Erdoğan, der Friedensfeind I

Frog1(Akademiker wegen Friedensaufrufs festgenommen, ZEIT online, 15.1.2016)

(„Schlimmer als ein Albtraum“, ZEIT online, 10.10.2015)

(Kritik an Erdogan: Deutsche Wissenschaftler solidarisieren sich mit türkischen Intellektuellen, SPIEGEL online, 21.1.2016)

Einer der Staatsgründer Atatürk zugeschriebenen Sprüche, die in der Zeit vor und zu Erdoğan jedes Kind (und damit auch Erdoğan selbst) in der Türkei zu lernen hatte, lautet:

„Yurtta barış dünyada barış“ (Frieden im eigenen Land, Frieden in der Welt).

Doch damit scheint nun endgültig Schluss zu sein. Wie weit sich Erdoğan von Atatürks Ideal, das freilich kaum je für Minderheiten galt, entfernte, kann man/frau nicht zuletzt daran ablesen, wie er derzeit mit der Friedensbewegung à la Türkiye umspringt.

Fall 1:

Am 10. Oktober 2015 sprengten sich auf einer Friedenskundgebung in Ankara mit Wissen und unter Zuschauen der türkischen Geheimdienste zwei dem IS zugerechnete Selbstmordattentäter in die Luft. Kommentar der AKP-Führung: Man musste den Verdächtigen zusehen, konnte nicht eingreifen, solange sie kein Verbrechen verübten, ihre Bomben noch nicht zündeten. Immerhin: Mindestens ein weiteres canlı bomba wurde nach den ersten beiden (nun doch) vorsorglich erschossen, bevor er/sie sich ebenfalls als Bombe zünden konnte…

Merkel kommentierte damals (laut ZEIT online):

„Die Teilnehmer einer Kundgebung für Ausgleich und Gewaltlosigkeit anzugreifen, sei „ein gezielter Anschlag auf den Zusammenhalt der Gesellschaft“. Sie sei überzeugt, „dass die türkische Regierung und die gesamte türkische Gesellschaft in diesem Moment zusammenstehen und dem Terror eine Antwort der Geschlossenheit und der Demokratie entgegensetzen“, schrieb Merkel weiter.“

Fall 2:

Am 11. Januar 2016

„hatten mehr als 1.000 Akademiker – darunter auch der US-Amerikaner Noam Chomsky – einen Aufruf unterzeichnet, in dem der islamisch-konservativen Regierung eine „Vernichtungs- und Vertreibungspolitik“ im kurdisch geprägten Südosten der Türkei vorgeworfen wird. Die Unterzeichner forderten die Wiederaufnahme des Friedensprozesses mit den Kurden. Staatspräsident Erdoğan hatte die Intellektuellen daraufhin als „Bande, die sich selbst Akademiker nennt“, bezeichnet.“ (ZEIT; im Original keine Hervorhebung)

 

„Der Staatschef warf den Akademikern vor, die „Einheit der Nation“ zu bedrohen und „ihren Hass auf Werte und Geschichte der Türkei“ zu verbreiten. Mit ihrem „komfortablen Leben“ aufgrund des vom Staat gezahlten Gehalts sei es nun vorbei, sagte Erdogan.“ (SPIEGEL)

So also sieht aus, was Erdoğan unter üniter başkanlık sistemi versteht: 18 Widerspenstige wurden verhaftet, einige von den – AKP-gleichgeschalteten – Hochschulen bereits entlassen. Gegen etliche laufen Verfahren…

Doch: Deutsche (nur beamtete?) Wissenschaftler solidarisieren sich:

„Inzwischen haben sich deutsche Wissenschaftler in einer Online-Petition mit ihren Kollegen in der Türkei solidarisiert. Initiiert wurde die Aktion von der Frankfurter Professorin Christine Huth-Hildebrandt und dem Hildesheimer Professor Gazi Çaglar. Ihre Überschrift lautet: „Für eine friedliche Lösung des kurdischen Konflikts – keine Repression für die Akademikerinnen und Akademiker des Friedensaufrufs in der Türkei.“ Die Petition hat bereits rund 1800 Unterzeichner.“ (SPIEGEL; im Original keine Hervorhebungen)

Und was spricht Erdoğan-Fan Merkel diesmal?? –– Nichts. Sie übt sich: In (diplomatischem) Schweigen…

Wie sagte Heidegger so schön:

Das Nichts nichtet.

Könnte heißen: … alles, was war…: Merkel einst und jetzt.

Jetzt ahnt mir, was Heidegger meinte…

Frog4

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