H.-W. Sinn: Was uns die Willkommenseuphorie volkswirtschaftlich kostet

Frog1(Hans-Werner Sinn, Der schwarze Juni. Brexit, Flüchtlingswelle, Euro-Desaster — Wie die Neugründung Europas gelingt, Freiburg i. B. u.a., 2016)

Hans-Werner Sinn zitiert in seinem Buch Der schwarze Juni zwei Forscher, die aufgrund einer Generationenrechnung (generational accounting)

in deren Rahmen „die Zahlungsströme einer jeden Alterskohorte im Zeitablauf verfolgt werden. Die Generationenrechnung ist eine auch vom US-Kongress anerkannte modellgestützte Methode, um die Umverteilungseffekte der Staatstätigkeit zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen und Alterskohorten zu errechnen.“ (120; im Original keine Hervorhebungen)

zu folgenden Ergebnissen kommen:

  • Bernd Raffelhüschen von der Universität Freiburg […] kommt zu dem Ergebnis, dass pro Flüchtling [unterstellt, dass er/sie bis zum Tod dauerhaft in Deutschland anwesend bleibt] mit 450.000 Euro an Belastung für den deutschen Staat zu rechnen ist. […] Es ist, als ob die deutsche Staatsschuld [… um mehr als 20 % !!] von 71 % der Wirtschaftsleistung auf 86 % angehoben wird.“ (121; im Original keine Hervorhebungen)

 

  • Holger Bonin vom Wirtschaftsforschungsinstitut ZEW“ (121; im Original keine Hervorhebungen) errechnete in seiner Studie, die er für die Heinrich-Böll-Stiftung durchführte: „Kosten von 95.000 Euro pro Kopf“ für „den Fall, dass die Immigranten nach 20 Jahren so integriert sind wie einheimische qualifizierte Arbeitnehmer“ (121) bzw. 398.000 Euro pro Kopf „für den Fall, dass sie nach 20 Jahren so integriert sind wie einheimische gering qualifizierte Arbeitnehmer“. (121f)

Rein rechnerisch ergibt sich damit das „Problem der negativen fiskalischen Nettobilanz“, (123) egal was die Milchmädchenrechner der Gutmenschenfraktion uns alternativ-faktisch erzählen wollen…

Nun möge sich jede/-r (unter Bezug auf die demographischen Gegebenheiten) selbst ausrechnen, inwieweit sie/er gezwungen ist, nicht für sich, sondern für die Flüchtlinge zu arbeiten, was das für ihre/seine Rente bedeutet/bedeuten könnte und letztlich: Ob die (maßlose) Willkommenskultur ihm/ihr das ökonomisch (!) wert ist…

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Vergewaltigung und Mord (an Maria L.): Noch so ein lieber, guter, armer Flüchtling

Frog1(Flüchtling nach Mord festgenommen, FAZ, 5.12.2016, 1)

(Abbas Khider, Ohrfeige, München 2016)

(Hans-Werner Sinn, Der schwarze Juni. Brexit, Flüchtlingswelle, Euro-Desaster — Wie die Neugründung Europas gelingt, Freiburg u.a., 2016)

(„Flüchtlinge sind Bereicherung“, WELT online, 30.10.2015)

(Vergewaltigungen in Bochum: Polizei nimmt irakischen Flüchtling fest, Stern online, 6.12.2016)

(Birte Fuchs, Fabian Klask und Nadine Zeller, Gespalten, Zeit, 8.12.2016, 5)

(Alexander Kissler, Es ist was faul im Staate, FOCUS online, 9.12.2016)

Die im FAZ-Artikel nachgereichte (weil nebensächliche??) Faktenlage (hier) zuerst:

„Die Polizei hatte am Freitag [2.12.2016] einen 17 Jahre alten Flüchtling aus Afghanistan festgenommen. Er soll die 19 Jahre alte Medizinstudentin Maria L. am 16. Oktober vergewaltigt und wahrscheinlich auch getötet haben. Der Jugendliche war 2015 nach Deutschland eingereist.“

Herzlich Willkommen!!

Und dann das die Festnahme begleitende obligatorisch abwiegelnde Politiker-Gequake mit dem der FAZ-Artikel anfing (weil wichtiger??):

„Nach der Festnahme des mutmaßlichen Täters im Freiburger Mordfall Maria L. haben Politiker dazu aufgerufen, keine Pauschalurteile gegen Flüchtlinge zu fällen. Der Freiburger Oberbürgermeister Dieter Salomon (Grüne) sagte […] Er hoffe auf die „funktionierende Zivilgesellschaft“, die ein solches Verbrechen „differenziert“ beurteilen könne.“

Nicht nur, dass wir alle — und nicht nur die die naiv-dümmlichen Gutmenschen !! — Steuern für diese Leutchen zahlen, sie uns zudem eine (extrem) negative fiskalische Nettobilanz bescheren (Sinn, 123);

nein, man will uns auch (weiterhin) einreden, dass diese Leutchen allesamt so lieb und so süß sind so nett sind, sie eine „gute Bereicherung unserer Arbeitswelt“ (so Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit) seien – die Zahlen seiner Behörde sprechen freilich eine völlig andere Sprache !!! (siehe u.a.: Merkelnomics; Kurzfassung von Sinns Aussagen — und (so „Refugees welcome„-Anwalt Münkler) sie so gut wie überhaupt nicht kriminell, jedenfalls viel, viel weniger kriminell seien als die (soll heißen: gewalttätigeren) Einheimischen (siehe: Münklers Statistikfälschung): Alles vorsätzliche Lügen !!!

Mal sehen, welch Strafe dieser eigentlich ja so liebenswerte, so bemitleidenswerte, ach so traumatisierte Junge erhält…

Vorab gilt es daher erst mal auszuleuchten, wer der nette 17-jährige VIP ist. Gleich drei Journalisten – Birte Fuchs, Fabian Klask und Nadine Zeller – setzte die ZEIT ein, um herauszufinden:

„Wie konnte ein Junge aus Afghanistan zum Vergewaltiger und Mörder werden?“

Als Antwort(-Ersatz) heißt es:

In seinem „Facebook-Profil“ wirke er „schüchtern“ und „androgyn“; doch postete er auch ein „Facebook-Bild“, auf dem „sich ein wolfsköpfiger Mann auf ein junges Mädchen“ „stürzt“.

Zudem soll er Kontakt zu einer Afghanen-Gang gehabt haben, unter denen es „Erst vor wenigen Wochen“ zu einer Messerstecherei gekommen sei.

Soll in Gutmenschsprech wohl heißen: Eigentlich ist er ja ein Süßer, nur sei er halt ein bisschen krass drauf. Die bösen andern Buben müssen ihn zudem wohl negativ beeinflusst, aufgestachelt haben. Da habe er dann mithalten müssen…

Und was ist mit dem Opfer?? —: Die Person ist auch der ZEIT völlig egal. Ist ja nur ’ne Frau; ist ja nur ’ne Ungläubige; ist ja selbst schuld; ihre Familie soll sich schämen…:

So jedenfalls denkt der gewöhnliche Moslem,

„Hayats Leiche hat man am Rande unseres Viertels beerdigt, genau dort, wo die drei Männer sie vergewaltigt und getötet hatten. Ihre Eltern wollten nicht, dass die Nachbarn von den Geschehnissen erfuhren. »Als Ehrloser ist man bereits tot, selbst wenn man noch atmet«, sagte meine Mutter damals weinend. Hayats Eltern packten nur einen Tag nach den Geschehnissen ihre Koffer, und bis heute weiß niemand, wo sie nun leben.

      Eines Nachmittags bat ich meine ältere Schwester Samira darum, mit mir zusammen zu Hayats Grab zu gehen. Normalerweise durften wir diese Gegend nicht betreten. Meine Eltern behaupteten, es sei dort gefährlich. Immer wieder wurden hier Tote von ihren Mördern abgelegt, die Opfer waren fast ausschließlich Frauen und Kinder. Eigentlich war das aber ein normaler Friedhof.“ … (Khider, 85)

den Nilüfer Göle uns neulich als Multikulti-Bereicherung anpries (siehe: Göles Gequake über „gewöhnliche Muslime“)…

Und die Gutmensch-Medienlobby (im Folgenden: sprich ARD) stimmen dem klammheimlich wohl zu:

„An der perversen Tat interessiert weniger deren Aufklärung als die Auswirkung auf das gute Lebensgefühl. So wird das Opfer statt des Täters zum Störfall. Es ist dann eben der „Fall Maria L.“, der für „Risse im Idyll“sorgt oder einen „Schatten über Freiburg“wirft. Das Kapitalverbrechen wird als Anschlag auf die linke Moralhoheit betrachtet. Mehr Egozentrik, mehr Schuldumkehr, mehr Instrumentalisierung geht kaum.

Rücksturz in die Geschichte

Insofern war das anfängliche Schweigen der ARD-„Tagesschau“ zum Freiburger Sexualmord kein Zufall, sondern Symptom. Auch dort, wo man die einzig wahre Nachrichtenkompetenz zu hüten meint, ist die Versuchung zur Wirklichkeitsausblendung im Dienst der guten Sache enorm. Postfaktisch erklärte hernach Kai Gniffke, der schon einmal in Kauf genommen hatte, „wieder richtig auf die Fresse zu bekommen“, es handele sich um ein Ereignis von bestenfalls „regionaler Bedeutung“.“ (Kissler; im Original kein Fettdruck)

(Gniffke ist Chefredakteur von ARD-aktuell und somit auch der Tagesschau und der Tagesthemen)

PS. Dass nicht nur unbegleitete Jugendliche/Jungerwachsene problematisch sein können, sondern auch ältere, verheiratete Familienväter zeigt ein Fall aus Bochum:

„Die Beamten sind sicher, bereits am Montag [5.12.2016] den Mann festgenommen zu haben, der in den vergangenen Monaten zwei Studentinnen in der Nähe der Bochumer Universität überfallen und vergewaltigt hat. Ein DNA-Test hatte ergeben, dass beide Taten vom selben Täter begangen wurden. Bei dem Mann handelt es sich laut Polizei um einen 31-jährigen Mann aus dem Irak. Er sei in einer Flüchtlingsunterkunft festgenommen worden. Dort lebe er mit seiner Frau und zwei Kindern. Er soll nun unter anderem wegen versuchten Mordes, Raub und Vergewaltigung angeklagt werden.“ (Stern)

Auffällig still reagierte die Tagespresse im Internet bislang (6.12.2016, 19 Uhr) hierzu… Kein Artikel der Zeit, kurz und knapp der Bericht in der FAZ… und null Politikergeschwätz…

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T. Sarrazin: Zu den ökonomischen Gründen von D. Trumps Triumph über H. Clinton


Frog1(Tilo Sarrazin, Lernt von Donald Trump!, FAS, 20.11.2016, 26)

(Dietrich Creutzburg, Mehr Geld für Soziales und Flüchtlinge, aber die schwarze Null steht, FAZ.net, 1.7.2016)

(Hans-Werner Sinn, Der schwarze Juni. Brexit, Flüchtlingswelle, Euro-Desaster — Wie die Neugründung Europas gelingt, Freiburg u.a., 2016)

Tilo Sarrazin sieht – wie kaum anders zu erwarten – in Trumps Erfolg einen Gegentrend zur Gutmenschenpolitik auch der deutschen Regierung:

„Trumps […] Wahlkampf [kreiste] im Wesentlichen um negative Folgen von Einwanderung und Globalisierung. Damit gewann er so viel Akzeptanz, dass ihm die Wähler auch manche Entgleisung verziehen.“ (Sarrazin)

Denn: Gewinner der „Wanderungsbewegungen aus den armen in die reichen Länder“ sind nicht zuletzt die Einwanderer:

„in den Sozialstaaten der westlichen Welt ziehen die Einwanderer selbst dann das große Los, wenn sie keine Arbeit finden, weil schon die Sozialtransfers einen im Vergleich zu ihren Heimatländern märchenhaften Lebensstandard gewähren“. (Sarrazin)

Den Umschlag des Willkommens in Ablehnung sieht Sarrazin in Umverteilung und Aufstockung der Sozialausgaben:

„Verständlicherweise fragen sich immer mehr Menschen, aus welchem Grund und mit welcher Berechtigung der Staat die Bewohner der ganzen Welt mit den eigenen Bürgern gleichstellt, sobald sie die deutsche Grenze überschritten haben.“ (Sarrazin)

In der Tat steigen die Sozialausgaben kräftig an:

der Etat von Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) erhöht sich dem Entwurf zufolge im Vergleich zu 2016 um fast 9 Milliarden Euro oder 6,7 Prozent auf 138,6 Milliarden Euro. Das entspricht dem Rahmen, den die Regierung schon im März mit den Eckwerten für den Haushalt 2017 festgelegt hatte.

Ein Großteil des Anstiegs geht auf Mehrausgaben im Hartz-IV-System und die dort angesiedelten Leistungen zur Integration von Flüchtlingen zurück. Insgesamt beziffert die Regierung die Ausgaben zur Bewältigung der Zuwanderung und zur Bekämpfung von Fluchtursachen über alle betroffenen Ressorts hinweg mit knapp 19 Milliarden Euro im Jahr 2017 und mit insgesamt gut 77 Milliarden Euro bis 2020.“ (Creutzburg; im Original keine Hervorhebungen)
Auch statistisch lässt sich belegen, dass
die „Migranten […] den Sozialstaat gemessen an ihrer Bevölkerungsgröße stark überdurchschnittlich“ „belasten“. (Sinn)
Laut Bundesagentur für Arbeit
„wurden im Jahr 2014 ein Viertel (25,2 %) aller Sozialhilfeleistungen im Sinne der Hilfe zum Lebensunterhalt für nicht arbeitende Personen an Ausländer gezahlt, die selbst nach Deutschland eingewandert und nicht etwa hier geboren waren, obwohl der Anteil dieser Personengruppe an der Gesamtbevölkerung nur bei 7,3 % lag. Die relative Bezugshäufigkeit der Sozialhilfe war also unter diesen Ausländern dreieinhalb mal so groß wie in der Gesamtbevölkerung.“ (Sinn, 116; im Original keine Hervorhebungen)
Angesichts dieser Investitionssummen und der bisherigen statistischen Erkenntnisse darf aus rein ökonomischer Sicht also stark bezweifelt werden, dass die Willkommenskultur lohnt. — Von all den andern Negativ-Effekten mal ganz abgesehen…
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Bodo Kirchhoffs Novelle „Widerfahrnis“ in Nachfolge Albert Camus‘

Frog1(Bodo Kirchhoff, Widerfahrnis, Frankfurt war. M., 2016)

(Edmund Husserl, Philosophie als strenge Wissenschaft, Frankfurt war. M., Nachdruck der Logos-Ausgabe, 1965)

(Albert Camus, Der Fremde, In neuer Übersetzung von Uli Aumüller, Berlin, 2011)

Am 17. Oktober 2016 erhielt Bodo Kirchhoff den Deutschen Buchpreis für sein – von ihm als Novelle bezeichnetes – Werk Widerfahrnis.

Das Buch ist routiniert und gekonnt geschrieben, wie von Kirchhoff nicht anders zu erwarten. Doch es bietet – anders als Nominierung, Auszeichnung und auch Gattungsbezeichnung vermuten lassen – literarisch kaum Außergewöhnliches. Erzählt wird alltägliche Widerfahrnis: (Vor allem) das Kennenlernen, die spontan beschlossene, nur wenige Tage dauernde gemeinsame Italienreise (zu Frühlingsbeginn, „Ende April“ (6)) und die Trennung von zwei älteren Menschen: Einer Dame (Leonie Palm), die früher einen Hutladen und eines Herrn (Reither), der vormals einen Verlag besaß (den er im Herbst zuvor „liquidiert“ hatte). (6) Kurz gefasst: Erzählt wird von zweien „die Pleite gemacht haben“, (59) die (zumindest) mit ihrem Erwerbsleben abgeschlossen haben.

Der Begriff Widerfahrnis selbst wird von Kirchhoff (erst nach der Hälfte des Buchs) wie folgt erläutert/eingeführt:

„und fast wäre seine Hand in ihr Haar gegangen, nach all der Umarmung im Bett eigentlich legitim, eine Morgenzärtlichkeit. Stattdessen bat er sie, die Augen zu schließen und nicht nachzudenken, nur zu sagen, was ihr durch den Kopf geht. Und sie schloss die Augen, zwei gereizte Fältchen dazwischen. Was mir durch den Kopf geht – Widerfahrnis.

Und warum gerade das?

Muss ich das wissen? Sie griff sich die Tasche und lief damit Richtung Bad; Reither zog sich an. Im Grunde hatte er es geahnt, das Überrollende in dem Buch, schon als er von seiner zu ihrer Wohnung hinter ihr her gegangen war, über einen neuen Umschlag nachdachte. Aber Widerfahrnis, das war mehr als die vergessene Heimsuchung – da muss man nur hinhören, nur hinsehen, dann ist es die Faust, die einen unvorbereitet trifft, mitten ins Herz, aber auch die Hand, die einen einfach an die Hand nimmt – ein Titel, den er wohl hätte gelten lassen.“ (159)

Als Nebendarsteller fungieren (nebst zwei „Empfangsfeen“ (39) mit Migrationshintergrund, die das eingeschneite Auto anschieben und damit die Reise überhaupt erst in Fahrt bringen), lediglich zwei Fremde: Flüchtlinge: Ein Mädchen und ein (vormals) Fischer (Taylor) aus Lagos (sowie dessen nicht näher charakterisierte Kleinfamilie).

Die Ausgangskonstellation ist insofern ähnlich der in Albert CamusDer Fremde. Ebenso wie der Fremde in Camus‘ Werk nicht näher charakterisiert wird und der Protagonist, der ihn erschießt, angeklagt und zum Tode verurteilt wird, sich den Ereignissen gegenüber relativ unbeteiligt, emotionslos verhält, lassen sich auch die beiden Hauptprotagonisten in Kirchhoffs Novelle treiben. Die Ereignisse widerfahren ihnen. Sie widerstehen nicht; sie revoltieren nicht. Sie sind Getriebene; sie lassen sich vom Strom der Ereignisse treiben, fort und fort treiben.

Im Fall der Protagonistin wird dieses Verhalten immerhin im Nachhinein (auf der letzten Seite) durch den Vorlauf in deren Krebstod erklärt:

„Bliebe jetzt nur noch zu klären, womit die Geschichte, die ihm [Reither] noch immer das Herz zerreißt, enden sollte“. Nämlich: „als der Erzähler ein Paket aus Triest erhielt, Absender die Adresse einer Pension, und in dem Paket die Strohmelone [die sie während der Reise trug] und eine Karte, auf der stand, dass ein Hut als Bedeckung für den rasierten Kopf ein zu billiger Trick sei“… (224)

In dieser Hinsicht ist Kirchhoffs Widerfahrnis ebenso wie Camus‘ Der Fremde ein Vorlaufen in den Tod (Heidegger). Die Protagonisten agieren weit gehend reaktiv. Sie sind den Ereignissen verfallen:

„Aber wenn nichts Unerwartetes mehr auf uns zukommt, dann sind wir tot.“ (22)

Und der Erzähler beobachtet ganz im Stil eines Phänomenologen, wie Husserl einst forderte und praktizierte:

„im immanenten Schauen dem Fluß der Phänomene nachschauend“… (Philosophie als strenge Wiss., Abschn. 51, S. 37)

Widerfahrnis entwirft damit in und mit der Erzählung eine extrem fatalistische Botschaft.

Dass der in dieser Novelle zugrunde gelegte, unerhörte Entwurf von Dasein zudem sogar mit einem Literaturpreis ausgezeichnet/gepriesen wird, kann/könnte als Symptom/Ausdruck der Ohnmacht gesehen werden, die Europa derzeit erfasst. (Z.B. Hans-Werner Sinn verortet den Krisenkomplex Europa gar als ein Widerfahrnis-Bündel, dem er den Titel Der schwarze Juni gibt.) Keine schöne Vision… (Erst recht nicht seit Trumps Triumph…)

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1 Jahr Flüchtlingspolitik à la Merkel

Frog1(Merkels ernüchternde Bilanz, Handelsblatt online, 29.08.2016)

(Philipp Wittrock, Bilanz der Flüchtlingspolitik: Was haben wir schon geschafft?, SPIEGEL online, 31.08.2016)

(Anja Stehle u. Hannes Koch, Bei Dax-Firmen arbeiten bis jetzt nur 125 Flüchtlinge, WAZ online, 14.9.2016)

(Ralf Geißler, Mitteldeutsche Spitzenunternehmen beschäftigen zwölf Flüchtlinge, mdrAKTUELL (online), 14.9.2016)

(Die Bundesregierung, Integration durch Arbeit, 14.9.2016)

(Frank Stocker, Das ist die ökonomische Bilanz von „Wir schaffen das“, WELT online, 26.08.2016)

(Martin Lechtape u. Corinna Nohn, „Da kommen ja nur Männer“, Wirtschaftswoche, 2.09.2016)

(Ein Jahr lang „Wir schaffen das“: Das sind die wirtschaftlichen Auswirkungen, Focus Money online, 29.08.2016)

(Naive Flüchtlingspolitik: Star-Ökonom Sinn kritisiert Merkels Milchmädchenrechnung, Focus Money online, 2.9.2016)

(Jan Dams, „Flüchtlingskrise könnte fast eine Billion Euro kosten“, WELT online, 25.11.2015)

Wie Ulrich Greiner (siehe: Greiner geht auf Distanz zu Merkels Flüchtlingspolitik) urteilt das Handelsblatt bzgl. Merkels Solidaritätsersuchen:

„Ein Jahr nach der historischen Entscheidung von Angela Merkel, die Grenze für Flüchtlinge zu öffnen, wirkt ihr Diktum „Wir schaffen das“ immer noch wie ein leeres Versprechen. Vor allem die von Merkel eingeforderte Solidarität in Europa bleibt Wunschdenken. Am Wochenende lehnten es die Regierungschefs der osteuropäischen Staaten bei Merkels Besuch ab, Asylsuchende aufzunehmen. Die überwältigende Last trägt damit weiter Deutschland. Mit bis zu 300.000 Flüchtlingen rechnet Frank-Jürgen Weise, Chef der Flüchtlingsbehörde, in diesem Jahr.“ (im Original kein Fettdruck)

Flüchtlingszahlen

„Mehr als eine Million Menschen kamen im vergangenen Jahr nach Deutschland – aus Syrien, dem Irak, aus Afghanistan, Nordafrika, vom Balkan. […] Im ersten Halbjahr dieses Jahres wurden rund 220.000 Migranten neu registriert.“ (Wittrock)

Das BAMF rechnet durchschnittlich mit einem Familienangehörigen pro syrischem Flüchtling, der nachträglich zuwandert. Die unerwartet geringe Zahl ergibt sich unter anderem dadurch, dass rund die Hälfte unter 25 ist und daher wahrscheinlich keine Ehepartner oder Kinder hat. Daraus ergäbe sich, dass weitere 655.000 Personen über den Familiennachzug zuwandern.“ (Stocker)

Integration

„Im April schätzte Bamf-Chef Weise, dass in diesem Jahr rund 200.000 Kursplätze [in Sprach- und Integrationskursen] fehlen würden.“

„Laut Kultusministerkonferenz wurden in den Jahren 2014 und 2015 bereits 325.000 geflüchtete Kinder und Jugendliche ins deutsche Schulsystem integriert“. Doch es fahlen ca. 8000 Lehrer.

„Die Kultusministerkonferenz geht in ihrem aktuellen Bildungsbericht zudem davon aus, dass allein für die 2015 nach Deutschland gekommenen Kinder zusätzlich bis zu 58.000 Kitaplätze benötigt werden. Um die Betreuung sicherzustellen, würden bis zu 9400 zusätzliche Fachkräfte gebraucht.“ (Wittrock; im Original kein Fettdruck)

Arbeitsmarkt

„Die zehn größten Unternehmen Mitteldeutschlands bringen es zusammen auf 37 Milliarden Euro Umsatz. Doch fragt man bei ihnen nach, wie viele Flüchtlinge sie beschäftigen, fällt die Zahl bescheiden aus: Es sind zwölf. […] Allein elf arbeiten bei den Technischen Werken Dresden, einer städtischen Firmengruppe, die sich um den Nahverkehr, das Stromnetz und die Stadtreinigung kümmert.“ (mdr; im Original kein Fettdruck)

12 Einstellungen von Flüchtlingen in Mitteldeutschland. Großartig. Wir gratulieren!

„Bis Mitte September haben laut dem Recherchenetzwerk correctiv.org die 30 im Dax gelisteten Unternehmen lediglich 125 Flüchtlinge eingestellt.“ (WAZ; im Original kein Fettdruck)

125 Einstellungen von Flüchtlingen in DAX-Unternehmen. Großartig. Wir gratulieren!

„Im Juli wurden laut Arbeitsagentur 322.000 geflüchtete Menschen als arbeitsuchend betreut, jene also, deren Asylantrag schon bewilligt ist. Vor der Bewilligung ist der Zugang zum Arbeitsmarkt versperrt. Von den 322.000 Betreuten waren 141.000 [knapp 44%] arbeitslos.“ (Wittrock; im Original kein Fettdruck)

„Neben den fehlenden Sprachkenntnissen ist dafür maßgeblich, dass ein recht hoher Anteil der Flüchtlinge (40 Prozent und mehr) keine Schulbildung mit grundlegenden Kenntnissen aufweist.“ (Krämer zitiert nach Stocker; im Original kein Fettdruck)

„Zwar stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland zwischen Mai 2015 und Mai 2016 um 700.000 Personen. Davon waren aber nur 24.000 Zuwanderer [i.e. 3,4%] aus nichteuropäischen Asylherkunftsländern. [Welch‘ großartige Quote!]

Während die Arbeitslosenquote der deutschen Bevölkerung auf 6,1 Prozent fiel, stieg die Arbeitslosenquote bei Zuwanderern aus nicht-europäischen Asylherkunftsländern innerhalb eines Jahres um mehr als zehn Prozentpunkte auf 52,1 Prozent. Zum Vergleich. Die Arbeitslosenquote unter allen Ausländern hat sich nur leicht von 14,7 Prozent auf 15,0 Prozent erhöht.“ (Focus, 29.8.2016)

Kommentar der Bundesregierung: Statt sich zu schämen, heuchelt sie Erfolg:

„Die Bundesregierung will noch mehr Unternehmen motivieren, Flüchtlinge auszubilden und zu beschäftigen.“

Soll das die allseits versprochene „Bereicherung“ unserer Gesellschaft sein?? (Danke, aber verarschen kann ich mich selbst.)

Kosten / Jahr

Laut BAMF: „980 Euro pro erwachsenem Flüchtling im Monat“ (Stocker);

Annahme 1: 50% der Flüchtlinge sind Erwachsene: So kosten diese Personen folglich (mindestens) 5,88 Milliarden EUR/Jahr. Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, kalkuliert Ausgaben des Staats in Höhe von „6,5 Milliarden Euro“ pro Jahr. (laut Stocker)

Annahme 2: „Das Kieler Institut für Weltwirtschaft schätzt die jährlichen Kosten pro Flüchtling auf 13.000 Euro.“ (Lechtape u. Nohn) Demnach kosten 1,0 Mio Flüchtlinge 13 Milliarden Euro/Jahr, i.e. doppelt so viel wie das BAMF vorgibt.

Freilich sind diese Zahlenspiele reichlich naiv kalkuliert. Die tatsächlichen fiskalischen Lasten dürften weit höher liegen…

Bernd Raffelhüschens und Hans-Werner Sinns Kostenschätzung

900.000.000.000 – oder fast eine Billion Euro. Rund ein Drittel der deutschen Wirtschaftsleistung. So viel müsste Deutschland jetzt zurückstellen, um die Kosten der Flüchtlingskrise zu decken. Und das sind nur die Zahlen, wenn alles einigermaßen gut läuft, betont Raffelhüschen.“ (Dams; im Original kein Fettdruck)

Hans-Werner „Sinn ging auf Kostenschätzungen ein, die unter anderem von dem Freiburger Ökonomen Bernd Raffelhüschen stammen. Der erwartet, dass jeder eingewanderte Flüchtling unterm Strich 450.000 Euro kostet. Bei 1,1 Zugewanderten läge der Gesamtaufwand bei rund 500 Milliarden Euro. Diese Summe sinkt laut Sinn nur dann, wenn viele Flüchtling[e] hochgebildet sind und gut bezahlte Jobs finden. Nur dann flössen hohe Einkommensteuer-Zahlungen zurück ins System. Hans-Werner Sinn sieht allerdings infolge der Flüchtlingskosten kein Problem, dass der Staat die Schuldenbremse einhält. Der einfache Grund: Finanzminister Schäuble spart dank der EZB-Niedrigzins-Politik viele Milliarden Euro.

Zur Lösung des Kostenproblems bei der Zuwanderung macht Hans-Werner Sinn einen provokanten Vorschlag. Er wünscht sich ein Einwanderungsgesetz nach kanadischen Vorbild. Dort ermittelt ein Punktesystem die am besten geeigneten Zuwanderer. Diese dürfen dann nach zuvor festgelegten Quoten ins Land kommen.“ (Focus, 2.9.2016; im Original kein Fettdruck)

Angesichts der Flutung Deutschlands mit mehrheitlich salafistisch sozialisierten arbeitsunfähigen und/oder -unwilligen Flüchtlingen (s.o.) ist Sinns Forderung mehr als berechtigt…

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