Islam kontrovers: Wahrnehmungsstörung in Deutschland

(Herfried Münkler, Die meisten Zuwanderer schaffen das, Welt am Sonntag, 3.9.2017, 12)

(Dirk Halm u. Martina Sauer, Muslime in Europa, Bertelsmann-Stiftung, 2017)

(Marcel Leubecher, Islam-Gebote stehen über dem Gesetz, findet fast die Hälfte, Welt online, 16.6.2016)

Dass der traditionelle, sprich Fundi-Islam in Deutschland weit verbreitet ist, ist eine Tatsache, die jeder halbwegs gebildete und unvoreingenommene Deutsche im Alltagsleben jederzeit und jeden Orts erfahren kann, sofern er denn will. (Siehe u.a. die Hetzkommentare „normaler“ Gläubiger zu Seyran Ateşs liberaler Moschee.)

Wenig überraschend kam eine Studie der Universität Münster, die im ersten Halbjahr 2016 vorgelegt wurde, zu folgendem Ergebnis:

„Islamisch-fundamentalistische Einstellungen sind unter Einwanderern aus der Türkei weit verbreitet. Der Aussage „Muslime sollten die Rückkehr zu einer Gesellschaftsordnung wie zu Zeiten des Propheten Mohammeds anstreben“, stimmen laut der Emnid-Umfrage 32 Prozent der Befragten „stark“ oder „eher“ zu. Auch wenn vorausgesetzt werden [muss?], dass vielen Befragten nähere Kenntnisse der soziokulturellen Bedingungen des siebten Jahrhunderts fehlen: Ein Drittel der türkischen Migranten hegt demnach eine Sehnsucht nach einer archaisch islamisch geprägten Gesellschaft.

Der Aussage „Die Befolgung der Gebote meiner Religion ist für mich wichtiger als die Gesetze des Staates, in dem ich lebe“ stimmen sogar 47 Prozent der Befragten zu. Jeder Zweite bejaht „stark“ oder „eher“ die Einstellung „Es gibt nur eine wahre Religion“. 36 Prozent sind darüber hinaus überzeugt, dass nur der Islam in der Lage ist, die Probleme unserer Zeit zu lösen. In der Begriffsverwendung der Forscher haben jene Befragte, die allen dieser vier Aussagen zustimmen, ein „umfassendes und verfestigtes islamisch-fundamentalistisches Weltbild“. Ihr Anteil liegt bei 13 Prozent.“ (Leubecher; im Original kein Fettdruck)

Doch weil dieser Befund so gar nicht in das Weltbild unserer den Islam verklärenden Gutmenschen passt, legte die Bertelsmann-Stiftung nun, ein Jahr später, ihre eigene Weltsicht vor. Dirk Halm und Martina Sauer kommen in Muslime in Europa zu dem Schluss: „Die Integration muslimischer Einwanderer in Deutschland macht deutliche Fortschritte.“ Problematisch sei lediglich, dass „Teile der Gesellschaft die Integrationserfolge zu wenig anerkennen.“

Prompt erklärt denn auch Islamversteher und Lobhudler all der super-tollen neuen Deutschen, Herfried Münkler, voll Freude und Genugtuung, dass die Bertelsmann-Studie – endlich! – all jene widerlege, „die zuletzt von der Integrationsresistenz des Islam und einer massenhaften Einwanderung in die deutschen Sozialsysteme gesprochen haben.“

Fazit: Schon erstaunlich, wie sich innerhalb eines Jahres die Befunde so radikal zum Optimum ändern lassen, wenn man denn nur die Gutmensch-Brille aufsetzt…

Die Friedfertigkeit der Flüchtlinge: Nur Gutmenschpropaganda

(Rüdiger Soldt, Mehr Kriminalität von Flüchtlingen im Südwesten, FAZ, 17.3.2017, 4)

Man/frau erinnere sich: Immer und immer wieder wurde uns von diversen Gutmenschen (z.B. Münkler) einzubläuen versucht: Dass die (weil ja ach so traumatisierten, ach so gewaltverstörten) Flüchtlinge essentiell, wesentlich, eigentlich ja ach so friedfertig seien: weit, weit friedfertiger jedenfalls als die Deutschen (Münkler)…

Die Statistik, sofern nicht gutmenschlich (mit alternativen Fakten) verbrämt, sprach in ihrer Nüchternheit jedoch schon immer dagegen. (siehe: Reil (AfD) contra Münkler, Schwan)

Nun sah sich die FAZ genötigt – aus welchen Gründen auch immer – zuzugeben:

„Die Zunahme der Kriminalität von Flüchtlingen in Baden-Württemberg macht der Polizei, dem Landeskriminalamt sowie Innenminister Thomas Strobl (CDU) zunehmend Sorge. […]

Die Anzahl der Straftaten unter [den im März 2017? 167 000 Flüchtlingen im Land Baden-Württemberg ] ist von 2015 auf 2016 um 140 Prozent gestiegen. […] 42 Prozent der Tatverdächtigen sind also Ausländer. Bei syrischen Flüchtlingen hat sich bei Körperverletzungsdelikten die Zahl der Verdächtigen von 2015 auf 2016 vervierfacht. Allerdings

[welch Trost:]

werden 60 Prozent der Straftaten, die Flüchtlinge begehen, in Unterkünften begangen, nur [!!] 40 Prozent in der Öffentlichkeit.“ (im Original kein Fettdruck)

Doch um die Gutmenschsicht trotz der alarmierenden Zahlen doch noch zu bedienen und das Negative überstrahlen zu lassen, beeilte sich „Martin Jäger (CDU), Staatssekretär im Landesinnenministerium“ seine Beschwichtigungsrhetorik nachzuschieben. Rüdiger Soldt zitiert ihn in seinem Artikel:

„es handelt sich größtenteils auch um Armutsdelinquenz.“ (im Original kein Fettdruck)

Man/frau beachte den auffälligen Widerspruch in Jägers Kunstfigur: „größtenteils auch“, den Widerspruch zwischen dem freudigen „größtenteils“ vorweg und dem sofort danach einschränkenden, relativierenden „auch“ hintendrein. Tja, schlechtes Gewissen demaskiert das Lügen…

Wenn Gutmenschen (bzw. zum Gutmenschentum Verpflichteten) an Abwiegelungsfloskeln nichts mehr sonst möglich scheint, dann muss eben als letzter Ausweg der Appell an das Mitleid herhalten: Flüchtlinge sind eben nicht nur ach so traumatisiert und daher ach so gewaltfrei, nein, sie sind auch ach so – bemitleidenswert!! – arm. Man/frau muss sich um sie kümmern…

M. Schauer: MUFs sind per se gewaltbereit

Frog1(„Anschlag in Berlin“, maybrit illner spezial, 20.12.2016)

(A Clockwork Orange (1971), Filmsite Movie Review, )

Ab und an entfleuchen Vertreter(inne)n der Gutmenschfraktion doch – man glaubt es kaum –  political incorrecte Statements. So gab Maggie Schauer (Center of Excellence for Psychotraumatology, Uni Konstanz) in einer Talkrunde zum Anschlag in Berlin (am 19.12.2016) zu: Minderjährig unbegleitete Flüchtlinge neigen per se zu Gewalt (Schauer widerspricht damit ihren professoralen Diskursfreunden, z.B. Münkler, der alle Flüchtlinge zu Bessermenschen umdeklariert(e), siehe: Münklers Statistiklüge):

„Wir haben in verschiedenen Ländern geforscht. In Somalia, im Kongo, in wirklich Gebieten, in denen Täter aktiv sind und Zivilisten treffen möchten, und zwar täglich und empfindlich treffen möchten. Und wir haben auch die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge hier untersucht. Und da haben wir festgestellt, dass tatsächlich eine Menge Gewalt in der Kindheit dieser Menschen eine große Rolle spielt. Die erleben schreckliche Gewalt selber am eigenen Leib in den eigenen Familien, und diese Gewalt, die labilisiert mich mit Angst oder mit wieder Gewalt zu reagieren.

[Die Konsequenz für Gutmenschen heißt aber nicht: Gefahr im Verzug mit all den daraus folgenden Konsequenzen, sondern im Gegenteil:

  • Noch mehr Verständnis,
  • noch mehr Hätscheltäschel-Schmusekurs,
  • noch mehr Gelder für einzeltherapeutische Selbstwertstärkung:]

Und ich glaube, wir […] müssen wirklich auch politisch umdenken und so einen paradigmatischen Wandel einleiten, dass wir sagen: Diese Menschen, die müssen von Anfang an Unterstützung bekommen, untersucht werden und auch Psychotherapie bekommen. Wir müssen unser Geld tatsächlich anders einsetzen, das wir da haben.“

Das Ideal scheint dem Film A Clockwork Orange (1971) entlehnt zu sein, seinerzeit gefeiert als:

„producer-director-screenwriter Stanley Kubrick‘s randomly ultra-violent, over-indulgent, graphically-stylized film of the near future“:

Das also sei die Gutmensch-Zukunft: Unterwerfung (statt Aufbegehren).

Denn sollten die MUFs (als gewaltbereite Minderheit unter all den friedvollen Flüchtlingen) doch mal ‚was anstellen – was zwar selten, aber ab und an leider doch vorkomme -, so ist das nach Gutmenschsicht a priori nicht deren Schuld, sondern die der Umstände und: ihrer Opfer:

Hier nochmals das Gutmensch-Statement des Ministers aus dem einst (auch) von Linken (!!) gefeierten Film:

„We tried to help you. We followed recommendations which were made to us that turned out to be wrong. An inquiry will place the responsibility where it belongs. We want you to regard us as friends. We put you right. You are getting the best of treatment. We never wished you harm, but there are some who did, and do, and I think you know who those are. There are certain people who wanted to use you for political ends. They would have been glad to have you dead, for they thought they could then blame it all on the Government. There is also a certain man, a writer of subversive literature, who has been howling for your blood. He has been mad with desire to stick a knife into you but you are safe from him now. We put him away. He found out that you had done wrong to him. At least he believed you had done wrong. He formed this idea in his head that you had been responsible for the death of someone near and dear to him. He was a menace. We put him away for his own protection, and also for yours…We are interested in you and when you leave here you will have no worries. We shall see to everything – a good job on a good salary.
Alex: What job and how much?
Minister: You must have an interesting job with a salary which you would regard as adequate, not only for the job that you’re going to do, and in compensation for what you believe you have suffered, but also because you are helping us.
Alex: Helping you, sir?
Minister: We always help our friends, don’t we? [Alex dramatically opens his mouth to be spoon fed, and the Minister complies.] It is no secret that this Government has lost a lot of popularity because of you, my boy. There are some who think that at the next election, we shall be out. The press has chosen to take a very unfavorable view of what we tried to do. But public opinion has a way of changing, and you…you can be instrumental in changing the public’s verdict.“ (im Original keine Hervorhebungen)

Na, kommt Ihnen dies Gutmensch-Rechtfertigungsquakquak nicht bekannt vor?? —

Ein Schelm, der dabei nicht z.B. an de Maizières Apologie(-Gestotter) denkt. ((Da kann auch Muttis und Oberpastors Gauck‚ wohl ehrlich inspiriertes Beileidgesülze qua Ablenkmanöver zur Beschwichtigung des Wahlvolks langfristig wohl kaum Entlastung heischen…

Frog4

 

 

 

 

Vergewaltigung und Mord (an Maria L.): Noch so ein lieber, guter, armer Flüchtling

Frog1(Flüchtling nach Mord festgenommen, FAZ, 5.12.2016, 1)

(Abbas Khider, Ohrfeige, München 2016)

(Hans-Werner Sinn, Der schwarze Juni. Brexit, Flüchtlingswelle, Euro-Desaster — Wie die Neugründung Europas gelingt, Freiburg u.a., 2016)

(„Flüchtlinge sind Bereicherung“, WELT online, 30.10.2015)

(Vergewaltigungen in Bochum: Polizei nimmt irakischen Flüchtling fest, Stern online, 6.12.2016)

(Birte Fuchs, Fabian Klask und Nadine Zeller, Gespalten, Zeit, 8.12.2016, 5)

(Alexander Kissler, Es ist was faul im Staate, FOCUS online, 9.12.2016)

Die im FAZ-Artikel nachgereichte (weil nebensächliche??) Faktenlage (hier) zuerst:

„Die Polizei hatte am Freitag [2.12.2016] einen 17 Jahre alten Flüchtling aus Afghanistan festgenommen. Er soll die 19 Jahre alte Medizinstudentin Maria L. am 16. Oktober vergewaltigt und wahrscheinlich auch getötet haben. Der Jugendliche war 2015 nach Deutschland eingereist.“

Herzlich Willkommen!!

Und dann das die Festnahme begleitende obligatorisch abwiegelnde Politiker-Gequake mit dem der FAZ-Artikel anfing (weil wichtiger??):

„Nach der Festnahme des mutmaßlichen Täters im Freiburger Mordfall Maria L. haben Politiker dazu aufgerufen, keine Pauschalurteile gegen Flüchtlinge zu fällen. Der Freiburger Oberbürgermeister Dieter Salomon (Grüne) sagte […] Er hoffe auf die „funktionierende Zivilgesellschaft“, die ein solches Verbrechen „differenziert“ beurteilen könne.“

Nicht nur, dass wir alle — und nicht nur die die naiv-dümmlichen Gutmenschen !! — Steuern für diese Leutchen zahlen, sie uns zudem eine (extrem) negative fiskalische Nettobilanz bescheren (Sinn, 123);

nein, man will uns auch (weiterhin) einreden, dass diese Leutchen allesamt so lieb und so süß sind so nett sind, sie eine „gute Bereicherung unserer Arbeitswelt“ (so Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit) seien – die Zahlen seiner Behörde sprechen freilich eine völlig andere Sprache !!! (siehe u.a.: Merkelnomics; Kurzfassung von Sinns Aussagen — und (so „Refugees welcome„-Anwalt Münkler) sie so gut wie überhaupt nicht kriminell, jedenfalls viel, viel weniger kriminell seien als die (soll heißen: gewalttätigeren) Einheimischen (siehe: Münklers Statistikfälschung): Alles vorsätzliche Lügen !!!

Mal sehen, welch Strafe dieser eigentlich ja so liebenswerte, so bemitleidenswerte, ach so traumatisierte Junge erhält…

Vorab gilt es daher erst mal auszuleuchten, wer der nette 17-jährige VIP ist. Gleich drei Journalisten – Birte Fuchs, Fabian Klask und Nadine Zeller – setzte die ZEIT ein, um herauszufinden:

„Wie konnte ein Junge aus Afghanistan zum Vergewaltiger und Mörder werden?“

Als Antwort(-Ersatz) heißt es:

In seinem „Facebook-Profil“ wirke er „schüchtern“ und „androgyn“; doch postete er auch ein „Facebook-Bild“, auf dem „sich ein wolfsköpfiger Mann auf ein junges Mädchen“ „stürzt“.

Zudem soll er Kontakt zu einer Afghanen-Gang gehabt haben, unter denen es „Erst vor wenigen Wochen“ zu einer Messerstecherei gekommen sei.

Soll in Gutmenschsprech wohl heißen: Eigentlich ist er ja ein Süßer, nur sei er halt ein bisschen krass drauf. Die bösen andern Buben müssen ihn zudem wohl negativ beeinflusst, aufgestachelt haben. Da habe er dann mithalten müssen…

Und was ist mit dem Opfer?? —: Die Person ist auch der ZEIT völlig egal. Ist ja nur ’ne Frau; ist ja nur ’ne Ungläubige; ist ja selbst schuld; ihre Familie soll sich schämen…:

So jedenfalls denkt der gewöhnliche Moslem,

„Hayats Leiche hat man am Rande unseres Viertels beerdigt, genau dort, wo die drei Männer sie vergewaltigt und getötet hatten. Ihre Eltern wollten nicht, dass die Nachbarn von den Geschehnissen erfuhren. »Als Ehrloser ist man bereits tot, selbst wenn man noch atmet«, sagte meine Mutter damals weinend. Hayats Eltern packten nur einen Tag nach den Geschehnissen ihre Koffer, und bis heute weiß niemand, wo sie nun leben.

      Eines Nachmittags bat ich meine ältere Schwester Samira darum, mit mir zusammen zu Hayats Grab zu gehen. Normalerweise durften wir diese Gegend nicht betreten. Meine Eltern behaupteten, es sei dort gefährlich. Immer wieder wurden hier Tote von ihren Mördern abgelegt, die Opfer waren fast ausschließlich Frauen und Kinder. Eigentlich war das aber ein normaler Friedhof.“ … (Khider, 85)

den Nilüfer Göle uns neulich als Multikulti-Bereicherung anpries (siehe: Göles Gequake über „gewöhnliche Muslime“)…

Und die Gutmensch-Medienlobby (im Folgenden: sprich ARD) stimmen dem klammheimlich wohl zu:

„An der perversen Tat interessiert weniger deren Aufklärung als die Auswirkung auf das gute Lebensgefühl. So wird das Opfer statt des Täters zum Störfall. Es ist dann eben der „Fall Maria L.“, der für „Risse im Idyll“sorgt oder einen „Schatten über Freiburg“wirft. Das Kapitalverbrechen wird als Anschlag auf die linke Moralhoheit betrachtet. Mehr Egozentrik, mehr Schuldumkehr, mehr Instrumentalisierung geht kaum.

Rücksturz in die Geschichte

Insofern war das anfängliche Schweigen der ARD-„Tagesschau“ zum Freiburger Sexualmord kein Zufall, sondern Symptom. Auch dort, wo man die einzig wahre Nachrichtenkompetenz zu hüten meint, ist die Versuchung zur Wirklichkeitsausblendung im Dienst der guten Sache enorm. Postfaktisch erklärte hernach Kai Gniffke, der schon einmal in Kauf genommen hatte, „wieder richtig auf die Fresse zu bekommen“, es handele sich um ein Ereignis von bestenfalls „regionaler Bedeutung“.“ (Kissler; im Original kein Fettdruck)

(Gniffke ist Chefredakteur von ARD-aktuell und somit auch der Tagesschau und der Tagesthemen)

PS. Dass nicht nur unbegleitete Jugendliche/Jungerwachsene problematisch sein können, sondern auch ältere, verheiratete Familienväter zeigt ein Fall aus Bochum:

„Die Beamten sind sicher, bereits am Montag [5.12.2016] den Mann festgenommen zu haben, der in den vergangenen Monaten zwei Studentinnen in der Nähe der Bochumer Universität überfallen und vergewaltigt hat. Ein DNA-Test hatte ergeben, dass beide Taten vom selben Täter begangen wurden. Bei dem Mann handelt es sich laut Polizei um einen 31-jährigen Mann aus dem Irak. Er sei in einer Flüchtlingsunterkunft festgenommen worden. Dort lebe er mit seiner Frau und zwei Kindern. Er soll nun unter anderem wegen versuchten Mordes, Raub und Vergewaltigung angeklagt werden.“ (Stern)

Auffällig still reagierte die Tagespresse im Internet bislang (6.12.2016, 19 Uhr) hierzu… Kein Artikel der Zeit, kurz und knapp der Bericht in der FAZ… und null Politikergeschwätz…

Frog4

 

Dialogunkultur der Gutmenschen

Frog1(Stephen Greenblatt, Die Wende. Wie die Renaissance begann. Aus dem Englischen von Klaus Binder, München, 72012)

(Anne Will, „Man macht mit einer solchen Sendung eine Gratwanderung“, Interview: Iris Radisch, ZEIT online, 12.11.2016)

In seinem Buch Die Wende. Wie die Renaissance begann begründet Stephen Greenblatt die aporetische Struktur klassischer Dialoge (in der Tradition Platons) durch die prinzipielle Offenheit der Gespräche und der prinzipiellen Gleichrangigkeit der Argumente. Während die Sophisten darauf abzielten, ihre Wahrheit als die Wahrheit schlechthin zu verkünden, diskutierten Philosophen nach Vorbild Sokrates‘ als Freunde, denen es nicht darauf ankam, sich als Wissende gegen Unwissende abzugrenzen. Sokrates selbst sagte bekanntlich über sich: Ich weiß, dass ich nichts weiß. Unter Bezug auf einige Textstellen Ciceros macht Greenblatt diese Intention des Dialogs als Unterhaltung unter Freunden deutlich:

Cicero möchte den Lesern seine Gedanken nicht als in einsamer Reflexion entstandenen, fertigen Traktat präsentieren; er präsentiert sie lieber im Austausch von Standpunkten und Ansichten unter gesellschaftlich und intellektuell Gleichen – in einem Disput, in dem er selbst nur eine kleine Rolle spielt und der keinen eindeutigen Sieger hat. […:]

Mit diesen Worten gingen wir auseinander, und zwar so, daß auf Velleius der Vortrag Cottas wahrer wirkte, während für mich die Äußerungen des Balbus mehr Ähnlichkeit mit der Wahrheit zu haben schienen.“

In diesem offenen Ende zeigt sich keine intellektuelle Bescheidenheit – Cicero war gewiss kein bescheidener Mann –, sondern ein Verhalten kultivierter Offenheit unter Freunden. Nicht die Schlüsse, zu denen man gelangt, der Austausch selbst transportiert den Großteil von Bedeutung und Sinn. Es ist vor allem die Diskussion, auf die es ankommt, die Tatsache, dass wir uns so einfach verständigen können, mit einer Mischung aus Witz und Ernsthaftigkeit, ohne abzugleiten in Geschwätz oder Beschimpfungen, stets Raum lassend für abweichende Ansichten. Dazu nochmals Cicero:

Es sei also diese Gesprächsführung … gelassen und nicht rechthaberisch, und sie besitze Charme. Auch schließe sie andere nicht aus, als ob sie in ihren Besitz eindrängen, sondern sie halte Abwechslung [der Redenden] in allen Dingen, besonders aber im gewöhnlichen Gespräch, für nicht unangemessen.

Die Dialoge, die Cicero und andere schrieben, waren, auch wenn die auftretenden Personen durchaus real waren, keine Nachschriften wirklicher Disputationen, sondern idealisierte Versionen von Gesprächen, wie sie an Orten wie der Villa [dei Papiri] in Herculaneum durchaus hätten stattfinden können. (79f; im Original keine Hervorhebungen)

Tja, das ist der Unterschied zur gegenwärtigen Dialogkultur Deutschlands: Da sind auf der einen Seite all die Gutmenschen, die sich als moralisch überlegen fühlen und voll Verachtung und Ekel in gleichgeschalteter politischer Korrektheit auf die herab blicken, die es wagen, gegen sie zu opponieren. Und da sind auf der andern Seite all die Wutbürger, die sich von der Mehrheit (der Gutmenschen), die die Diskursmacht hat, gegängelt und marginalisiert fühlen und ihrerseits aus Wut in Feindkategorien (z.B. die Presse als ausschließlich Lügenpresse) denken, vorverurteilen und diffamieren.

Dass die Gutmenschfraktion polemisiert, sich ihre Mitglieder in ihrer Polemik gegenseitig (pseudo-argumentativ) stützten, sich in ihrer ideologischen Festung einigeln und aus ihr heraus die vorgeblich dumm-rassistischen Wutbürger attackieren, zeigt der Auftritt des Universitätsprofessors Münkler in hart aber fair, 5.9.2016. Er argumentiert mit Statistiken, die zu Ende gedacht, nichts bzw. sogar das Gegenteil der behaupteten Folgerung aussagen. (siehe Münklers Scheinargumente) Ein Professor, der seine intellektuelle Macht zum Lügen nutzt, und niemand rechnet nach und/oder widerspricht. Ein öffentlich-rechtliches Trauerspiel!

Oder nehmen wir die Sendung Anne Will, 6.11.2016. Eine, immer dieselbe Islamisten, Nora Illi, vorzuführen und in der Talkrunde (erneut) zum Abschuss freizugeben, die, auch wenn sie es selbst so nicht sieht, nur eine Karikatur einer fundiert und gekonnt argumentierenden Islamistin ist, ist eine Farce. Ob die Mitdiskutanten z.B. Pierre Vogel ebenso leicht hätten abschießen können? Zumindest unter theologischer Rücksicht, wahrscheinlich aber auch methodologisch und rhetorisch sowieso wäre das viel, viel schwieriger, aber für den Zuschauer auch viel, viel interessanter geworden. Und dann darf Anne Will sich auch noch eine Seite lang in der ZEIT für ihre Beihilfe zur islamistischen Propaganda rechtfertigen. (siehe auch Anne Will hofiert Islamistin) Und wer interviewt sie? Eine Literaturkritikerin, Iris Radisch, die ihr höchst moderat-genehm-harmlose Fragen stellt und ihr in den Fragen immer auch schon Wege in die Rechtfertigung der Gutmenschposition Wills – Meinungsfreiheit muss Propaganda aushalten! – vorzeichnet. Will etikettiert die live eingeblendete und zudem laut verlesene IS-Propaganda Illis ex post flugs in „anstößige Inhalte“ um. Was für ein abgekartetes pseudokritisches Feigenblattgeplänkel. Arme ZEIT…

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Guido Reil redet Klartext, im Gutmenschsprech „Propaganda“ genannt

Frog1(Wieso ein Sozialdemokrat zur AfD überläuft, FOCUS online, 06.09.2016)

(Hart aber fair 05.09.2016 | „Fluchtpunkt Deutschland – hat Merkel ihre Bürger überfordert?“)

(Fluchtpunkt Deutschland – hat Merkel ihre Bürger überfordert?, hartaberfair, 5.9.2016)

(Anzahl der Mordopfer in Deutschland von 2000 bis 2015, statista)

(Bevölkerung – Entwicklung der Einwohnerzahl von Deutschland von 1990 bis 2015 (in Millionen), statista)

(Anzahl der polizeilich erfassten Opfer von Straftaten nach Straftatengruppen in Deutschland im Jahr 2015, statista)

Guido Reil hat es zu einiger Prominenz im Polit-Betrieb gebracht. Er ist einer der letzten Bergmänner im Ruhrpott, Gewerkschafter und Betriebsrat. Nach 26 Jahren trat er aus der SPD aus – und in die AfD ein. […]

„Ich bin und bleibe Sozi, ich bin strotzsozial eingestellt“, sagt der Bergmann und redet sich in schönstem Ruhrpott-Slang langsam in Rage. In Essen gebe es inzwischen in jedem Supermarkt Security, „sicher nicht, um den Flüchtlingen die Auslagen zu erklären“. Auf den Stadtteilfest habe es noch nie so viele sexuelle Übergriffe gegeben wie in diesem Jahr. Überall stehe jetzt Polizei „ohne Ende“ und er wolle nicht in einem Polizeistaat leben.“ (Focus; im Original kein Fettdruck)

Peter Altmaiers Antwort hierzu:

„Das ist genau die Propaganda, die unverantwortlich ist.“ (Livemitschnitt)

Gutmensch-Mitdiskutanten wie Merkel-Intimus Altmaier, EX-Präsidentschaftsbewerberin Gesine Schwan und  Herfried Münkler, der (zumindest) Realpolitik nur aus dem Hörsaal kennt, interessieren Erfahrungen einzelner freilich nicht. Sie haben ihre vorgefasste Gutmenschposition, die moralisch über allem schwebt — analog zum IS, der sich ja bekanntlich auch im Besitz der Wahrheit wähnt —: unverrückbar fest. Basta. Das wär‘ ja noch schöner: Sich als Professor/-in die eigene ideologisch heile Welt von so einem kleinkariert-kommunalrestringiert-engstirnigen Renegaten wie dem Reil kaputt reden lassen zu müssen.

Reil:

Die Realität wird verweigert. Und das nicht erst seit der Flüchtlingskrise, sondern schon viel länger, weil es ideologisch gewollt wird. Multikulti funktioniert [… nicht. Er wisse das], weil ich da wohne, weil ich das tagtäglich mit ansehe. […] Ich bin mit einer Russin verheiratet. Ich weiß, was Multikuli ist; ich weiß, was Integration bedeutet. Ich hab‘ alles durchlebt. […] Ich weiß, wovon ich rede. […]

Was mir in letzter Zeit auffällt: Die türkischen Kollegen werden jedes Jahr religiöser; und die türkischen Kollegen werden jedes Jahr nationaler. Diese Verehrung zu Erdoğan ist ein völlig neues Phänomen. Die Türken, mit denen ich aufgewachsen bin, für die war Atatürk der größte Türke. […] Heute verachten die Atatürk als jemanden, der die Türkei kaputt gemacht hat. Da hat sich etwas völlig verändert in den letzten Jahren, und das müssen wir mal wahrnehmen, langsam. Da kann man nicht einfach die Augen vor verschließen.“ (Livemitschnitt)

Schwans grinsend vorgetragene Pauschal-Antwort:

Wenn „man sagt, Multikulti funktioniert nicht, dann ist das eine sehr thetische Aussage, die zur sozialdemokratischen Tradition nicht passt.“ (Livemitschnitt)

Und ein wenig später, als es um die sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht zu Köln in 2015 ging, sagte Schwan:

Ich „bitte […] zu akzeptieren, dass es unterschiedliche Wahrnehmungen der Realität gibt.“ (Livemitschnitt)

Beispiel gefällig?? Bitte sehr:

„Die größte Zahl von sexuellen Übergriffen passiert in den deutschen Familien. Das ist das größte Problem“. (Livemitschnitt)

Wie gut, dass uns Schwan mit ihrer selektiv-wahnhaften Wirklichkeitssicht als Bundespräsidentin erspart blieb!!

Doch auch Münkler wollte uns weismachen, wie vergleichsweise friedfertig die Flüchtlinge doch seien:

„Es gab 9 Totschlags- oder Morddelikte, die auf Flüchtlinge zurückgeführt werden, im Jahr 2015, auf 1,1 Millionen. Da haben Sie eine Relation die deutlich unterhalb der Relationierung der deutschen Bevölkerung liegt.“ (Livemitschnitt)

Angenommen, die Zahl stimmt, so ergibt sich unter Bezug auf statista

„Im Jahr 2015 gab es in Deutschland [insgesamt] 296 Mordopfer.“ (statista)

bzw. 589 Mord- & Totschlagopfer (statista)

ein anderer: mathematisch berechneter Befund als das von Münkler suggerierte Geschwätz. Denn legt man/frau nun die Einwohnerzahl Deutschlands von 2015 zu Grunde (laut statista 82,18 Mio Einwohner), so ergibt sich, dass die ach so friedfertigen Flüchtlinge

  • rechnet man NUR die (296) Morde ein:

mit 0,000008 Gewaltverbrechen/Flüchtling in 2015 doppelt so viele Gewaltverbrechen begangen haben wie die Gesamtbevölkerung mit 0,000004 Gewaltverbrechen/Einwohner.

  • rechnet man „Mord und Totschlag“ (insgesamt 589 Opfer) ein:

mit 0,000008 Gewaltverbrechen/Flüchtling in Relation zur Gesamtbevölkerung mit 0,000007 Gewaltverbrechen/Einwohner in 2015 mehr Gewaltverbrechen begangen haben.

So weit zur Lüge des sich (wie Schwan) die Wahrheit zurechtbiegenden Gutmenschen Münkler.

Aus all dem aufgezeigten Quakquak kann man/frau prima lernen, wie ’s geht: Sophistik funktioniert: Fakten, d.h. Praxisbefunde werden relativiert und/oder zu einer theoretischen Aussage verallgemeinert und so qua Transformation ins Allgemeine der Realität entfremdet, ja ihr übergestülpt… Alles halb so schlimm, alles aufgebauscht, alles total übertrieben, alles Propaganda… Eigentlich (!) sind die Flüchtlinge ja ganz lieb, gesetzestreu (Münkler), …

Und wenn Sophistik nicht hilft, gibt ’s ja noch die Amadeu Antonio Stiftung, die ja schon mal – vorsorglich (Heideggers Analyse der Sorge ist hier recht aufschlussreich) – prüfen könnte, ob man/frau dem Reil nicht strafrechtlich das Maul verbieten lassen könnte wegen flüchtlingsdiskriminierender Äußerungen… (Vielleicht sind ja all unsere Gutmenschpolitiker von Erdoğan (sei es klammheimlich oder offen) deswegen so entzückt, weil er vormacht, wie’s geht… inklusive des gebotenen Mittels der Verstellung, taqīya…)

Die uns verdummende Gutmenscherzählung à la Altmaier geht so:

„Und nun so zu tun, als ob hunderttausende von friedlichen Flüchtlingen, die vor einer Gefahr für Leib und Leben geflüchtet sind und nichts anderes wollen als friedlich zu leben, die Deutsch lernen, die sich beruflich integrieren wollen, als ob das der Grund dafür ist, dass die Polizei vor den Geschäften und vor den Vereinsfesten steht, ist unverantwortlich.“

(Selbst die Statistik spricht ‚was anderes (siehe auch: 1 Jahr Flüchtlingspolitik à la Merkel) und auch Psychologin Schauer widerspricht z.T. (siehe: MUFs sind per se gewaltbereit))

Die realitätsnähere, weil erfahrungsgesättigte Wutmensch-Gegenerzählung à la Reil aber geht so:

„Jetzt kommen Menschen aus dem Nahen Osten und von Afrika ohne Pässe, strotz-gesund, hervorragend gekleidet, und die bekommen hier das große Rundumsorglos-Paket, und das verstehen die [die Rentner mit Minimalrente, „150 Euro über der Grundsicherung“] nicht. Das sind Menschen, die ihr ganzes Leben gearbeitet haben, die etwas beigetragen haben zu unserem Land. Und jetzt kommen Menschen aus Nordafrika und aus dem Nahen Osten, aus dem Gebiet der Erde, das am gewalttätigsten, frauenfeindlichsten, antisemitisch und homophob ist und wir denken: Das wird alles hier gut. Und: Wir schaffen das. Aber ich bitte Sie, man muss ja mal die Realität wahrnehmen. Was ist denn da los in diesem Land? Wie sind denn diese Menschen geprägt? Die vergessen doch nicht auf einmal ihre ganze Prägung. Junge Männer mit 18, 19 sind fertig geprägt. Da machen sie nichts mehr in der Erziehung. Wissen Sie, wie schwer das ist? Man wird in der Kindheit geprägt. Das kann Ihnen jeder Soziologe erklären. Und dann ist das alles völlig egal. Das blenden wir einfach so weg.“

Frog4