutz gestellt werden […]. Es ist deshalb auch kein Zufall, dass die neue Rechte auf demselben Feld, nur unter entgegengesetzten Vorzeichen, unterwegs ist und in den vergangenen Jahren am ehesten in der identitären Bewegung zugreifen war. Sie ist das Pendant zur kulturalistischen Linken. Wo die Linke die fremde Identität, das andere, die Abweichung vergötzt, berauscht sich die Rechte an der Norm des Eigenen.“ (37)

„Die kulturalistische Linke […] hat diskursstrategisch auf ganzer Linie gesiegt.“ „Tea Party plus religiöser Fundamentalismus auf der einen Seite, akademische Hyperkritik auf der anderen. Jetzt hat dieser Trend Deutschland erreicht.“ (37)

„In der Flüchtlingskrise […] wurde ethnisch-kulturelle Diversität zur neuen Norm erhoben, die per se wünschenswert sei und keiner demokratischen Billigung bedürfe.“ (37)

Doch der Diskurs ist nicht als Kampf zwischen zwei festen Blöcken arrangiert. Frontenwechsel (nach rechts) sind möglich. Denn anders als im Diskurs ist das Wahlvolk (noch) nicht politisch korrekt ein-normiert, gleichgeschaltet. Populismus lautet der Vorwurf der politisch Korrekten, der kulturalistischen Linken.

Geis:

„die Trennlinie zwischen verantwortungsvollen Demokraten und skrupellosten Populisten verläuft nicht ganz so säuberlich, wie es manchmal scheint. […] Horst Seehofer inszeniert sich seit Monaten als Kritiker einer Politik, die er als CSU-Vorsitzender mitverantwortet. […] Dass nicht erst die AfD Populismus in die deutsche Politik bringt, demonstriert auch SPD-Chef Sigmar Gabriel. Das Publikum mit scharfen Sprüchen bei der Stange zu halten hat bei ihm Methode.“ (3; im Original keine Hervorhebungen)

Ein (diskurstranszendentes) Ereignis dann reicht/wirkt als (Paradigma eines) Gegenbeweis(es),

„Und dann kam Köln. Aller Überschwang des Sommers rächte sich. Das Pendel schlug auf erschreckende Weise zurück – und zwar weit nach rechts. Die [/] schlimmsten Demagogen wie Björn Höcke haben nun Oberwasser. Eine Mitte, die gleich weit entfernt ist von Diversity-Rhetorik wie von xenophobem Hass, muss ich erst wieder neu konstituieren.“ (37f; im Original nichts hervorgehoben)

… doch nicht aus Sicht der dialektisch Geschulten:

Es scheint, als ob „politische Korrektheit […] nur um den Preis des Wirklichkeitsverlusts zu haben [sei]. Wer über die kulturell-religiöse Herkunft der Täter spreche, so war vielerorts zu lesen, instrumentalisiere das Leid der Opfer, der Frauen – und verhalte sich mithin typisch patriarchal.“ (38)

Die Macht des Faktischen

Die Technik der Verblendung der Realität durch die Kulturindustrie, die public intellectuals, versagt gegenüber der Macht des Faktischen (u.a. manifestiert in der ständig immer noch steigenden Zahl an Migranten; im Problem der begrenzten Kapazitäten in der Unterbringung, in der Integration, etc.). Der Wille zur Macht über den Diskurs, das Gerede, ist das eine, die Macht des Faktischen das andere; und letztere wird die Politik bestimmen: Je mehr Flüchtlinge aufzunehmen sind, umso mehr wird Merkels Credo Wir schaffen das. zur Frage…

Jessen:

„Mag es auch noch viele Deutsche geben, die hilfsbereit und voller Erbarmen den Flüchtlingen gegenüberstehen – die Menge der Ablehnenden ist zu groß, um sie zu ignorieren oder durch Meinungsmacht von ihrer Einschätzung abzubringen. Die Politik muss mit ihnen rechnen.

Sie muss aber auch mit den Flüchtlingen rechnen, die schon da sind oder noch kommen werden und die man ebenfalls nicht ignorieren kann.“ (40)

Die Macht des Faktischen, so Jessen, ist sogar so stark, dass sie die das Politdiskurstheater als Ganzes, komplett zernichten könnte:

„Es geht um die Abwägung zwischen der Not der Flüchtlinge einerseits und der Furcht vor einer gefährlich gereizten deutschen Bevölkerung andererseits, die leicht zum Mob entgleisen und nicht nur die Flüchtlinge auch hierzulande bedrohen, sondern die hergebrachten Formen der Politik hinwegfegen könnte.“ (40)

Das ist Merkels Angst und Grund für ihre Anbiederung an Brandstifter Erdoğan

Die deutsche Regierung „wird zum Krieg in der Türkei weiter schweigen. Die Bundeskanzlerin braucht Erdoğan, damit nicht noch mehr Flüchtlinge nach Deutschland kommen.“ (7)

Frog4

Zur Pathologie Merkels und der Deutschen

Frog1

(Matthias Krupa und Bernd Ulrich, Wird sie springen?, ZEIT, 28.1.2016, 3)

(Anant Agarwala, Christian Bangel, Philip Faigle, Götz Hamann, Caterina Lobenstein und Felix Rohrbeck, Was kostet die Angst?, ZEIT, 28.1.2016, 19)

(Peter Kümmel, Ihr [Merkels] Moment der Wahrheit, ZEIT, 28.1.2016, 39)

(Matthias Geis, Nach dem Tabu, ZEIT, 21.1.2016, 3)

(Beeindruckt von deutscher Flüchtlingshilfe, KULTURZEIT, 27.1.2016)

Als Merkel sich – doch noch – auf ihre pastorale Herkunft besann, jubelte das Volk. Matthias Krupa und Bernd Ulrich erklären sich das so:

„»Du kriegst die Frau aus dem Pfarrhaus, aber du kriegst das Pfarrhaus nicht aus der Frau.« Jahrelang betreibt sie [Merkel] empathielose Realpolitik, lässt sich von darbenden griechischen Rentnern so wenig rühren wie von Ukrainern, die nach Waffen verlangen, und plötzlich, BAMM!, fängt sie unvermittelt an zu lächeln, macht Selfies mit Syrern und holt Millionen Flüchtlinge ins Land.

Plötzlicher Ausbruch angestauter Mitleidsgefühle – so etwa wird derzeit Angela Merkels merkwürdige Flüchtlingspolitik erklärt, die in Europa fast niemand mehr unterstützt. Und auch auf die Frage, warum das Land sich diesem Irrsinn zunächst völlig ergeben hat, gibt es eine psychoanalytische Antwort: Die an ihrer traumatischen Vergangenheit leidenden Deutschen wollten sich von ihrem Makel befreien und haben sich darum in eine völlig irrationale Willkommenskultur gestürzt. Gewissermaßen von Auschwitz direkt zum Münchner Hauptbahnhof.“

Merkel als Mäeutiker UND Mutti:

Merkel verhalf uns, den immer noch und immerzu (zumindest unterschwellig) in Selbstmitleid und -kasteiung gefangenen Deutschen, den in ihnen (allen und trotz allem) schlummernden Gutmenschen stellvertretend für sie – in ihrer Zwitterfunktion als zugleich vernünftig-aufklärerische Hebamme UND existenzial-fürsorgliche Mutti der Nation – hervorzukehren.

EXKURS: Dieses Moment der Ambivalenz/Zwitterhaftigkeit/Schizophrenie des Zugleichs von Gegensätzen zeigt sich auch in/an andern Hauptakteuren, z.B. Seehofer:

      „Im Grunde inszeniert Seehofer sich ganz offen als Doppelspieler zum Wohle des Volks: ein Mann, unabkömmlich zugleich in der Regierung und in der Opposition: brüderlicher Partner der Schwesterparteiführerin und deren präsentester Gegner.“ (ZEIT, 39)

Dankend nahmen die in ihrer Unmündigkeit Verharrenden (Angsthasen) das Geschenk an: Sich (dank Mutti) der Welt gegenüber als Volk von Gutmenschen a) zu sehen, b) zu feiern und c) feiern lassen zu dürfen.

Letzteres, die Bedeutung, nämlich: des Wohlgefühl-Effekts, des Sich-(von-andern-)feiern-Lassens wurde exemplarisch im Gedenken des 71. Jahrestags der Auschwitz-Befreiung (am 27.1.2016) klar, als die KZ-Überlebende Ruth Klüger an diesem Tag im Bundestag sagte:

„Deutschland, das vor 80 Jahren für die schlimmsten Verbrechen des Jahrhunderts verantwortlich gewesen sei, habe heute [ab jetzt Zitat] „den Beifall der Welt gewonnen, dank seiner geöffneten Grenzen und der Großzügigkeit, mit der Sie syrische und andere Flüchtlinge aufgenommen haben und noch aufnehmen““ (Kulturzeit)

UND just an dieser Stelle die Abgeordneten (sich selbst) spontan und doch verhalten applaudierten…

Wie das Kaninchen vor der Schlange…

Dass es mit dem altruistisch überzuckerten Selfie-Gepose (ach, was bin ich doch für ein Gutmensch) jedoch jederzeit/recht schnell zu Ende sein kann, zeigt die rasch und zunehmend wieder erstarkende (vs. nur kurz, von außen, fremd-überzuckerte) German Angst

„Aus einem zuversichtlichen Land ist fast über Nacht wieder eine verunsicherte Nation geworden.

Die Experten der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) sehen Anzeichen dafür, dass die »German Angst« zurückkehrt.“ (ZEIT, 19; im Original keine Hervorhebung)

– z.B in Gestalt der AfD: Schreckgespenst der etablierten, besser: sich als solche gerierenden (Gutmensch-)Parteien und in ihrer Wähler, sprich: aller sonstigen Gutmenschen. In der ZEIT vom 21.1.2016 hieß es beiläufig:

„Die AfD ist nur das sichtbarste Symptom einer sich verändernden gesellschaftlichen Stimmungslage.“ (Geis, 3)

Eine Woche später, am 28.1.2016 eröffnete die ZEIT ihre Ausgabe gar, die erste Seite lang unter Bild und Schlagzeile (obere Hälfte) mit nichts als zwei Texten (untere Hälfte) zu Pro und Contra AfD-Beteiligung in (TV-)Elefantenrunden.

Soll wohl heißen: Das ist es, was die Nation bewegt… Wirklich???

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Erdoğan, der Friedensfeind II

Frog1(Erdogans Hexenjagd auf die kurdische Kultur, ttt, 24.1.2016, KULTURZEIT, 27.1.2016)

Moderatorin Evelyn Fischer:

„Krieg gegen die Kurden, und Europa schaut weg.“

Leider!!

„Krieg im eigenen Land [Türkei]. Wir zeigen Ihnen Bilder, die derzeit sonst nicht zu sehen sind.“

Dank sei Hexenmeister Erdoğan !!

Im Video heißt es u.a.:

„Seit einem halben Jahr, seit Präsident Erdoğan die Friedensverhandlungen mit der PKK einseitig [!!] beendet hat, tobt Krieg in den kurdisch bewohnten Gebieten“ der Türkei.

Vielen herzlichen Dank für die klaren Worte!

Nicht nur Syrien, auch der Osten der Türkei versinkt in Menschenleben verachtendem Chaos. Ich fürchte nur, Merkel und Co. wird das nicht kitzeln. Denn für sie ist das Wichtigste, die Außengrenzen der EU dicht zu machen (um nach innen weiter heile, heile, gute Welt vorgaukeln zu können.) Zauberlehrling Merkel weiß, dass ihr politisches Überleben davon abhängt, Mitspieler außerhalb der EU zu finden, die die Drecksarbeit machen, die den Zufluss immer weiterer Flüchtlingspulks stoppen (wie auch immer), die die Bösen, den Hexenmeister mimen, damit ihr naiv-dümmliches Gutmensch-Zauber-Slogan-Gebräu (aus „Wir schaffen das!“ – WillkommenskulturIhr „Flüchtlinge“ kommet doch all !!! – Gesäusel) sich und damit sie selbst nicht zu sehr zersetzt…

Hier der Link zu Goethes (dank Merkel aus meiner Schulvergangenheit erinnerten, reanimierten) Gedicht Der Zauberlehrling… Und so jemand führt Europa: Armes Europa !!

Frog4

 

 

Erdoğan, der Friedensfeind I

Frog1(Akademiker wegen Friedensaufrufs festgenommen, ZEIT online, 15.1.2016)

(„Schlimmer als ein Albtraum“, ZEIT online, 10.10.2015)

(Kritik an Erdogan: Deutsche Wissenschaftler solidarisieren sich mit türkischen Intellektuellen, SPIEGEL online, 21.1.2016)

Einer der Staatsgründer Atatürk zugeschriebenen Sprüche, die in der Zeit vor und zu Erdoğan jedes Kind (und damit auch Erdoğan selbst) in der Türkei zu lernen hatte, lautet:

„Yurtta barış dünyada barış“ (Frieden im eigenen Land, Frieden in der Welt).

Doch damit scheint nun endgültig Schluss zu sein. Wie weit sich Erdoğan von Atatürks Ideal, das freilich kaum je für Minderheiten galt, entfernte, kann man/frau nicht zuletzt daran ablesen, wie er derzeit mit der Friedensbewegung à la Türkiye umspringt.

Fall 1:

Am 10. Oktober 2015 sprengten sich auf einer Friedenskundgebung in Ankara mit Wissen und unter Zuschauen der türkischen Geheimdienste zwei dem IS zugerechnete Selbstmordattentäter in die Luft. Kommentar der AKP-Führung: Man musste den Verdächtigen zusehen, konnte nicht eingreifen, solange sie kein Verbrechen verübten, ihre Bomben noch nicht zündeten. Immerhin: Mindestens ein weiteres canlı bomba wurde nach den ersten beiden (nun doch) vorsorglich erschossen, bevor er/sie sich ebenfalls als Bombe zünden konnte…

Merkel kommentierte damals (laut ZEIT online):

„Die Teilnehmer einer Kundgebung für Ausgleich und Gewaltlosigkeit anzugreifen, sei „ein gezielter Anschlag auf den Zusammenhalt der Gesellschaft“. Sie sei überzeugt, „dass die türkische Regierung und die gesamte türkische Gesellschaft in diesem Moment zusammenstehen und dem Terror eine Antwort der Geschlossenheit und der Demokratie entgegensetzen“, schrieb Merkel weiter.“

Fall 2:

Am 11. Januar 2016

„hatten mehr als 1.000 Akademiker – darunter auch der US-Amerikaner Noam Chomsky – einen Aufruf unterzeichnet, in dem der islamisch-konservativen Regierung eine „Vernichtungs- und Vertreibungspolitik“ im kurdisch geprägten Südosten der Türkei vorgeworfen wird. Die Unterzeichner forderten die Wiederaufnahme des Friedensprozesses mit den Kurden. Staatspräsident Erdoğan hatte die Intellektuellen daraufhin als „Bande, die sich selbst Akademiker nennt“, bezeichnet.“ (ZEIT; im Original keine Hervorhebung)

 

„Der Staatschef warf den Akademikern vor, die „Einheit der Nation“ zu bedrohen und „ihren Hass auf Werte und Geschichte der Türkei“ zu verbreiten. Mit ihrem „komfortablen Leben“ aufgrund des vom Staat gezahlten Gehalts sei es nun vorbei, sagte Erdogan.“ (SPIEGEL)

So also sieht aus, was Erdoğan unter üniter başkanlık sistemi versteht: 18 Widerspenstige wurden verhaftet, einige von den – AKP-gleichgeschalteten – Hochschulen bereits entlassen. Gegen etliche laufen Verfahren…

Doch: Deutsche (nur beamtete?) Wissenschaftler solidarisieren sich:

„Inzwischen haben sich deutsche Wissenschaftler in einer Online-Petition mit ihren Kollegen in der Türkei solidarisiert. Initiiert wurde die Aktion von der Frankfurter Professorin Christine Huth-Hildebrandt und dem Hildesheimer Professor Gazi Çaglar. Ihre Überschrift lautet: „Für eine friedliche Lösung des kurdischen Konflikts – keine Repression für die Akademikerinnen und Akademiker des Friedensaufrufs in der Türkei.“ Die Petition hat bereits rund 1800 Unterzeichner.“ (SPIEGEL; im Original keine Hervorhebungen)

Und was spricht Erdoğan-Fan Merkel diesmal?? –– Nichts. Sie übt sich: In (diplomatischem) Schweigen…

Wie sagte Heidegger so schön:

Das Nichts nichtet.

Könnte heißen: … alles, was war…: Merkel einst und jetzt.

Jetzt ahnt mir, was Heidegger meinte…

Frog4

Erdoğans Bezug auf Hitler als Paradigma in der ZEIT

Frog1(Erdoğan soll Regierungssystem von Hitler-Deutschland gelobt haben, ZEIT online, 1.1.2016)

(Erdoğan: Hitler Almanya’sında da üniter başkanlık sistemi var, CUMHURIYET online, 31.12.2015)

Nach der Rückkehr aus der Vorzeigedemokratie Saudi-Arabien (31.12.2015) begann Staatspräsident Erdoğan die Frage eines Journalisten nach einer Präsidialverfassung in der Türkei (in seinem Primitivtürkisch, yani) wie folgt zu beantworten:

„Es ist wahr. Dass es keine Einheits-/Präsidialsysteme gibt, stimmt nicht. Denn es gibt auf der Welt Beispiele dafür. Auch was die Vergangenheit betrifft gibt es Beispiele. Wenn Sie sich Hitler-Deutschland ansehen, werden Sie es sehen. Danach werden Sie auch in anderen Ländern dasselbe in weiteren Beispielen sehen.“

In der Schlagzeile auf ZEIT online liest sich das dann so:

Erdoğan soll Regierungssystem von Hitler-Deutschland gelobt haben

Der türkische Staatschef will die Türkei zu einem Präsidialsystem umbauen. Als positives Beispiel soll er die Regierung Hitlers angeführt haben. Sein Büro dementiert.

1. Januar 2016, 17:05 Uhr / Aktualisiert am 1. Januar 2016, 20:42 Uhr

Die Aussage Erdoğans wird in der ZEIT relativiert, abgeschwächt, in die Schwebe, in Frage gestellt, ja bewusst zu einer Pseudo-Aussage umgedeutet. Heißt wohl: Wenn man/frau schon nicht Erdoğans Gestottere selbst dementieren kann – es ist ja über das Internet zugänglich (wie schade, nicht wahr?) –, so soll zumindest die Botschaft, die all die Bösmenschen (die Erdoğan ja a priori immer nur Böses unterstellen/andichten wollen) darin lesen, als irreal ausgewiesen werden. Soll heißen: So soll es erscheinen, doch in Wahrheit ist es nicht so. Nein, nein. Nie und nimmer würde Erdoğan so etwas in den Sinn kommen…

Erst nach der als-ob-Meldung, der (vorgezogenen) Interpretation, wird auf das Ereignis selbst, den auslösenden Fakt, Bezug genommen:

Mit einem Verweis auf Hitler-Deutschland hat der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdoğan sein Streben nach dem Ausbau seiner Machtbefugnisse verteidigt. „In einem Einheitssystem (wie in der Türkei) kann ein Präsidialsystem sehr gut bestehen. Es gibt aktuell Beispiele in der Welt und auch Beispiele in der Geschichte. Sie sehen das Beispiel dazu in Hitler-Deutschland“, sagte er am Donnerstagabend vor Journalisten, nachdem er von einer Reise nach Saudi-Arabien zurückgekehrt war.

Auch hier wieder die Relativierungstendenz: Kein Wort dazu, dass Erdoğan zuallererst und ausschließlich Hitler-Deutschland als konkretes Beispiel in den Sinn kommt. Auch durch Verschweigen kann man/frau sich der Gutmensch-Lügenpresse unterwerfen. Höchst verräterisch!!

Erdoğan will eine Verfassungsreform durchsetzen, um seine Position als Präsident zu stärken und die Türkei zu einem Präsidialsystem umzubauen. Dabei stellt er sich eine Rolle als Staatschef wie in den USA, Russland oder Frankreich vor.

Wie verniedlichend ist diese Interpretation des/der Journalisten. Reine Spekulation: Erdoğan wählt Hitler zum Vergleich. Schon vergessen? Von USA, Russland, Frankreich ist mit keinem Wort die Rede…

Erdoğans Büro teilte am Freitag mit, es komme für ihn nicht infrage, Hitler-Deutschland als gutes Beispiel für ein Präsidialsystem zu bezeichnen. Erdoğan war am Donnerstag von Reportern gefragt worden, ob der von ihm angestrebte Umbau der türkischen Verfassung mit mehr Macht für den Präsidenten innerhalb eines „Zentralstaates“ existieren könne.

Daraufhin hatte er gesagt: „Wenn Sie sich Hitlers Deutschland anschauen, können sie es sehen.“ Es sei eines von mehreren historischen Beispielen für ein funktionierendes Präsidialsystem. Sein Büro teilte nun mit, Erdoğan habe den Holocaust, Antisemitismus und Islamhass als Verbrechen gegen die Menschlichkeit bezeichnet. Er habe die Ära Hitlers als negatives Beispiel angeführt, um zu erklären, dass schlimme Herrschaft bei Missbrauch in allen politischen Systemen – ob parlamentarisch oder präsidial – auftreten und in Katastrophen enden könne. Es sei nicht hinnehmbar, das Statement des Präsidenten als positiven Verweis auf Hitler-Deutschland wiederzugeben.

Auch hier wieder: Die Aussagen werden unkommentiert stehen gelassen, statt deutlich zu machen, dass sich Erdoğan im Interview in seiner Bezugnahme auf Hitler von diesem nicht einmal andeutungsweise distanziert…

Trotz der absoluten Mehrheit seiner islamisch-konservativen AKP im Parlament fehlt der Partei aber die nötige verfassungsändernde Mehrheit. Die Oppositionsparteien lehnen das vorgeschlagene Präsidialsystem geschlossen ab, sie werfen Erdoğan schon jetzt ein Abgleiten in eine autoritäre Herrschaft vor. Sie fürchten, dass er sich mit der von ihm angestrebten Verfassungsänderung weitreichende Vollmachten sichern will.

Der deutsche Reichstag hatte im Frühjahr 1933 seine Gesetzgebungskompetenz auf den Reichskanzler Adolf Hitler übertragen und ihm zugleich das Recht eingeräumt, bei seinen Gesetzeserlassen die Verfassung zu missachten. Gut ein Jahr nach dieser Selbstentmachtung des Parlaments sicherte sich Hitler per Volksabstimmung auch das Amt des Reichspräsidenten.

Die Addition des letzten Abschnitts an den Artikel ist unverständlich. Denn es wird nicht gesagt, warum und wozu die Entwicklung in Deutschland von 1933 – als Parallele zur Jetztzeit in der Türkei – angehängt wird. Soll (auch) das suggerieren: Erdoğan ist ein Guter: Ein Demokrat?? Oder soll die Passage eher vor Erdoğan warnen?? Das bleibt offen, unentschieden, ambivalent (wie schon die Schlagzeile).

Vielleicht gar, könnte man/frau vermuten, zählt sich die ZEIT vorbehaltlos ins Gutmensch-Merkel-Lager: Ihr Flüchtlinge kommet, doch kommet nicht all !!!… Soll heißen: Seit und da Erdoğan neuerdings Flüchtlingsbegrenzungs-Liebling von Merkel, Juncker und Co. ist, müsse man/frau ihn gewähren lassen, sich in vorauseilendem Gehorsam unterwerfen… Lang lebe der erste des neu-türkischen (yeni Türkiye) Sultangeschlechts: Tayyip I…

Frog4